Freitag, 31. Mai 2019

Heike Fröhling - Weil du da bist


Eine Geschichte, die ich verschlungen habe

Es könnte nicht besser laufen: Gerade hat Pia Wegener, das Küken der Agentur, mit ihrem Chef und ihren Kollegen einen großen Abschluss gefeiert, den sie an Land gezogen hat. Da kommt es zu einem Ereignis, das sie völlig aus der Bahn wirft. Dieses führt auch dazu, dass sie ihren Freund Fabian brüsk vor den kopf stößt.
Als in der Villa ihrer Nachbarin Regina Schumacher eingebrochen wird und diese sich dort nicht mehr sicher fühlt, bietet ihr Pia einen Schlafplatz in ihrer Wohnung an. Was für die blinde Frau und ihre Hündin Luna gar nicht so einfach ist.
Eine gemeinsame Reise nach Schottland in Reginas Vergangenheit öffnet auch für Pia ganz neue Sichten auf eine neue Zukunft.

Pia, die mir anfangs sehr ich-bezogen vorkommt, hat, als ich sie im Laufe der Geschichte näher kennengelernt habe, schnell mein Herz erobert. Mit ihrer ehrlichen, erfrischenden Art kann man gar nicht anders als sie zu mögen. Genau wie Regina Schumacher, die mit Mitte 60 eine ganz andere Generation ist – und außerdem blind. In Rückblicken in die Jahre 1971/72 lerne ich sie und ihre Familie kennen und erfahre, wie es zu ihrer Erblindung gekommen ist. Zusammen mit ihrer Hündin Luna bildet sie ein unschlagbares Team.
Obwohl die beiden Frauen so unterschiedlich sind, ist es faszinierend zu lesen wie sie sich anfreunden und ganz langsam einander öffnen.
Mir, als großer Hundefan, hat natürlich Luna sehr gut gefallen. Es ist so gut nachzuvollziehen, warum sie sich wann wie verhält. Sie würde ich sofort bei mir aufnehmen.

Beide reisen Reginas Vergangenheit entgegen, die in Schottland liegt. Ich hätte noch seitenlang mit dem Zug durch Schottland und mit dem Bus über die Inseln fahren können. Dank dem leichten und eingängigen Schreibstil und den farbigen Erzählungen hatte ich fast das Gefühl dabei zu sein.

Eine interessante Geschichte, so voller Gefühl und Emotionen, bei der ich einerseits geschmunzelt und andererseits eine kleine Träne verdrückt habe, hat mir wunderbare Lesestunden geschenkt.

Heike Fröhling
Weil du da bist
Amazon Verlag, München

ISBN 9782919804856

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Seelenamt von Christiane Bogenstahl und Reinhard Junge



Lea Bennsdorf wurde vor Jahren vergewaltigt und ist heute noch schwer traumatisiert. Der Vergewaltiger von damals, Paul Kehlmann sitzt um Gefängnis und kann ihr eigentlich nichts mehr tun. Doch plötzlich werden Leas Ängste wieder stärker und die Panikattacken machen sie fertig. Sie fühlt sich verfolgt.
Über einem See in Dortmund stützt ein Sportflugzeug ab. Zunächst sieht es nach einem Unfall aus, doch irgendwas stimmt nicht. Die Opfer des Absturzes und Lea Bennsdorf kannten sich.
Steckt Kehlmann dahinter? Doch der sitzt doch sicher hinter Gittern, oder … ?
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt  411 Seiten
Preis: 13,00 €
ISBN: 978-3-89425-586-2
Kategorie: Kriminalroman
© Marion Brunner_Buchwelten 2019

Mittwoch, 29. Mai 2019

Ben Kryst Tomasson - Sylter Gift


Mörderisches Sylt

Die Häkelschwestern oder die Häkelmafia, wie sie Kari Blom nennt, das sind die Bäckerwitwe Alma Grieger, Klempnerwitwe Grethe Aldag, Kapitänswitwe Marijke Meenken und Landarztgattin Witta Claaßen. Die vier älteren Damen finden bei ihrem Rundgang an der Odde nicht nur eine weitere tote Möwe am Strand beim Hörnumer Leuchtturm, sondern auch eine tote Frau, gefesselt an einen Stuhl. Zur gleichen Zeit observieren Kriminalhauptkommissar Jonas Voss und seine Kollegin Kriminalkommissarin Hannah Behrends einen abgelegenen Parkplatz, wo ein Mercedes als Lockvogel platziert ist. Gibt es zwischen der toten Frau am Strand und den Autoschiebern vielleicht eine Verbindung?

Kari, Jonas und die Häkeldamen habe ich schon in den Sylter Affären kennen- und schätzen gelernt. Es freut mich, dass die resoluten Damen neben den ermittelnden Beamten auch hier wieder eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Ich habe nicht nur die Vier richtig in mein Herz geschlossen.

In diesem Fall geht es um organisierte Kriminalität, um Verletzungen des Umweltschutzes und um Mord. Sehr gut ineinander verwoben, gut nachvollziehbar und mit Wendungen gespickt, schaue ich den Ermittlern über die Schulter. Ich bin ihnen zwar immer einen kleinen Schritt voraus, anfangen kann ich damit aber trotzdem nichts. Ich lasse mich sogar mal wieder auf´s Glatteis führen und merke, wie meine Vorurteile hier mit einfließen. Das wahre Tatgeschehen bzw. den Täter habe ich erst kurz vor Schluss durchblickt.

Natürlich kommt auf dieser wunderschönen Insel auch der Lokalkolorit nicht zu kurz. Ich sehe die Möwen über den blauen Himmel schweben und habe ihre unverwechselbaren Schrei im Ohr. Ich spüre den frischen Wind und den Sand auf meiner Haut. Und freue mich nun noch mehr, dass ich diese Insel bald wieder besuchen darf.

Kari und Jonas – ihnen hätte ich gewünscht, dass sich ihre persönlichen Probleme lösen lassen. Ich erfahren wieder einiges an Privatem und kann beide Seiten in ihrem Handeln und ihren Gedanken immer besser verstehen. Für mich gehört ein Schuss privates einfach mit dazu.

Auch diesmal durfte ich einen fast unblutigen, spannenden und ideenreichen Krimi lesen, der mir wieder sehr gut gefallen und aufregende Lesestunden geschenkt hat. Ich bin gespannt, worin sich Kari, Jonas und die Häkeldamen beim nächsten Mal verstricken.

Ben Kryst Tomasson
Sylter Gift
Aufbau Verlag; Berlin

ISBN 9783746635323

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 26. Mai 2019

Jilliane Hoffman - Nemesis


Nichts für schwache Nerven

An einem Strand in Miami wird die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden. Auf ihrer Schulter ein Blitz in einem Kreis. Staatsanwältin C.-J. Townsend ist sich sicher, dass dies die Handschrift des Snuff-Club ist, der vor einigen Jahren Florida in Atem hielt. Die Mitglieder dieses Clubs investieren sehr viel Geld um miterleben zu können, wie junge Frauen vergewaltigt und getötet werden. CJ kennt die Namen der einfluß- und super reichen Clubmitglieder. Als erneut eine junge Frau verschwindet, muss sie das Gesetz in ihre eigenen Hände nehmen. Und die Zeit rennt ...

Boah, diese Geschichte ist nichts für schwache Nerven.

Nach Cupido, Morpheus und Argus ist Nemesis der 4. Band der Thriller-Reihe, bei dem ich C.-J. Townsend über die Schulter sehe und mit ihr zusammen versuche, das Böse auszumerzen. Leider ist es auch der letzte Teil dieser Serie, was ich persönlich sehr bedauere. Als Leserin muss ich nicht unbedingt die ersten Teile der Reihe kennen, da die Fälle in sich abgeschlossen sind und die Autorin immer wieder Sequenzen aus den vorherigen Fällen hier einfließen lässt. Ich kenne die ersten drei Bücher, die doch schon einige Zeit zurück liegen, und habe mich beim Lesen leichter getan um in die Handlung wieder hinein zu finden.

Die eher kurzen Kapitel steigern die Leselust. Durch das offene Ende von Argus konnte ich ja schon ahnen, was hier auf mich zukommen würde. Nach und nach nimmt die Handlung Fahrt auf und ich kann das Buch, obwohl einige Szenen mich emotional sehr stark berühren und schockieren, nicht aus der Hand legen. Dafür sorgt auch der eingängige, sehr detailgenaue und gut vorstellbare Schreibstil der Autorin.

Es fasziniert mich zu lesen, wie leicht sich die Frauen einlullen lassen und sich dem Bösen nicht mehr entziehen können. Was den jungen Frauen hier passiert, ist einfach nur schrecklich. Und ich bin entsetzt, wenn ich mir vorstelle, dass es wirklich Menschen gibt, die hieran Gefallen finden und dafür ihr Geld ausgeben. Obwohl ich solche Szenen schon aus „Argus“ kenne, war ich wieder total schockiert und entsetzt.

CJ ist sich absolut bewusst, dass sie hier Grenzen überschreitet und ich finde es interessant in ihren Gedanken zu lesen, wie sie über evtl. Strafen, die sie treffen könnten, nachdenkt. Ich mag CJ aber nicht nur als stellvertretende Oberstaatsanwältin, die sich mit allem, was ihr zur Verfügung steht, für das Leben der jungen Frauen einsetzt. Auch als mutige, willensstarke Frau, die immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, und trotzdem zusammen mit ihrem Mann Dominik gerne Eltern werden möchte, hat sie mich wieder beeindruckt.

„Nemesis“ - ein spannungsgeladener, aufwühlender und schockierender Thriller, der mein Nervenkostüm ganz schön strapaziert hat.

Jilliane Hoffman
Nemesis
Aus dem Englischen von Sophie Zeitz und Katharina Naumann

Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783805250726

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 24. Mai 2019

Barbara Wendelken - Nur wer die Hölle kennt


Feuer in Martinsfehn

Vor 20 Jahren hat die fünfzehnjährige Melody Bella Matzke ihren Heimatort Martinsfehn nach dem Brand des Pferdehofes ihrer Mutter verlassen. Damals kamen nicht nur ihre Mutter und ihr kleiner Bruder Michel in den Flammen um, sondern auch Daniela Finke, eine sehr begabte junge Reiterin, die von ihrer Mutter gefördert wurde. Melody wurde eine Zeit lang der Brandstiftung verdächtigt, es konnte ihr aber nicht bewiesen werden.
Heute ist sie zusammen mit ihrem kleinen Sohn Linus zurück in dem Ort, an dem es immer noch Menschen gibt, die nicht an ihre Unschuld glauben und die sie nicht hier haben wollen. Aber da ist auch noch ihre große Jugendliebe Thore ...

Für mich ist es schon der 4. Fall, den ich zusammen mit Nola van Heerden und Renke Nordmann lösen darf. Ich bin gerne in Martinsfehn.
Die handelnden Personen sind so menschlich mit ihren verschiedensten Charakterzügen gezeichnet. Das Dorfleben wirkt so authentisch, dass ich mich hier gleich mittendrin fühle.
Melody war mir ab dem ersten Kennenlernen sympathisch. Dass sie in ihre alte Heimat, wo sie auch heute noch Anfeindungen ausgesetzt ist, zurückkehrt, fand ich schon bemerkenswert. Und auch sie zweifelt hier und da, ob ihre Entscheidung die richtige war. Ich kann mich gut in sie hineinversetzen und ihren Gedanken folgen.
Auch mit den meisten anderen Protagonisten bin ich schnell warm geworden. Mit der Pferdewirtin Rosi de Buhr habe ich mich allerdings sehr schwer getan.

Barbara Wendelken erzählt ihre Geschichte in zwei Zeitzonen und aus verschiedenen Perspektiven. Einmal fühle ich mich zurückversetzt ins Jahr 1997 zu dem Leben vor und nach dem Brand, der Melody damals ihr Zuhause nahm und ihr Leben verändert. Ich lese von den Ermittlungen, die damals stattgefunden haben, die aber ohne Täter abgeschlossen wurden.
20 Jahre später öffnen Renke und Nola die Akte von damals wieder, denn der heutige Brand scheint mit dem von damals in Verbindung zu stehen.

Die Frage nach der Schuld und auch nach dem Warum zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Bei beiden Fragen muss ich auf die Antworten aber warten bis kurz vor Schluss. Die Spannung baut sich ganz langsam auf, bleibt hier und da unterschwellig stehen, und hält ihr hohes Niveau bis zum Schluss, der mich sprachlos und erschüttert zurück lässt.
Es hat auch diesmal wieder viel Spaß gemacht mitzurätseln. Ich war hier und da nahe dran, habe mich aber wieder auf eine falsche Fährte führen lassen. Dass gelingt der Autorin richtig gut.

Neben den Ermittlungen spielt auch das Privatleben der beiden Ermittler Nola und Renke wieder eine Rolle. Aber anscheinend können die Beiden nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. Es ist zum Verzweifeln.
Auch mit Conrad Landau gibt es ein Wiedersehen, was allerdings auch nicht gut ausgeht. Aber auch da wird nicht mehr verraten.

Eine von Anfang bis zum Ende spannende und interessante Geschichte mit einigen Nebenschauplätzen, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich bin gespannt, wie es mit Nola und Renke und der Kripo Leer weitergeht.

Barbara Wendelken
Nur wer die Hölle kennt
Piper Verlag, München

ISBN 9783492313049

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 22. Mai 2019

Nina Ohland - Dünengeister


Auf Agatha Christies Spuren

List auf Sylt 1778. Ich lerne Deichgraf Haie Melander kennen, der mit Leichen handelt, die hier am Strand angespült wurden. Ein guter Verdienst, mit dem er auch noch die Familie seines Bruders Jesko versorgen kann.

List auf Sylt 1914: Carola Henriette Borgwart kommt mit 14 Jahren nach Sylt. Nach einem Mord im Hause Melander, bei dem sie den Täter gesehen hat, verschwindet sie spurlos.

Endlich ein paar Tage frei. John Benthien, erster Hauptkommissar der Kripo Flensburg und seine Freundin Lilly Velasco vertreiben sich ihre freie Zeit auf Sylt. Aber nur solange, bis Tristan Melander mit menschlichen Knochen bei ihnen auftaucht, die er in der nahen Düne gefunden hat. Und aus ist´s mit der Ruhe. Als dann Yvonne Melander und ihr Sohn Nicky vergiftet in deren Wohnung gefunden werden, beginnt die Arbeit für John Benthien und sein Team.

Dies ist nun schon der sechste Fall, bei dem ich dabei sein und mit ermitteln darf. Am Anfang gibt es eine Aufstellung der Mitarbeiter der Kripo Flensburg, die mir hier begegnen.
Für Neueinsteiger dürfte es kein Problem sein, diesen Fall auch ohne Vorkenntnisse zu lesen. Ich persönlich mag es allerdings, wenn ich die Personen von Anfang an kennenlerne und dann ihre Entwicklung mit verfolgen kann. Und das nicht nur bei den Ermittlern, sondern auch bei Johns Vater Ben, der mir mit seinen Kochrezepten immer das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Ich habe mich sehr gefreut, John, Lilly, Tommy und Ben hier wieder zu treffen und war gespannt, auf welchen Fall sie wohl diesmal stoßen würden. Diesmal erlebe ich die Ermittlungen im Falle der Familie Melander, bei denen sich die Unglücksfälle mit tödlichem Ausgang schon seit Jahrzehnten zu häufen scheinen. Die Melanders, eine Familie, von denen die meisten Familienmitglieder für mich nicht sonderlich sympathisch rüber kommen. Alt eingesessen auf Sylt und mächtig stolz auf ihre Ahnen und Urahnen. Besonders Adeline, das Oberhaupt der Familie, ist sehr auf den guten Ruf und das Ansehen der Familie bedacht.
Bei den vielen Namen war das Register am Ende der Geschichte sehr hilfreich.

Alle Protagonisten sind wieder so liebevoll, facettenreich und gut vorstellbar gezeichnet, dass sie in meinem Kopfkino gleich ihre Plätze besetzen.
Der Erzählstil von Nina Ohland ist auch diesmal wieder so farbig, ausgefeilt und bildhaft, gerade auch wenn ich über die Insel streife. Ich freue mich gerade riesig, wenn ich in diesem Jahr hier urlauben und das alles selbst kennenlernen darf.

Obwohl es immer neue Spuren gibt, will sich ein eindeutig Schuldiger für mich nicht heraus kristallisieren. Immer wieder passen Puzzleteilchen nicht zueinander, müssen die wenigen Beweise und Indizien verworfen werden. Dadurch erhöht sich die Spannung dauerhaft enorm. Als es endlich nach Agatha Christie-Manier zur Auflösung des Falles kommt, war ich doch überrascht, konnte aber alles gut nachvollziehen. Diese Art der Auflösung hat mir sehr gut gefallen.
Es bleiben auch einige Fragen offen. Und so bleibt die Hoffnung, dass es mit spannenden Fällen für John, Lilly und Tommy weiter gehen wird.

Auch dieser Krimi hat mich wieder total eingefangen, war interessant und hat mir spannende Lesestunden geschenkt.

Nina Ohland
Dünengeister
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404177806

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Dienstag, 21. Mai 2019

Emily Gunnis: Das Haus der Verlassenen


Die Autorin Emily Gunnis hat sich in diesem Roman eines Themas bedient, welches in den Kreisen der katholischen Kirche auch heute noch nach Möglichkeit totgeschwiegen wird. Es geht um die Mutter-Kind-Häuser Irlands und Englands, die von den sogenannten „Barmherzigen Schwestern" betreut wurden. In diesen Heimen konnten junge, ledige Mädchen, die ein Kind erwarteten, entbinden. Sie wurden allerdings gezwungen, diese Kinder zur Adoption freizugeben und in den heimeigenen Wäschereien unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Auch der Roman „Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit" von Rebecca Michéle hat dieses schwere Thema zur Grundlage.

2017 findet die Journalisten Sam bei ihrer Großmutter einen Brief von einer Ivy. Ihre Großmutter sagt, dass der Brief in den Hinterlassenschaften des Großvaters, eines Antiquitätenhändlers, lag. Die alleinerziehende Sam ist stark beeindruckt von seinem Inhalt, in welchem Ivy ihrem Liebsten anfleht, sie aus dem Heim herauszuholen. Sam wittert aber auch eine große Story, die sie in ihrem Job und auf der Karriereleiter weiterbringen könnte. Doch je tiefer sie nachforscht, umso mehr mysteriöse Todesfälle fördert sie an die Oberfläche. Ihre Nachforschungen werden immer gefährlicher, denn ihre eigene Familiengeschichte scheint immer mehr mit dem dunklen Kloster zu tun zu haben, in dem Ivy 1956 eingesperrt war.

Gunnis hat einen feinsinnigen Plot entwickelt, der vor Gräueltaten in diesen Heimen nicht Halt macht. Das letzte dieser Heime wurde erst 1996 geschlossen. Damit wird der Roman zu einem sehr beeindruckenden und beklemmenden Roman, der es aber nicht an Spannung vermissen lässt. Man sitzt manchmal nur mit dem Buch in der Hand und mag nicht glauben, dass es sowas gegeben hat. Doch mit den Todesfällen wird aus der Geschichte noch ein Thriller par excellence. Möchte Sam anfangs nur dem Geheimnis der Briefe auf die Spur kommen, so entwickelt sie sich zu einer ausgesprochenen Ermittlerin, welche die damaligen Missstände und deren Verursacher an die Öffentlichkeit bringen möchte. Wenn man sich als Leser von den bedrückenden Geschehnissen nicht abhalten lässt, wird man in den starken Sog des Romans gezogen und wird von dessen Spannung getrieben.

Dennoch gibt es Wehrmutstropfen die nicht verschwiegen werden sollten. Diese Magdalen-Häuser hat es in dieser grausamen Auswirkung hauptsächlich in Irland gegeben. Gunnis sagt auch im Nachwort, dass sie sich in der Beschreibung der Gräueltaten auf ihre Recherchen in irischen Häusern stützt. Trotzdem hat sie ihre Handlung im britischen Sussex verortet. Obwohl es in England auch ca 200 solcher Heime gab, ist von solch extremer Gewalt ist in England nicht annähernd so viel bekannt wie aus Irland. Der Authentizität wegen hätte die Geschichte besser in Irland spielen sollen. Ein weiteres kleines Manko sind die relativ vielen Figuren aus verschiedenen Generationen. Insgesamt leben noch sieben Generationen gleichzeitig, was ein Ding der Unmöglichkeit ist. Oder was sollte es sonst bedeuten, wenn die Urgroßmutter von ihrer eigenen Großmutter zum Essen eingeladen wird. Etwas besser rechnen zu können, hätte mehr Klarheit gebracht.

Wegen der Spannung, dem Sog und dem schweren Thema, das behandelt wird, gebe ich dennoch vier Sterne. Diese Taten sollten nie vergessen werden, auch wenn die meisten bereits ungesühnt blieben.

Emily Gunnis
Das Haus der Verlassenen
Aus dem Englischen von Carola Fischer
Heyne/ Random House, München
ISBN 9783453272125

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Sonntag, 19. Mai 2019

Leonie Haubrich - Nebelherz


Freunde für´s Leben

Nach der fünfzehnjährigen Abi-Feier verlassen Niklas Hofmann, Marten Willemsen und Janine Peters die Party und übernachten alle ziemlich zugedröhnt in einem Waldstück. Hier holen Niklas die Schatten der Vergangenheit ein. Er sieht sich vor 16 Jahren Lisa Seibel, das Mädchen, zu dem er sich so stark hingezogen fühlte, überfahren und wie er sie mit Ziegelsteinen beschwert in den Rhein schleppt und untergehen lässt. Und wieder ist da, dieser Fuchs, der ihn anstarrt.
Niklas kann mit seiner Schuld, die sich nach so vielen Jahren an die Oberfläche drängt, nicht länger leben und stellt sich der Polizei. Nach mehreren Recherchen, bei denen Niklas Schuld nicht nachgewiesen werden kann, ist er wieder auf freiem Fuß. Aber er gibt nicht auf, will unbedingt für sein Tun büßen.
Carolin Seibel, Lisas Schwester, hat nie an ein Abtauchen ihrer Schwester geglaubt. Bis heute versucht sie, die wahren Begebenheiten herauszufinden und Lisas Mörder zu überführen. Fast zu spät merkt sie, dass sie dem Mörder sehr nahe gekommen ist und erkennt nicht die Gefahr in der sie schwebt.

„Nebelherz“, der neue Thriller von Leonie Haubrich, hat auf mich von Anfang an einen tiefen Sog ausgeübt. Es ist mir sehr schwer gefallen, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Ich war ab der ersten Seite gefesselt und im Bann von Niklas, Marten und Janine gefangen.

Ich habe von Anfang an nicht wirklich an die Schuld von Niklas geglaubt. Wollte einfach nicht glauben, dass der sympathische junge Mann ein Mörder sein soll. Ich habe ihn zutiefst bedauert. Ihn, der einen Kunden nach dem anderen verliert, der seine schwangere Frau verliert, dessen Eltern ihn nicht mehr im Haus haben wollen und der nicht mehr ein noch aus weiß.
Durch die Recherche von Carolin kommen immer neue Details auf. Genau wie sie weiß ich nicht, kann ich Niklas trauen oder nicht.

Obwohl ich bereits nach ca. der Hälfte des Buches geahnt habe, wer der Mörder sein könnte, blieb die Spannung erhalten. Denn die Frage nach dem Wie und dem Warum klärt sich zusammenhängend erst kurz vor Schluss.

Was auch hier meinem Lesegeschmack wieder sehr zugute gekommen ist: Leonie Haubrich kommt, obwohl es ein paar Tote gibt, ohne großes Blutvergießen aus. Ihre Stärke liegt erschaffen von glaubhaften Protagonisten, von spannungsgeladenen Szenen und von Wendungen, bei denen ich mit meinen „Ermittlungen“ wieder ganz am Anfang stehe.

Was mir auch sehr gut gefallen hat: Jeden Kapitelanfang ziert ein kleiner Fuchs, den ich schon auf den ersten Seiten kennengelernt habe, der schnüffelnd seine Nase in den Wind hält.

Wieder ein brillant ausgearbeiteter Psychothriller, bei dem ich nicht anders kann, als ihn mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung zu bewerten.

Leonie Haubrich
Nebelherz
Selfpublishing

ISBN 9781091277762

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 17. Mai 2019

C.W. Gortner - Marlene und die Suche nach Liebe


Eher schon eine Biografie.

Marie Magdalene Dietrich wächst zusammen mit ihrer älteren Schwester Elisabeth bei ihrer strengen Mutter auf. Ihren Vater verliert sie, da ist sie gerade mal 6 Jahre alt. Ihre ehrgeizige und eher kaltherzige Mutter, die sie nur schwer zufrieden stellen kann, möchte, dass sie Konzertgeigerin wird. Aber nach einer Sehnenentzündung wird sie hier keine Zukunft mehr haben und Marlene beschließt Schauspielerin zu werden. Sie heiratet Rudolf Sieber und bekommt mit ihm Tochter Maria Elisabeth, die sie liebevoll Hedede nennt. Sie verlässt beide, lässt sich aber nie scheiden. Dann beginnt ihr Erfolg und sie bricht die Brücke zu Deutschland ab und geht nach Amerika ...

Ich kannte Marlene Dietrich bisher nur von ihren Filmen „Der blaue Engel“, „Zeugin der Anklage“ und ihren Liedern „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Lili Marleen“, „Sag mir wo die Blumen sind“ und „Paff, der Zauberrachen“. Ihr Leben selbst war mir bisher fremd. Ihre Geschichte hier zu lesen zu können, habe ich sehr genossen.
Christopher W. Grotner lässt Marlene ihre Geschichte in der Ich-Form selbst erzählen. Ich verfolge ihr Leben von Kindheit an bis 1946, wo sie wieder nach Frankreich zurückkehrt. Im Nachwort erfahre ich in einer kurzen Zusammenfassung ihren weiteren Lebensweg bis zu ihrem Ende am 7. Mai 1992.
Ich tauche ein in einen bewegenden, mit Höhen und Tiefen gepflasterten Weg, einer Frau, die sich immer treu geblieben ist. Die keine Kompromisse eingeht, sich nicht verbiegt oder verbiegen lässt. Die es damit aber auch nicht besonders leicht hat im Leben. Marlene geht ihren eigenen Weg.

Ich liebe es hier auch Hintergrundinformationen über den ersten Weltkrieg zu lesen, über ihr Engagement und ihre Denkweise zum zweiten Weltkrieg, das Nachtleben in Paris. Ihr Leben in Amerika, wo sie für Juden, Emigranten und Verfolgten immer ein offenes Haus hat. Ihre vielen Bekanntschaften aus der Filmbranche, wie James Steward, Gary Grant, Jean Gabin, ihre Liebesbeziehungen, egal ob weiblich oder männlich. Sie war immer auf der Suche – nach Erfolg, Geld und Sex. Dabei blieb die Liebe für die grandiose Diva leider meistens außen vor.

Marlene selbst sagt über sich: „Ich bin immer noch Lena. Die Dietrich ist eine Illusion. Nichts als gutes Licht und Schminke.“

„Marlene und die Suche nach der Liebe“, die Geschichte einer starken, in ihrer Zeit emanzipierten, erfolgreichen, leidenschaftlichen, aber auch einsamen Frau voller Geheimnisse. C.W. Grotner ist es gelungen, seiner Bewunderung für diese Frau Ausdruck zu verleihen. Und ich habe es genossen, diese Bewunderung hier nachvollziehen zu können.

C. W. Gortner
Marlene und die Suche nach Liebe
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746635064

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Mittwoch, 15. Mai 2019

Franke/ Kuhnert - Zum Teufel mit den fiesen Friesen


Schön war´s wieder in Neuharlingersiel zu sein

Rudi Bakker und sein Wittmunder Kollege KOK Schnepel ermitteln noch im Fall eines von seinem Motorrad geschossenen politisch engagierten Tankwarts, da passiert schon der zweite Mord. Eine junge Kitesurferin wird mitten im Sprung von einem Motorboot aus erschossen. Als dann auch noch ein Angler durch einen gezielten Schuss sein Leben verliert, kommen die Kollegen von der Kripo Wittmund schnell an ihre Grenzen.
Rudi Bakker hat eigentlich im Moment keinen Kopf für neue Ermittlungen. Er lernt erst jetzt seinen Vater Hoyko Manninga und seine Halbschwestern kennen.
Gut, dass sich da Rosa Moll wieder einschaltet.

Auch diesmal habe ich mich richtig auf meine Freunde in Friesland gefreut. Wenn ich mit ihnen zusammen einen Fall lösen darf, ist es wie Freunde besuchen und mit ihnen zusammen durch die Gegend zu fahren.
Hier erschießt jemand Menschen. Nach welchen Kriterien sucht sich der Mörder seine Opfer aus? Was haben sie gemeinsam? Wer schießt hier so gut, dass er mit einem Schuss ins Schwarze bzw. sein Opfer tödlich trifft?Wie kann man ihn endlich überführen? Fragen, die sich nicht nur Bakker, Schnepel und deren Chef Haueisen stellt. Auch Rosa mischt wieder kräftig mit. Und ich natürlich auch.
Doch durch die verschiedensten Verdächtigen, immer neue Alibis nach denen sie wieder gestrichen werden müssen, einigen Wendungen, die mich immer wieder in die Irre führen, dauert es bis kurz vor schluss der Geschichte, bis der Täter entlarvt, schlüssig überführt und festgesetzt ist.

Diesmal geht es um Umweltschutz, Windkrafträder, eine neue Logistikhalle und alte Häuptlingsfamilien und deren Burgen. Klar, dass es da zwei Lager gibt. Aber dass man seine Überzeugung ausgerechnet mit Mord durchsetzen will – das geht gar nicht.

Rudis Vater, der seit vielen Jahren in Kanada lebt und hier und heute erst seinen Sohn und später seinen Enkel kennenlernt, ist mit seinen beiden Töchtern auf Deutschlandbesuch. Er bringt die leichte Seite in die Geschichte mit ein. Wobei sich Rosa schon sehr wegen einer der Töchter ärgert. Aber da will ich nicht zuviel verraten.
Schön finde ich das Zusammensitzen auf dem Hof von Henners Eltern mit Mudder, Vadder, Henner und seinen 8 Schwestern und natürlich Rudi und seine neue Familie.

Christiane Franke und Cornelia Kuhnert haben es auch diesmal wieder geschafft, mich mit ihrem leichten, lockeren, spannenden Schreibstil zu fesseln und beim Lesen zu halten. Auch diesmal habe ich wieder einiges über diesen kleinen Teil Deutschlands erfahren, was ich vorher noch nicht wusste. Der Lokalkolorit kommt auch hier wieder besonders zum Tragen durch die Teezeremonie, die immer und überall gepflegt wird. Auch die Bewohner von Friesland werden durch ihre Wortkargheit und ihr herzliches Wesen, wenn man denn mal durch die dicke Schale durch ist, punktgenau beschrieben. Und ich liebe sie!

Zum Schluss der Geschichte bekomme ich nochmal einen Überblick uber das Stammpersonal der Serie und über die weitetren Personen, die nur für diesen Fall relevant sind.
Natürlich dürfen auch die Rezepte aus Mudder Steffens´ Küche nicht fehlen. Bei den Schmorkartoffeln mit Zwiebeln und Speck und dem Rührei mit Krabben läuft mir gleich das Wasser im Mund zusammen.

Die Autorinnen haben mir auch diesmal wieder einen interessanten und spannenden Regional-Krimi mit liebenswerten und anderen Menschen, die mein Herz nicht erobern konnten, vorgelegt. Und ich freue mich schon heute auf meinen nächsten Besuch in Neuharlingersiel.

Christiane Franke/ Cornelia Kuhnert
Zum Teufel mit den fiesen Friesen
Rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 9783499276019

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Dienstag, 14. Mai 2019

Stefanie Gerstenberger: Gelateria Paradiso


Die Autorin ist für ihre Romane mit italienischem Flair bekannt. So wundert es nicht, dass auch dieser Roman über das Eiscafé Paradiso mit einem Background in Italien daherkommt. Während die Haupthandlung im Rheinland der Gegenwart spielt, geht es zwecks Vergangenheitsbewältigung in die 1960er Jahre zurück. Vor dem inneren Auge entsteht das Bild einer Eisdiele mit radebrechendem Personal mit italienischem Akzent.

Francesca war in der Eisdiele aufgewachsen und hatte den Kontakt zu ihren Eltern vor vielen Jahren abgebrochen. Ihr war die Eisdiele zuwider, ihre Eltern hatten nie Zeit für sie, sie musste im Geschäft mithelfen, machte dort auch die Hausaufgaben. In der Schule wurde sie als „Itaker" beschimpft und wegen ihrer Körperfülle gehänselt.

Susanne war nach der Geburt von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben worden. Ihre leiblichen Eltern hat sie nie kennengelernt, die Adoptiveltern hatten sie stiefmütterlich behandelt. Auch sie brach den Kontakt ab und suchte sich eine „Ziehmutter", Tilly, eine überaus gute Freundin mit einem behinderten Sohn. Zusammen führen sie einen Antiquitätenladen. Als im Nachbarort eine stillgelegte Eisdiele verkauft und aufgelöst werden soll, begegnen sich Sabine und Francesca zum ersten Mal. Es wäre gelogen, wenn man jetzt behaupten würde, dass diese Begegnung keine Folgen hätte.

Mir hat besonders diese spezielle Stimmung gefallen, die Rückblenden, die die eine oder andere Erinnerung an meine eigene Kindheit hervorriefen. Die bildhaften Beschreibungen der Autorin ließen das Geschirr in meinem Kopf klirren, den Geschmack von Vanilleeis im Gaumen anklingen, die Gerüche von Pasta in die Nase ziehen.

In Rückblenden erfahren wir, wie es zu der Eisdiele kam. Ganz allmählich wird das Geheimnis um Susanne und Francesca, deren Herkunft gelüftet. Diesen Spannungsbogen zu verfolgen, zieht mindestens oder gar stärker in den Roman als die romantischen Abenteuer der Protagonistinnen. Denn gleich mehrere Liebesgeschichten sorgen für zusätzliche Spannung, die es bequem macht, den Roman in einem Rutsch durchzulesen. Und so manche Figur wächst dabei über sich hinaus und sorgt für überraschende Wendungen. Zwei Figuren wuchsen mir dabei besonders ans Herz. Lennart mit seiner geistigen Behinderung hat im richtigen Moment den richtigen Sprüche auf Lager und sorgt in den unmöglichsten Situationen für die nötige Portion Wahrheit. Gerstenberger hat es geschafft, mich für diesen Mann einzunehmen. Die zweite Figur ist Dario, der mit dem unverkennbaren italienischen Akzent spricht. Einfach spitze. Es macht Spaß, seine Dialoge zu lesen und seine Worte im Kopf nachklingen zu lassen.

Fazit: Liebenswürdige Figuren, die unheimlich ans Herz wachsen, Spannende Fragen, deren Antworten man wissen will, Nebenfiguren die man hassen muss. Trotz Streit und Konflikt präsentiert der Roman eine nette Atmosphäre. Beste Empfehlung meinerseits.

Stefanie Gerstenberger
Gelateria Paradiso
Random House Verlag, München

ISBN 9783453292178

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Sonntag, 12. Mai 2019

Sabina Naber - Eine Melange für den Schah


Von diesem Ermittlertrio hätte ich gerne mehr

Sabina Naber nimmt mich diesmal mit zurück ins Jahr 1965. Es ist Februar, eine klirrende Kälte hat Wien im Griff und alles erwartet die Ankunft des Schah von Persien.
Chefermittler Wilhelm Fodor und seine Assistenten Wilhelm Lukaschek und Siegfried Fischer schlagen sich derweil mit einer Mordserie an Mitgliedern einer linken Studentenvereinigung VSStÖ herum. Sind die Morde politisch motiviert und haben mit dem Schahbesuch zu tun? Oder geht es hier um etwas ganz anderes? Die Ermittlungen gestalten sich schwierig und bei der Kälte kommen auch die Ermittler schnell an ihre Grenzen.

Ich hatte bei diesem ersten Fall von Fodor, Lukaschek und Fischer ganz viel kriminellen Spaß. Zum einen finde ich die Zusammensetzung der Ermittlergruppe einfach genial. Der etwas kauzige, wie aus dem gestern stammende Fodor, der immer noch stark rechts denkende und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg haltende Fischer und Lukaschek, der genau dazwischen passt. Ich habe es genossen, die Drei langsam immer näher kennenlernen zu dürfen.

Ich habe auch in diesem Fall versucht mit zu ermitteln, war mir immer mal wieder sicher, auf der richtigen Spur zu sein, die sich aber dann doch als nichtig rausgestellt hat. Es war spannend mitzulesen, wie sich die Ermittler ganz langsam an den Mörder herantasteten – den ich so nicht auf meiner Liste stehen hatte.

Ich liebe den leichten lockeren Schreibstil von Sabina Naber, gespickt mit interessanten Dialogen, einem Quäntchen Humor, und ganz viel Wissen die damalige Zeit betreffend. Die vielschichtige Gesellschaft der 60er Jahre wird einprägsam, gut nachvollziehbar und treffend beschrieben.Da ich mich an vieles aus der Zeit noch gut erinnern kann, war es für mich wie ein zurückkommen in meine Kindheit und Jugend. Ich habe mich in dieser Zeit im Buch sehr wohl gefühlt. Und ich habe vor Augen geführt bekommen, was sich seitdem alles verändert hat.

Es ist nicht nur ein spannender Kriminalfall, den ich hier zusammen mit mir neuen Protagonisten habe lösen dürfen. Es ist auch ein interessanter Rückblick auf eine Zeit, in der ich zur Schule gegangen bin. Vielleicht war ich gerade deshalb auch gleich „zuhause“ in dieser Zeit.

Nun hoffe ich, dass sich viele Leser finden, die das Trio genau so lieben lernen, wie ich und dass es weitergehen wird, mit neuen Kriminalfällen, in einem Jahrzehnt in dem ich meine Kindheit und Jugend verbracht habe.

Sabina Naber
Eine Melange für den Schah
Emons Verlag, Köln

ISBN 9783740805227

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Samstag, 11. Mai 2019

Chris Brookmyre: Dein Ende


Man könnte diesen Thriller auch mit Szenen einer Ehe titulieren. Denn es geht um die Beziehung zweier Menschen, ihr Kennenlernen, ihre Annäherung, ihr Leben und schließlich ihr Zusammenbruch.

Die Oberärztin Diana Jaeger hat vor einigen Jahren in ihrem Blog viele Männer gegen sich aufgebracht. Ihre feministischen Gedanken ging vielen zu weit, besonders den IT Leuten ihrer Klinik, in der sie arbeitete. Sie erntete einen Shitstorm, der in sämtlichen großen Medien landesweit überkochte. Das ging soweit, dass sie kündigte und die Stadt verließ, um in einer anderen Klinik weit weg eine neue Anstellung zu finden. Ihr gestörtes Verhältnis zu Männern ist extrem. Doch sie lernt bei einem Problem an ihrem Dienst-PC Peter Elphinstone, den IT-Supporter bei ihrem neuen Arbeitgeber, kennen. Der krempelt ihr gesamtes Leben um. Bis er plötzlich verschwunden ist und Diana von der Polizei verdächtigt wird, etwas mit seinem Verschwinden zu tun zu haben.

Zunächst einmal möchte ich voranstellen, dass es sich um eine sehr spannende Geschichte handelt. Aber - und das führt zu einem Punktabzug - die Montage der Szenen ist teils chaotisch, der Beginn ist katastrophal und ich brauchte etwa 80 bis 100 Seiten, um hinein zu kommen. Dann aber zog er mich richtig hinein und ließ mich nicht los. Es wird also jeder reichhaltig belohnt, der die ersten 80 Seiten durchhält. Bis dahin unterdrücken lange Monologe und Gedanken der Protagonisten die Lust am Leben. Hervorragend dagegen dann wieder die Erzählform in der ersten Person, mit der der Leser Dianas Blick, ihre Sichtweise auf das Geschehen erfährt. Bei dem Geschehen handelt es sich um einen Unfall, der durch Streifenpolizisten aufgeklärt werden soll. Zwischen der Polizistin und ihrem neuen Kollegen beginnt es zu knistern, was die Spannung zusätzlich erhöht. Während die Arbeit der Polizei und die eines Journalisten aus normaler Perspektiven im parallelen Strängen erzählt wird, werden manche Geschehnisse aus der Sicht von Diana zwar redundant erzählt, aber es ist schließlich auch eine wirklich komplett andere Sichtweise. Erst dadurch wird der Leser gezwungen, seine Theorien, die er sich in seinem Kopf zu dem Hergang des Unfalls gebildet hat, immer wieder aufs Neue umwerfen. Nichts, absolut nichts, ist, wie es scheint. Und dieses nicht nur auf das Ganze bezogen, sondern tatsächlich auch in jedem Strang.

Am Ende des letzten Satzes stand nur ein einziger Gedanke in meinem Kopf: Wow! Schade, dass der Anfang so verwirrend war. Gut, dass ich durchgehalten habe. Fulminante Empfehlung meinerseits mit der Bitte durchzuhalten.

Chris Brookmyre
Dein Ende
Aus dem Englischen von Andrea O´Brian

Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499274930

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen



Freitag, 10. Mai 2019

Claudia Thesenfitz - Mit James auf Sylt


Eine Geschichte, die Lust aus mehr (Meer) macht

„Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich.“ Hermann Hesse

Es ist ein herrlicher Sommertag Anfang Juni mit milden 20 Grad, als Jana Mertens, 43, ohne Job und nach 7 Jahren Beziehung gerade frisch getrennt, mit ihrem riesigen Begleiter Richtung Sylt düst. Sie, die Hundehasserin, soll für 2 Monate den fünfjährigen Neufundländer James, fast 2m lang und 65kg schwer, ihrer Schwester Jane hüten. Dafür darf sie auf Sylt im Ferienhaus ihrer Schwester entspannen. Hier lernt sie Dr. Frank Konrad mit seiner Rassehündin Paula kennen. Der zweite Mann, der ihr hier auf der Insel begegnet ist Ben, ein Hundetrainer, der Jana versichert, dass sie keine Ahnung von Hunden hat. Den einen mag sie sehr, den anderen braucht sie für ein Führungszeugnis für James. Und dann überschlagen sich die Ereignisse.

Durch den leichten, lockeren und humorvollen Schreibstil meistere ich die Fahrt von Hamburg und komme ich in Gedanken schnell und entspannt auf Sylt an. Schon auf den ersten Seiten spüre ich den Lokalkolorit, der sich in den Beschreibungen der ersten Begegnung von Jana auf der Insel ausdrückt. Ich sehe die kleinen reetgedeckten Häuser und die Wellen, die Gischt, die Dünen der Nordsee vor mir. Ich fühle mich jedenfalls sofort wohl auf der Insel der Reichen und Schönen und begleite Jana und James zu den verschiedensten Restaurationen und Cafees der Insel.

Jana wird mir im Rahmen der Gedanken, die sie sich über sich selbst macht, wie nebensächlich ganz konkret und vorstellbar vorgestellt. Ich mag sie ab unserer ersten Begegnung und mir gefällt die Verwandlung, die sie im Laufe der Geschichte macht sehr gut. Genauso wie ihre neue Nachbarin Jutta, mit ihrem kölschen Dialekt und ihrer sehr direkten Art. Alle anderen Handelnden hier habe ich, bis auf einen, als liebenswert und freundlich kennengelernt. Und der eine Unsympath spielte nur eine kurze Rolle in Janas Leben. Bei der Demo, die Jana zusammen mit David und Ben organisiert hat, wäre ich gerne dabei gewesen. Mein absoluter Lieblingsdarsteller ist allerdings James. Es ist köstlich zu lesen, wie er mit seinem Verhalten und seinen Marotten Jana langsam an den Rand des Wahnsinns bringt. Ich liebe diesen einzigartigen großen Kerl.

Die Namensverwechslung (Jana = einmal Mertens, einmal Schmidt) oder einige Rechtschreib- bzw. Wortfehler sollten vielleicht überarbeitet werden, haben mich aber beim Lesen nicht weiter gestört.

Ein wunderbarer Roman gesettet auf einer der schönsten Inseln Deutschlands hat mich sehr gut unterhalten, ich konnte mitfiebern und habe manches Mal schmunzeln müssen.
Meine Leseempfehlung ist mit 4,5 von 5 Sternen verbunden.

Claudia Thesenfitz
Mit James auf Sylt
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783548291437

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 8. Mai 2019

Kathrin Hanke / Claudia Kröger - Heidefluch


Die 10 biblischen Plagen.

Giftfrösche in zwei verschiedenen Bio-Supermärkten, Killerbienen, die einen Imker umbringen, eine Fliegenplage in einem italienischen Restaurant, Brandstiftung auf einem Feld und ein Pferd auf einem Reiterhof, dem der Bauch aufgeschlitzt wurde.
Kommissar Benjamin „Ben“ Rehder und seine Kollegin Katharina von Hagemann haben viel zu tun. Seit ihr Kollege Tobias Schneider nach einem Unfall im Koma liegt, versuchen sie, das Arbeitspensum zu zweit zu bewältigen, was nicht immer gelingt. Dann bekommen Sie Vivien Rimkus zugeteilt, die bereits bei vergangenen Fällen ausgeholfen hat. Sie soll Tobias ersetzen, solange, bis er wieder einsatz- und arbeitsfähig ist.


Wieder bei der Kripo Lüneburg zu Gast zu sein, ist für mich, wie Freunde besuchen. Da ich die Rehder-Zwillinge Ben und Bene und Katharina schon seit ihrem ersten Fall aus 2013 kenne, freue ich mich jedes Jahr auf ein wiederlesen.

In diesem Fall bzw. in diese einzelnen Fälle, die sehr stark ins Private der Ermittler eindringen, sind sehr unblutig. Nichtsdestotrotz steigt die Spannung von einem Fall zum nächsten, wobei nicht klar ist, ob die einzelnen Fälle zusammenhängen. Bis Katharinas Bauchgefühl sie auf eine heiße Spur führt. Hat das alles mit den 10 Plagen zu tun, deren Ausstellung sich Katharina vor kurzem angeschaut hatte?

Da ich wie Katharina nicht bibelfest bin, habe auch ich etwas länger gebraucht, um hinter das Geheimnis der 10 Plagen zu kommen. Doch als ein bestimmter Name fällt, war ich mir sicher, den bzw. die Fälle lösen zu können. Sehr geschickt gemacht von den Autorinnen.

Wie immer lässt sich die Geschichte, die sich K. Hanke und C. Kröger diesmal ausgedacht haben, flüssig und locker weg lesen. Ich hatte wie immer meinen Spaß beim mit ermitteln. Leider war auch dieser Fall wieder viel zu schnell gelöst und damit aus. Ausserdem gibt es für Katharina und Bene eine tolle Nachricht. Und eine Textnachricht freut mich ganz besonders. Aber mehr wird nicht verraten.

Auch in diesen Fall hat mich das Autorenduo hineingezogen und erst wieder freigelassen, als der Fall auch für mich glaubhaft und nachvollziehbar gelöst war. Und nun kann ich mich hoffentlich auf den 8. Fall der Kripo Lüneburg freuen.

Kathrin Hanke / Claudia Kröger
Heidefluch
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839223833

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Sonntag, 5. Mai 2019

Ingrid Werner - Mordsmäßig Münchnerisch 2


Münchens kriminelle Orte

Die Herausgeberin Ingrid Werner hat in diesem Buch 20 kriminell gute Kurzgeschichten der verschiedensten Autorinnen und Autoren zusammengetragen. Teils gut nachvollziehbar, teils abgedreht, teils bizarr, teils humorvoll, teils einfach nur gut. An immer neuen, interessanten Orten mit immer neuen Menschen bin ich bei den unterschiedlichsten kriminellen Machenschaften dabei.

Durch die Fotos und Beschreibungen zu jedem Tatort bekommt die Geschichte ein konkretes Gesicht. Und es gibt auch für mich als Münchnerin einige Orte, die ich bisher nicht kenne. Was sich aber im kommenden Frühjahr / Sommer ändern wird.

Zum Schluss bekomme ich auch noch die Biografien der Autorinnen und Autoren, die hier kriminell agieren zum Lesen. Und nicht alle kommen aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Ein krimineller Stadtführer der ganz anderen Art. Auch wenn mich nicht alle Kurzgeschichten überzeugt haben, hat er mich ingesamt doch begeistert.
4,5 von 5 Sternen

Ingrid Werner
Mordsmäßig Münchnerisch 2
Hirschkäfer Verlag

ISBN 9783940839596

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Freitag, 3. Mai 2019

Klaus Stickelbroeck: Blondes Gift


Privatdetektiv Christian Hartmann aus Düsseldorf langt dieses Mal dermaßen in den Dreck, dass man beinahe glauben möchte, da kommt er nicht wieder raus. Aber Hartmann wäre nicht Hartmann, wenn er nicht im letzten Moment die Kurve kriegen würde. Das geht jedoch nicht ohne blaue Augen und angeknackste Rippen. Doch wie kam es dazu?

Hartmann soll für einen alten Kumpel einspringen, um dessen Blind-Date wahrzunehmen. Dieser Kumpel will seine Frau betrügen, doch die hat was spitzgekriegt. Deshalb bittet er Hartmann, den Termin wahrzunehmen. Mit zwei Tageshonoraren ist er dabei. Hartmann denkt: Das ist schnell gemachtes Geld. Ja. Nee. Ist schon klar 'ne? Hartmann verknallt sich beim Date mit Jenny alias Blondes Gift im Zug von Münster nach Paderborn total. Doch bevor er mit seiner Beziehung zu Jenny so richtig durchstarten kann, ist Jenny verschwunden. Spurlos. Und dann …

Weiter möchte ich hier nicht vom Inhalt schreiben. Der Krimi-Cop aus Düsseldorf lässt seinen Helden in gewohnter Weise mit humorvoller Sprache alles das machen, was sonst nur Magnum machen darf. Mit der schnoddrigen Sprache wirft er den Lesern Sätze an den Kopf, dass dessen Zwerchfell dermaßen durchgerüttelt wird und ihm Tränen in den Augen stehen. Dabei kommt die Spannung nie zu kurz. Das kommt aber auch daher, dass Hartmann alles selbst klären will, ohne die Polizeikumpels einzuweihen. Als Leser kneift man nur ein Auge zu und denkt: Das kann nicht gut gehen.

Was neben den Dialogen, die zu fast 90% den Roman ausmachen, ebenfalls gefällt, ist das Figurenensemble. Wer Stickelbroeck vorhergehende Krimis kennt, trifft alte Bekannte wieder. Wer mit diesem Krimi in die Welt um Christian Hartmann einsteigt, wird aber keinerlei Verständnisprobleme haben. Man lernt alle Figuren so kennen, dass man jeden noch so zweideutigen Witz verstehen kann. Und ich garantiere demjenigen, der mit „Blondes Gift" anfängt, dass er anschließend zu den Vorgängern greift.

Klaus Stickelbroeck
Blondes Gift
KBV Verlag, Hillesheim

ISBN 9783954414550

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Mittwoch, 1. Mai 2019

Myriam Klatt - Und plötzlich Liebe


Manche Dinge ändern sich nie

Das sieht auch die 28-jährige „Maja“ Isabella Maria Agathe Böhm schlussendlich ein. Die Architekturstudentin wollte nur ein bisserl Geld nebenher verdienen. Nun verkauft sie, die unter Flugangst leidet und bei der sich alles nur um Beständigkeit dreht, als Angestellte in einem Reisebüro Abenteuerreisen. Sie selbst ist bisher nur bis Titisee-Neustadt gekommen. Und das soll bitte auch so bleiben. Bis ihre hochschwangere Chefin Bettruhe verordnet bekommt und nicht selbst zu einem Vertragsabschluss nach Bolivien reisen kann. Da muss, ob sie will oder nicht, Maja ran. Dass da ihr Langzeitfreund Stephan, dessen Traum Richtung Patagonien geht, sauer ist, kann ich gut verstehen.

In diesem Roman geht es darum, sich selbst zu finden, sich seiner Wünsche und Träume bewusst zu werden. Und damit tut sich Maja anfangs sehr schwer. Immer alles jedem recht machen, alle Bedürfnisse befriedigen – nur nicht die eigenen. Es ist schön zu lesen, wie sich die Schranken in Majas Kopf langsam lösen und sie endlich mal an sich selbst denken kann.

Mir gefallen neben Maja und Stephan auch die anderen Personen in dieser Geschichte sehr gut. Da sind z.B. ihre Freundinnen: Übermutter Nadine mit ihren Zwillingen Ina und Ole und Katharina, die genau weiß, wie man Maja manipulieren kann und sie immer nur ausnutzt. Wer solche Freundinnen hat, braucht eigentlich keine Feinde. Aber auch Majas geschiedene Eltern, ihre Chefin Antonia in Berlin und Tour-Guide Nilo und Lara in Bolivien haben ihren ganz eigenen Charme und bereichern die Geschichte ungemein.

Maja ist eine junge Frau, der ich anfangs immer wieder einen Schubs aus ihrer Verklemmtheit, ihrer Verstocktheit und aus ihrer Liebenswürdigkeit geben wollte. Sie hat mir sehr gut gefallen, vielleicht weil sie so ganz anders ist wie ich. Vielleicht hat mir die Geschichte auch gerade aus diesem Grund so gut gefallen.

Mit einigen unerwarteten Wendungen kommt sogar eine gewisse Spannung in die Geschichte, in der es eigentlich um Liebe und deren Beständigkeit geht.

Mir hat diese Geschichte einige wunderbar leichte Lesestunden geschenkt.

Myriam Klatt
Und plötzlich Liebe
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746635330

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© Gaby Hochrainer, München 2019