Sonntag, 28. April 2019

Elisabeth Herrmann - Schatten der Toten


Ein spannender Spionage-Thriller

Dombrowski Facility Management ist führerlos. Ihr Chef liegt nach einem Herzinfarkt auf der Intensivstation und sie soll die Firma übernehmen. Sieht sie so ihre Zukunft?
Dann stirb Eva Kellermann, eine ehemalige Stasi-Spionin. Ihre Tochter Isa arbeitet für den BND und bereitet gerade einen Einsatz in der Ukraine vor und beginnt ihre Jagd auf Richard Lindner, der sich jetzt Bastide Larcan nennt und Judiths Vater ist. Auch Judith will sich an dem Mann rächen, der sie damals in einem Kinderheim in Saßnitz zurück gelassen und sich tot gestellt hat ...

„Schatten der Toten“ ist der dritte und leider letzte Band um die Tatortreinigerin Judith Kepler. Da ich Judith erst hier kennenlernen durfte, hatte ich zu Anfang etwas Schwierigkeiten in die Geschichte hinein zu kommen. Was mir aber durch immer wieder eingefügte Ereignisse und Namen aus der Vergangenheit dann doch gut gelungen ist. Trotzdem hätte ich die ersten beiden Bücher vorher lesen sollen.

In dieser Geschichte wimmelt es nur so von Personen, die auch in Judiths Vergangenheit schon eine Rolle gespielt haben. Alle lerne ich hier kennen. Durch eine detaillierte, farbige und vor allem menschliche Beschreibung habe ich sie mit ihre Ecken, Kanten, Macken alle bald im Kopf. Alle sind auf irgend eine Weise miteinander verbandelt, was meine Konzentration besonders im ersten Drittel extrem fordert. Ich bin gefangen zwischen Stasi, KGB, BND und Kaltem Krieg. Ich streife durch die Hafenstadt Odessa mit ihren Katakomben und dem wunderbaren Markt der Wunder und lerne eine faszinierende Stadt kennen.

Durch ihren unterhaltsamen, ruhigen und trotzdem extrem spannenden Erzählstil hat mich die Autorin von einer Seite zur nächsten gescheucht. Die vielen Dialoge lassen mich mittendrin stehen und ich konnte einfach nicht aufhören zu lesen, bis endlich alles vorbei ist und Judith ihren Frieden wenigstens zum Teil findet.

Mit ihrer blühenden Fantasie und akribischer Recherche hat Elisabeth Herrmann auch diesmal wieder eine fantastische Geschichte erschaffen, die mich wunderbar unterhalten hat und mir Lesestunden geschenkt hat, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Elisabeth Herrmann
Schatten der Toten
Goldmann Verlag, München

ISBN 9783442313921

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 26. April 2019

Carolina Conrad: Letzte Spur Algarve


Die deutsche Journalistin Anabela Silva hat es an die Algarve gezogen. Sie lebt nun im Dorf ihre Eltern. Schnell ist der Leser im Stoff und ermittelt wie die Protagonisten in zwei verschiedenen Fällen, wo bei einer gar kein richtiger Kriminalfälle ist. Eine Tierschützerin wird tot im Stall Ihres Pferdes gefunden. Offenbar wurde sie von ihrem Pferd zu Tode getrampelt. Doch schnell kommen dem portugiesischen Kommissar Zweifel. Deshalb bittet er Anabela um einen Gefallen: Sie soll für ihn undercover im Tierheim schnüffeln.

Der zweite Strang ist die Suche nach der Spur eines Cousins Anabelas, der als Kind verschwunden war. In der Familie hieß es, er wäre tot. Hartnäckig macht sie sich auf die Spurensuche. Und, ach ja, der Kommissar ist ihr noch etwas schuldig. Da hilft er ihr gerne.

Conrad hat einen unterhaltsamen und spannenden Roman geschrieben, der in einer Urlaubsregion spielt, die für Deutsche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die beiden Stränge sind gut miteinander verflochten und geben noch Raum für eine romantische Geschichte zwischen der Journalistin und dem Kommissar. Genügend Stoff, um an der Geschichte dran zu bleiben.

Angenehm und total unkompliziert sind die Perspektivwechsel und die unterschiedlichen Erzählerstimmen. Einerseits erzählt die Journalistin über das, was ihr passiert. Da ist der Leser ganz nah dran. Die Geschehnisse um die polizeilichen Ermittlungen, an denen sie nicht selbst zugegen ist, werden in der dritten Person von einem auktorialen Erzähler geschildert. Auf diese Weise erfährt der Leser, was unter Umständen zur gleichen Zeit geschieht, obwohl an verschiedenen Orten handelt.

Gerne empfehle ich diesen Krimi für alle, die nach einem spannenden und schnörkellosen Krimi schauen, der zudem in Regionen außerhalb Deutschlands führt.


Carolina Conrad
Letzte Spur Algarve
Rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 978349900058

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Mittwoch, 24. April 2019

Cecily von Hundt - Von Bierkrügen und Giftmorden


Der zweite Fall für Lorie

Der Patriarch der Hotel- und Brauereifamilie aus Dachau Otto Berchberger lebt nicht mehr. Mord oder Unfall aus Versehen? Hobbydetektivin und Reporterin des Ebershausener Boten Lorie Pfeffer, leicht übergewichtige Hausfrau und bekennende Krimileserin mit einem Hang zu Ferrero Küsschen wird diesmal, ehe sie sich versieht, von Kommissar Peters zur Vertrauensperson der Polizei gemacht und soll „ermitteln“. Hier stößt sie aber schnell an ihre psychischen Grenzen. Auch weil ihre Schwiegermutter ihren runden Geburtstag bei ihr zuhause feiern will ...

Lorie Pfeffer und ihre Familie habe ich bereits im ersten Band der Reihe um die quirlige Chefarztgattin kennen- und lieben gelernt. Lorie ist so herrlich normal, so bodenständig, gerät immer wieder in Situationen, die sie nicht beeinflussen kann – und will. Sie als passionierte Krimileserin sieht sich mal wieder als Ermittlerin.

Aber auch die anderen Personen, hier die Familie Berchberger und ihr Gärtner, sind sehr interessant und haben alle irgendwelche Macken. Jeder hat auf ihre Art ein Motiv.
Besonders gefällt mir hier, dass ich die Gedanken der einzelnen Familienmitglieder lesen kann, was einen ganz besonderen Eindruck eines jeden liefert.

Die teils humorige Erzählweise hat mich oft schmunzeln lassen. Was mir aber auch hier wieder fehlt, ist die Spannung. Trotzdem freue ich mich schon auf Fall 3 für die Vorstadt-Detektivin.

Cecily von Hundt
Von Bierkrügen und Giftmorden
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783958192478

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Montag, 22. April 2019

Weißer Tod von Robert Galbraith (Cormoran Strike 4)

Ein junger Mann, total verwirrt und ängstlich, sucht Cormoran Strike in dessen Büro auf. Er ist sicher, dass er als Kind Augenzeuge eines Mordes wurde. Immer wieder spricht er von einem erwürgten Kind. Doch bevor Cormoran nähere Informationen aus ihm herausbekommt, ergreift Billy, so der Name des psychotischen jungen Mannes, panisch die Flucht.
Unterdessen erhält Strike einen Auftrag aus dem Unterhaus. Ein Minister wird erpresst und Cormoran Strike und seine Partnerin Robin Ellacott sollen ermitteln. Sie nehmen den Fall an, doch Cormoran lässt ebenfalls der angebliche Mord, von dem Billy gesprochen hat, keine Ruhe.
Die beiden Ermittler machen sich an die Arbeit. Das gestaltet sich schwierig, denn durch den letzten erfolgreichen Fall „den Shaklewell Ripper“, ist Cormoran sehr bekannt und kann nicht mehr verdeckt ermitteln. Also muss Robin Ellacott die verdeckte Tätigkeiten übernehmen. Doch die hat es privat in ihrer jungen Ehe mit Matt auch alles andere als einfach.
Es scheint also ein undurchsichtiger, schwieriger Fall zu werden, der so einiges an Ideenreichtum und Einsatz fordert ….
Erschienen als gebundene Ausgabe mit Leseband
bei Blanvalet
insgesamt  864 Seiten
Preis: 24,00
ISBN: 978-3-7645-0698-8
Kategorie: Krimi
© Marion Brunner_Buchwelten 2019

Sonntag, 21. April 2019

Ulrich Radermacher - Hundsbua


Daumen hoch und bitte weiter so

Panik im Kindergarten. Während die Erzieherinnen sich um andere Kinder kümmern, wird das Nesthäkchen, die elf Monate alte Sophia Christ aus dem Kindergarten entführt. Die Ermittlungen, die Kommissariatsleiter Alois Schön zusammen mit seinen Kollegen anstellt, gestalten sich schwierig. Besonders, als Hinweise in Richtung Norden deuten. Da kommt es gerade recht, dass sich Diana Schubert nach Hamburg hat versetzen lassen.


Als Mutter nimmt mich die Entführung der kleinen Sophia stark mit. Und ich fühle mich noch näher an diesem Fall dran. Ich kann auch hier mitfiebern, mit ermitteln und erleide doch immer wieder, genau wie die Kommissare, Rückschläge bzw. komme einfach nicht weiter. Bis sich kurz vor Schluss alles aufdröselt, verschiedene Spuren zusammen führen und es leider ein nicht so schönes Ende gibt.

Aber es ist nicht der Kriminalfall allein, der mich das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Auch wieder in die Privatsphäre der Ermittler hinein schauen zu können, gefällt mir sehr gut. Obwohl sich „Hundsbua“ sehr gut als eigenständiges Buch lesen lässt, genieße ich es doch, die Ermittler schon aus den beiden vorherigen Fällen zu kennen und ihre Entwicklung mit verfolgen zu können.
Ich liebe den fränkischen Mitarbeiter Martin mit seinem unverwechselbaren Dialekt. Und hier bekomme ich auch einiges an bayerischer Mundart zu lesen. Da kommt der Lokalkolorit richtig raus.

Haben mir „Saukerl“ und „Schickimicki“ schon gut gefallen, setzt Ulrich Radermacher mit seinem „Hundsbua“ noch einen drauf. Ich werde gut unterhalten, die Spannung wächst kontinuierlich an, eine Prise Humor ist auch vorhanden, was die Spannung aber nicht beeinträchtigt. Vor allem auch die bunte Mischung der handelnden Personen, die alle ihre Ecken und Kanten, sogar hier und da exzentrische Züge haben, gefallen mir wieder sehr gut.

Ein spannender Krimi mit einem interessanten und nachvollziehbaren Thema. Daumen hoch und 5 Sterne.

Ulrich Radermacher
Hundsbua
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839224120

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 19. April 2019

Christiane Dieckerhoff: Spreewaldwölfe


Mittels dieses Kriminalromans führt die Autorin in einen entlegenen Landstrich am Rande Deutschlands, der durch seine Landschaft unvergleichbar ist. Thematische Grundlage bilden die bereits im Titel genannten und nach Mitteleuropa zurückgekehrten Wölfe. Seitdem diese Tiere wieder durch die deutschen Landen ziehen, sind Bauern aufgebracht und bangen um ihre Existenz. Schäfer und Tierschützer gehen nicht mehr freundlich miteinander um. Hitzig wird es, als ein Junge tot auf einer Weide gefunden wird. Die Leiche ist kaum erkennbar, Bisswunden haben sie extrem zugerichtet. Bleibt die Frage, ob der Junge an diesen Bissen starb oder ob sich ein Wolf lediglich am „Aas" bedient hat. Während die Schäfer behaupten, dass ein Wolf der Killer war, beginnt Polizeiobermeisterin Klaudia Wagner daran zu zweifeln. Je weiter man beim Lesen voranschreitet, umso unwahrscheinlicher wird ist, dass es sich um einen Unfall gehandelt haben kann.

Zunächst einmal hat mich dieser Krimi durch seine Szenerie in den Bann gezogen. Dörflich, kleinstädtisch, jeder kennt jeden, aber doch nicht wirklich. Und über andere wird eh nicht freizügig erzählt, besser man hält den Mund. Die Spannung im Kriminalfall hält sich zu Beginn etwas zurück, zieht dann aber ab Mitte des Romans gehörig an und lässt den Leser am Ende das Buch nicht aus der Hand legen. Er kann sich auf einige Überraschungen gefasst machen.

Was mich anfangs etwas zurückgehalten hat, voller Begeisterung in das Geschehen einzutauchen, waren die vielen Figuren. Eindeutig zu viel Personal für einen Kriminalroman. Auch wenn dieses nicht der erste Spreewaldroman der Autorin ist, muss ich als Leser nicht von jeder Figur die Vorgeschichte kennen, zumal diese rein gar nichts mit der aktuellen Handlung zu tun hat. Und die vielen Freunde, Bekannte und Randfiguren hätten nicht unbedingt einen Namen gebraucht. Bis man die Spreu vom Weizen getrennt hatte und wusste, auf wen man sich konzentrieren sollte, war das Figurenensemble verwirrend.

Dennoch bleibt „Spreewaldwölfe" für mich ein lesenswerter und empfehlenswerter Roman, dem ich ohne Zögern gute vier Sterne geben kann.

Christiane Dieckerhoff
Spreewaldwölfe
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783548291451

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Mittwoch, 17. April 2019

Lea Rieck - Sag dem Abenteuer, ich komme


Da wäre ich gerne dabei gewesen

Ich fahre zwar nicht Motorrad, aber ich liebe das Reisen und die dazugehörige Reiselektüre danach. Und so musste ich dieses Buch, dessen Cover mir sofort ins Auge gestochen ist, einfach lesen. Und ich habe es nicht bereut mich mit der jungen Münchner Autorin auf ihren Weg zu machen.

„Sag dem Abenteuer ich komme“ fesselt nicht erst ab der ersten Seite. Schon in der vorderen Klappe beginnt das Abenteuer, wo mir eine Weltkarte die Wege zeigt, die Lea Rieck auf ihrer Reise um die Welt genommen hat. Und auch die Inhaltsangaben machen neugierig auf das, was da auf mich, den Leser zu kommt.

Ich bin bei ihren langwierigen Reisevorbereitungen dabei und dann geht’s los. Über Österreich, Slowenien, Kroatien, Bosnien, über den Kosovo nach Griechenland, dann in die Türkei nach Istanbul. Von dort nach Russland, Tadschikistan, Kirgistan, China, Pakistan, Indien, Nepal, Myanmar, Thailand bis nach Australien und Tasmanien. Immer meine ich den Fahrtwind im Gesicht spüren zu können. Anschließend lerne ich Argentinien, Feuerland, Patagonien, Chile, Peru, Panama, USA, Kanada, Marokko und die Westsahara kennen. Als wir dann nach 516 Tagen und 87317km in Spanien von der Fähre gehen, ist klar, dass diese Reise nun bald zu ende geht. Ich hätte ihr noch ewig folgen können.

Es gab beim Lesen nie eine Zeit, die langatmig oder langweilig war. Es passiert soviel und ich darf daran teilhaben. Selten habe ich einen so interessanten, sprachlich ausgereiften und spannenden Reisebericht gelesen, wie diesen hier. Er nimmt mich emotional gefangen, erzählt von außergewöhnlichen Menschen und Begegnungen und ich lerne die Natur, Land und Leute mit ihren Augen kennen. Aber auch persönliche Krisen und Zweifel werden nicht ausgeblendet, sondern finden genau so wie das viele Schöne ihren Raum. Wunderbar finde ich auch die vielen Fotos, die dieses Taschenbuch absolut aufwerten. Ganz zum Schluss werden auch noch oft gestellte Fragen beantwortet.

Der Satz, der ihre Reise und ihre Erfahrungen sehr gut beschreibt, steht auf Seite 359:
„Ich bin noch dieselbe, aber mein Blick hat sich geändert. Das Fremde ist zum Vertrauten geworden – und auf das Vertraute habe ich einen neuen Blick gewonnen“

Ein wunderbarer Reisebericht einer starken jungen Frau, die ich um ihre Motorradfahrten und ihre Erfahrungen richtig beneide.

Lea Rieck
Sag dem Abenteuer, ich komme
Kiepenheuer & Witsch

ISBN 9783462052244

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 14. April 2019

Ulrike Busch - Die Tote im Dünenhaus


Spannend und sehr verzwickt

Leider kann KHK Kuno Knudsen sein Wochenende nicht genießen, weil sein Bruder Okko im Dünenhaus beim Wriakhörnsee eine Leiche gesehen haben will. Wie sich herausstellt eine weibliche Leiche. Und schon hat die Kripo Wattenmeer wieder genug zu tun.

Wie von Ulrike Busch gewöhnt, werde ich gleich auf den ersten Seiten in den neuen Fall hinein katapultiert. Und ich freue mich, dass ich dort gleich auf zwei meiner Lieblingsermittler treffe: Kuno Knudsen und Arne Zander.

Dies ist nun schon der sechste Fall für die Kripo Wattenmeer. Alle Bücher sind in sich abgeschlossen und einzeln lesbar. Doch es macht mir zumindest viel mehr Spaß, die Ermittler von Beginn an zu begleiten und ihre Entwicklung zu verfolgen.

Dieser Fall scheint ziemlich verzwickt zu sein. Es gibt jede Menge Verdächtige, Motiv lässt sich allerdings keines finden. Ich habe zusammen mit den Ermittlern Spuren gesichert, Verhöre geführt, war mir ein paar mal sicher, den Mörder gefunden zu haben – dem war dann wieder nicht so. Erst ganz zum Schluss wird der Fall schlüssig und nachvollziehbar gelöst. Als mir klar wurde, wer der Mörder ist, war ich doch ein kleines bisserl geschockt.

Das Schöne an den Büchern der Autorin finde ich, dass es neben dem Kriminalfall immer auch die kleinen Alltagsgeschichten gibt, die die Geschichte auflockern. Hier habe ich z.B. mit Knuts Bruder Okko gebangt, dass Professor Dionisius Bubendey nichts mit dem Mordfall zu tun hat. Die Beiden haben gerade ein interessantes Projekt in Angriff genommen. Und Inselreporter Friedrich Fliegenfischer hätte ich eine neue Liebe gegönnt.

Auch diesmal kam der Schluss viel zu schnell. Aber ich kann mich schon heute darauf freuen, die Menschen auf Amrum, die mir so ans Herz gewachsen sind, bald wiederzulesen.

Ulrike Busch
Die Tote im Dünenhaus
BoD

ISBN 9783749421343

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Freitag, 12. April 2019

Michelle Marly - Madame Piaf und das Lied der Liebe


Vom Straßenmädchen zur Chanson-Diva

Michelle Marly, von der ich unter ihrem Namen Micaela Jary schon andere Bücher kenne, nimmt mich in diesem Buch um die Chanson-Diva Edith Piaf mit in die Stadt der Liebe, Paris.

Geboren als Édith Giovanna Gassion hängt das Herz des Mädchens schon in jungen Jahren an der Musik. Mit 15 tritt sie als Straßensängerin auf, wo Louis Laplee auf sie aufmerksam wird und sie fördert. 1944, Edith ist da schon ein Star, wird ihr Kollaboration vorgeworfen. Ihr droht ein Auftrittsverbot. Während sie versucht ihre Unschuld zu beweisen, lernt sie Yves Montand kennen – und lieben.

Das Leben der Edith Piaf hat mich ab der ersten Seite in seinen Bann gezogen. Beim Lesen habe ich mir immer wieder ihre Chansons angehört, die, wie ich finde, alle eine leichte Melancholie ausstrahlen. Hier kann ich ihren Werdegang und vor allem auch ihre Liebesbeziehung sehr gut nachvollziehen. Wären sie sich nicht begegnet, wäre aus Yves bestimmt nicht der Sänger geworden, zu dem ihn Edith gemacht hat.

Edith Piaf steht ganz klar im Mittelpunkt dieser Geschichte um starke Frauen. Interessant finde ich ihre sehr unterschiedlichen Wesenszüge. Einerseits egoistisch, außergewöhnlich, exzentrisch, nimmt sie sich, was sie will – andererseits herzensgut, willensstark, diszipliniert und fair.

Michelle Marly hat mich mit dieser Geschichte um eine faszinierende Frau sofort in ihren Bann gezogen, mich sehr gut unterhalten und mir das Leben dieser kleinen großartigen Frau gut vorstellbar nahegebracht. Mir war Edith Piaf als Sängerin schon bekannt, aber nun habe ich auch einiges über ihr bewegtes Leben, das nicht nur aus Höhen, sondern auch aus Tiefen bestand, erfahren.

Ein wunderbares, sehr interessantes Buch über eine Frau, deren Lieder mich auch heute noch berühren.

Michelle Marly
Madame Piaf und das Lied der Liebe
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634814

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 10. April 2019

Tanja Raich - Jesolo


Eine interessante Geschichte mit viel Gefühl.

Andrea und Georg, seit über 10 Jahren zusammen, machen wie jedes Jahr Urlaub in Jesolo, Italien. Georg will, dass Andrea endlich zu ihm zieht, sie heiraten und Kinder bekommen. Andrea will aber weder Familie, noch ein Haus und schon gar keinen Kredit. Das alles passt nicht in ihre Lebensplanung. Aber dann ist sie schwanger …

Der Coverumschlag ist bei diesem Buch der absolute Hingucker. Was auf den ersten Blick nur bunt aussieht, entpuppt sich beim näheren Betrachten als viele kleine verschwommene Bildchen.

Die Geschichte selbst erzählt Andrea aus ihrer Sicht. Daher tauche ich tief in ihre Gedankenwelt ein, kann sie oftmals verstehen und ihre Gründe, die sie zu den verschiedensten Themen anbringt, nachvollziehen. Auch ihre Gefühle bringt mir die Autorin so nahe, dass ich richtig mitfühlen und Andreas Zweifel und Ängste nachvollziehen, aber nicht verstehen kann. Andrea ist so ganz anders als ihre wenigen Freundinnen und auch ich.

Auf den ersten Seiten des Buches habe ich mich beim Lesen sehr schwer getan. Der Schreibstil ist so anders, so kurz und knapp – dran musste ich mich erst gewöhnen. Aber nach kurzer Einlesezeit war ich mittendrin in einer Geschichte, die mich mitgenommen, berührt und etwas nachdenklich hinterlassen hat.

Familie und Mutterschaft – mal aus einer ganz anderen Sicht.

Tanja Raich
Jesolo
Karl Blessing Verlag

ISBN 9783896676443

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 7. April 2019

Lernen mal anders - Schwedisch, norwegisch, dänisch, niederländisch


Sprachen lernen leicht gemacht

Ich reise viel und gerne und ich versuche immer, wenigstens einige Worte in der Landessprache zu beherrschen. Ich habe festgestellt, dass, wenn ich mich bemühe mit den Menschen in ihrer Sprache zu sprechen, der Zugang zu ihnen viel einfacher ist.
In kürzester Zeit die 100 wichtigsten Wörter einer Sprache lernen – das wollte ich unbedingt ausprobieren.
Daher habe ich sehr gefreut, dass ich „Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Niederländisch“ aus der Reihe Sprachen lernen mal anders lesen durfte.

Zu Beginn lerne ich die fünf wichtigsten Worte, die ich auf Reisen brauchen kann: Hallo, Tschüss, Entschuldigung, wie viel kostet und Danke. Dazu gibt es jeweils eine kleine Eselsbrücke und so kann ich mir die Worte noch besser merken. Es folgt eine Einführung in die Lautschrift, denn zu allen Worten bekomme ich das schwedische Wort und weiß nun auch, wie es ausgesprochen wird. Die Worte, die ich anschließend lerne, sind in 12 Kategorien eingeteilt. Von Bar über Weg, Familie, Restaurant, See, Medizin, Supermarkt, Strand, Post, lernen, Polizei und Farben finde ich hier alles, was ich in meinem Urlaubsland brauchen kann. Ergänzt wird jede Sprache durch Redewendungen, 100 ähnliche Wörter und Besonderheiten und Anekdoten. Im Niederländischen gibt es einige deutsche Worte, die aber eine ganz andere Bedeutung haben. Das muss man erst mal wissen – so wie ich jetzt.
Ganz zum Schluss erfahre ich auch noch, welche Sprachen ich auf diese Art und Weise noch lernen kann.

Das Einzige, was mir negativ aufgefallen ist, sind die sehr knappen Abstände, sowohl am Innen- als auch am Außenrand. Was aber nichts mit dem Lernen zu tun hat.

Ich bin mir sicher, ich bin nun für meinen nächsten Urlaub gut gerüstet. Dänemark, ich komme!

Lernen mal anders
Schwedisch, norwegisch, dänisch, niederländisch
Selfpublisher

ISBN 9781795809894

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 5. April 2019

Harry Bingham: Fiona - Wo die Toten leben


In der letzten Woche habe ich die Bekanntschaft mit der wohl sympathischsten Ermittlerin der letzten zehn Jahre gemacht. Ich kannte Detective Sergeant Fiona Griffith bislang noch nicht. Doch ich wurde überaus positiv überrascht. Dabei verblasst beinahe hinter dieser ungewöhnlichen und jungen Ermittlerin, die man einfach lieben muss, der Schöpfer von ihr: Harry Bingham. Seine Figur überstrahlt alles.

Zur Handlung möchte ich gar nicht viel sagen: In einer kleinen Kirche in Wales wird die Leiche eines jungen Mädchens, aufgebahrt und zur Totenmesse gekleidet, gefunden. Doch sie ist nicht eines unnatürlichen Todes gestorben. Es gibt keine Vergewaltigungs- oder Gewaltspuren. Und dennoch spürt Fiona, die die Leiche eine ganze Nacht lang bewacht, dass es einen Zusammenhang zu einem Verbrechen gibt.

Doch was macht Fiona zu einer so besonderen Figur? Nicht nur die Tatsache, dass sie an einer Krankheit leidet, bei der sie sich selbst als eine Leiche fühlt. Es ist vielmehr zunächst das frische und freche Mundwerk, mit dem Fiona ihre Geschichte erzählt. Und ja, das ist schon die zweite Besonderheit: Sie ist Polizistin und erzählt in der ersten Person im Präsens. Diese Erzählperspektive ist nicht jedem Schriftsteller gegeben, sie erfordert ein besonderes Geschick. Davon abgesehen, dass der Ich-Erzähler in Kriminalromanen eigentlich den Privatdetektiven vorbehalten ist. Doch Fiona ist Polizistin. Sie erzählt in abgehackten, nicht vollendeten Sätzen. Ein bis zwei Worte reichen manchmal aus, um als Leser zu wissen, was sie denkt, was sie meint. Außerdem hat sie ihre Karriere in der Polizei eigentlich noch vor sich, verspürt aber keinerlei Ambitionen zu Höherem. Dafür möchte Fiona immer nur eines: ihren Willen durchsetzen. Höchst amüsant wirken deshalb ihre Gespräche mit den Vorgesetzten, denen sie einerseits schmeichelt und dem Leser bei jedem „Jawohl, Sir!" mitteilt, was sie dabei denkt. Bei so manchem Gesagten „Jawohl, Sir!" scheint sie hinter ihrem Rücken den Mittelfinger einer Hand hoch zu strecken. Doch die Besonderheiten dieser Figur nehmen damit noch kein Ende. Gegen ihren Vater, der tatsächlich ein Verbrecher ist, hat sie ermittelt. Außerdem ist sie die Freundin der Tochter eines Mörders, den sie ins Gefängnis gebracht hat. Und sie verspricht dem Vater eines verschwundenen Mädchens, dass sie ihm seine Tochter zurück bringen will. Genau genommen nicht, dass sie das Mädchen zurück bringt, wohl aber dass sie es versuchen wird. Dafür organisiert sie eine Putzkolonne für den depressiven Vater, damit dessen Haus wieder einladend aussieht. Und sie organisiert auch eine inneneinrichterin für ihn.

Man muss beim Lesen des Romans nun aber nicht vor lauter Ermittlungsarbeit in Rätselraten verfallen. Es gibt genügend Action und turbulente Szenen, in denen sich Fiona wegen ihrer Dickköpfigkeit in Gefahr begibt. Dadurch bekommt sie hinreichend Gelegenheit, ihre Schlagkraft und Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nicht verstehe, warum Harry Bingham mit seiner Fiona-Reihe bislang an mir vorbei gegangen ist. Er ist einer der besten Schriftsteller, die das Vereinigte Königreich zu bieten hat. Und er verlagert mit der Fiona-Reihe die Schauplätze von Schottland und England nach Wales. Aber es passt und jeder Krimiliebhaber sollte zugreifen.

Harry Bingham
Fiona - Wo die Toten leben
Aus dem Englischen von Kristof Kurz und Andrea O’Brian

Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499275104

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Mittwoch, 3. April 2019

Joe Fischler - Der Tote im Schnitzelparadies


Ein neuer Ermittler, den ich trotz seiner nicht einfachen Art ins Herz geschlossen habe

Nach einem Fehltritt wird Polizist Arno Bussi von seiner Dienststelle in Wien nach Vorderkitzlingen geschickt um hier den verschwundenen Bürgermeister zu suchen. Sein Kopf wird ihm gleich nach seiner Ankunft in dem entlegenen Tiroler Tal in der Gefriertruhe der Wirtin des Schnitzelparadies´ serviert. Heftige Unwetter und Erdrutsche machen die Straße ins Tal unpassierbar und so ist Arno auf sich allein gestellt. Ohne Strom, ohne Handyempfang, ohne seine himmelblaue Vespa und ohne seinen geliebten Espresso gelingt es ihm über einige Umwege und eine zweite Leiche Licht ins Dunkel der Ermittlungen zu bringen. Wobei es ihn beinahe selbst erwischt hätte.


Arno Bussi ist ein neuer sehr unkonventioneller Ermittler, mit noch unkonventionelleren Methoden. Mich hat er mit der Lösung seines ersten Falles überzeugt.

Es dauert zwar eine Weile, bis sich die Spannung richtig ausbreitet, aber dann geht es Schlag auf Schlag und ich muss aufpassen, dass ich nicht etwas Entscheidendes verpasse. Denn ich will auch hier mit ermitteln und mit rätseln. Was mir sehr gut gelingt, mich allerdings nicht zum Täter führt. Das „mich-an-der-Nase-herumführen“ hat der Autor sehr gut hinbekommen.
Aber auch die vielen ruhigen Passagen werden nie langatmig oder gar langweilig. Sie haben eine ganz eigene Spannung in sich.

Überhaupt mag ich die Schreib- bzw. Erzählweise von Joe Fischler. Mir gefallen vor allem die Szenen, bei denen mein Kopfkino gar nicht anders kann als anzuspringen und mir alles bildlich vor Augen zu führen. Ich habe geschmunzelt und auch mal laut gelacht. Erfrischend anders als die meiste Lektüre, die ich sonst so lese.

Die Personen, die hier außer Arno, in Szene gesetzt sind, haben alle ihren eigenen Charakter, sind skurril, manche sehr eigen, benehmen sich seltsam – so, wie man sich halt die Bewohner ganz hinten im Tal vorstellen kann. Klischees werden viele bedient. Ganz selten eingestreute dialektische Worte geben neben den beiden Umgebungskarten von Vorder- und Hinterkitzlingen der Geschichte ihren regionalen Flair.

Ein spannender und interessanter Beginn einer neuen Reihe um den jungen Ermittler Arno Bussi. Er hat mich gut unterhalten und ich hoffe, dass er bald wieder einen neuen Fall lösen darf.

Joe Fischler
Der Tote im Schnitzelparadies
Kiepenheuer & Witsch, Köln

ISBN 9783462051513

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