Sonntag, 31. März 2019

Meike Werkmeister - Sterne sieht man nur im Dunkeln


Der Lebensplan von Anni und Thies, die nun schon seit 10 Jahren zusammen leben, gerät ins Wanken, als Thies sich plötzlich doch vorstellen kann zu heiraten. Anni möchte eigentlich, dass alles so bleibt wie es ist. Oder doch nicht? Und will sie für einen super tollen Job als Gamedesignerin von Bremen nach Berlin ziehen? Ohne Thies? Um sich klar zu werden, was sie eigentlich will, nimmt Anni die Einladung ihrer ehemals besten Freundin an und reist für 6 Wochen auf die wunderschöne Nordseeinsel Norderney.

Anni mit ihrer herzlichen, unkonventionellen Art habe ich ab der ersten Seite ins Herz geschlossen. Überhaupt sind alle Menschen, die ich hier kennengelernt habe, trotz ihrer Unterschiedlichkeit einfach nur liebenswert, sympathisch und vor allem menschlich und sich selber treu.

Meike Werkmeister hat mich durch Anni auf eine so wunderbar leichte, liebenswerte, manchmal auch tiefgründig Art und Weise durch die Lektüre geführt. Ich erfahre nach und nach, warum die Freundschaft zwischen Anni und Maria seinerzeit zerbrochen ist, sehe Mo, die Mutter von Thies in ihrem Garten werkeln und Iris, die Mutter von Maria Kuchen für das kleine Strandcafé backen. Ich habe gelacht und mich weg geträumt, und zum Schluss auch ein paar Tränchen verdrückt.

Immer wieder sind kleine Zeichnungen mit klugen Sprüchen eingestreut. Wunderschön und abwechslungsreich. Am Ende des Buches bekomme ich sie alle auch nochmal in groß und bunt zu sehen.

Alles in allem ein wunderbares Buch mit unerwarteten Wendungen, für sehnsuchtsvolle und ausgelassene Lesestunden, das ich sehr gerne gelesen habe.

Meike Werkmeister
Sterne sieht man nur im Dunkeln
Goldmann Verlag, München

ISBN 9783442487875

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 29. März 2019

Lena Avanzini: Am Ende nur ein kalter Hauch


In diesem Roman lässt Avanzini ihre Kette rauchende Ermittlerin Carla Bukowski sich erneut in einen Fall verbeißen. Er zieht sie in ihre Heimat.

Der Fall den sie in ihrem Wiener Kommissar zu klären hat, scheint bald gelöst. Außerdem setzt ihr eine Erkältung extrem zu. Bei einem unerfreulichen Familientreffen hat sie nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder Kontakt zu ihren Brüdern und lernt dabei auch ihren aufgeweckten Neffen kennen, der bereits 20 Jahre alt ist. Der Streit in der Familie bleibt nicht aus und doch bekommt sie von einem ihrer Brüder die Information, dass dessen Sohn verschwunden ist. Dies ist verbunden mit der Bitte, zu helfen, da sie doch bei der Polizei wäre. Obwohl sie bereits vor Jahren ihre Eltern und Geschwister verlassen hatte, um einen eigenen Weg zu gehen, mag sie sich nicht ganz verschließen und willigt ein, bei der Suche nach ihrem Neffen zu helfen. Carla holt sich Hilfe vom Innsbrucker LKA und gemeinsam machen sich alle auf die Suche nach dem Neffen und Sohn und der Jagd nach dem Erpresser und dessen Motive.

Neben der Spannung in den Ermittlungen hat die Autorin ein extrem kompliziertes Familiengeflecht gesponnen, in dem sich nicht nur die Fäden, sondern auch die Leser verfangen können. Stück für Stück kommt die düstere Vergangenheit von Carlas Familie zum Vorschein, die Gründe, warum sie bereits vor Jahren mit ihrer Familie abgeschlossen hatte. Geschickt sind Kapitel eingestreut, die als Rückblenden in Carlas Vergangenheit zeigen, dann aber auch wieder Schnipsel von einem Blog, den der verschwundenen Neffe betrieben hat. Schließlich gibt es Kapitel aus der Gedankenwelt eines Menschen, di darauf schließen lassen, dass er gefangen gehalten wird.

Die Protagonistin hat ein widersprüchlichen Charakter und wird deshalb nicht von jedem Leser geliebt werden. Sie ist ziemlich spröde und hat gefühlt den ganzen Roman über einen Glimmstengel zwischen den Lippen. Damit hebt sie sich von allen smarten Figuren der heutigen Romanwelten ab, in denen gesellschaftlich korrekt fitnessbetonte Veganer das Sagen haben. Ich mochte sie gerade deshalb.

Spannend, unterhaltsam, aufrecht - klare Empfehlung. Wer noch mehr über Carla Bukowski erfahren möchte, findet hier meine Besprechung zu „Auf sanften Schwingen kommt der Tod"

Lena Avanzini
Am Ende nur ein kalter Hauch
Haymon Verlag, Innsbruck

ISBN 9783709979037

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Mittwoch, 27. März 2019

Jonas Greenhill - Das Mojo-Prinzip


Mit einem Traum fängt alles an

„Ich denke, was ich sehe und ich sehe, was ich denke“

Jason, 32, Zeitungsredakteur bei Harlem News in New York lebt mit sein Wellensittich Henry II in Tribeca, dem südlich gelegenen Teil von Manhatten. Eines Morgens begegnet er nach dem Besuch seines Lieblingscafes seiner Traumfrau, Mary. Und dann wacht er auf. Alles nur ein Traum. Ein Angler, den er zufällig trifft erzählt ihm vom Mojo, mit dessen Kraft man alles erreichen kann, nur mit der Kraft der Gedanken. Jason macht sich auf die Suche nach diesem Mojo.

Dem Angler und ein geheimnisvoller alter Mann auf der Ward´s Island Brücke begegnet Jason immer wieder. Real? Oder im Traum?

Ich begleite Jason, wenn er über Gedanken, das richtige Denken, das richtige Bewusstsen, das Unterbewusstsein, über spirituelle Naturgesetze, den Willen, Erfolg, Harmonie, Glück, Leidenschaft und Mut philosophiert. Immer bin ich beim Lesen in Jasons Büroalltag zwischen Aktenbergen und seinen Kollegen Walter, Maurice, George und Polly eingebunden. Mir gefällt er sehr gut, dieser ernste junge Mann, der sich nicht nur mit Belanglosem abgibt.
Als er dann einer jungen Frau begegnet, die seiner Mary aus seinem Traum zum verwechseln ähnlich sieht, hat er sie gefunden, seine Traumfrau, im wahrsten Sinne des Wortes.

Einige Wort- oder Trennungsfehler haben mich beim Lesen nicht sehr gestört, sollten aber beseitigt werden.

Eine wunderbar leichte, philosophische Geschichte über einen jungen Mann, der seinen Weg sucht – und ihn dann auch findet.

5 von 5 Lesesternen

Jonas Greenhill
Das Mojo-Prinzip
Selfpublisher
ISBN 9781793463180

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Sonntag, 24. März 2019

Giulia Conti - Lago Mortale


Krimi und Reisebericht gekonnt vereint

Als der aus Frankfurt stammende und seit 6 Jahren in Norditalien ansässige Deutsch-Italiener Simon Strasser, von einem Kollegen liebevoll „Edelfeder“ genannt, von seiner Terrasse aus eine Yacht auf dem Lago d´Orta treiben sieht, ist sein Spürsinn erwacht. Der ehemalige Polizei- und Gerichtsreporter geht der Sache auf den Grund und findet an Bord die Leiche des Fabrikantensohns Marco Zanetti. Hinter dem Rücken von Maresciello Carla Moretti, der ermittelnden Kommissarin, beginnt er mit eigenen Ermittlungen. Nicht ahnend, dass er sich damit selbst in allerhöchste Gefahr begibt.

Giulia Conti legt mir als Leserin mit ihrem Piemont-Krimi keinen blutrünstigen Krimi vor. Als Reisebuchautorin beschreibt sie vor allem den See und die wunderschöne Landschaft, die Menschen und die Orte rund um den Lago d´Orta. Ich merke beim Lesen, dass sie sich dort auskennt und dieses kleine Stückchen Erde liebt.
Gelernt habe ich auch wieder etwas. Diesmal über Hornissen, über Marmor und den Mailänder Dom. Dass das Thema Homosexualität in den Krimi eingearbeitet wurde, hat mir gut gefallen.

Zu Beginn der Lektüre nimmt die kriminalistische Handlung nur einen kleinen Part ein. Ich werde vielmehr mit Simon, seiner Ziehtochter Nicola und ihrem gemeinsamen Leben vertraut gemacht. Die Autorin schafft für mich eine richtige Wohlfühlatmosphäre. In der zweiten Hälfte geht es dann allerdings zur Sache und ich konnte mit fiebern und mit ermitteln. Simon Strasser gefällt mir als ermittelnder Reporter sehr gut. Er verlässt sich auf sein Bauchgefühl, hat einen intelligenten Spürsinn und kommt so menschlich und geerdet rüber, dass ich mich gleich mit ihm angefreundet habe. Auch seine etwas flatterhafte Ziehtochter Nicola habe ich schnell in mein Herz geschlossen. Es gibt aber auch noch weitere Protagonisten, die alle ihre Eigenheiten und mich fasziniert haben.

Mir hat diese Mischung aus „Reisebericht“ und Krimi sehr gut gefallen. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt, mich in den Piemont geträumt und nebenbei noch einen vertrackten Kriminalfall gelöst. Ein kleines Bisserl mehr Spannung könnte der Krimi schon noch vertragen.
Ich hoffe bald mehr von Simon Strasser, seinen Freunden und Maresciello Carla Moretti lesen zu können.

4,5 von 5 Lesesternen

Giulia Conti
Lago Mortale
Atlantik

ISBN 9783455005462

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 22. März 2019

Wallace Stroby: Der Teufel will mehr


Ein weiterer Roman dem aus der Crissa-Stone-Reihe des Pendragon Verlages, der mich überzeugt hat. Er ist rasant zu lesen, lässt die Seiten nur so drehen, weil spannend und actionreich. Und das ganz ohne Ermittler, weil es sich um einen Gangsterroman handelt.

Die Aufgabe für die Meisterdiebin Crissa Stone lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Crissa wird von einem Kunstsammler angeheuert, um für ihn denkmalgeschützte Skulpturen zu entwenden. Das Besondere dabei ist, dass die aus dem Nahen Osten stammenden Sachen bereits im Besitz dieses Sammlers sind. Sie waren während des Krieges in seinen Besitz gelangt und in die USA verbracht worden mit dem Argument, sie vor weiterer Kriegszerstörung zu schützen. Nun wollte sie der Staat, dem die Statuen eigentlich gehören, wieder zurück haben. Just in dem Moment taucht beim Sammler ein interessierter Käufer auf. Bevor er alles umsonst an den Start zurückgibt, will der Kunstsammler sie doch lieber gegen Geld verkaufen. Um das alles plausibel verargumentieren zu können, sollen die Skulpturen beim Transport geklaut werden. Dafür braucht er Crissa Stone. Sie hat ihr Können als Diebin und Planerin bewiesen. Sie verfolgt über ein großes Netzwerk von Leuten, mit denen sie ihre Diebstähle organisieren kann. Doch dieses Mal läuft etwas aus dem Ruder.

Stroby schreibt in kurzen Kapiteln und erhöht die Spannung durch ständige Szenenwechsel. Da Polizei und Ermittler keine Rolle spielen, geht es um die Konflikte innerhalb der Ganovenschar. Keiner traut dem anderen. Es fließt viel Geld, aber wenn etwas nicht stimmt, wird schnell und auf brutalste Weise kurzer Prozess gemacht. In seiner Brutalität erinnert mich die Vorgehensweise an die TV-Serie „Sons Of Anarchy".

Gerne empfehle ich diesen Pageturner für alle, die sich durch Action unterhalten lassen wollen. Oder solchen Leser die mal über Ihr Lieblingsgenre hinaus etwas Neues kennenlernen möchten.

Wallace Stroby
Der Teufel will mehr
Aus dem Amerikanischen von Alf Meyer
Pendragon Verlag, Bielefeld
ISBN 9783865326461

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Mittwoch, 20. März 2019

Christian Jaschinski - Wolfsspiel


Krimi muss nicht vor Blut triefen

In Lippe geht die Angst um. Kurz nachdem eine nicht zu identifizierende Leiche entdeckt wird, gibt es einen zweiten Toten. Beide mit den gleichen Merkmalen: In Ohren und Nase finden sich Spielfiguren wie von einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Die Kommissare Florian Dreier und Bernd Rohde stehen vor einem Rätsel. Unterstützt werden sie bei ihren Ermittlungen aus dem Hintergrund von Tara Wolf und zwei ihrer Freunde. Tara sucht auch immer noch den Rocker, der ihren Mann bei ihrer Hochzeit ermordet hat. Und ein nerviger Staatsanwalt will unbedingt Ergebnisse ...

Nach „Mörderisches Lipperland“ ist dies der zweite Fall, bei dem ich Strafrichterin Tara Wolf und Kriminalhauptkommissar Florian Dreier beim Lösen eines Kriminalfalles über die Schulter schaue. Gerade die Beiden habe ich gleich ins Herz geschlossen und mich gefreut, dass sie mich auch bei diesem Fall Mäuschen sein lassen. Auch die anderen Protagonisten haben irgendwo ihr Päckchen zu tragen und sind gut vorstellbar ausgearbeitet und wirken richtig menschlich und authentisch. Sogar den Täter kann ich verstehen und seine Taten nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht gutheiße.

Ab einem regnerischen Mittwoch im Februar bin ich dabei, und versuche zusammen mit Florian Dreier und seinem Kollegen Bernd Rohde, der seine privaten Probleme nicht in den Griff bekommt, 13 Tage lang einen Serienkiller zu stellen. Auch wenn man meint es passiert nicht viel, weil die Ermittlungen immer wieder ins Stocken kommen, da sich der Täter absolut keine Fehler erlaubt, finde ich die Gespräche, Gedanken und Dialoge richtig gut und kann so noch besser verstehen, wie die Menschen, die ich hier begleite, ticken. Natürlich habe ich bald einen Verdacht, der aber durch neue Erkenntnisse oder einer neuen Wendung wieder „freigelassen“ werden muss. Der Schluss bzw. die Auflösung hat mich dann doch überrascht, ist aber schlüssig und absolut nachvollziehbar.

In kursiver Schrift bekomme ich fast täglich auch die Gedanken des Mörders zu lesen, was die Spannung weiter anfacht.

Christian Jaschinski hat seinen Lesern hier einen zumeist unaufgeregten, leisen und doch sehr spannenden Krimi vorgelegt. Und ich hoffe, dass Florian und Tara bald wieder einen neuen Fall zu lösen haben.

5 von 5 Sternen

Christian Jaschinski
Wolfsspiel
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839223888

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Sonntag, 17. März 2019

Barbara Wendelken - Mach was Böses


Spannend, interessant und wendungsreich

In Bremen geht der „Drosselmörder“, wie die Presse ihn nennt, um. Junge, blonde Frauen sind im Moment beim Joggen nicht sicher. Zusammen mit seinen Kollegen Konstanze Schaffer und Florian Gercke versucht Hauptkommissar Nikolai König den Serienmörder zu fassen. Als dann eine gute Freundin von Nikolai an ihrer Wohnungstür erstochen wird, ist er sich sicher, dass es hier einen Zusammenhang gibt.

In ihrer Geschichte lässt Barbara Wendelken die handelnden Personen abwechselnd aus ihrer Sicht Blicke auf den Kriminalfall werfen und von ihren persönlichen Problemen erzählen. Gerade diese Abwechslung erzeugt von Anfang an eine Spannung, die stetig steigt. Ich bekomme also nicht nur einen spannenden Fall, der gelöst werden muss, sondern ich bin auch dabei, wie nach einem ersten Aus eine Liebesgeschichte neu entwickelt und Konstanze Schaffer lernen muss ohne ihren Mann Adam auszukommen.

Ich mag es sehr, wenn ich die Kommissare auch privat besser kennenlerne. Hier finde ich die Mischung zwischen Kriminalfall und Persönlichem sehr gut getroffen. Vor allem auch, weil das Persönliche plötzlich ebenfalls in Richtung Kriminalität ausstrahlt.

Ich mag die meisten der hier vorkommenden Personen mit ihren Ecken und Kanten, mit ihren Zweifeln und ihrem Glauben an das Gute. Alle sind gut vorstellbar , menschlich und authentisch beschrieben. Mein Kopfkino ist hier mal wieder im Dauereinsatz. Besonders Finja Michaelis, die Psychologin, mit ihrer Labradorhündin China habe ich schnell ins Herz geschlossen. Und Florian Gercke, der nervt am Anfang einfach nur. Aber ich bin sicher, auch aus ihm wird mit der Zeit ein guter Kriminaler werden.

Die Kriminalfälle, die es hier zu lösen gibt, zeigen auch auf, wie mühsam es für die Polizei teilweise ist, kleinste Puzzleteilchen an die richtigen Stellen zu setzen. Und wie sich alles entwickelt, sollten sie falsch gesetzt worden sein. Nach ca. zweidrittel der Geschichte war mir fast klar, wer der Drosselmörder ist. Aber durch immer neue Wendungen und immer neue Tatsachen hat mich das beim Lesen überhaupt nicht mehr gestört. Im Gegenteil: Ich wollte nun genau wissen, ob und wie die Polizei diesem Täter auf die Spur kommt.

Fake News, auch dieses Thema wird hier kurz angesprochen und zeigt, was daraus entstehen kann, wenn sich eine Reporterin nicht an die Spielregeln hält.

Ein spannender und interessanter Fall, menschliche Protagonisten und ein Schreibstil, der fesselt. Ich hoffe, dass Nikolai, Konstanze und „der Kleine“ Florian bald einen neuen Fall zu lösen bekommen.

Barbara Wendelken
Mach was Böses

Edition M
ISBN 9782919804368

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Freitag, 15. März 2019

Brigitte Glaser: Rheinblick


In ihrem neuen Roman aus der und über die Bonner Republik geht es dieses Mal nicht um Konrad Adenauer, sondern um Willy Brandt. Er führt den Leser in die Zeit von 1972. Bonn ist ein kleines, beschauliches Städtchen, in welchem große Politik gemacht wird. Politiker, Parlamentarier, Presseleute, Studenten und andere Menschen treffen hier aufeinander. Es ein Schmelztiegel von Intrigen und Kompromissen.

Zentrale Hauptfigur ist Hilde Kessel, die Wirtin des Lokals „Rheinblick", in welchem sich Parlamentarier aller Parteien und Journalisten die Klinke in die Hand geben. Es ist Wahlkampf in der Republik. Obwohl das Restaurant gegenüber des Bundestags ein Ort der Verschwiegenheit ist, hat Hilde diesbezüglich einmal einen Fehler in ihrem Leben gemacht. Dadurch ist sie erpressbar. Zweite Figur ist Sonia Engel, eine Logopädin, die den frisch gewählten Bundeskanzler während seines totalen Stimmenausfalls behandeln soll. Unerfahren in Sachen Politik möchte sie ihre Schwester finden, die verschwunden ist. Auch sie gelangt deswegen unter Druck.

Von Beginn an stellt sich die Frage, ob es sich um einen Kriminalroman mit politischem Flair oder einen Roman mit kriminellen Elementen handelt. Ich würde Letzterem zustimmen. Denn die Kriminalhandlung ist nicht so tiefgreifend, dass sie alles durchdringt und den Leser zwingt, bis zum Ende zu lesen. Im Roman sind die Beziehungsgeflechte zwischen den Menschen unterschiedlichster Couleur sehr breit dargestellt. An historischem Material erfährt der Leser, welche Umstände dazu führten, dass Willy Brandt Kanzler wurde und welche Machtspiele dazu führten, dass er von diesem Amt zurücktrat. Die Gespräche über Politik zwischen den Parlamentariern nehmen einen großen Raum ein. Man muss sie mögen, um bis zum Ende zu lesen.

Dennoch ist es ein historischer Roman der jüngsten Vergangenheit, der die politischen Ereignisse sehr gut in ein fiktives Umfeld setzt. Über den Weg der Unterhaltung wird bei manchem Leser die eine oder andere Gedächtnislücke bereinigt.

Brigitte Glaser
Rheinblick
List Verlag, Berlin

ISBN 9783471351802

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Mittwoch, 13. März 2019

Romy Hausmann - Liebes Kind


Außer Kontrolle!

„Liebe. Ganz gleich wie krank, verdreht oder falsch verstanden, bleibt es immer noch Liebe.“

Vor 4825 Tagen haben Karin und Matthias Beck ihre Tochter Lena das letzte Mal gesehen. Seitdem suchen sie nach ihr und nach Antworten, die ihnen niemand geben kann. Nun stehen sie in Cham im Krankenhaus und hoffen, dass die Lena, die kurz vor der tschechischen Grenze vor ein Auto gelaufen ist, ihre vermisste Tochter ist.
Bei dieser Frau ist die 13-jährige Hannah. Zusammen mit ihrem 11-jährigen Bruder Jonathan wurden sie und die Frau in einer Hütte im Wald wie Gefangene gehalten. Alles folgte den Regeln des Mannes, der sich als ihr Vater sah: die Essens- und Schlafenszeiten; sogar die Toilettenzeiten waren reglementiert. Für die Kinder ist die Freiheit, die sie nun genießen könnten, ein Alptraum. Haben sie das Leben doch bisher nur durch die Augen ihrer Mutter kennengelernt.

Diese Geschichte ist allein dadurch schon besonders, da sie beginnt, wo andere ihre Geschichten enden lassen.

Lena, die Mutter von Hannah und Jonathan erzählt ihre Geschichte, genau so wie Hannah immer wieder zu Wort kommt und aus ihrer Sicht erzählt, oder Matthias, der Vater von Lena – alle drei erzählen ihre Geschichte abwechselnd. Wobei man schon am Sprachstil sehr gut lesen kann, wer hier seine Eindrücke gerade schildert. Bedrückende Rückblenden in die Vergangenheit fachen die Spannung immer weiter an. Ich bin fasziniert, schockiert, kann manchmal kaum glauben, was ich hier lese. Alles kommt so vorstell- und nachvollziehbar rüber. Die Personen, egal ob bisher aus der Welt ausgeschlossen, gerade mittendrin oder auf der Suche nach der Wahrheit, zeichnen sich durch ihre Menschlichkeit und ihre Glaubwürdigkeit aus. Ich als Leserin dagegen stehe staunend und Vieles einfach nicht fassend, nicht glauben könnend oder begreifend daneben.

Dann komme ich an den Punkt, wo ich meine, nun den ganzen Umfang der Geschichte verstanden und durchschaut zu haben. Aber nein, es kommt immer mal wieder eine Wende und meine Vorstellung wird total über den Haufen geworfen. Vom Ende war ich einerseits schockiert, andererseits ist es so absolut nachvollziehbar und glaubhaft.

Romy Hausmann hat mich mit ihrem Debütthriller gepackt und nicht mehr losgelassen. Die außergewöhnlichen und tragischen Protagonisten werden bestimmt noch eine Zeit lang in meinem Kopf herumspuken, bevor sie auch bei mir ihren Frieden finden.
Ein Buch, für das ich sehr gerne meine absolute Leseempfehlung ausspreche.

Romy Hausmann
Liebes Kind
dtv

ISBN 9783423262293

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Dienstag, 12. März 2019

Amok Baby von André Bawar


In Berlin werden Mediziner und/oder Menschen, die im medizinischen Bereich tätig waren, Opfer einer krassen Mordserie. Sie alle haben sich an gehandicapten Kindern eine goldene Nase verdient und durch die Behinderung der Kinder richtig viel Geld verdient. Nun werden sie eine/r nach dem anderen getötet. 
Kommissar Piontek wird auf die Ermittlungen angesetzt und er deckt Korruption und dreiste Geschäftspraktiken auf. 
Aber was hat die kleine Friederike Marx mit der Mordserie zu tun? Wie passt sie in das Schema? Sie war doch „nur“ eines der behinderten Kinder, an denen verdient wurde. Ist hier Rache im Spiel?
.
Oben unter dem Bild habe ich geschrieben, dass das Buch eigentlich 14,95 € kostet, so steht es auf der Verlagsseite. Ich habe das Buch jedoch tatsächlich in einem 1€ Shop entdeckt und aufgrund des Klappentextes gekauft.
Ich kenne mich mit behinderten Kindern nicht aus, fand es aber dennoch spannend, zu erfahren, wie sich Ärzte, Krankendienste und Sanitätshäuser hier womöglich bereichern. Und ich muss sagen: Ganz oft kam hier Wut auf, musste ich sprachlos den Kopf schütteln, als ich las, was dort in diesen Bereichen so abgeht (angeblich abgehen soll, es ist ja ein Roman ☺).
Der Autor erzählt seinen Thriller in 3 Handlungssträngen ...
Erschienen als Taschenbuch
im emons Verlag
insgesamt 240 Seiten
eigentlicher Preis: 14,95 €
ISBN: 978-3-95451-476-2
Kategorie: Thriller
© Marion Brunner_Buchwelten 2019

Sonntag, 10. März 2019

Pascal Engman - Der Patriot


Alles nur Lügenpresse?

August Novak, ehemaliger Fallschirmjäger der Fremdenlegion ist ein Mörder mit einem ganz großen, weichen Herz. Jetzt lebt er mit seiner Freundin Valeria Guevara in Chile. Aber ein Teil seines Herzens ist immer noch bei einer Frau in seiner Heimat Schweden.

Ibrahim Chamsai lebt seit vielen Jahren mit seiner Frau Fatima in Stockholm. Ihre Tochter Mitra studiert und will Anwältin werden.

Carl Cederhielm, ein ehemaliger Küstenjäger und seinen Freunden Fredrik Nord und Lars Nilson gefällt die derzeitige Lage in Schweden überhaupt nicht.

Und dann ist da noch Madaleine Winther …

Selten hat mich ein Buch ab der ersten Seite so gefesselt und in Atem gehalten wie Der Patriot. Carl Cederheim und seinen beiden Freunden sind die Stockholmer Lügen-Journalisten ein Dorn im Auge, der gezogen werden muss. Und so beginnen Sie mit einer Mordserie, in die auch Unschuldige mit hineingezogen werden.

Da ich mit heftigem Mord und Totschlag auch beim Lesen nicht so gut umgehen kann, sind hier einige sehr brutale Szenen, über die ich recht zügig drüber gelesen habe. Vor allem, was August in Chile erleben muss bzw. selbst veranstaltet – einfach krass und unglaublich.

Relativ kurze Kapitel springen wechselnd von einem Protagonisten zum andern, von einem Ort zum andern und fordern beim Lesen dauerhaft meine Konzentration, erhöht aber auch die Spannung immer weiter.

Sehr realistisch ist die Geschichte um den Serienkiller geschrieben. Solche Menschen kann es aber nicht nur in Schweden geben, sondern auch bei uns, wie man ja schon mehrfach erfahren hat. Nicht immer sind die arabischen Flüchtlinge die Radikalisierten. Und die Pressefreiheit wird auch nicht immer nur als wahrheitsgemäße Information genutzt. Mich wundert es da nicht, wenn nicht nur Rechtsdadikale das Recht des Landes in die eigenen Hände nehmen und die Presse anfeinden. Dass hat der Autor in seiner Profession als Journalist selbst zu spüren bekommen.

An manchen Stellen wirkt die Geschichte, die insgesamt sehr dicht ist, etwas an den Haaren herbei gezogen. Auch dass sich die schwedische Polizei kaum an Ermittlungen teilnimmt bzw. meist gar nicht vorhanden ist, kann ich mir in diesen Zusammenhängen nicht vorstellen.

Alles in allem habe ich einen spannenden und interessanten Thriller gelesen, der auch zum Nachdenken anregt.

Pascal Engman - Der Patriot
Wer nach den Sternen greift

Tropen Verlag
ISBN 9783608503654

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Freitag, 8. März 2019

Eve Passion - Wilde Triebe


Erotik, die mir sehr gut gefallen hat.

Zwölf teils einfühlsame, teils feurige, aber keinesfalls vulgäre Geschichten, die jede ihren eigenen Spielort und ihre eigenen Paare hat. Egal, ob es Greta mit einem jungen Kunststudenten treibt, sich Elena und Patrick auf einem Bergsteigerhof vergnügen, es freudige Abwechslungen an einem frostigen Ort gibt, sich Carlos auf einem Klassentreffen ersteigern lässt oder sich zwei Fremde an einem anonymen Ort im Nirgendwo treffen – ich lese von Sex auf die unterschiedlichste Art und Weise, von Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen.

Da es sich um abgeschlossene Kurzgeschichten handelt, lassen sich diese leicht und locker nacheinander, oder immer mal wieder zwischendurch lesen. Einfach gut geschriebene Erotik, jede einzelne Geschichte gut verpackt mit Stil und einem gewissen Niveau. Diese Art der erotischen Geschichten gefällt mir sehr gut.

Das einzige, was mir nicht so gefallen hat, sind verschiedene Rechtschreib- oder Wortfehler. Das hemmt bei mir immer etwas den Lesefluss.

Eine 13. Geschichte bekommt man mit einem Gutschein-Code als E-Book übers Internet.

Mir, die ich selten erotische Literatur genieße, haben diese Kurzgeschichten sehr gut gefallen.

Eve Passion
Wilde Triebe
blue panther books

ISBN 9783964771308

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Dienstag, 5. März 2019

Martina Straten - Weiss, weiss, Totenkreis


Sagen aus der Vergangenheit.

Vor 2 Jahren ist das Leben von Franziska Merten durch einen Schicksalsschlag aus den Fugen geraten. Die engagierte Hauptkommissarin hat sich nun von Aachen nach Saarbrücken versetzen lassen, wo sie es schnell mit dem Mord an einem Rentner zu tun bekommt. Nur ein paar Tage später wird ein junges Mädchen auf einem Feld grausam zu Tode geschleift. Und wieder ein paar Tage später finden zwei Jungs die Leichen von drei jungen Medizinstudentinnen. Schnell sieht Franziska Merten hier einen Serienkiller seine Untaten treiben. Kann sie zusammen mit ihrem Kollegen Armin Kühn weitere Morde verhindern?

Gleich nach der ersten Seite frage ich mich, wie alt der kleine Junge wohl sein mag, der so verzweifelt betet, dass ihn seine Mutter nachhause holen möge. Ihn erlebe ich im Laufe der Geschichte immer wieder, die mir zum einen die grausame Vergangenheit in einem Kinderheim im Saarland schildert. Hier erfahre ich immer neue Abarten der Kindesmisshandlung durch einen Pater, der sich dazu berufen fühlt, den Kindern mit seiner perfiden Art Gehorsam und Glauben beizubringen. In den Erzählungen der Gegenwart treffe ich auf verschiedene Ritualmorde und auf Männer, die die Zustände in diesem Kinderheim fast zerbrochen haben.

Die Orte der Zurschaustellung der Leichen sind sehr detailliert und einprägsam beschrieben. Es sind alles saarländische Kultstätten aus Legenden und Sagen, die tief im Mittelalter verankert sind. Die Bücher, die der Autorin bei der Recherche geholfen haben, nennt sie in ihrem Nachwort. Da mich Sagen und Legenden sehr interessieren, werde ich diese demnächst einmal lesen.

Die Protagonisten finde ich sehr gut vorstellbar ausgearbeitet. Jeder Handelnde hat seinen eigenen Charakter, ob nervig, verschlossen oder richtig böse. Meine absoluten positiven Lieblinge in dieser Geschichte sind Scarta, der Airdale Terrier von Franziska, und der sehr gefühlvolle Rechtsmediziner Dr. Thiel. Aber auch Franziska hat ihre sympathischen Seiten, genau so wie Armin Kühn, der nur Probleme hat, sie rauszulassen.

Es geht aber nicht nur um den Kindesmissbrauch, der von der Kirche bis heute z.T. gedeckt wird, nicht um die verschiedenen Morde, sondern auch um Franziskas Aufarbeitung ihrer Vergangenheit. Dabei hilft ihr der charismatische Polizeipsychologe Michael Jung, bei dem ich auch noch nicht weiß, ob ich ihn mögen soll oder will.

Ab der ersten Seite bekomme ich hier spannendste Unterhaltung, bei der mich hier und da auch mal die Gänsehaut überkommt. Schrecklich, wenn ich mir vorstelle, dass es diese Taten so oder so ähnlich wirklich gegeben hat. Und wie die damaligen gequälten Jungs heute als gestanden Männer damit leben müssen.

Nun hoffe ich, dass Franziska noch eine Zeit lang im Kommissariat in Saarbrücken bleiben wird und ich weiterhin ihre spannenden Fälle lesen und mit ermitteln darf.

5 von 5 Sternen

Martina Straten
Weiss, weiss, Totenkreis
Selfpublisher

ISBN 9781790636815

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Sonntag, 3. März 2019

Lotte Minck - Venuswalzer


Alles nur vom Hörensagen.

Andrea „Ruby“ Rubikon ist genervt. Nicht nur, dass die daheim arbeitende IT-Spezialistin seit Tagen mit dem Lärm der Malerkolonne fertig werden muss, nein, zu allem Überfluss ist da auch einer dabei, der sie auf die schäbigste Weise anmacht und provoziert. Als sie eines morgens die Vorhänge aufzieht und dieser fiese Möpp mit offener Hose auf dem Gerüst steht, dreht Ruby durch. Ihr „Ich bring dich um“ ist noch nicht richtig verklungen, da stürzt der Maler Kevin Wehling vom Gerüst - und steht Ruby unter Mordverdacht.

Ihr bester Freund Ben, der sich sicher ist, dass Ruby damit nichts zu tun hat, wendet sich sofort an Astrologin Stella Albrecht. Kann sie auch diesmal einen Fall mit Hauptkommissar Arno Tillikowski zusammen lösen?

Astrologin Stella Albrecht, ihre Mutter Felicitas, ihre Oma Maria „Madame Pythia“, Omas Wegbegleiter Otto Korritke, Stellas besten Freund Benjamin Glaeser und HK Arno Tillikowski kenne ich ja schon vom Fall Breidenbach, dem ersten Band um die Astrologin Stella Albrecht. Und ich habe mich sehr gefreut, dass die Menschen, die ich alle schon so fest ins Herz geschlossen habe, auch hier wieder mit von der Partie sind. Dat is wie Freunde besuchen.

Beim Rest von der Mischpoke, den vier Malern und ihr Chef Johannes Braukmann, bin ich froh, dass ich sie nach Erledigung der Fassadenarbeiten nicht wieder lesen muss. Und ich bin froh, dass ich solche Handwerker bisher noch nicht persönlich erleben musste.

Neben dem kriminellen Anteil hat auch diese Geschichte ihre spaßigen Seiten. Dafür sorgt z.B. Oma Maria, die hier ihr schauspielerisches Talent voll an die Männer bringen kann. Ich habe mehr als einmal herzhaft gelacht.

Und Stella und Arno? Die eiern immer noch umeinander herum, finden sich gegenseitig richtig gut, können aber irgendwie nicht zusammen kommen. Da hoffe ich mal auf das nächste Zusammentreffen der Beiden.

Der Lokalkolorit des Ruhrpotts hat mir zu Beginn der Geschichte etwas gefehlt. Aber als Vater Braukmann auftaucht und mehr zu sagen hat, war ich sofort im Pott zuhause. Es darf aber gerne noch eine Schippe mehr sein.

Lotte Minck hat es auch diesmal geschafft, mich gut zu unterhalten. Aber es gibt auch Themen, über die man nachdenken und diskutieren kann: „Leben“ im Wachkoma, Selbstjustiz und Toleranz z.B. gegenüber anders Aussehenden.

Dieser Fall hat bei mir 4,5 von 5 Sternen verdient.

Lotte Minck
Venuswalzer
Droste Verlag, Düsseldorf

ISBN 9783770020188

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Freitag, 1. März 2019

Simone Veenstra - Auf nach Irgendwo!


Von der wahren Liebe, die für immer ist.

Dies ist der erste Roman, den ich von Simone Veenstra gelesen habe und ich bin begeistert:

vom Prolog - wow, hier facht er gleich zu Beginn die Spannung ganz schön an;

von dem bunten Cover, von dem ich jedes mal, wenn ich es anschaue, gute Laube bekomme;

von dem ausgefeilten, leichten und flüssigen Schreibstil, der mich einfach in die Geschichte und auf die Spuren von Miroslav „Miro“ Möller und Jakob Grünberg hinein gezogen hat;

von den vielen ganz unterschiedlichen Personen, die man, bis auf ganz wenige, einfach ins Herz schließen muss. Ich mag Jakob, der ohne Navi auskommt und keine Bonuskarten mag, sofort. Seine Hintergrundgeschichte erfahre ich immer wieder bei Rückblicken in die Zeiten der DDR, wo der kleine Jakob aufgewachsen ist und seine erste große und einzige Liebe gefunden hat. Er trifft auf seiner Fahrt nach Tschechien, wo er einige alte Dampfloks fotografieren will, den jungen Tramper Miro. Gemeinsam gehen sie mit dem VW-Bus Bienchen auf eine Fahrt auf der Suche nach Vergangenheit (Jakob) und Zukunft und Vergangenheit (Miro);

von einer interessanten und abwechslungsreichen Reiseroute, bei der ich Prag, Bratislava und einige andere Städte kennengelernt habe und einiges über Antonin Dvořák und seine Musik erfahre;

von zwei grundverschiedenen Familiengeschichten, die mich ab der ersten Seite gefesselt haben.

Eine wunderbare Lektüre, bei der ich auf der Suche nach der großen Liebe von zwei liebenswerten Menschen dabei sein durfte. Interessante und spannende Unterhaltung, die ich gerne weiter empfehle.

5 von 5 Sternen

Simone Veenstra
Auf nach Irgendwo!
Heyne Verlag, München

ISBN 9783453422704

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© Gaby Hochrainer, München 2019