Dienstag, 29. Januar 2019

Arno Dronzella - Flucht aus dem Eichenwald


Vom Käfer Kalle, der Abenteurer werden will

Dem kleinen Käfer Kalle ist es einfach nur langweilig. Er will doch Abenteurer werden, in die Welt hinaus gehen. Er dagegen hängt mit seinen Freunden Tim und Joe zuhause rum, muss auf seine kleine quengelige Schwester Heidi aufpassen und in die Schule möchte er auch nicht mehr gehen. Da kommt ihm ein kleines Paddelboot ganz recht, in das er von seinem Ausguck auf einem Baum hinein stürzt. Nun hat er seine Abenteuer, eins nach dem anderen, und merkt sehr schnell, wie sehr ihm seine Eltern, seine kleine Schwester Heidi und seine Freunde fehlen. Und sogar seine Schule beginnt er zu vermissen.

Mich hat das bunte Cover mit dem kleinen wandernden Käfer sofort angesprochen. Und ich wusste sofort, mit wem ich diese Geschichte lesen würde. Sie lässt sich gut vorlesen, aber auch von Zweitklässlern selbst gut lesen.

Dass dieses Buch in 15 Kapitel unterteilt ist, kam dem Leseverhalten meines kleinen Nachbarn sehr gelegen. So haben wir jeden Tag zusammen gesetzt und eine Geschichte gelesen, uns über den Abschnitt unterhalten und ich musste immer wieder Fragen beantworten. Aber auch ich habe Fragen gestellt, die wir dann diskutiert haben.

Die wundervollen Zeichnungen von Ina Nord wurden angeschaut und kommentiert. Wir haben uns sogar überlegt, wie die Geschichte jeweils weiter gehen könnte und waren dann überrascht, was am nächsten Tag wirklich geschah.

Mir hat es großen Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen bzw. vorgelesen zu bekommen und darüber zu sprechen. Sie hat sogar einen lehrreichen Aspekt, denn immer wieder haben wir uns Sachen im Lexikon angeschaut, die hier angesprochen wurden.

Ein wunderbares Buch für Leseanfänger, aber auch für Erwachsene.

Arno Dronzella
Flucht aus dem Eichenwald
epubli Verlag

ISBN 9783746791111

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 27. Januar 2019

Marie Matisek - Sommer der Erinnerung


Eine kleine Sommergeschichte …

Als Einstimmung zu einem Roman von Marie Matiseck „Ein Sommer wie Limoneneis“.

Bei einem Geschäftsessen trifft Anwalt Marco Pantanella, der mit seiner Familie seit Jahren in München lebt, auf einen Landsmann von der Amalfi-Küste. Als dieser einen kleinen Kompass aus der Tasche holt, schweifen Marcos Gedanken zurück in seine Kindheit. Denn auch er hatte einen solchen Kompass, ein Geschenk vom Vater seines besten Freundes Pippo.

Zusammen mit Marco und Pippo gehe ich im Jahr 1987 auf die Suche nach 2 kleinen Zicklein, die nach einem Erdbeben hoch auf den Berg verschwunden waren.

Der Schreibstil ist leicht und locker, bringt mir die Menschen, ihr karges Leben und ihre Lebensfreude nahe. Ich fühle mich sehr schnell mittendrin in Italien an der Amalfi-Küste, wo man immer wieder mal mit Erdbeben rechnen muss.

Ich spüre die Angst des kleinen Marco, der vor Erschöpfung eingeschlafen, spät abends wieder wach wird und sich nicht allein wieder den Berg runter traut. Aber die Geschichte geht ja noch mal gut aus.

Ein wunderbarer Einstieg in den ersten Roman der Amalfi-Reihe „Ein Sommer wie Limoneneis“. Diese Geschichte weckt in mir den Wunsch, die daraus folgenden Bücher ebenfalls lesen zu wollen.

Ein unterhaltsamer Kurzroman, für den ich gerne 4 Sterne in Italien zurück lasse.

Marie Matisek
Sommer der Erinnerung
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN - keine

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Freitag, 25. Januar 2019

Heike Fröhling - Der Gesang des Nordlichts


Ein ganz besonderes Weihnachtsfest.

Gerhard Schlüter hat seine drei Töchter, Claudia, Alexandra und Simone, mit Familie zu seinem 79. Geburtstag zwei Tage vor Weihnachten in sein Haus nach Smaland in Schweden eingeladen. Hier haben sie gemeinsam viele Sommer- und Winterferien verbracht. Und es gibt ein Geheimnis, dass er unbedingt lüften will. Doch wie schon früher gibt es immer wieder Streit, Missverständnisse, Meinungsverschiedenheiten und Ärger. Auch das vorgeschlagene Weihnachtswichteln, das Gerhard vorschlägt, trifft nicht bei allen auf Zustimmung. Dann beginnt Gerhard aus seiner Vergangenheit ab 1945 zu erzählen und allen wird bewussst, wie wenig sie eigentlich übereinander wissen.

Mit diesem Buch hat Heike Fröhling einen sehr emotionalen, aber auch unterhaltsamen Roman geschrieben. Er liest sich leicht und locker, aber gerade die melancholischen Momente haben mich immer etwas innehalten und nachdenken lassen.

Ich genieße es mit den Kindern auf dem zugefrorenen See direkt vor der Haustüre Schlittschuh zu laufen, gehe mit Holger joggen und genieße die Naturbeschreibungen von Gerhard aus den Nachkriegsjahren.

Ich lerne die einzelnen Familienmitglieder mehr oder weniger gut kennen. Die Charaktäre sind gut ausgearbeitet, zeigen ihre wunden Punkte genau so wie ihre Stärken, sind gut vorstellbar und wirken lebensecht. Auffallend finde ich, wie wenig die einzelnen Personen miteinander reden. Bis auf die Kinder, die ihren Gedanken freien Lauf lassen, reden sie eher über- als miteinander, was immer wieder auch zur Verwicklungen führt.

Die Geschichte führt mich durch die Rückblenden von Gerhard auch immer wieder zurück zu seiner ersten Zeit in Schweden. Hier wird er von einer Familie aufgenommen und verliebt sich in die älteste Tochter Sessa. Ich bin berührt von den Erzählungen und den Gedanken an seine Vergangenheit, die Gerhard an seine Kinder und seine Enkel nun weitergibt. Gerade Niklas hängt an den Lippen seines Opas. Und ich meine zu erahnen, wie gut es ihm tut, sich das alles von der Seele reden zu können. Ausserdem erfahren Gerhards Töchter nun auch, wie die Familie zu diesem Haus gekommen ist. Diese Rückblicke sind so interessant und spannend, dass ich einfach immer weiterlesen musste. Und sie passen sich sehr gut in die vorweihnachtlichen Vorbereitungen ein.

Auch diesmal hat mich Heike Fröhling mit ihrem emotionsgeladenen, einfühlsamen, berührenden und spannenden Familienroman sehr gut unterhalten.

Dafür bekommt der Roman von mir die volle Punktzahl: 5 Sterne.

Heike Fröhling
Der Gesang des Nordlichts
Tine & Feder, München

ISBN 9782919803446

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 23. Januar 2019

Craig Johnson: Longmire - Bittere Wahrheiten


Auf diesen Roman war ich neugierig, als ich ihn im Buchhandel entdeckte. Schließlich habe ich alle Folgen der Fernsehserie gesehen und bereits drei Romane in englischer Sprache gelesen. Nun hatte ich Gelegenheit, die erste ins Deutsche übertragene Fassung eines Romans dieser Reihe zu lesen soll ich sagen?

Die Handlung ist natürlich eine typische Longmire-Handlung, bei der die Ermittlungen nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Selbstverständlich gibt es Tote, selbstverständlich gibt es Verbrechen, selbstverständlich ermittelt der Sheriff nicht nur in seinem Revier, sondern auch im nahegelegenen Reservat, selbstverständlich sind auch amerikanische Ureinwohner, wie man die Indianer seit neuesten nennen solle, hier im Spiel. Aber was der Western der Gegenwart vor allem herrüberbringt und wofür er lesenswert ist, ist die Atmosphäre. Als Kenner des Settings und der Figuren ließ ich mich hineinversetzen in die Welt von Walter Longmire und sein Absaroka County. Lesern, die total auf Krimi fixiert sind, mag die Einführung in diese Welt etwas langatmig wirken. Doch wenn man sich auf den Humor des Autors einmal eingelassen hat, erfüllt einen höchstes Lesevergnügen. Zwar sind die Dialoge im Zuge der Ermittlungen immer ernst und echt, aber stets mit schwarzem Humor gespickt, wenn es um die zwischenmenschlichen Beziehungen geht. Es macht Spaß, dem Gelaber der Leute zu lauschen: Vic, die freche Deputy, Ruby, die alles überblickende Sekretärin, Longmire, der immer schwarz sehende Sheriff, Little Wolf mit seinen Indianerweisheiten. Mhm, ja, das ist so.

Kurz zum Fall. Die Opfer haben offenbar vor wenigen Jahre ein kleines Mädchen missbraucht. Das Urteil aber war wohlwollend für die Täter. Doch wer hatte jetzt die Möglichkeit, die damaligen Täter zu töten? Wer hatte ein so starkes Motiv?

Die Übersetzung war der Vorgabe des Autors angemessen. Die stillen Töne wurden genauso aufgegriffen wie die Actionszenen. Empfehlenswert für alle, die amerikanische Gegenwart mit Western und Krimielementen nicht nicht abgeneigt sind.

Craig Johnson
Longmire - Bittere Wahrheiten
Festa Verlag

ISBN 9783865525505

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Dienstag, 22. Januar 2019

Rainer Maria Schießler - Himmel, Herrgott, Sakrament


So sollte Kirche sein

Rainer Maria Schießler, den ich als kellnernden Pfarrer von der Wies´n und aus einigen Besuchen in St. Maximilian im Glockenbachviertel und Heilig Geist direkt am Viktualienmarkt kenne, hat unter Mitarbeit von Stefan Linde seine Gedanken zu Papier gebracht. Sollte man dieses Buch lesen? Von mir ein eindeutiges JA!

In seiner für einen ‚Priester unnachahmlichen offenen Art erzählt Schießler aus seiner Kindheit, wie er mit 19 dazu kam, zölibat leben und Pfarrer werden zu wollen. Er spricht über seine zeitweilige Einsamkeit; Menschen, die am Sonntag lieber brunchen, als zu ihm in die Messe zu kommen; Menschen, die am liebsten das Glockengeläut abschaffen würden; Taxifahren als rollender Beichtstuhl und seiner Liebe zu seinem Motorrad. Er lässt mich in sein Innerstes blicken, breitet seine Höhen und Tiefen vor mir aus und ich erkenne das Einzige, was er wirklich zu wollen scheint – die Liebe an alle Mitmenschen weiter zugeben. Alles in allem meine ich ihn durch seine Selbstbeschreibungen gut kennenzulernen.

Mit seinen Predigten trifft Rainer M. Schießler punktgenau in die Herzen der Menschen. Er spricht konkret an, was andere Kirchenmänner nur sanft umschreiben. Er ist mittendrin in unserer Gesellschaft und schafft es, entgegen vieler anderer Kirchengemeinden, seine Schäfchenherde weiter zu vergrößern. So, wie ich es hier lese, sollte Kirche gelebt werden.

Schießler schreibt so interessant, so spannend, dass ich Mühe hatte, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Er reiht nicht nur die Stationen seines bisherigen Weges aneinander, sondern füllt die Seiten mit kirchlichem Leben. Die Lektüre macht nicht nur nachdenklich, sondern sie hat auch Momente, bei denen ich schmunzeln musste. Schießler ist keiner dieser alten verknöcherten Pfarrer, die ihre Predigt am Snntag hinter sich bringen wolen und gut is. Nein, er füllt das Leben seiner Gemeindemitglieder mit Leben in vielerlei Situationen, nicht nur auf die Kirche bezogen.

Ein tolles Buch, das zeigt, das Kirche auch heutzutage lebendig sein kann und ist. Gäbe es mehr solch offene Menschen im Priesteramt, hätte die katholische Kirche bestimmt einige Sorgen und Austritte weniger.

Rainer Maria Schießler
Himmel, Herrgott, Sakrament
Kösel-Verlag

ISBN 9783466371471

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Die Schwestern vom Ku'damm von Brigitte Riebe


Kriegsende in Berlin. 1945 liegt die Stadt in Trümmern. Das Kaufhaus der Familie Thalheim ist nach einem Bombentreffer bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Villa der Familie von den Russen beschlagnahmt. Der Vater wurde im Krieg versehrt, der Bruder ist in Gefangenschaft in Russland.
Aber der Überlebenswille und Kampfgeist der Thalheim-Frauen ist groß. Allen voran Rike Thalheim – älteste von 3 Töchtern – will das Kaufhaus wieder aufbauen und setzt alles daran, dass dieser Traum Erfüllung geht.
Nach dem Krieg dürsten die Menschen wieder nach schönen Dingen. Nachdem der kalte Winter überstanden, die Währungsreform vollzogen und die Blockade vorbei ist, scheint es aufwärts zu gehen.
Doch neben allem Geschäftlichen hat Rike mit einem Geheimnis zu kämpfen, dass sie selbst unter großen Druck setzt.


Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Leseband
im Rowohlt Verlag – WUNDERLICH
insgesamt  432 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 
978-3-8052-0337-1 
Kategorie: Roman 
© Marion Brunner_Buchwelten 2019

Sonntag, 20. Januar 2019

Phillipa Ashley - Hochzeit im Cafe am Meer


Locker, leicht und unterhaltsam

Die Kälte des Winters vergeht und langsam wird es Frühling in Cornwall. Kilhallon Park ist auf den Ansturm der Gäste gut vorbereitet, Demelza´s Café läuft auch sehr gut. Da bekommen Demelza „Demi“ Jones und Calvin „Cal“ Penwith den Auftrag eine Promihochzeit auszurichten. Die Schauspieler Lily Craig und Ben Trevone wollen sich auf dem Anwesen das Ja-Wort geben. Da an diesem Tag mit viel Aufmerksamkeit zu rechnen ist, die die Ferienanlage gut brauchen kann, sagt Demi zu. Nicht ahnend, was nun alles auf sie einstürmen wird.

Dies ist der 3. und letzte Teil der Serie um das kleine Café am Meer. Für mich war es das erste Buch aus der Reihe, aber ich hatte keine Probleme dem Geschehen zu folgen. Im Gegenteil. Die vielen kleinen Andeutungen, die in die Vergangenheit zielen, machen neugierig. Vielleicht werde ich die ersten beiden Geschichten auch noch lesen.

Die Protagonisten werden ziemlich detailliert, mit Ecken und Kanten, beschrieben. Gerade Cal hat immer noch das Päckchen der Aufarbeitung seiner Vergangenheit zu tragen, die auch in dieser Geschichte noch eine Rolle spielt. Genauso wie Demi, die erst seit einem Jahr wieder sesshaft geworden ist und sich ihrer Familie langsam wieder annähert. Lily und Ben, bei dessen „Für dich tu ich doch alles Baby“ ich schon geahnt habe, was da wahrscheinlich noch kommen wird, entsprechen genau dem Klischee von verwöhnten egoistischen Schauspielern. Wobei ich bei Lily die Wandlung, die sie durchgemacht hat, geschätzt habe. Und natürlich gibt es auch hier wieder jemanden, der sich meine Sympathien erst hat verdienen müssen.

Die Geschichte lässt sich leicht und locker lesen, typisch Sommerlesebuch. Sehr gut gefallen mir die Beschreibungen von Land und Leuten, von der rauen See und der weiten grünen Landschaft mit ihrem Blütenreigen. Es werden aber auch ernste Themen angeschnitten, die jedoch der Leichtigkeit der Geschichte nicht schaden. Sie hätten für mich sogar noch etwas tiefer gehen dürfen.

Da in diesem Buch im Café viel gemixt wird, finde ich die im Anschluss an die Geschichte eingestellten Rezepte für Cocktails sehr gelungen.

„Hochzeit im Café am Meer“ ist ein leichter, abwechslungsreicher Frühlingsroman, der mich einige Lesestunden lang gut unterhalten hat.

4 von 5 Sternen

Phillipa Ashley
Hochzeit im Cafe am Meer
DuMont Buchverlag, Köln

ISBN 9783832164430

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 18. Januar 2019

Olaf Büttner - Scherbenfrau


Hat das Potential zu mehr

Emily Hansen ist begeistert von der neuen Freundin ihres Vaters, die sie über eine Datingplattform gefunden hat. Doch bald kommt Vera Fortmann ihr seltsam vor. Schon nach wenigen Wochen will sie einziehen, heiraten, Kinder kriegen. Ihren Vater scheint das in seiner Verliebtheit nicht aufzufallen. Und Vera versucht alles um ihre Ideen von einer perfekten Familie umzusetzen – auch mit Gewalt …

Die Geschichte wird aus Sicht der siebzehnjährigen Emily erzählt. Daher kommt auch der Schreibstil recht einfach rüber. Die Spannung baut sich langsam auf und hält sich bis zum Schluss, ohne mich aber zu berühren. Mir fehlt der Nervenkitzel, der Überraschungsmoment. Vielleicht wäre es noch spannender geworden, wenn ich auch die Sicht in Veras Gedanken gehabt hätte.

Die Charaktere sind alle recht einfach gestrickt, aber gut vorstellbar. Emily agiert in meinen Augen oft unbedacht und naiv. Ihre Freundin Lena dagegen ist schon sehr abgeklärt. Vera hat mich mit ihrer Maskenhaftigkeit überzeugt. Sie switscht von einer Frau, die mit allen Mitteln überzeugen und perfekt sein will, zurück zu dem kleinen Mädchen, dem Unfassbares wiederfahren ist. Und das innerhalb einer Zeile. Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Vera versucht ihre Fassade aufrecht zu erhaltren, während Emily, die gerade gegen Ende der Geschichte ihre Naivität aufgibt, versucht, sie zu enttarnen.

Viel zu schnell war die Geschichte ausgelesen und hat mich etwas enttäuscht zurück gelassen.

Der für mich seichten, oft vorhersehbaren Geschichte, der es an Intensität, Spannng und Thrill fehlt, die aber das Potential zu einem richtig guten Thriler hätte, gebe ich hier 3,5 von 5 Sternen.

Olaf Büttner
Scherbenfrau
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

ISBN 9783960874072

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 16. Januar 2019

Hanna Caspian: Gut Greifenau - Nachtfeuer


Der zweite Band der Gut Greifenau Trilogie hält erneut einige Überraschungen bereit. Er umfasst die Jahre von 1914 bis Ende 1917, quasi den gesamten ersten Weltkrieg. Während Deutschland wegen der Dauer des Krieges, der ja nur ein paar Wochen dauern sollte, immer mehr im Abgrund versinkt, versuchen die Herrschaften von Greifenau ihre noble Fassade aufrechtzuerhalten, was ihnen nur leidlich gelingt.

Caspian beschreibt die schrecklichen Bilder eines Krieges in drastischer Weise. Die Angst und die Ausweglosigkeit an der Front wird ebenso spürbar wie der Hunger daheim, die fehlenden Männer und Arbeitskräfte, die immer schwieriger zu beschaffenden Lebensmittel.

Erneut bekommt der Leser Einblick in alle Schichten der Gesellschaft. Unumkehrbare Ereignisse versetzen nicht nur die Dienstboten in Angst und Schrecken. Jeder muss mit Verlusten in der Familie rechnen. Und dennoch schafft die Autorin mit der Auflösung eines Problems immer wieder zwischendurch einen Lichtblick. Es bleibt nicht alles im Sumpf stecken. Diese positiven Lösungen sind wohl platziert und schaffen es, den allzu düsteren Ton dieses Bandes aufzuhellen. Die Hoffnung, dass sich etwas zum Guten wendet, lässt den Leser dranbleiben. Wenn da nicht ...

Wie schon beim ersten Band kann ich eine volle Leseempfehlung geben. Das umfangreiche Portrait einer Adelsfamilie in den schwierigen Zeiten vor hundert Jahren vermittelt reichlich gut recherchierte Kenntnisse zur damaligen Zeit und reflektiert mit den menschlichen Beziehung bis in die heutige Zeit.

Hanna Caspian
Gut Greifenau - Nachtfeuer
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426521519

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Dienstag, 15. Januar 2019

Anna Pfeffer - Unter uns nur Wolken


Berührend, unterhaltsam und real

Anika „Ani“ Bayer ist verzweifelt. Sie hat ihren Job verloren, nur noch 50 Euro im Portmonee und ihr Freund Noah hat sie verlassen. Er hat seit langem ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin.

Genau so, nur auf andere Art, ist Thomas „Tom“ Hartmann verzweifelt. Sein Opa Florian ist leicht dement, braucht eine 24-Stunden-Pflege und ekelt jede Pflegerin, die sich bisher vorgestellt hat, wieder raus. Tom aber will unter allen Umständen verhindern, dass Opa ins Heim abgeschoben wird.

Und wie es der Zufall will, treffen genau diese drei Menschen aufeinander.

Als erstes habe ich hier Tom kennengelernt. Er ist mit seinen Kräften am Ende. Tagsüber widmet er sich seinem Opa, abends muss er schauen, dass er seine Bar auf Laufen hält.

Bei Ani schaut es auch nicht viel besser aus. Freund weg, Job weg, kein Zuhause – also bleibt sie erst mal bei Florian, der es ihr mit seinen dauernden Spielchen nicht leicht macht. Aber Ani ist nicht auf den Mund gefallen und bietet dem alten Herrn Paroli.

Tom und Ani erzählen ihre Geschichte jeweils abwechselnd in der Ich-Form. Da bin ich den Beiden noch viel näher, kann ihre Gedanken und ihre Gefühle noch besser nachempfinden. Überhaupt hat mich die Geschichte sehr schnell vollkommen vereinnahmt. Ich bin mitten drin und schaue den Dreien unauffällig über die Schulter. Die Dialoge sind witzig und charmant, aber ich spüre immer auch einen ernsten Hintergrund. Gerade wenn Ani nicht so will wie Florian, kommt mir immer wieder ein Grinsen aus. Der alte Herr ist einfach so klasse. Außerdem platzieren mir die bildreichen Sätze immer wieder Bilder und Szenen in den Kopf.

Obwohl Alzheimer, Altenpflege und das Zusammenleben verschiedener Generationen keine leichten Themen sind, schaffen es die beiden Autorinnen, diese drei Komponenten absolut leicht, locker und witzig in einen Roman zu verpacken.

Die Charaktere sind so liebevoll und individuell mit Ecken und Kanten ausgestattet, wirken lebensecht und menschlich, so dass ich mich schnell mit ihnen angefreundet habe. Besonders Opa Florian, der doch immer mal wieder wirklich was vergisst, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er hat trotz seines Leidens eine so erfrischende Art, die mich einfach berührt hat. Wobei es absolut nicht einfach ist, als Angehöriger, wie hier Tom, damit umzugehen.

Ich hatte mit Florian, Tom und Ani einige wunderbar unterhaltsame Lesestunden. Ich habe geschmunzelt, hatte aber hier und da auch ein paar Tränchen im Auge. Eine doch nachdenklich machende Generationen-Geschichte, die noch lange in mir nachwirken wird.

Anna Pfeffer
Unter uns nur Wolken
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634302

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Sonntag, 13. Januar 2019

Linda Ashman - Klopf, klopf, komm herein


Mal was ganz anderes:

Ein wunderbares Buch für unsere Kleinsten

Dieses wunderbare Pappbilderbuch habe ich zusammen mit unserem kleinen Nachbarn angeschaut und gelesen. Und er war so angetan davon, dass er es nun jeden Abend im Bett von seiner Mama vorgelesen haben will.

Worum geht es in dieser kindgerechten, in Reimen gefassten Geschichte:

Der kleine Till liegt abends schon in seinem Bett als es an seinem Fenster immer wieder klopft und die verschiedensten Tiere einen Schlafplatz suchen. Und Till hat für jeden einen Platz in seinem Bett. Bis ein letzter sehr großer Gast einen Schlafplatz sucht…

Eine wunderschön von Linda Ashman erzählte und von Chuck Groenink illustrierte Geschichte, die vorlebt, dass es in der kleinsten Hütte, im kleinsten Bett, immer noch einen Platz gibt, für jemanden, der gerade in Not ist.

Ein Bilderbuch für unsere Jüngsten, dass ich sehr gerne weiterempfehle.

Linda Ashman
Klopf, klopf, komm herein
ArsEdition

ISBN 9783845829821

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Samstag, 12. Januar 2019

Die zehn meistgelesenen Buchrezensionen in 2018

Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Buchempfehlungen jedes Jahr am meisten gelesen werden. Und das sind nicht nur welche zu den Büchern, die in dem jeweiligen Jahr erschienen sind. Nein, ganz hartnäckig sind es wahrscheinlich die immer noch geliebten Dauerbrenner wie Pascal Mercier oder Klaus Kordon. Im Bild sehr ihr die Übersicht.

Freitag, 11. Januar 2019

Silke Ellenbeck - Harter Asphalt


Hat meinen Geschmack nicht getroffen.

In der niedersächsischen Kleinstadt geht es hinter den Kulissen hoch her. Aljoscha „Aidan“ Riordan und sein Freund Pjotr Koroljov, die beide für den Unterweltkönig Vladirmir „Vova“ Wolkow arbeiten, mischen in Sachen Drogen, Prostitution und Hehlerei kräftig mit. Bis z dem Tag, an dem Vova eine Zeitlang ins Ausland muss und Aidan bittet auf seine minderjährige Tochter aufzupassen ...

Ich mag es sehr, wenn ich die Protagonisten auch privat kennenlerne. Aber hier ist es mir einfach viel zu viel. Das stört über viele Seiten hin die Spannung und macht sie, gerade erst aufgekeimt, wieder zunichte. Alle Personen, die Aidan kennt, und die hier eine kleine Rolle spielen, werden bis ins Kleinste vorgestellt. Aidans Privatleben spielt hier, wie ich finde, eigentlich die Hauptrolle. Alles andere läuft so nebenher.

„Du solltest über Deine Erlebnisse mal ein Buch schreiben“, schlägt Aidan an einer Stelle des Buches einem Bekannten vor. Daran hätte er selbst, bzw. die Autorin sich auch halten sollen. Das hätte der Geschichte nach meinem Lesegeschmack hier sehr gut getan.

Überhapt habe ich nicht den Eindruck einen Thriller gelesen zu haben. Durch Verwicklungen geschieht hier zwar ein Mord und ich erfahre eher nebenbei von einem zweiten. Ansonsten geht es um Prostitution, um Drogendealerei und Antiquitätenfälschung. Aber das Alles läuft für mich viel zu ruhig ab. Vielleicht habe ich aber auch nach dem Klappentext zu viel erwartet.

Da mich die Geschichte insgesamt trotz der teilweisen Langatmigkeit gut unterhalten hat, gibt es gut gemeinte 3 Sterne.

Silke Ellenbeck
Harter Asphalt
DeBehr Verlag

ISBN 9783957535757

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Dienstag, 8. Januar 2019

Fillingers Erbe von Olaf R. Dahlmann


Katharina Tenzer, inzwischen schon einige Zeit in der Kanzlei von Friedemann Hausner als Teilhaberin tätig, bekommt ein eher ungewöhnliches Mandat. Sie soll Bernhard Fillinger, einem sehr kranken Steuerflüchtling, die Haft ersparen.  Dieser will nach Deutschland zurückkehren, um eine besondere Behandlung in Anspruch zu nehmen, die er im Ausland nicht erhalten kann. Als Gegenleistung verspricht er brisante Informationen preiszugeben: Er behauptet nämlich, zu wissen, wohin während der Wendezeit die verschwundenen DDR-Millionen verblieben sind.
Katharina Tenzer setzt sich, nach einem seltsamen Gespräch mit einem engen Freund und Verbindungsmann ihres Mandanten, mit dem zuständigen Staatsanwalt in Verbindung und leitet alles Notwendige in die Wege. Es scheint ganz offensichtlich zu funktionieren, dass ihr kranker Mandant einreisen kann, ohne dass der Haftbefehl gegen ihn greift.
Doch kaum hat Bernhard Fillinger deutschen Boden betreten, wird er am Flughafen aus einer dunklen Limousine heraus niedergeschossen und verstirb noch an Ort und Stelle. Katharina Tenzer ist die letzte, die mit Fillinger spricht. Er flüstert in seinen letzten Atemzügen noch Worte, mit denen Katharina nichts anfangen kann. Mit eingereist ist Fillingers 10-jähriger Sohn, der den Anschlag auf seinen Vater mit ansehen musste.
Katharina Tenzer entscheidet spontan, dass sie den Jungen zunächst einmal mitnimmt. Sie setzt ihn also ins Auto und verlässt den Tatort. Erste Spuren führen die Anwältin dann in die Schweiz, wo sie versucht, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen. Doch gefährlich ist dieses Mandat nicht, ganz und gar nicht …
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 315  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-978-3-89425-592-3
Kategorie: Krimi
© Marion Brunner_Buchwelten 

Sonntag, 6. Januar 2019

Christine Drews - Kälter als die Angst


Auch der 5. Fall für Käfer und Schneidmann absolut lesenswert.

Die ehemalige Opernsängerin Carla Dellbrück wird erschlagen in der Schreinerei ihres Mannes

Klaus aufgefunden. Sie erhielt Drohbriefe, die aber niemand ernst genommen hat. Genau solche Briefe bekommt auch Katrin Ortrup, die mit ihren Söhnen Leo und Finn in diesem Mehrfamilienhaus in Münster-Hiltrup, wo auch Charlotte früher gelebt hat, ein neues Leben beginnen will. Sie wendet sich direkt an Kommissarin Charlotte Schneidmann, die sie vom Entführungsfall ihres Sohnes kennt. Charlotte versucht sie vorerst zu beruhigen.

Kommissar Peter Käfer und die im Außendienst zurückberufene Charlotte Schneidmann beginnen im Mordfall Carla Dellbrück zu ermitteln und stoßen dabei auf einen längst verjährten Fall. Till Brönne, der heute als geläuteter Frauenmörder ein Buch geschrieben hat und dieses jetzt gekonnt promotet, hat seine Frau vor dreißig Jahren gleich der Leiche Dellbrück versucht zu verbrennen.

Dies ist nun schon der 5. Fall, in dem ich mit Peter Käfer und Charlotte Schneidmann zusammen ermitteln darf. Da alle Fälle in sich abgeschossen sind, sind es nur Kleinigkeiten, die mir hier fehlen würden, würde ich die anderen Bücher nicht gelesen haben. Ich finde es allerdings sehr interessant, die Entwicklung der Ermittler bzw. des Teams ab des ersten Falles miterleben zu können.

Spannung baut sich ab der ersten Seite auf und steigert sich kontinuierlich bis zum Schluss. Die Geschichte kommt ohne die Beschreibungen großen Blutvergießens aus, was mir als Leserin sehr zugute kommt. So kann ich viele Szenen in meinem Kopfkino selbst in Szene setzen. Überhaupt habe ich nach kurzer Zeit den Lesestoff in meinem Kopf in Bilder umgesetzt und bin nun noch mehr im Geschehen drin. Ich kann mit rätseln und mit ermitteln, komme jedoch immer wieder an einen Punkt, wo ich meinen Verdächtigen laufen lassen muss, weil es eine neue Wendung oder neue Erkenntnisse gegeben hat.

Christine Drews verwebt die Handlung, die Akteure und die Handlungsorte so gekonnt, dass ich immer weiter lesen will. Sie schafft es mit Leichtigkeit mich am Ball zu halten und immer mehr wissen zu wollen. Sie schreibt sehr leicht, gut verständlich und flüssig mit einer oft sehr bildhaften Beschreibung. Sogar eine Prise Humor fließt hier und da mit ein.

Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, sind manchmal tiefgründig und nicht zu fassen. Zum Schluss, nach der schlüssigen und gut nachzuvollziehenden Auflösung, war ich jedoch erst mal perplex. Der Täter hat mich ganz schön an der Nase herum geführt und überrascht.

Auch diesmal kann ich jedem, der spannende, gut ausgearbeitete Krimis mag, dieses Buch empfehlen. Es hat mir einige interessante und unterhaltsame Stunden geschenkt.

Christine Drews
Kälter als die Angst
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404177882

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© Gaby Hochrainer, München 2019