Sonntag, 13. Oktober 2019

Andrea Schomburg - Die besten Tantenretter der Welt


Eine humorvolle, lebendige, kindgerechte Kriminalgeschichte

Seit dem Tod ihrer Eltern vor 8 Jahren leben Jonas und Fabian nun schon bei ihrer etwas verrückt-chaotischen Tante Erdmute. Die dritte bzw. 5 Klasse der Schule haben die Beiden geschafft und nun stehen die Sommerferien vor der Tür. Aber nix ist es mit Ruhe und Erholung, denn Tante Erdmute, die dauerhaft an Geldnöten knabbert, überfällt in ihrem roten Kleid und ihren Highheels einfach so mal eine Bank. Um erst einmal aus dem Visier der Polizei zu verschwinden, verstecken sich die Drei im Waldhotel. Doch auch hier hören die Schwierigkeiten nicht auf …

Ich habe dieses Buch mit meinem fast neunjährigen Nachbarbuben gelesen.

Als erstes ist uns das kunterbunte Cover aufgefallen, dass sofort ins Auge fällt und schon erahnen lässt, was auf Jonas, Fabian und Tante Erdmute zukommt.

Die schön große Schrift der Geschichte lässt sich sowohl vom Vorleser, als auch vom Erstleser sehr gut lesen. Da Jonas die Geschichte erzählt ist man noch näher an dem Geschehen dran bzw. wird richtig hinein gezogen.

Jedes neue Kapitel wird nicht nur durch eine eigene Überschrift, sondern auch durch eine kleine Illustration eingeleitet. Auch die gibt Stoff um die Gedanken kreisen zu lassen.

Durch die sehr bildhafte und kindgerechte Schreib- und Erzählweise haben wir nach jedem Kapitel, die nicht zu lang gehalten sind, eine kleine Pause gemacht und das Gelesene Revue passieren lassen. Dadurch wird die Fantasie noch weiter angeregt und das Lesen hat uns noch mehr Spaß gemacht.
Da Tante Erdmute sehr gerne und laut singt, haben wir ihr es nachgemacht, uns kleine Reime ausgedacht und diese dann laut gesungen. Hat uns Beiden riesigen Spaß gemacht.
Obwohl die Tantenretter zwei Jungs sind, finde ich die Geschichte genau so gut für Mädchen geeignet.

Aber nicht nur die Figuren der Tante Erdmute, von Jonas und Fabian sind sehr gut ausgearbeitet. Auch andere Charaktere, wie die kleine Johanna, Herr Hartenbein, die Stinktierfrau, der Penner oder Kommissar Wuttke konnten wir uns gut vorstellen.

Eine wunderbar kindgerechte, lebendige Kriminalgeschichte, die mir als Erwachsene aber auch Spaß gemacht hat zum Lesen, drüber reden und zum Anregen der Fantasie.
Meinem kleinen Nachbarn und mir hat diese Geschichte mit den kleinen Illustrationen sehr gut gefallen.

Andrea Schomburg
Die besten Tantenretter der Welt
Hummelburg

ISBN 9783747800072

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 11. Oktober 2019

Sonja Rudorf - Stromaufwärts


Jona Hagen – eine aussergewöhnliche Ermittlerin

Ihre beste Freundin Vesna Ikanovic wird vermisst und Melanie Fritsch-Hagen macht sich große Vorwürfe. Fürchtet sie doch, dass ihr letzter Streit Anlass für Vesna´s Verschwinden ist. Nach zwei Tagen wird die Leiche von Vesna aus dem Main geborgen. Psychotherapeutin Jona Hagen würde ihrer Nichte sehr gerne helfen, kommt aber in Gesprächen nicht an sie heran. Dann taucht ein Blog auf, den Vesna wohl ins Netz gestellt hat; Zettelchen und ein Abschiedsbrief werden gefunden. Ist Vesna gemobbt worden? Hat sie sich deshalb das Leben genommen?

Vier Freundinnen, eine anstehende Castingshow, eine Lehrerin, die die 4 Mädels scheinbar unterstützt??? Schnell glaubt Jona nicht mehr an einen Selbstmord. Aber Mord???
Kommissar Ulf Steiner, der Freund von Melanies Tante sind die Hände gebunden. Ermittelt werden kann erst, wenn ein konkreter Verdacht besteht. Und so schaltet sich Jona selbst ein und versucht Klarheit in die vielen Ungereimtheiten zu bringen.

Sonja Rudorf nimmt mich in dieser Geschichte um die vier Mädchen, die sich in einer Castingshow beweisen wollen, mit nach Frankfurt. Ich lerne Melanie, Kim und Dorothee, die aus total unterschiedlichen Familien kommen, näher kennen und erfahre auch einiges über die tote Vesna, ihre Träume und ihre herausragende Begabung für Musik und Texte. Alle vier haben ihre eigene Persönlichkeit, auf die auch immer wieder eingegangen wird.

Fand ich die Psychotherapeutin Jona Hagen im ersten Teil der Geschichte zu übergriffig – schließlich geht es um das Privatleben ihrer Nichte – fand ich es im zweiten Teil sogar gut, dass sie sich eingemischt und Fragen gestellt hat. Bei ihr erfahre ich auch wieder etwas mehr aus ihrem privaten Bereich, was sie mir noch näher bringt. Eine selbsternannte Ermittlerin, die noch viel Potential hat und die sich gerne weiter einmischen darf.

Die Geschichte ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut und in 2 große Abschnitte aufgeteilt. Ich lerne die Gedanken, Sorgen, Zwistigkeiten und Geheimnisse der Jugendlichen kennen und meine so Jona, die viele Fragen stellt, immer einen kleinen Schritt voraus zu sein. Auch, dass ich die Sichtweise auf die Geschehnisse einmal durch Jona, ein anderes Mal durch Melanie, und auch durch Rückblenden erfahre, macht die Geschichte immer spannender. Bis zu einem Showdown, den ich so wirklich nicht erwartet hatte.

Eine aussergewöhnliche „Ermittlerin“, eine interessante Geschichte um Freundschaft, Intrigen und Geheimnisse – ein Krimi, der mich sehr gut unterhalten hat mit vier Protagonistinnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Nicht nur für Frankfurt-Fans ein Krimi, den ich gerne weiter empfehle.

Sonja Rudorf
Stromaufwärts
Societäts-Verlag

ISBN 9783955423322

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Marina Heib: Die Stille vor dem Sturm


Mit einem unspektakulären, dann aber sehr passenden Cover kommt der Thriller aus dem Pendragon Verlag daher. Ganz klassisch hat die Autorin ihre Figuren auf einem sehr engen Raum eingepfercht, aus dem es kein Entrinnen gibt. Aus Filmen und Romanen sind ähnliche Konstellationen bekannt, dennoch liest sich dieser Roman erneut sehr spannend und klammert die Leser in seinem Bann.

Was passiert? Eine Gruppe gut bemittelter junger Leute plant auf einer Party einen Segeltörn. Die meisten von ihnen (Brüder) sind von Beruf Sohn. Ihr Vater ist Millionär. Der Segeltörn soll in Las Palmas beginnen und über den Atlantik bis zu den Cayman Islands führen, wo sie der Vater zu einer Geburtstagsparty erwartet. Neben den Söhnen, sind auch Freundinnen und Freunde dabei. Doch schon als es an Bord geht, läuft nicht alles so, wie geplant. Der jüngste Bruder fehlt. Er hat sich mit einer SMS entschuldigt und müsse mit einer Band touren. Seine Freundin, nun allein auf Gran Canaria, wird dann aber trotzdem mit auf den Segeltörn genommen. Keiner mochte sie abstoßen, denn schließlich konnte sie ja nichts für das wegbleiben des Bruders. Dieser Vorfall und das Verhältnis der Brüder untereinander sorgen für Spannungen unter der Crew. Doch es bleibt nicht dabei. Wie es sich für ein Thriller gehört, kommt immer ein neues Ereignis, welches das gedankliche Seil beim Leser zum Zerreißen spannt.

Die zunehmende Spannung hat mir besonders gut gefallen. Da sich fast alles auf dieser Yacht mitten auf dem Atlantik abspielt, weiß man, dass es kein Entkommen für die einzelnen Mitglieder der Mannschaft gibt. Und auch nach dem Mord können sie noch soviel ermitteln und spekulieren, wie sie wollen. Einer von ihnen muss der Mörder sein. Auch der Leser wird nicht in das Geheimnis eingeweiht. Aus einer Parallelhandlung erfährt der Leser zwar, dass der jüngste Bruder nicht freiwillig auf den Segeltörn verzichtet hat, aber wer dahinter steckt, bleibt ein Rätsel. Sehr gut gemacht. Auch die Atmosphäre auf dem Meer kommt gut an, man spürt die Seeluft, die Sonne, den Wind.

Eine Wendung ist keine Wendung. Deshalb gibt es auch Wendungen am laufenden Band in sonniger Meeresbrise. Spannung und Unterhaltung pur. Ich wünsche diesem Thriller ganz viele Leser. Er lässt sich nicht nur im Urlaub gut lesen.

Marina Heib
Die Stille vor dem Sturm
Pendragon Verlag, Bielefeld

ISBN 9783865326577

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Mittwoch, 9. Oktober 2019

Noa C. Walker: Der Tanz unseres Lebens


Florence hat sich eine Auszeit vom Leben genommen und ist in die Bergwelt gezogen. Die Musical-Darstellerin möchte einfach mal durchatmen und sich den Stress und ihren Problemen entziehen. Doch als sie durch die dünne Eisfläche eines Bergsees ins kalte Wasser tauchte, hätte dies der letzte Tag in Ihrem Leben sein können. Wenn sie nicht von dem Jungen Arzt Martin gerettet worden wäre. Es beginnt eine hinreißende Liebesgeschichte und für Florence der Kampf zurück ins Leben.

Eingewoben ist diese Geschichte in ein Geflecht aus Schicksalen und Geheimnissen einer kleinen Dorfgemeinschaft, die es nicht an Spannung missen lässt. Während der Bewältigung so zahlreicher Probleme holt Florence, aber auch Martin ihre Vergangenheit ein.

Nicht ohne Humor, aber sehr einfühlsam lässt Walker eine Geschichte im Kopf der Leser entstehen, die nichts mit einem rosaroten Paradies zu tun hat. Die behutsame Ausarbeitung der Figuren, ihre an den richtigen Stellen detailliert platzierten Charakter führen dazu, dass sie glaubwürdig und authentisch wirken. Besonders schön hat mir Zoe gefallen, ein Mädchen mit Down-Syndrom. Die Autorin hat mit genutzten Filmzitaten eine fantastische Wärme in der Kommunikation zwischen Zoe und den anderen hervorgezaubert. „Schau mir in die Augen kleines" und der Bann ist gebrochen. Nicht nur Figuren untereinander, sondern auch zwischen dem Leser. Einfach nur herrlich .

Trotz aller dramatischen Schicksale wird man am Ende ausgesöhnt und behält die schönen Momente im Kopf. Sehr zu empfehlender Roman.

Noa C. Walker
Der Tanz unseres Lebens
Amazon Publishing, München

ISBN 9781542048514

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Dienstag, 8. Oktober 2019

Marie Reiners - Frauen, die Bärbel heißen


Spritzige, leicht böse Comedy vom Feinsten

Als die Dermoplastikerin und Einsiedlerin Bärbel Böttcher mit ihrer Mischlingshündin Frieda beim morgendlichen Gassigehen einen MAMIL = middle age man in lycra mit einem Stöckchen, das sich perfekt für Frieda eignen würde, im Auge findet, ahnt sie noch nicht, dass es mit ihrem eintönigen, perfekt eingerichteten Alltag ohne fremde Menschen nun endgültig vorbei ist und ihr bisheriges Leben total auf den Kopf gestellt wird. Von den Scherereien, die sie hat, mal ganz abgesehen.

Ich weiß ja nicht, ob ich Bärbel Böttcher, hier ohne einen Funken Empathie, was vielleicht auch ihrer schweren Kindheit geschuldet ist, im normalen Leben als meine Freundin haben möchte. Aber hier in der Geschichte, wo ich sie immer näher kennenlerne, ist sie mir mit ihrer verschrobenen, durchgeknallten, etwas naiven Art und ihren schrulligen Gedanken schon sehr bald ans Herz gewachsen. Sie erzählt hier ihre Geschichte in der Ich-Form, was mich noch näher an ihr dran sein lässt.

Kurze Kapitel und ein eingängiger, leicht zu lesender Schreib- und Erzählstil machen das Lesen für einige Stunden zu einem besonderen Erlebnis und einer rasanten Fahrt durch einige Wochen aus Bärbels Leben.
Aber nicht nur Bärbel ist eine aussergewöhnliche Frau. Auch die weiteren Protagonisten, sei es das MAMIL = Schauspieler Ansgar Wonnemuth, seine Frau Valerie, die Bärbel wegen ihrer großen rehbraunen Augen nur Bambi nennt, Beate Hahn, dank ihrer Größe und Figur nur „Liberty“ genannt – alle sind so außergewöhnlich, so skurril und trotzdem lebensecht gezeichnet, dass ich bei vielen Szenen das Grinsen nicht aus meinem Gesicht bekam.

Eine Geschichte über die Freundschaft und den Aufbruch in ein neues ganz anderes Leben.

Für Liebhaber skurriler Comedy, interessanten Wortschöpfungen, bissigem, schwarzen Humor, guter Unterhaltung mit einem Schuss Spannung und schrägen Protagonisten mit einem Hang zur Selbstinszenierung ist dieser Roman / Krimi ein Muss.

Mich jedenfalls hat Marie Reiners sehr gut unterhalten. Von diesem Humor hätte ich sehr gerne mehr.

Marie Reiners
Frauen, die Bärbel heißen
S. Fischer

ISBN 9783651025233

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 6. Oktober 2019

Stevan Paul - kochen.: echt gut kochen - einfach kombinieren - unbegrenzte Möglichkeiten


Einfach fantastisch

Dieses Kochbuch ist mit seinen 408 Seiten und 500 Rezepten ist schon ein absoluter Hingucker in jedem Küchenschrank. Dicke Seiten mit festen Einband und einem dunkelblauen Schnitt haben mich direkt begeistert. Und erst der Inhalt: einfach fantastisch.

Den italienischen Wurstsalat mit Mortadella und Weintraubenvinaigrette habe ich sofort ausprobiert – und er schmeckt superlecker.

Alle Rezepte sind auf einer Seite dargestellt und schon davon bekommt man Appetit.
Angefangen von Brot über Vorspeisen, Fisch & Meeresfrüchte, Gemüse, Saucen & Fonds, Fleisch, Käse und Desserts ist alles dabei, was meine Geschmacksnerven schon beim Lesen reizt.
Stevan Paul legt auch viel Wert auf Kochtechniken. Vom schneiden über die Temperatur, zu Garmethoden, Binden, Braten & Frittieren, Anrichten und Gedanken zur Nachhaltigkeit der Küche ist alles dabei.
Sehr viel Wert legt er auch auf Geschmack. Hier wird zu Säure, Gewürzen und Kräutern, Bitter und umami, Schärfe, Fett und Süße. Hierzu gibt es jeweils eigene Seiten.
Warenkunde ist das dritte Gebiet, das ich hier ausführlich mit einer kleinen heimischen Weinreise, kleiner Wildkräuterkunde, kleiner Heimatkunde Fisch, alkoholfreier Speisenbegleitung, einer kleinen Bierübersicht, Linsen, und Sherry nahe gebracht bekomme.

Mit solchen Rezepten, die ich nach meinem Geschmack auch variieren kann, macht das Kochen wirklich wieder richtig Spaß. Und ich bin gespannt, was meine Gäste beim nächsten Mal zu meinen neuen Kreationen sagen werden.

Dies ist das erste Kochbuch des gelernten Kochs Stevan Paul, das jetzt in meinem Schrank steht. Aber ich werde mir auch „Schneller Teller: Ein Kochbuch für zwei und Auf die Hand – Sandwiches, Burger & Toasts, Fingerfood & Abendbrote näher anschauen.
Wer gerne koch und Neues ausprobieren will, der sollte an diesem Kochbuch nicht vorbei gehen.

Stevan Paul
kochen.: echt gut kochen - einfach kombinieren - unbegrenzte Möglichkeiten
Brandstätter Verlag

ISBN 9783710603204

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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Rebecca Gablé: Teufelskrone


Die Waringham-Saga geht weiter. Drei Männer kehren in ein Wirtshaus ein. Sie sind auf der Flucht. Doch die findet hier ein Ende, als andere Männer ins Haus stürmen und sie festsetzen. Bei den drei von Herzog Leopold von Österreich Festgenommenen handelt es sich um König Richard Löwenherz, der nach dem Fall der Festung Akkon im Heiligen Land nicht mehr auf See fliehen konnte. Er musste den Landweg beschreiten und wird dabei von zwei seiner treuen Vasallen begleitet. Richard gelangt so in den Kerker eines seiner Erzrivalen. Das ist der Moment für seinen Bruder John Ohneland in England die Krone an sich zu reißen. Er führt einen Aufstand an. Während Guillaume of Woringham einer der beiden Begleiter König Richards ist und als sein treuer Vasall gilt, wird indes sein jüngerer Bruder Ivain an den Hof von Prinz John zur Ausbildung verpflichtet. Der Vater der beiden Jungs will es sich sowohl mit dem noch-König Richard als auch mit dem vielleicht-König John nicht verscherzen und hat für diese unselige Trennung der beiden Söhne gesorgt.

Allein dies ist schon spannend genug, um unbedingt bis ans Ende des Romans lesen zu wollen. Zwischendurch gibt es natürlich immer wieder kleinere Geschichten und Konflikte, die den jungen Ivain du Entscheidungen zwingen, die er nicht möchte. Doch so begleitet der Leser ihn auf seinem Weg zum Erwachsenwerden. Wie nicht anders zu erwarten, liest sich der Roman wie eine Fernsehserie. Wegen des immensen Umfangs an Seiten muss man immer wieder unterbrechen und wartet nur darauf, dass man ihn bald wieder in die Hand nehmen kann.

Die Figuren sind mit so vielen Eigenschaften und Gefühlen ausgearbeitet, dass sie den Lesern sehr nahe kommen. Man meint den Protagonisten Ivain schon bald so gut zu kennen, dass man sich schließlich aber doch über so manche Entscheidung wundert und andere voraussehen konnte.

Die Löcher in den Geschichtsbüchern wurden von der Autorin mit sehr plausibler und authentischer Fiktion gefühlt. So dass man von solch einem Geschehen in der Realität gerne ausgehen möchte. Ihre Beschreibungen der Burgen und Gebäude, aber auch der Kleidung der Figuren, der Handlungsabläufe in deren Alltag sind detailliert wie Fachbücher, aber Gablés Stil lässt diesen Eindruck nie entstehen. Details sind dort gesetzt und durch Vergleiche, Metaphern und andere Bilder dargeboten, wo sie passen und nicht störend wirken. An keiner Stelle hat man den Eindruck eines Lehrbuches. Und dennoch entnimmt man ihm viele Details.

Ich habe mich gefreut, erneut einen Roman von Rebecca Gablé lesen zu dürfen und kann diesen genauso wie alle anderen wärmstens empfehlen.

Wenn ihr über weitere Bücher etwas erfahren wollt dann lest bitte auch diese Rezension von mir:

Hiobs Brüder
Der dunkle Thron
Das Haupt der Welt
Die fremde Königin




Rebecca Gablé
Teufelskrone
Bastei Lübbe, Köln

ISBN 9783785726600

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Mittwoch, 2. Oktober 2019

Harry Kämmerer - Letzte Reise


München – Bayerwald und zurück

„Was ist denn hier passiert?“ fragt sich Kriminalkommissar Klaus Hummel, als er nach einer wohl chaotischen Nacht auf einem Parkplatz an eine Straße im Bayerischen Wald rüde von 2 Streifenbeamten geweckt wird. Er hat die Nacht in der Schlafkoje eines Lastwagens verbracht. Und im Frachtraum dieses LKW – 9 tote Frauen – erfroren. Was hat er damit zu tun?
Zusammen mit seinen Kollegen Frank Zander, Doris Roßmeier und dem Kollegen Brandl aus dem Bayerwald versuchen die Kommissare Licht ins das Dunkel zu bringen.

Ich freue mich immer wieder, wenn ich die Münchner Kommissare der Mordkommission bei ihren Recherchen begleiten darf. Ganz besonders liegt mir ihr Chef Karl-Maria Mader und sein Dackel Bajazzo am Herzen. Die Beiden leben nämlich ganz in meiner Nachbarschaft. Aber auch die Anderen habe ich in den letzten Fällen, die ich mit ihnen zusammen bearbeitet habe, richtig lieb gewonnen. Egal ob aufs Dienstliche oder aufs Private bezogen – ich liebe die Dialoge zwischen all den Protagonisten. Einfach nur Menschen mit Ecken und Kanten wie Du und ich.
Auch in diesem Fall ist es gar nicht so einfach, an ein Motiv zu kommen. Aber ganz langsam klärt sich der Nebel und ich werde immer weiter an die Aufklärung herangeführt. Immer neue Verdächtige, immer neue Ansätze, aber die Puzzleteile wollen irgendwie nicht zusammen passen. Es dauert bis kurz vor Schluss der Lektüre, dass sich dann der Fall schlüssig aufklärt.

Mir haben auch die oft kurzen Kapitel gut gefallen. Dadurch habe ich mich noch näher am Geschehen dran gefühlt.

Ich habe es genossen zwischen dem Bayerischen Wald und München zu pendeln und viele neue Menschen kennengelernt zu haben. Die Trauer spielt neben Glücksgefühlen, Liebe, Lügen, Zweifeln, Drogen und Prostitution in dieser Geschichte eine große Rolle. Hier ist wirklich für jeden etwas dabei. Auch wenn man kein ausgemachter Krimifan ist.

Mehr will ich aber nicht verraten.

Mich hat die „Letzte Reise“ auf die mich Harry Kämmerer mitgenommen hat sehr gut unterhalten und mein Kopfkino war dank der detaillierten Beschreibungen und des eindringlichen Sprachstiles im Dauereinsatz. Ich hoffe, dass Hummel & Co. Bald wieder einen neuen Fall auf den Tisch bekommen, bei dem ich dann sicher wieder als Mäuschen dabei sein werde.

Harry Kämmerer
Letzte Reise
Heyne/ Random House, München

ISBN 9783453439771

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Montag, 30. September 2019

Vernichtung von David Lagercrantz


Auf der Straße wird ein toter Bettler gefunden. An sich nicht so außergewöhnlich, doch der Mann fiel den Anwohnern und Passanten zu Lebzeiten dadurch auf, dass er immer mit einer außerordentlich geraden Haltung und sehr würdevollen Art an seinem Platz saß. Gefunden wird der Mann mit der Telefonnummer von Mikael Blomkvist in seiner Daunenjacke. Eigentlich wäre das alles nicht bekannt geworden, denn der Mann hatte keine Angehörigen. Aber die Gerichtsmedizinerin Fredrika Nyman nimmt sich dem toten Mann an. Irgendetwas an ihm fasziniert sie. Sie möchte mehr über ihn erfahren. Wer war er, warum starb er in allein in Schweden, wo er aussieht, als käme er von weit her? Sie forscht und untersucht und findet ein Super-Gen, das darauf hinweist, dass der Mann im Himalaja gelebt haben muss. Sie nimmt Kontakt zu Blomkvist auf.
Lisbeth Salander lebt derweil in Moskau, wo sie ihre Schwester Camilla observiert. Jeder der Lisbeth Salander kennt, weiß, dass sie das sehr gründlich und ausgiebig kann. Das muss sie auch, denn sie plant einen Anschlag auf ihre verhasste Schwester.
Blomkvist bittet Salander um Hilfe bei der Spurensuche nach dem toten Obdachlosen in Stockholm. Sie hilft, wenn auch erst widerwillig, und findet heraus, dass der Mann ein Sherpa war. Ein Führer bei einer Himalaja Expedition, zuletzt im Jahre 2008 …
+++ Ich werde die Jägerin sein und nicht die Gejagte +++
… so lauten Lisbeth Salanders Worte. Hier in diesem sechsten Teil der Millennium-Reihe gibt es recht wenig Worte von Lisbeth Salander. Sie war immer wortkarg und immer schon schwierig und verbittert (die Leser wissen, warum), aber meinem Gefühl nach wird sie immer stummer. Es gibt nach wie vor die interaktive Kommunikation zwischen ihr und Blomkvist, aber gefühlt ist alles weniger geworden. Das Interagieren der beiden fehlt mir ein wenig.
Drei Teile hat Stieg Larsson selbst geschrieben. Und nun auch bereits drei Folgebände David Lagercrantz. Er kann es, und er macht es gut. So wirklich merke ich als Leserin den Unterschied nicht, außer eben die oben erwähnten. Aber Lisbeth hätte sich auch bei Larsson dahingehend verändern können. Mikael Blomkvist ist hingegen immer noch der gleiche. Oft einsam und traurig, dennoch in eine Geschichte verbissen und neugierig und er kommt immer wieder in Gefahr.
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27100-5
Kategorie: Thriller
© Marion Brunner_Buchwelten2019

***

Sonntag, 29. September 2019

Katie Marsh - Ziemlich wunderbares Leben


Der Kampf um einen Neuanfang

Abigail „Abi“ Cooper hat ihre Krebserkrankung nach einem Jahr voller Auf und Abs überstanden und kehrt nachhause zu ihrem Mann John und ihrem 17-jährigen Sohn Seb zurück. Aber in diesem einen Jahr ist so viel passiert. John´s Firma steht kurz vor dem Konkurs. Seb´s Noten in der Schule lassen zu wünschen übrig. Abi merkt, dass sie nicht einfach ihr altes Leben wieder aufnehmen kann. Sie muss um ihre Familie kämpfen.

Die Blumen und Vögel auf den Innen- und Außenseiten der Klappen vermitteln ein Gefühl der Hoffnung, was mir sehr zusagt.

Katie Marsh schafft es mit ihrer eingängigen Schreibweise mich schnell in die Geschichte hinein zu ziehen. Ich kann Abi sehr gut verstehen, die gerne ihr altes Leben wiederhaben will, die leben will, immer mit der Angst im Hintergrund, dass die Krankheit wiederkommen kann. Ich verstehe aber auch John und Seb, deren Leben sich in diesem vergangenen Jahr stark verändert hat.
Da die Geschichte abwechselnd von Abi und Seb erzählt wird, lerne ich die verschiedenen Sichtweisen kennen und verstehen, warum die Protagonisten wie handeln.

Dies ist kein Buch über über das Überleben mit Krebs. Vielmehr geht es um den Aufbau von neuem Vertrauen, um den Kampf um die Beziehung, den Zusammenhalt der Familie und um den Erhalt des Glücks und der Gesundheit. Es geht sehr eindringlich auch um die Erkenntnis, dass das Leben endlich ist und man sich nicht mit Nichtigkeiten auseinandersetzen sollte, die, egal wie sehr man sich bemüht, nicht zu ändern sind.

Die Playlist von verschiedenen Songs, die Abi in ihrem Leben bis hierher begleitet haben und die ihr sehr viel bedeuten, runden die sehr emotionale Geschichte auf wunderbare Weise ab.

Eine Geschichte voller Hoffnung und positiver Energie mit offenem Ende, die mich hoffen lässt, dass die Familie schlussendlich doch wieder zusammen findet.

Katie Marsh
Ziemlich wunderbares Leben
Diana/ Random House, München

ISBN 9783453292147

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 27. September 2019

Linus Geschke - Im Wald der Wölfe


Jan Römer gibt nicht auf

Jan Römer, Journalist, der sich hauptsächlich mit ungelösten Kriminalfälle beschäftigt und dem sein letzter Fall doch sehr zugesetzt hat, braucht eine Auszeit. Die nimmt er sich in einer abgelegenen Waldhütte im Thüringer Wald nahe dem Städtchen Frauenwald am Rennsteig. Als plötzlich eine blutüberströmte Frau vor seiner Tür steht, die sich Hannah Wozniack nennt, ihm vom „Wald der Wölfe“ und den verschiedenen Toten im Lauf der letzten 60 Jahre erzählt, ist sein Spürsinn geweckt und er beginnt zu recherchieren. Unterstützt wird er auch diesmal von Mütze, Arslan und seiner Freundin Lena.

Für mich war es das erste Buch von Linus Geschke, in dem er mich mit Jan Römer, Stefanie „Mütze“ Schneider und Arslan bekannt gemacht hat. Jetzt, da ich sie kennengelernt habe und sie auch richtig mag, werde ich auch die ersten drei Bände der Reihe noch lesen.

Die Spannung baut sich sehr schnell auf und hält sich hoch bis zum Schluss. Linus Geschke setzt mir z.B. mit dem Boxer Arslan und der Geschichte der DDR immer wieder Klischees vor, was mir nicht so gut gefallen hat. Andererseits sind die Protagonisten so vielschichtig, menschlich und zum Teil berechenbar gezeichnet, das es mir schon wieder Spaß gemacht hat, ihnen zu folgen. Die ein oder andere Wendung finde ich sehr gut, dient sie hier doch dem besseren Verständnis.
Obwohl ich schon sehr früh darauf gestoßen werde, wer hier wie die Fäden führt und wer der/die Mörder ist/sind, blieb die Spannung bestehen.

Eine Geschichte über viele Jahre erzählt, die genau so hätte passiert sein können, hat mich schon schockiert. Dass das Blutvergießen hier fast keine Rolle spielt und der Autor auf blutrünstige Details verzichtet, kommt meinem Lesegeschmack sehr zugute.

Dass die Geschichte mit einer Liebesbeziehung endet, darauf hätte ich gut verzichten können. Aber so kommt zusammen, was die ganze Zeit schon gelodert hat.

Ich finde diesen Ausflug in den Thüringer Wald mit seinen Geschichten und seiner Umgebung sehr interessant, spannend und lesenswert. Mit hat sie Lust gemacht, mich noch näher mit Jan und Mütze und ihren Freund Arslan zu beschäftigen.

Linus Geschke
Im Wald der Wölfe
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783548291208

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Donnerstag, 26. September 2019

Nina George: Südlichter

»Freunde sind diejenigen, die am Ende immer noch da sind und sagen: Ach, scheiß drauf. Gehen wir was trinken«, sagt Nina George in diesem Roman, bei dem es um Liebe in all ihren Schattierungen geht. Freundschaft ist eine davon. Für mich ist dies der Schlüsselsatz, ich fühle mich diesem Satz besonders hingezogen.

Als George vor wenigen Jahren den Bestseller »Das Lavendelzimmer« platzierte, hatte sie in dem Roman, bei dem es ebenfalls um Liebe geht, von »Südlicher« gesprochen, als einem Buch, welches das Thema Liebe als essentiellen Grundstein hatte. Was folgte, waren nie aufhörende Anfragen aus aller Welt, wo man das Buch denn kaufen könne und wer es geschrieben hätte. Doch sie musste stets antworten, dass es sich beim »Lavendelzimmer« um einen fiktiver Roman handele und nicht alles darin wirklich existiere. Sie war diese Antwort zu geben überdrüssig und hat Roman »Südlichter« selbst geschrieben und kann fortan jedem Leser des ersten Buches mitteilen, wo er das zweite treffen kann. Damit hat sie ein Versprechen gegenüber ihren Lesern eingelöst.

Der Roman handelt von der Weise Marie-Jeanne, deren Wiege unter einem Olivenbaum stand. Sie wird von liebenden Pflegeeltern gefunden und aufgenommen. Sie wächst wohlbehütet auf, ist enorm wissbegierig und hilft ihrem Vater beim Aufbau einer fahrenden Bibliothek. Und immer hofft sie, eines Tages einen Partner für ihr ruheloses Leben zu finden, wie es bei allen Freunden um sie herum geschieht. George hat wie gewohnt eine sehr sinnliche Sprache gefunden. Dabei kommt das Buch fast wie ein Sachbuch daher. Jedes Kapitel mit der Handlung wird teils auch mehrmals durch einen, wie eine Erklärung wirkenden Einschub unterbrochen. Erzähler der Geschichte sind die wohl ungewöhnlichste Figuren, die in dieser Form kaum vorkommen: die Liebe und das Schicksal. Ja, richtig. Erzählt wird alles von der Liebe und vom Schicksal. Ein Wortspiel, welches besonders anrührt. Wer sollte sich auch besser mit allen Varianten der Liebe auskennen, wenn nicht die Liebe selbst und das Schicksal? Diese Idee rundet das Thema des Romans außergewöhnlich ab.

Handlungsort ist ein kleiner Ort mitten in Frankreich. Die vielen kleinen Geschichten und Begegnungen der Menschen sind unterhaltsam und machen neugierig. Das Wachsen und Werden der kleinen Marie-Jeanne als Leser mitzuerleben und sie auf ihrer Suche nach der Liebe zu begleiten, ist spannend bis zum Schluss. Nina George hat mich mitgenommen auf eine spannende Reise in Sachen Liebe. Ich wünschte, dass sich viele Leserinnen und Leser meiner Empfehlung anschließen könnten, um die Vielfältigkeit der Liebe ebenso fasziniert zu finden. Danke für das tolle Buch!

Weitere Rezensionen zu Nina Georges Büchern:
Das Lavendelzimmer
Das Traumbuch
Die Schönheit der Nacht
Die Mondspielerin

Nina George
Südlichter
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426227039

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Carin Gerhardsen - Blutsbande


Tote Katzen in Stockholm

Mai 1989 – Lillemor und Tor verlieren auf äußerst tragische Weise ihre Mutter und kommen anschließend zu ihrer Tante Nettan, Onkel Örjan und ihren Cousins Björn und Frederik.
Ab April 2012 tauchen in Stockholm plötzlich immer wieder ersäufte Katzen auf. Außerdem häufen sich die Todesfälle, die auch alle mit dem Element Wasser zu tun haben.
Besteht hier eine Verbindung? Kommissar Conny Sjöberg und sein Team haben es nicht leicht, hier die richtigen Schlüsse zu ziehen und dem Täter langsam aber stetig auf die Spur zu kommen.

Carin Gerhardsen nimmt mich mit nach Stockholm und bringt mir das Ermittlerteam, das sich durch Entschlossenheit und Solidarität auszeichnet näher. Hier hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten mit den vielen fremd klingenden Namen. Auch weil die Kommissare mal mit dem Vor- mal mit dem Nachnamen angesprochen wurden. Das hat sich aber beim Lesen dann schnell eingespielt. Vielleicht hätte ich aber auch die Vorgängerbänden lesen sollen, um mich noch näher mit den Protagonisten bekannt zu machen.

Ich bekomme eine sehr interessante Geschichte vorgesetzt, in deren Mittelpunkt anfangs Katzen stehen und 4 Kinder, deren Leben eng mit Katzen verknüpft ist. Aber wie passen die Morde hier rein? Bis ich die ganzen Zusammenhänge endlich begriffen hatte, war ich auch schon am Schluss des Buches angelangt.

Mir waren die vielen verschiedenen Fälle, die schlussendlich alle zusammenhängen doch etwas zu viel des Guten. Ich hatte einfach irgendwann das Gefühl nicht mehr mit zu kommen, was mir das Lesen ein klein wenig verleitet hat. Aber auch hier denke ich, wäre ich besser zurecht gekommen, hätte ich die vorherigen Fälle von Conny Sjöberg und seinem Team gekannt.

Der Spannungsbogen ist von Anfang an sehr hoch und hält sich auch bis zum Schluss.
Die Protagonisten sind alle sehr lebendig und menschlich beschrieben. Besonders die fünfjährige Saga hat mein Herz im Sturm erobert. Aber auch die anderen Mitwirkenden konnte ich in ihrem Verhalten gut verstehen und ihr Tun nachvollziehen. Über einige mir unerklärliche Geschehnisse, die in meinen Augen schon sehr konstruiert wirken, habe ich einfach mal hinweg gesehen.

Ein interessanter Krimi mit einigen unerwarteten Wendungen und einem Täter, den ich nicht erwartet habe, hat mir spannende Lesestunden geschenkt. Auch wenn ich zu Beginn einige Schwierigkeiten hatte, mich hinein fallen zu lassen.

Blutsbande ist mir 4 von 5 Sternen wert.

Carin Gerhardsen
Blutsbande
Basteu Luebbe, Köln

ISBN 9783404178445

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Dienstag, 24. September 2019

Carla Berling - Der Alte muss weg


Komödie und Drama herrlich verbunden

Seit dreiunddreißig Jahren ist Stefanie „Steffi“ Herren, 51, nun schon mit ihrem Thomas „Tom“ verheiratet. In ihrem Job als Personaldisponentin in einer Zeitarbeitsfirma fühlt sie sich nicht mehr wohl. Tom hockt nur noch auf der Couch ihres Reihenhauses in Köln-Rodenkirchen, löst Kreuzworträtsel und himmelt Barbara Schöneberger oder die Dame, die wie eine exotische Frucht (Kiwi) heißt an. Eine zuverlässige Reihenfolge von Abläufe, Ritualen und Pflichten prägt ihr bisheriges Leben. Ich spüre Steffis Traurigkeit, wenn sie an die gemeinsame Vergangenheit denkt. Das alles will Steffi nicht mehr. Aber nicht nur ihr geht es so. Auch ihre Freundinnen Elfi und Babette sind frustriert und ebenfalls der Meinung: Unsere Männer müssen weg. Erst vor kurzem hat Steffi in einem Fernsehinterview erfahren, dass die meisten Morde gar nicht als solche erkannt werden. Dass es dann doch nicht so einfach ist, Männer um die Ecke zu bringen – diese Erfahrungen müssen die Damen erst noch machen.

Steffi habe ich ab der ersten Seite ins Herz geschlossen, genau wie ihren Mann Tom. Für mich waren sie ein eingespieltes Team, bei dem sich aber immer mehr die Langeweile breit macht. Ich konnte gerade Steffi auch verstehen, dass sie die ganze Routine, die sich nun mal nach so vielen Ehejahren einspielt, nicht mehr haben will. Aber muss ihr Tom deshalb wirklich weg?

Obwohl ich von Beginn an sicher war, wie das Ganze ausgehen würde, hat es Carla Berling geschafft mich immer wieder zu überraschen und bei mir keine Langeweile aufkommen zu lassen. Ihr Humor hat mich immer wieder grinsen lassen. Gerade wenn bei Steffi ein Mordversuch mal wieder daneben gegangen ist. Einige Aktionen der Damen haben mich aber auch nachdenklich gemacht.
Ihrer Freundinnen Elfi mit ihrem köstlichen kölschen Dialekt hätte ich stundenlang zuhören können. Ich finde es toll, dass diese Geschichte mit nur wenigen Protagonisten auskommt, die ich dadurch viel intensiver kennenlernen kann. Denn auch Babette und Elfi haben mit ihren Männern nicht das große Los gezogen.

Ein Zitat, das mir sehr gut gefallen hat, bringt es auf den Punkt: „Auf Veränderung zu hoffen, ohne selbst etwas dafür zu tun, ist, als stünde man am Bahnhof und würde auf ein Schiff warten.“

Wenn ich den Klappentext aufmerksam lese, weiß ich, dass ich hier keine anspruchsvolle Lektüre bekomme. Was ich bekomme ist ein Roman mit kleinen kriminellen Anteilen, voller Situationskomik, einigen Missverständnissen und Raum zum Nachdenken. Alles in allem humorvolle kurzweilige amüsante Unterhaltung, die ich genossen habe.

Carla Berling
Der Alte muss weg
Heyne/ Random House, München

ISBN 9783453423152

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Sonntag, 22. September 2019

Bent Ohle - Aller toten Dinge sind Drei


Ein gelungener Einstieg

Elsa van Graaf lebt mit ihrer 15-jährigen Tochter Lisa, ihren Eltern und ihrer Schwester Sarah auf einem Bauernhof außerhalb von Berlin am Groß Glienicker See. Ihr Mann wird seit einigen Jahren vermisst. Seit einem Monat ist sie die Assistentin von Astrid Stegmeier, Präsidentin des Landfrauenverbandes in Berlin. Gemeinsam machen sich die beiden Frauen in Elsas Camper auf den Weg nach Uplengen ins tiefste Ostfriesland, wo die Landfrauen im Rahmen des Herbstmarktes ausgezeichnet werden sollen.
Als sie bei ihrer ersten morgendlichen Fahrt mit ihrem Kanu, das sie auf ihrem Camper immer dabei hat, auf eine Grabplatte stößt, die wohl von dem dort aufgeführten Mann als Morddrohung verstanden werden soll, hat die Ruhe und Beschaulichkeit, auf die sie sich gefreut hatte, erst mal ein Ende.

Die Geschichte fängt etwas behäbig an, was vielleicht auch daran liegt, dass die hier handelnden Personen ausführlich vorgestellt werden. Besonders gut gefallen hat mir, dass hier immer mal wieder der ostfriesische Dialekt gesprochen wurde. Das hat dann allerdings leider bald aufgehört.
Sowohl Elsa und Astrid als auch die Landfrauen und ihre Männer kommen sehr authentisch, menschlich und erfrischend rüber. Mir gefällt besonders der Dorfpolizist Tamme Voss-Hoss, der mangels Körpergröße mit roter Mütze wie ein Gartenzwerg aussehen würde. Alle haben ihre kleinen Geheimnisse, die im Laufe der Ermittlungen ans Licht gezogen werden. Ich habe mir auch vorgestellt, wie Elsa fünf Alpakas in ihren Camper verfrachtet.

Die vielen Gespräche, die hier von den verschiedenen Protagonisten geführt werden, machen die Geschichte so richtig lebendig. Ich bekomme einen kleinen Einblick in das Leben der Landfrauen, wie sie z.B. den Herbstmarkt vorbereiten und eine Reise nach Rumänien veranstalten. Dass die Uplengener Landfrauen an diesem Krimi mitgewirkt haben, finde ich richtig gut. Am Schluss des Buches bekomme ich auch noch interessante Informationen und Kontaktadressen zum Deutschen LandFrauenbund.

Da „Aller toten Dinge sind drei“ der Auftakt zu einer ganzen Reihe ist, sollte man bei den folgenden Büchern mehr Wert auf Rechtschreib- oder Namensfehler legen, die sich hier leider gehäuft haben.
Gut gefällt mir die Karte von Uplengen und Umgebung zu Beginn der Geschichte.

Eine taffe, manchmal etwas eigensinnige Ermittlerin mit einem ganz besonderen Spürsinn; verschiedene kriminalistische Aufgaben, die gelöst werden müssen, was Elsa auf bravuröse Weise schafft. Ein Krimi, der ohne Blutvergießen auskommen und ein Dorf mit Menschen, wie Du und ich. Das alles zusammen ergibt einen ersten spannenden und interessanten Landfrauenkrimi.
Ich bin schon sehr gespannt, ob Elsa in ihrem nächsten Fall weitere Spuren finden wird, die sie wieder mit ihrem Mann zusammen bringen.

Bent Ohle
Aller toten Dinge sind Drei
Landwirtschaftsverlag, Münster

ISBN 9783784356051

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Samstag, 21. September 2019

Michael Gerwien - Monacomord


Schön, dass Max Raintaler wieder ermittelt

München: Eine junge Frau soll in den Isarauen von ihrem Mann erschlagen worden sein. Oder war es doch ein tödlicher Unfall? Die Münchner Kripo ist gnadenlos unterbesetzt und so wird Exkommissar und heute Privatermittler Max Raintaler von seinem ehemaligen Kollegen und Freund Franz Wurmdobler angeheuert, sich um diesen Fall zu kümmern. Doch kaum hat er den Fall übernommen, trifft die Familie ein Drama nach dem anderen. Aber auch Max gerät ins Visier eines rachsüchtigen Attentäters, der ihm, gerade aus dem Knast entlassen, nach dem Leben trachtet.

Ich war schon so oft dabei, wenn Exkommissar Max Raintaler der Kripo München ausgeholfen hat die Fälle zu klären, dass es auch in diesem Buch wie Besuch bei Freunden ist. Man kennt sich schon: Max mit seiner Monika, die eine kleine Kneipe führt; Franz und seine Sandra, die immer Dienstag und Donnerstag zum Yoga geht, Monikas Freundin Anneliese, die immer wieder gerne in der Kneipe aushilft und Josef Stirner, der schnauzbärtige Torwart vom FC Kneipenluft. Sie alle sind hier wieder mit von der Partie. Aber auch die Menschen, die ich noch nicht kenne, die mir hier begegnen hat Michael Gerwien so detailliert und farbig gezeichnet, dass ich sie mir gut vorstellen und schnell ein Bild im Kopf habe. Besonders gefällt mir der Ehemann der Toten Robert Hemmschuh. Aber nur weil er 60ger Fan ist, wie fast alle Giesinger.

Der Kriminalfall, der Max zu Beginn übernimmt, wächst sich zu mehreren Fällen aus, wobei ich lange nicht weiß, hängen die alle irgendwie zusammen oder muss ich jeden als individuellen Fall betrachten. Dadurch wird die Spannung, die von Anfang an da ist noch weiter angeschürt.

Ich fand es auch diesmal wieder toll, mit Max durch mein München zu ziehen – er mit dem Radl, ich lesenderweise ihm auf den Fersen. Die Beschreibungen der Örtlichkeiten und der Menschen, ihre Mentalität, das alles macht den Lokalkolorit aus.
Und jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich auch, warum das Buch „Monacomord“ heißt. Warum? Das findet ihr beim Lesen bitte selbst heraus.

Auch mit diesem Buch hat Michael Gerwien mich sehr gut unterhalten, mir die charakterlich verschiedensten Persönlichkeiten vorgestellt und einen Kriminalfall konstruiert, bei dem ich zum Schluss über die Auflösung erstaunt war. Sehr gut gemacht.

Michael Gerwien
Monacomord
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839224779

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Freitag, 20. September 2019

Jumbo Schreiner - Die One-Pot-Challenge


Absolut super!

Ich habe dieses Kochbuch für meinen Bruder gekauft, der ein absoluter Kochmuffel ist. Und wenn er begeistert ist, dann heißt das schon was.

Ich selbst konnte mir unter der One-Pot-Challenge gar nichts vorstellen. Drei Köchen, Sandra Schumann, Sarah Schocke und Martin Kintrup bekommen die Aufgabe ein neues Rezept zu kreieren, bei dem die Zutaten feststehen und jeder mit seinem „Pot“ entweder Topf, Pfanne und Blech loslegen kann. Aus 20 Zutaten werden hier 60 leckere Menüs. Wie ich finde grandios. Dass es dann einen Juror gibt, in diesem Fall Schauspieler, Moderator und Food-Tester Jumbo Schreiner, ist auch für ein Kochbuch aussergewöhnlich. Aber hier kann sich natürich jeder, der die Gerichte nachkocht, sein eigenes Urteil bilden.

Mich fasziniert, was man mit einfachen Zutaten und einem Schuss Kreativität alles Leckeres zaubern kann. Der Auberginen-Eintopf mit roten Linsen ist eine Schau und mein absolutes Lieblingsrezept. Aber auch den anderen wird sich mein Bruder widmen und ich bin eingeladen.

Ein interessanter Wettbewerb, der bei mir und bei meinem Bruder sehr gut angekommen ist. Ein mal etwas anderes Kochbuch mit einer hohen Kreativität, witzig aufgemacht. Die Fotos alleine machen schon Lust auf kochen und vor allem essen.

Nicht nur zum selber ausprobieren – auch als Geschenk etwas Besonderes.

Jumbo Schreiner
Die One-Pot-Challenge
GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

ISBN 9783833869785

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Donnerstag, 19. September 2019

Tanja Litschel - Blutroter Sand


Mörderische Geburtstagsfeier

Moritz Dehnhardt kennt die Schwäche seiner Schwägerin Lisa Holtkamp zu dem am Rande der Deutschen Bucht stehenden Leuchtturm Roter Sand. Er schafft es sogar, einen Kapitän mit Schiff zu organisieren, der sie zusammen mit seiner Frau Karla und seinem Sohn Leon dort hin bringt um Lisas Geburtstag dort zu feiern. Dass ihre Ankunft dort der Beginn eines irrsinnigen Alptraumes wird, damit hatte hier keiner gerechnet.

In zwei unterschiedlichen Erzählsträngen bin ich ab der ersten Seite eingefangen und gefesselt.
Ich fühle mich eingebunden zwischen den vier Personen auf dem Leuchtturm. Hier erzählt Lisa die Geschichte aus ihrer Sicht. Allein der Gedanke, hier von dem Leuchtturm nicht weg zu können, verbunden mit einigen gruseligen Szenen, lässt mir ab und zu eine Gänsehaut über den Rücken laufen.
Genau fühle ich mich als Mitglied der Wasserschutzpolizei, wo ich die Ereignisse aus Sicht von Kriminalkommissar Anton Hayen erlebe. Hier muss nicht nur die Havarie dreier Schiffe auf dem Weg nach Bremerhaven bearbeiten bzw. bewerkstelligt werden. Auch zwei tote Männer, die aus dem Meer gefischt bzw. auf einer Sandbank gefunden werden, bereiten dem Team Kopfzerbrechen.

Ein Spannungsbogen, der sich ab der ersten Seite stetig nach oben orientiert, macht es mir sehr schwer, das Buch zwischendurch auch mal aus der Hand zu legen. Erst ganz zum Schluss löst sich die Spannung auf und ich komme zum Durchatmen.

Anfangs waren es doch etliche Protagonisten, die mir vorgesetzt wurden. Ich habe sie aber alle nach und nach besser kennenlernen und ihnen tief in ihre Seele blicken dürfen. Nicht alle sind mir sympathisch geworden. Genau wie im richtigen Leben gibt es auch hier Menschen, denen ich von Anfang an nicht über den Weg getraut habe oder die mich einfach enttäuscht haben. Ganz besonders liebt gewonnen habe ich den kleinen Leon, der gezeigt hat, was in ihm kleinen Kerl alles steckt.

Ein spannender Küstenkrimi mit einer interessanten Geschichte, die mir Gänsehautfeeling beschert hat und bei der ich richtig mitfiebern konnte. Sehr positiv finde ich auch, dass ich einiges Wissenswerte über die Wasserwacht und deren Arbeit erfahren habe.

Von mir die volle Punktzahl: 5 Sterne

Tanja Litschel
Blutroter Sand
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740805180

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 18. September 2019

Kerstin Ehmer: Die schwarze Fee


Mit diesem Roman geht es in die „goldenen" 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es geht ins dekadente Berlin der Nachtclubs und Kneipen, aber auch in den Dreck und Schmutz der Ärmsten der damaligen Gesellschaft, die nicht viel Hoffnung in eine Zukunft hatten.

Getrennt voneinander werden zwei männliche Leichen aufgefunden. Eine auf einem Ausflugsdampfer, die andere in einem Bus. Beide wirken, als würden sie schlafen oder nachdenken. Der Tod scheint weit entfernt von ihnen. Doch sie rühren sich tatsächlich nicht und geben keinen Mucks von sich.

Kerstin Ehmer entführt mit diesem Roman ähnlich wie Volker Kutscher in das Babylon Berlin, wie es einigen aus der Fernsehserie bekannt sein dürfte. Es ist ein Berlin voller Russen, die vor der Revolution und Lenin geflohen sind und auf eine Rückkehr hoffen. Behutsam führt die Autorin in die Kriminalhandlung ein. Breit gefächert präsentiert sie den Lesern zunächst das Milieu, stellt es mittels ihrer Figuren vor. So lernt man Jugendbanden, Gelehrte, Schriftsteller, Politiker und Architekten kennen. Kommissar Ariel Spiro ermittelt hier zum zweiten Mal (siehe „Der weiße Affe") und muss sich nicht nur mit Verbrechern auseinandersetzen, sondern sich auch gegenüber seinen Kollegen behaupten.

Die Autorin beschreibt das Berlin der damaligen Zeit sehr detailgenau und authentisch. Diese Detailverliebtheit lässt sie weit ausholen und den Kriminalfall in den Hintergrund rücken. Und doch meint man, selbst als Leser das Gekreische und Gegackere an der Panke von der Schönwalder Brücke herunter zu hören. Man ist fasziniert von den Bildern im Kopf, die bei ihren Beschreibung der Straßenzüge und des Alltagslebens entstehen. Obwohl die ersten Toten den Spannungsbogen bis zum Schluss bilden, bleibt es nicht bei diesen Verbrechen als einziges Spannungsmittel. Die Armut treibt die Figuren zu weiteren Untaten an, die gerade erstarkenden Nazis tragen ebenfalls dazu bei. Und die Brunftigkeit einiger männlicher Figuren schafft mit dem Kampf um die attraktiven Frauenfiguren einen spannenden Wettbewerb.

Eine Milieustudie der Goldenen Zwanziger, die mit einem Quäntchen Romantik und einer kräftigen Portion Verbrechen gewürzt ist, empfehle ich sehr gerne! So viel Berlin in einem Buch, dass es einfach nur Spaß machen muss.

Kerstin Ehmer
Die schwarze Fee
Pendragon Verlag, Bielefeld

ISBN 9783865326560

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Dienstag, 17. September 2019

Eva Garcia Sáenz - Die Stille des Todes


Sehr guter Auftakt für den KRAKEN

2016 - Vitoria im Baskenland: Bei den Renovierungsarbeiten an der Kathedrale finden die Arbeiter zwei junge nackte Menschen auf dem Boden der Krypta liegend vor. So, wie sie arrangiert wurden, lässt die Zurschaustellung sofort an eine Mordserie von vor 20 Jahren denken. Aber der damals verurteilet angesehene Archäologe Tasio Ortiz de Zarate sitzt in Zaballa im Hochsicherheitstrakt und wartet nach 20 Jahren auf seinen baldigen Hafturlaub.
Inspector, Profilingexperte und Fallanalytiker Unai Lὁpez de Ayala genannt KRAKEN und seine Kollegin und beste Freundin Inspectora Estibaliz „Esti“ Gauna, spezialisiert auf die Analyse der Opfer, gehen beide gerne Wege neben der Legalität bzw. neben dem Gesetz. Sie suchen nach dem neuen Täter bzw. versuchen neue Morde zu verhindern. Kein leichtes Unterfangen.
In einem weiteren Handlungsstrang aus dem Jahr 1069 lerne ich Blanca Díaz de Antoñana und den Gynäkologen Álvaro Urbina kennen.

Durch die verschiedenen Handlungsstränge, bei denen ich erst zum Schluss dahinter komme, wie sie alle zusammen hängen, steigt die Spannung hoch und bleibt auch oben.
Nachdem ich mich an die spanischen Namen und Orte gewöhnt hatte, ging es mit dem Lesen leicht und flüssig vorwärts. Die intensive Beschäftigung mit dem Seelen- und Gefühlsleben von Unai lässt die Seiten nur so durch meine Finger gleiten. In der Mitte hat die Geschichte zwar ein paar Längen, was aber der Geschichte insgesamt nicht geschadet hat.
Eva Garcia Sáenz stellt mir auch die anderen Personen sehr menschlich und nahbar vor. Ich hatte schnell ein intensives Verhältnis mit einigen von ihnen. Dass ich die Inspectoren auch privat etwas näher kennenlerne gefällt mir sehr gut. Wobei Unais 94jähriger Opa sofort mein Herz erobert hat.

Ich erfahre so ganz nebenbei einiges über die Jahrhunderte alte Stadtgeschichte, über Bräuche und Feste in der Region. Immer wieder eingefügt spanische Worte oder Satzteile, sorgen bei dem Thriller noch mehr für das lokale Flair.

Die einzelnen Kapitel sind mit Orts- und Datumsangaben überschrieben, wodurch ich einen noch besseren Überblick über das Geschehen habe und alles besser gedanklich einsortieren kann.

Neben der ausführlichen Danksagung werden mir im Anschluss an den Thriller viele der hier agierenden Personen vorgestellt. Im Glossar erfahre ich Ausführlicheres von Orten und Namen, denen ich in der Geschichte begegnet bin. Überhaupt hat es mir gut gefallen, dass ich viele Informationen rund um das Baskenland bekomme. Einem Landstrich, mit dem ich mich bisher nur sehr wenig bzw. garnicht beschäftigt habe. Hier aber bekomme ich richtig Lust, diese Gegend auf meine Reiseliste zu setzen. In allem lese ich auch die Liebe der Autorin zu ihrem Land.

Ich habe einen packenden Thriller gelesen, der mich mit einem etwas ungewöhnlichen Prolog und interessanten Personen sofort gefesselt hat. Dass ich dabei noch einiges über das Baskenland erfahren habe, ist ein interessanter Nebeneffekt.
Ein Buch, dem ich meine Leseempfehlung gebe!

Eva Garcia Sáenz
Die Stille des Todes
S. Fischer Verlag

ISBN 9783651025882

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Sonntag, 15. September 2019

Maria Höfle - Dein ist die Schuld


Spannendes Debüt mit interessanten Protagonisten

Elena Goldschmied, 17, liegt unter dem Kruzifix des katholischen Gymnasiums Sebastianum in Kufstein. Tot. Die Gerichtsmedizin stellt keine unnatürliche Todesfolge fest. Also Selbstmord? Daran wollen Inspektorin Dorothea Keusch und ihr Kollege Chefinspektor Konstantin Schmitt von der Mordkommission nicht glauben. Vor allem, weil die Einstellung der Ermittlungen von ganz oben ziemlich schnell kommt. Allem Ärger zum Trotz macht sich Dorothea auf die Suche nach Zeugen und Spuren. Und wird immer wieder hart mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Wow, was für ein Ende. Was für eine Auflösung.
Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Liebe, Demütigungen, um Verstrickungen in die rechtsradikale Szene, um Mobbing, um den Missbrauch an Schülern, um Drogen, um Zukunft, Erinnerungen und Vergangenheit und um die Suche nach der Wahrheit, nicht nur in diesem Kriminalfall.

Obwohl es hier sehr viele Personen gibt, hatte ich durch die eindringlichen, eindrucksvollen Beschreibungen bei ihren Auftritten keine Probleme sie einzuordnen. Alle haben ihre Stärken und Schwächen, ihre Ecken und Kanten und kommen sehr menschlich und glaubwürdig rüber.
Besonders gut gefällt mir natürlich die Inspektorin Dorothea Keusch. Mit ihrer offenen, verletzlichen, zielstrebigen, sympathischen Art hat sie sich schnell in mein Herz geschlichen. Mir gefällt, wie sie Fragen stelle, jeder noch so kleinen Spur nachjagt und sich auch von Tiefschlägen nicht verunsichern lässt.
Genau so wie Chefinspektor Konstantin Schmitt, dem sie sich ganz langsam annähert. Ich kann mir vorstellen, dass die Beiden zusammen noch einige Fälle klären könnten.

Durch die eingängigen Beschreibungen der Örtlichkeiten in Kufstein habe ich mich sofort sehr wohl und hineingezogen gefühlt in einen Kriminalfall, der es in sich hat. Spannung baut sich langsam auf, drängt sich aber nicht in den Vordergrund, ist aber immer da. Dass es auch fast kein Blutvergießen und kaum harte Szenen gibt, kommt meinem Lesegeschmack sehr entgegen.

Ich bin gerne dabei, wenn Dorothea vielleicht doch noch eine Stelle in der Abteilung Leib und Leben bei der Kripo Innsbruck besetzen wird.
Maria Höfle – ein Name, den ich mir merken werde - hat mir einen gut durchdachten, gut nachvollziehbaren Krimi mit einer sympathischen Inspektorin vorgelegt, der mir einige spannende Lesestunden geschenkt hat.

Maria Höfle
Dein ist die Schuld
Piper Verlag, München

ISBN 9783492501880

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Samstag, 14. September 2019

Leonie Haubrich - Dornenbraut


Ein sehr interessantes Thema

Journalistin Franziska Zimmermann, seit der Trennung von ihrem Mann Jens alleinerziehende Mutter der dreijährigen Marie, versucht ihr Leben wieder auf die Reihe zu bringen. Sie will unbedingt aus dem Hochhausghetto, wo sie derzeit lebt, raus. Da kommt das Angebot ihrer Freundin Sandra, Chefredakteurin von Her Way, gerade richtig. Franzi beginnt über das Thema Incels, Menschen, die unfreiwillig Singles sind, zu recherchieren, nicht ahnend, wie viel Wut und Hass sie damit auf sich zieht.

In diesem Thriller greift Leonie Haubrich ein Thema auf, das mir bisher ganz fremd und unbekannt war. Incels – Männer, die unfreiwillig enthaltsam leben und hassen deswegen Frauen. Und diese Wut und den Hass leben sie in dieser Geschichte über das Internet aus.

Die Protagonistin Franziska Zimmermann konnte mich leider gar nicht für sich einnehmen. Sie ist mir zu unstet, zu wirr in ihrem Tun. Da hätte ich mir von einer ernsthaften Journalistin, die sie ja sein will, anderes erwartet. Richtig lieb dagegen finde ich ihre Eltern Sabine und Gernot, die sich auch immer wieder um die kleine Marie kümmern. Ansonsten gibt es in dieser Geschichte nicht viele Menschen, mit denen ich gerne befreundet wäre.

Der Schreibstil ist wie immer sehr einnehmend und ich konnte das Buch trotz der lesefreundlichen Kapitellängen nicht aus der Hand legen. Mitfiebern geht auch hier wieder sehr gut. Auch der Spannungsbogen hält sich extrem hoch und ich war erstaunt und schockiert, als ich das Ende hinter mir hatte.
Also bitte unbedingt selbst lesen.

Ein sehr interessantes Thema, auch über die Tiefen des Internets, spannend inszeniert mit einer Protagonistin, die mich nicht ganz überzeugen konnte.

4,5 von 5 Sternen

Leonie Haubrich
Dornenbraut
Selfpublishing

ISBN 9781081993542

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