Dienstag, 22. Januar 2019

Rainer Maria Schießler - Himmel, Herrgott, Sakrament


So sollte Kirche sein

Rainer Maria Schießler, den ich als kellnernden Pfarrer von der Wies´n und aus einigen Besuchen in St. Maximilian im Glockenbachviertel und Heilig Geist direkt am Viktualienmarkt kenne, hat unter Mitarbeit von Stefan Linde seine Gedanken zu Papier gebracht. Sollte man dieses Buch lesen? Von mir ein eindeutiges JA!

In seiner für einen ‚Priester unnachahmlichen offenen Art erzählt Schießler aus seiner Kindheit, wie er mit 19 dazu kam, zölibat leben und Pfarrer werden zu wollen. Er spricht über seine zeitweilige Einsamkeit; Menschen, die am Sonntag lieber brunchen, als zu ihm in die Messe zu kommen; Menschen, die am liebsten das Glockengeläut abschaffen würden; Taxifahren als rollender Beichtstuhl und seiner Liebe zu seinem Motorrad. Er lässt mich in sein Innerstes blicken, breitet seine Höhen und Tiefen vor mir aus und ich erkenne das Einzige, was er wirklich zu wollen scheint – die Liebe an alle Mitmenschen weiter zugeben. Alles in allem meine ich ihn durch seine Selbstbeschreibungen gut kennenzulernen.

Mit seinen Predigten trifft Rainer M. Schießler punktgenau in die Herzen der Menschen. Er spricht konkret an, was andere Kirchenmänner nur sanft umschreiben. Er ist mittendrin in unserer Gesellschaft und schafft es, entgegen vieler anderer Kirchengemeinden, seine Schäfchenherde weiter zu vergrößern. So, wie ich es hier lese, sollte Kirche gelebt werden.

Schießler schreibt so interessant, so spannend, dass ich Mühe hatte, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Er reiht nicht nur die Stationen seines bisherigen Weges aneinander, sondern füllt die Seiten mit kirchlichem Leben. Die Lektüre macht nicht nur nachdenklich, sondern sie hat auch Momente, bei denen ich schmunzeln musste. Schießler ist keiner dieser alten verknöcherten Pfarrer, die ihre Predigt am Snntag hinter sich bringen wolen und gut is. Nein, er füllt das Leben seiner Gemeindemitglieder mit Leben in vielerlei Situationen, nicht nur auf die Kirche bezogen.

Ein tolles Buch, das zeigt, das Kirche auch heutzutage lebendig sein kann und ist. Gäbe es mehr solch offene Menschen im Priesteramt, hätte die katholische Kirche bestimmt einige Sorgen und Austritte weniger.

Rainer Maria Schießler
Himmel, Herrgott, Sakrament
Kösel-Verlag

ISBN 9783466371471

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Die Schwestern vom Ku'damm von Brigitte Riebe


Kriegsende in Berlin. 1945 liegt die Stadt in Trümmern. Das Kaufhaus der Familie Thalheim ist nach einem Bombentreffer bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Villa der Familie von den Russen beschlagnahmt. Der Vater wurde im Krieg versehrt, der Bruder ist in Gefangenschaft in Russland.
Aber der Überlebenswille und Kampfgeist der Thalheim-Frauen ist groß. Allen voran Rike Thalheim – älteste von 3 Töchtern – will das Kaufhaus wieder aufbauen und setzt alles daran, dass dieser Traum Erfüllung geht.
Nach dem Krieg dürsten die Menschen wieder nach schönen Dingen. Nachdem der kalte Winter überstanden, die Währungsreform vollzogen und die Blockade vorbei ist, scheint es aufwärts zu gehen.
Doch neben allem Geschäftlichen hat Rike mit einem Geheimnis zu kämpfen, dass sie selbst unter großen Druck setzt.


Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Leseband
im Rowohlt Verlag – WUNDERLICH
insgesamt  432 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 
978-3-8052-0337-1 
Kategorie: Roman 
© Marion Brunner_Buchwelten 2019

Sonntag, 20. Januar 2019

Phillipa Ashley - Hochzeit im Cafe am Meer


Locker, leicht und unterhaltsam

Die Kälte des Winters vergeht und langsam wird es Frühling in Cornwall. Kilhallon Park ist auf den Ansturm der Gäste gut vorbereitet, Demelza´s Café läuft auch sehr gut. Da bekommen Demelza „Demi“ Jones und Calvin „Cal“ Penwith den Auftrag eine Promihochzeit auszurichten. Die Schauspieler Lily Craig und Ben Trevone wollen sich auf dem Anwesen das Ja-Wort geben. Da an diesem Tag mit viel Aufmerksamkeit zu rechnen ist, die die Ferienanlage gut brauchen kann, sagt Demi zu. Nicht ahnend, was nun alles auf sie einstürmen wird.

Dies ist der 3. und letzte Teil der Serie um das kleine Café am Meer. Für mich war es das erste Buch aus der Reihe, aber ich hatte keine Probleme dem Geschehen zu folgen. Im Gegenteil. Die vielen kleinen Andeutungen, die in die Vergangenheit zielen, machen neugierig. Vielleicht werde ich die ersten beiden Geschichten auch noch lesen.

Die Protagonisten werden ziemlich detailliert, mit Ecken und Kanten, beschrieben. Gerade Cal hat immer noch das Päckchen der Aufarbeitung seiner Vergangenheit zu tragen, die auch in dieser Geschichte noch eine Rolle spielt. Genauso wie Demi, die erst seit einem Jahr wieder sesshaft geworden ist und sich ihrer Familie langsam wieder annähert. Lily und Ben, bei dessen „Für dich tu ich doch alles Baby“ ich schon geahnt habe, was da wahrscheinlich noch kommen wird, entsprechen genau dem Klischee von verwöhnten egoistischen Schauspielern. Wobei ich bei Lily die Wandlung, die sie durchgemacht hat, geschätzt habe. Und natürlich gibt es auch hier wieder jemanden, der sich meine Sympathien erst hat verdienen müssen.

Die Geschichte lässt sich leicht und locker lesen, typisch Sommerlesebuch. Sehr gut gefallen mir die Beschreibungen von Land und Leuten, von der rauen See und der weiten grünen Landschaft mit ihrem Blütenreigen. Es werden aber auch ernste Themen angeschnitten, die jedoch der Leichtigkeit der Geschichte nicht schaden. Sie hätten für mich sogar noch etwas tiefer gehen dürfen.

Da in diesem Buch im Café viel gemixt wird, finde ich die im Anschluss an die Geschichte eingestellten Rezepte für Cocktails sehr gelungen.

„Hochzeit im Café am Meer“ ist ein leichter, abwechslungsreicher Frühlingsroman, der mich einige Lesestunden lang gut unterhalten hat.

4 von 5 Sternen

Phillipa Ashley
Hochzeit im Cafe am Meer
DuMont Buchverlag, Köln

ISBN 9783832164430

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 18. Januar 2019

Olaf Büttner - Scherbenfrau


Hat das Potential zu mehr

Emily Hansen ist begeistert von der neuen Freundin ihres Vaters, die sie über eine Datingplattform gefunden hat. Doch bald kommt Vera Fortmann ihr seltsam vor. Schon nach wenigen Wochen will sie einziehen, heiraten, Kinder kriegen. Ihren Vater scheint das in seiner Verliebtheit nicht aufzufallen. Und Vera versucht alles um ihre Ideen von einer perfekten Familie umzusetzen – auch mit Gewalt …

Die Geschichte wird aus Sicht der siebzehnjährigen Emily erzählt. Daher kommt auch der Schreibstil recht einfach rüber. Die Spannung baut sich langsam auf und hält sich bis zum Schluss, ohne mich aber zu berühren. Mir fehlt der Nervenkitzel, der Überraschungsmoment. Vielleicht wäre es noch spannender geworden, wenn ich auch die Sicht in Veras Gedanken gehabt hätte.

Die Charaktere sind alle recht einfach gestrickt, aber gut vorstellbar. Emily agiert in meinen Augen oft unbedacht und naiv. Ihre Freundin Lena dagegen ist schon sehr abgeklärt. Vera hat mich mit ihrer Maskenhaftigkeit überzeugt. Sie switscht von einer Frau, die mit allen Mitteln überzeugen und perfekt sein will, zurück zu dem kleinen Mädchen, dem Unfassbares wiederfahren ist. Und das innerhalb einer Zeile. Ich fand es sehr interessant zu lesen, wie Vera versucht ihre Fassade aufrecht zu erhaltren, während Emily, die gerade gegen Ende der Geschichte ihre Naivität aufgibt, versucht, sie zu enttarnen.

Viel zu schnell war die Geschichte ausgelesen und hat mich etwas enttäuscht zurück gelassen.

Der für mich seichten, oft vorhersehbaren Geschichte, der es an Intensität, Spannng und Thrill fehlt, die aber das Potential zu einem richtig guten Thriler hätte, gebe ich hier 3,5 von 5 Sternen.

Olaf Büttner
Scherbenfrau
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

ISBN 9783960874072

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 16. Januar 2019

Hanna Caspian: Gut Greifenau - Nachtfeuer


Der zweite Band der Gut Greifenau Trilogie hält erneut einige Überraschungen bereit. Er umfasst die Jahre von 1914 bis Ende 1917, quasi den gesamten ersten Weltkrieg. Während Deutschland wegen der Dauer des Krieges, der ja nur ein paar Wochen dauern sollte, immer mehr im Abgrund versinkt, versuchen die Herrschaften von Greifenau ihre noble Fassade aufrechtzuerhalten, was ihnen nur leidlich gelingt.

Caspian beschreibt die schrecklichen Bilder eines Krieges in drastischer Weise. Die Angst und die Ausweglosigkeit an der Front wird ebenso spürbar wie der Hunger daheim, die fehlenden Männer und Arbeitskräfte, die immer schwieriger zu beschaffenden Lebensmittel.

Erneut bekommt der Leser Einblick in alle Schichten der Gesellschaft. Unumkehrbare Ereignisse versetzen nicht nur die Dienstboten in Angst und Schrecken. Jeder muss mit Verlusten in der Familie rechnen. Und dennoch schafft die Autorin mit der Auflösung eines Problems immer wieder zwischendurch einen Lichtblick. Es bleibt nicht alles im Sumpf stecken. Diese positiven Lösungen sind wohl platziert und schaffen es, den allzu düsteren Ton dieses Bandes aufzuhellen. Die Hoffnung, dass sich etwas zum Guten wendet, lässt den Leser dranbleiben. Wenn da nicht ...

Wie schon beim ersten Band kann ich eine volle Leseempfehlung geben. Das umfangreiche Portrait einer Adelsfamilie in den schwierigen Zeiten vor hundert Jahren vermittelt reichlich gut recherchierte Kenntnisse zur damaligen Zeit und reflektiert mit den menschlichen Beziehung bis in die heutige Zeit.

Hanna Caspian
Gut Greifenau - Nachtfeuer
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426521519

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Was sich bei edition oberkassel so tut!

Dienstag, 15. Januar 2019

Anna Pfeffer - Unter uns nur Wolken


Berührend, unterhaltsam und real

Anika „Ani“ Bayer ist verzweifelt. Sie hat ihren Job verloren, nur noch 50 Euro im Portmonee und ihr Freund Noah hat sie verlassen. Er hat seit langem ein Verhältnis mit ihrer besten Freundin.

Genau so, nur auf andere Art, ist Thomas „Tom“ Hartmann verzweifelt. Sein Opa Florian ist leicht dement, braucht eine 24-Stunden-Pflege und ekelt jede Pflegerin, die sich bisher vorgestellt hat, wieder raus. Tom aber will unter allen Umständen verhindern, dass Opa ins Heim abgeschoben wird.

Und wie es der Zufall will, treffen genau diese drei Menschen aufeinander.

Als erstes habe ich hier Tom kennengelernt. Er ist mit seinen Kräften am Ende. Tagsüber widmet er sich seinem Opa, abends muss er schauen, dass er seine Bar auf Laufen hält.

Bei Ani schaut es auch nicht viel besser aus. Freund weg, Job weg, kein Zuhause – also bleibt sie erst mal bei Florian, der es ihr mit seinen dauernden Spielchen nicht leicht macht. Aber Ani ist nicht auf den Mund gefallen und bietet dem alten Herrn Paroli.

Tom und Ani erzählen ihre Geschichte jeweils abwechselnd in der Ich-Form. Da bin ich den Beiden noch viel näher, kann ihre Gedanken und ihre Gefühle noch besser nachempfinden. Überhaupt hat mich die Geschichte sehr schnell vollkommen vereinnahmt. Ich bin mitten drin und schaue den Dreien unauffällig über die Schulter. Die Dialoge sind witzig und charmant, aber ich spüre immer auch einen ernsten Hintergrund. Gerade wenn Ani nicht so will wie Florian, kommt mir immer wieder ein Grinsen aus. Der alte Herr ist einfach so klasse. Außerdem platzieren mir die bildreichen Sätze immer wieder Bilder und Szenen in den Kopf.

Obwohl Alzheimer, Altenpflege und das Zusammenleben verschiedener Generationen keine leichten Themen sind, schaffen es die beiden Autorinnen, diese drei Komponenten absolut leicht, locker und witzig in einen Roman zu verpacken.

Die Charaktere sind so liebevoll und individuell mit Ecken und Kanten ausgestattet, wirken lebensecht und menschlich, so dass ich mich schnell mit ihnen angefreundet habe. Besonders Opa Florian, der doch immer mal wieder wirklich was vergisst, habe ich sofort ins Herz geschlossen. Er hat trotz seines Leidens eine so erfrischende Art, die mich einfach berührt hat. Wobei es absolut nicht einfach ist, als Angehöriger, wie hier Tom, damit umzugehen.

Ich hatte mit Florian, Tom und Ani einige wunderbar unterhaltsame Lesestunden. Ich habe geschmunzelt, hatte aber hier und da auch ein paar Tränchen im Auge. Eine doch nachdenklich machende Generationen-Geschichte, die noch lange in mir nachwirken wird.

Anna Pfeffer
Unter uns nur Wolken
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634302

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 13. Januar 2019

Linda Ashman - Klopf, klopf, komm herein


Mal was ganz anderes:

Ein wunderbares Buch für unsere Kleinsten

Dieses wunderbare Pappbilderbuch habe ich zusammen mit unserem kleinen Nachbarn angeschaut und gelesen. Und er war so angetan davon, dass er es nun jeden Abend im Bett von seiner Mama vorgelesen haben will.

Worum geht es in dieser kindgerechten, in Reimen gefassten Geschichte:

Der kleine Till liegt abends schon in seinem Bett als es an seinem Fenster immer wieder klopft und die verschiedensten Tiere einen Schlafplatz suchen. Und Till hat für jeden einen Platz in seinem Bett. Bis ein letzter sehr großer Gast einen Schlafplatz sucht…

Eine wunderschön von Linda Ashman erzählte und von Chuck Groenink illustrierte Geschichte, die vorlebt, dass es in der kleinsten Hütte, im kleinsten Bett, immer noch einen Platz gibt, für jemanden, der gerade in Not ist.

Ein Bilderbuch für unsere Jüngsten, dass ich sehr gerne weiterempfehle.

Linda Ashman
Klopf, klopf, komm herein
ArsEdition

ISBN 9783845829821

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Samstag, 12. Januar 2019

Die zehn meistgelesenen Buchrezensionen in 2018

Es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Buchempfehlungen jedes Jahr am meisten gelesen werden. Und das sind nicht nur welche zu den Büchern, die in dem jeweiligen Jahr erschienen sind. Nein, ganz hartnäckig sind es wahrscheinlich die immer noch geliebten Dauerbrenner wie Pascal Mercier oder Klaus Kordon. Im Bild sehr ihr die Übersicht.

Freitag, 11. Januar 2019

Silke Ellenbeck - Harter Asphalt


Hat meinen Geschmack nicht getroffen.

In der niedersächsischen Kleinstadt geht es hinter den Kulissen hoch her. Aljoscha „Aidan“ Riordan und sein Freund Pjotr Koroljov, die beide für den Unterweltkönig Vladirmir „Vova“ Wolkow arbeiten, mischen in Sachen Drogen, Prostitution und Hehlerei kräftig mit. Bis z dem Tag, an dem Vova eine Zeitlang ins Ausland muss und Aidan bittet auf seine minderjährige Tochter aufzupassen ...

Ich mag es sehr, wenn ich die Protagonisten auch privat kennenlerne. Aber hier ist es mir einfach viel zu viel. Das stört über viele Seiten hin die Spannung und macht sie, gerade erst aufgekeimt, wieder zunichte. Alle Personen, die Aidan kennt, und die hier eine kleine Rolle spielen, werden bis ins Kleinste vorgestellt. Aidans Privatleben spielt hier, wie ich finde, eigentlich die Hauptrolle. Alles andere läuft so nebenher.

„Du solltest über Deine Erlebnisse mal ein Buch schreiben“, schlägt Aidan an einer Stelle des Buches einem Bekannten vor. Daran hätte er selbst, bzw. die Autorin sich auch halten sollen. Das hätte der Geschichte nach meinem Lesegeschmack hier sehr gut getan.

Überhapt habe ich nicht den Eindruck einen Thriller gelesen zu haben. Durch Verwicklungen geschieht hier zwar ein Mord und ich erfahre eher nebenbei von einem zweiten. Ansonsten geht es um Prostitution, um Drogendealerei und Antiquitätenfälschung. Aber das Alles läuft für mich viel zu ruhig ab. Vielleicht habe ich aber auch nach dem Klappentext zu viel erwartet.

Da mich die Geschichte insgesamt trotz der teilweisen Langatmigkeit gut unterhalten hat, gibt es gut gemeinte 3 Sterne.

Silke Ellenbeck
Harter Asphalt
DeBehr Verlag

ISBN 9783957535757

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Dienstag, 8. Januar 2019

Fillingers Erbe von Olaf R. Dahlmann


Katharina Tenzer, inzwischen schon einige Zeit in der Kanzlei von Friedemann Hausner als Teilhaberin tätig, bekommt ein eher ungewöhnliches Mandat. Sie soll Bernhard Fillinger, einem sehr kranken Steuerflüchtling, die Haft ersparen.  Dieser will nach Deutschland zurückkehren, um eine besondere Behandlung in Anspruch zu nehmen, die er im Ausland nicht erhalten kann. Als Gegenleistung verspricht er brisante Informationen preiszugeben: Er behauptet nämlich, zu wissen, wohin während der Wendezeit die verschwundenen DDR-Millionen verblieben sind.
Katharina Tenzer setzt sich, nach einem seltsamen Gespräch mit einem engen Freund und Verbindungsmann ihres Mandanten, mit dem zuständigen Staatsanwalt in Verbindung und leitet alles Notwendige in die Wege. Es scheint ganz offensichtlich zu funktionieren, dass ihr kranker Mandant einreisen kann, ohne dass der Haftbefehl gegen ihn greift.
Doch kaum hat Bernhard Fillinger deutschen Boden betreten, wird er am Flughafen aus einer dunklen Limousine heraus niedergeschossen und verstirb noch an Ort und Stelle. Katharina Tenzer ist die letzte, die mit Fillinger spricht. Er flüstert in seinen letzten Atemzügen noch Worte, mit denen Katharina nichts anfangen kann. Mit eingereist ist Fillingers 10-jähriger Sohn, der den Anschlag auf seinen Vater mit ansehen musste.
Katharina Tenzer entscheidet spontan, dass sie den Jungen zunächst einmal mitnimmt. Sie setzt ihn also ins Auto und verlässt den Tatort. Erste Spuren führen die Anwältin dann in die Schweiz, wo sie versucht, Licht in die dunkle Angelegenheit zu bringen. Doch gefährlich ist dieses Mandat nicht, ganz und gar nicht …
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 315  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-978-3-89425-592-3
Kategorie: Krimi
© Marion Brunner_Buchwelten 

Sonntag, 6. Januar 2019

Christine Drews - Kälter als die Angst


Auch der 5. Fall für Käfer und Schneidmann absolut lesenswert.

Die ehemalige Opernsängerin Carla Dellbrück wird erschlagen in der Schreinerei ihres Mannes

Klaus aufgefunden. Sie erhielt Drohbriefe, die aber niemand ernst genommen hat. Genau solche Briefe bekommt auch Katrin Ortrup, die mit ihren Söhnen Leo und Finn in diesem Mehrfamilienhaus in Münster-Hiltrup, wo auch Charlotte früher gelebt hat, ein neues Leben beginnen will. Sie wendet sich direkt an Kommissarin Charlotte Schneidmann, die sie vom Entführungsfall ihres Sohnes kennt. Charlotte versucht sie vorerst zu beruhigen.

Kommissar Peter Käfer und die im Außendienst zurückberufene Charlotte Schneidmann beginnen im Mordfall Carla Dellbrück zu ermitteln und stoßen dabei auf einen längst verjährten Fall. Till Brönne, der heute als geläuteter Frauenmörder ein Buch geschrieben hat und dieses jetzt gekonnt promotet, hat seine Frau vor dreißig Jahren gleich der Leiche Dellbrück versucht zu verbrennen.

Dies ist nun schon der 5. Fall, in dem ich mit Peter Käfer und Charlotte Schneidmann zusammen ermitteln darf. Da alle Fälle in sich abgeschossen sind, sind es nur Kleinigkeiten, die mir hier fehlen würden, würde ich die anderen Bücher nicht gelesen haben. Ich finde es allerdings sehr interessant, die Entwicklung der Ermittler bzw. des Teams ab des ersten Falles miterleben zu können.

Spannung baut sich ab der ersten Seite auf und steigert sich kontinuierlich bis zum Schluss. Die Geschichte kommt ohne die Beschreibungen großen Blutvergießens aus, was mir als Leserin sehr zugute kommt. So kann ich viele Szenen in meinem Kopfkino selbst in Szene setzen. Überhaupt habe ich nach kurzer Zeit den Lesestoff in meinem Kopf in Bilder umgesetzt und bin nun noch mehr im Geschehen drin. Ich kann mit rätseln und mit ermitteln, komme jedoch immer wieder an einen Punkt, wo ich meinen Verdächtigen laufen lassen muss, weil es eine neue Wendung oder neue Erkenntnisse gegeben hat.

Christine Drews verwebt die Handlung, die Akteure und die Handlungsorte so gekonnt, dass ich immer weiter lesen will. Sie schafft es mit Leichtigkeit mich am Ball zu halten und immer mehr wissen zu wollen. Sie schreibt sehr leicht, gut verständlich und flüssig mit einer oft sehr bildhaften Beschreibung. Sogar eine Prise Humor fließt hier und da mit ein.

Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, sind manchmal tiefgründig und nicht zu fassen. Zum Schluss, nach der schlüssigen und gut nachzuvollziehenden Auflösung, war ich jedoch erst mal perplex. Der Täter hat mich ganz schön an der Nase herum geführt und überrascht.

Auch diesmal kann ich jedem, der spannende, gut ausgearbeitete Krimis mag, dieses Buch empfehlen. Es hat mir einige interessante und unterhaltsame Stunden geschenkt.

Christine Drews
Kälter als die Angst
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404177882

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