Dienstag, 18. Dezember 2018

Nora Fraisse - Marion, für immer 13

Wie man eine Mutter allein gelassen hat.

Es ist mir noch nie so schwer gefallen zu einem Buch mit einer realen Erfahrungsgeschichte eine Rezension zu schreiben, wie diesmal.

Marion Fraisse ist gerade mal 13 Jahre alt, als sie nach den verschiedensten Mobbingattaken einiger ihrer Mitschüler keinen anderen Ausweg sieht und sich in ihrem Kinderzimmer das Leben nimmt. Für eine Mutter, in diesem Fall Nora Fraisse, ist das das Schlimmste, was passieren kann. Doch diese starke, von Schuldgefühlen, Trauer und Wut gebeutelte Frau will unbedingt wissen, warum ihre kleine Tochter diesen letzten grausamen Schritt gewählt hat.

Nora Fraisse schildert eindringlich, was sie bei der Suche nach der Wahrheit alles erlebt hat. Wie sie gerade von Marions Schule, vor allem dem Direktor, immer wieder Ablehnung und Ignoranz erfahren hat. Die den "Fall" als familienintern abtun. Nach dem Motto: Was nicht sein darf, ist auch nicht. Aber auch bei den Behörden stößt sie immer wieder auf Ablehnung. Hilfe kann sie anfangs von keiner Seite erwarten.

In diesem Buch bekomme ich keine interessante Familiengeschichte geliefert, sondern einen Tatsachenbericht über die Gründe des Tod eines kleinen Mädchens und der verzweifelten Suche einer Mutter nach Gerechtigkeit und Wahrheit.

Noras und Marions Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt und tief berührt. Ich habe beim Lesen immer wieder den Kopf geschüttelt, weil ich bis jetzt nicht begreifen kann, wie man eine trauernde Mutter, die doch nur verstehen will, so allein und sich selbst überlassen kann.

Was mich anfangs etwas gestört hat, sind die vielen Wiederholungen. Aber ich denke, Nora Fraisse brauchte diese immerwiederkehrenden Erinnerungen, die sie hier niederschreibt, um mit ihrem Leid und ihrer Trauer besser fertig werden zu können. Schlimm finde ich auch, dass sie über der Suche nach der Wahrheit ihre beiden anderen Kinder fast vergessen hat. Dass sie das aber zugibt, hat mich wiederrum sehr berührt.

Ich hoffe sehr, dass viele Jugendliche und Eltern dieses emotionale, erschütternde, aus dem Leben erzählende Buch lesen und sie dadurch sensibilisiert und aufgerüttelt werden, damit Mobbing schon in seinen Anfängen erkannt und abgewendet werden kann. Man darf seine Augen und sein Herz nicht davor verschließen.

Nora Fraisse
Marion, für immer 13
Aus dem Französischen von Monika Buchgeister
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404610112

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Olaf Lahayne - Schöne Bescherung!


Weihnachtliche Anthologie

Mit 12 Geschichten, die für jeden Geschmack und für jedes Genre etwas bereit halten, hat Olaf Lahayne mit die Wartezeit auf Weihnachten verkürzt. Mit seiner breit gefächerten Schreibkunst verzaubert mich der Autor mit Mystischem, regt mich zum Nachdenken an und entführt mich zurück bis zur Zeit um Jesu Geburt. Aber auch einen Krimi bekomme ich vorgesetzt, genau so wie launige Unterhaltung.

Die Stories sind alle unterschiedlich lang und lassen sich leicht und zügig lesen. Hier und da halten auch österreichische Ausdrücke einzug, die vielleicht nicht jeder kennt, die sich aber durch den Text selbst erklären.

Wer also gerne gut gemachte kleine Weihnachtsgeschichten liest, der ist hier genau richtig.

Olaf Lahayne
Schöne Bescherung!
BoD Verlag, Noderstedt

ISBN 9783748180807

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Montag, 17. Dezember 2018

Petra Durst-Benning - Die Fotografin: Am Anfang des Weges

Die Geschichte einer Wanderfotografin.

Als Minna Rewentlov, genannt Mimi, von ihrem Freund Heinrich Grohe einen Heiratsantrag bekommt und er ihr in den schönsten Farben das Leben einer Pfarrersfrau auf dem Land schmackhaft machen will, bleibt ihr erstmal die Sprache weg. Jedoch anstatt zu heiraten, fährt sie, die von ihrem Onkel Josef die Liebe zur Fotografie angenommen hat, wie er selbst auch, als Wanderfotografin durch die Lande und erarbeitet sich durch die unkonventionelle Art ihrer Bilder bald einen sehr guten Ruf. Als Onkel Josef, der sich in Laichingen auf der Schwäbischen Alb niedergelassen hat, sehr krank wird, ihre Mutter aber keine Anstalten macht, ihren Bruder zu pflegen, übernimmt sie dies selbst. Sie eröffnet das Fotostudio ihres Onkel wieder und will solange bleiben, bis ihre Mutter Muße findet, sich um ihren Bruder zu kümmern ...

Mit ihrem angenehm leicht zu lesenden Schreibstil hat mich Petra Durst-Benning direkt hineingezogen in den kleinen Ort Laichingen und in das karge Leben auf der Alb, wo die Leinweber zuhause sind. Hier lerne ich ausser Mimi, die eine für diese Zeit schon sehr starke und eigenständige Frau ist, auch einige Mitglieder der Leinweberfamilien und deren Arbeitgeber kennen. Die Armut, das Leid, das Ausgebeutet werden und das karge Leben, das dort herrscht, haben mich doch demütig werden lassen, da ich heute in einer so ganz anderen Zeit leben darf.

Mimi ist mir von Anfang an mit ihrer mitfühlenden Art Anderen gegenüber, ihrer leidenschaftlichen Art gegenüber ihrer Arbeit mit den Bildern, die sie macht und ihrer Unangepasstheit sehr sympathisch. Da kann auch ein Webereibesitzer daher kommen und sie gibt ihm Kontra. Überhaupt kann ich in dieser Geschichte meine Sympathien schnell vergeben. Aber es gibt auch ein paar Menschen, die sich sehr schwer tun, mich von ihnen zu überzeugen.

Mit ihrer einfühlsamen, sehr bildlichen und manchmal humorigen Art zu erzählen führt mich Petra Durst-Benning durch den kleinen Ort, so daß ich meine mich hier schon auszukennen. Die Postkarten, die Mimi in Auftrag gibt habe ich direkt vor Augen Und auch als die Jungs in ihren Konfirmandenanzügen im Atelier sitzen um zu ihrem großen Tag fotografiert zu werden, habe ich sie direkt im Kopf. Und ich meine ihre Gedanken lesen zu können, wenn sie sich mit Landkarten oder der Malerei beschäftigen.

Die immer wieder einfließenden historischen Informationen sind so gekonnt in die Geschichte hineingewebt, dass es sogar Spaß macht noch etwas zu lernen und Neues zu erfahren. Ich kann nur ahnen, wieviel Recherche hinter dem Buch stecken mag.

Ich habe es sehr genossen, einen ersten Einblick in das Leben von Mimi Rewentlov und den Laichingern zu bekommen. Und ich feue mich schon sehr auf die Fortsetzung dieser interessanten Familiengeschichte, die für mich einige Fragen offen gelassen hat.

5 von 5 Sternen!

Petra Durst-Benning
Die Fotografin - Am Anfang des Weges
blanvalet Verlag, München

ISBN 9783764506629

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Natasha Korsakova: Tödliche Sonate

Die Autorin ist Violinsolistin und reist für Konzerte um den gesamten Globus, aber immer wieder auch nach Rom. Der vorliegende Roman ist ihr Debütroman. Wen wundert es, dass das Thema dieses Kriminalromans die klassische Musik, Stradivaris Violinen und das Business drumherum sind?

Die hochangesehene Inhaberin einer Künstleragentur wird ermordet aufgefunden. Doch wer auf der prominenten Leiter steht, wird auch angefeindet. Sowohl von abgewiesenen Künstlern, von Wettbewerbern, Mitarbeitern und nicht zuletzt von Familienangehörigen. Der Commissario Di Bernardo hat es nicht leicht, zusammen mit seinen Kollegen den Dschungel an Lügen, Intrigen, Wahrheiten und Halbwahrheiten zu lichten.

Was kann der Leser erwarten? Zunächst einen durchaus spannenden Krimi mit interessanten Verwicklungen. Dann einen faszinierenden Regionalbezug zum Schauplatz Rom. Als Kontrast zu den Romanen von Donna Leon eine angenehme Alternative. Die umfangreichen Beschreibungen lassen den Leser durch die Stadt reisen. Als drittes erfährt der Leser sehr viel über das Konzertgeschäft rund um die klassische Musik im Allgemeinen und die Geschichte der Geigenherstellung im Besonderen. Sehr gut gefallen haben mir die historischen Kapitel, die in der Werkstatt Stradivaris im Jahre 1716 beginnen. Sie begleiten die Ermittlungen den gesamten Roman hindurch. Doch der Leser sollte dabei nicht vergessen, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt. Auch wenn große Teile der Historie entnommen sind, stimmt deswegen nicht alles, was geschrieben steht. Korsakova stellt dies im Nachwort auch eindeutig klar, weshalb ich unbedingt empfehle, das Nachwort tatsächlich erst nach dem Ende des Romans zu lesen. Mit dem Wissen des Nachworts ist der Krimi vielleicht nicht ganz so spannend, aber nur vielleicht.

Ein Manko allerdings sind die unendlich vielen italienischen Namen. Jede Nebenfigur, und wenn es nur der Briefträger auf der Straße ist, hat einen vollständigen Namen bekommen. Das ist verwirrend und zu viel des Guten.

Trotz allem bietet der Roman spannende und interessante Unterhaltung.

Natasha Korsakova
Tödliche Sonate
Heyne Verlag, München

ISBN 9783453422674

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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Was sich bei edition oberkassel so tut!

Sonntag, 16. Dezember 2018

Michael Gerwien - Wolfs Killer

Leichen pflastern seinen Weg!

Genau so schlag- bzw. schießkräftig wie in manchem Western geht es auf der letzten Etappe von Wolf Schneider zu, der doch nur den Mann finden will, der seine Frau Rebekka und seinen besten Freund Roman ermorden ließ. Auf der Suche nach ihm und dem kriminellen amerikanischen Politiker Arthur Smith bzw. dessen Frau Jane verliert so mancher sein Leben. Ob das viele Blutvergießen, die vielen Leichen Wolf´s Suche wert sind? Das müsst ihr beim Lesen schon selbst herausfinden.

Nach "Schattenkiller" und "Schattenrächer" ist dies nun der 3. und leider letzte Teil der Thriller-Trilogie von Michael Gerwien um den Journalisten Wolf Schneider. Da in allen drei Büchern sehr viel passiert, was für den jeweiligen Fortgang der Geschichte relevant ist, würde ich empfehlen, die Bücher nach ihrem Erscheinen zu lesen. Mir hätten sonst zu viele Hintergrundinformationen gefehlt.

121 kurze Kapitel verteilt auf 347 Seiten machen das Lesen dank dem leichten, manchmal etwas spöttischen oder ironischen Schreibstil leicht und angenehm. Ich bekomme es hier mit sechs verschiedenen Schauplätzen, das weite Meer nicht mitgerechnet, zu tun. Die Spannung steigt ab der ersten Seite und der Bogen hält sich trotz der dauernden Sprünge von einem Land ins Andere, von einer Stadt zur Anderen und den vielen handelnden Personen, weitestgehend hoch. Einige der Personen begleiten mich schon seit Band 1. Andere lerne ich erst hier kennen. Alle haben ihre ganz besonderen Eigenheiten. Etwas was ich an Schneider gar nicht mag – er kokst mir einfach zu viel. So gewalttätig dieser Thriller auch ist, habe ich an einer ganz bestimmten Stelle doch lachen müssen. Dieses Buch bietet wirklich von jedem für jeden etwas. Und genau diese Abwechslung ist es, die mir an der Serie so gut gefallen hat.

Einiges erscheint konstruiert, manches ist mir fast zu brutal, alles ist gut vorstellbar beschrieben. Vor allem das Ende hat mich dermaßen überrascht. Das hätte ich Anton jetzt wirklich nicht gewünscht.

Ich bekomme einen Mix aus Rache, Gier, Leidenschaft, Brutalität und Machtspielchen. Und auch diesmal hatte ich wieder einige sehr lebendige und actionreiche Lesestunden.

Hierfür vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.

Michael Gerwien
Wolfs Killer
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839223536

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Samstag, 15. Dezember 2018

Cara Hunter - Sie finden Dich nie

Nichts ist wie es scheint.

Boah, was für eine Geschichte, die mich bestimmt nicht so schnell los lässt.

Während einer Party im Garten ihrer Eltern mit ihren Schulfreunden und deren Eltern verschwindet die 8-jährige Daisy Manson spurlos. Niemand hat sie gesehen, niemand weiß etwas. Detective Inspector Adam Fawley und sein Team ermitteln fieberhaft, aber ausser Indizien finden auch sie keinen Hinweis auf das Verbleiben des Mädchens. Daisy ist und bleibt verschwunden.

Sehr viele Dialoge, Rückblenden in die Vergangenheit und kleine Posts von Radio- oder tv-Sendern und vor allem auf Twitter lockern die Ermittlungen, die sehr zäh laufen, auf und die Spannung steigt stetig weiter an.

Cara Hunter erzählt eine spannende und sehr abwechslungsreiche Kriminalgeschichte. Von einem zum anderen Kapitel bin ich mehr dabei und spekuliere mit, was da wohl geschehen sein mag. Ich folge ihr auf Spuren, die sie für den Leser auslegt, um dann zu erfahren – hier geht´s nicht weiter. Ihr Schreibstil ist leicht, locker und flüssig und die Kapitel rauschen nur so an mir vorbei. Sie hat mich mit ihrem Debüt um Detective Inspector Adam Fawley richtig eingefangen.

Ab der ersten Seite bin ich mitten in den Ermitlungen und voll dabei. Viele kleine Spuren, die immer wieder ins Nichts führen oder sich nur schwer beweisen lassen. Eltern, die wie es den Anschein hat, keinen Wert auf tiefergreifende Ermittlungen haben und nur mit sich selbst beschäftigt sind. Nach aussen aber den Eindruck tiefer Trauer vermitteln wollen. Nachbarn, die bis auf ganz wenige, nichts gesehen und gehört haben wollen.

Sehr vielfältige und vielschichtige Personen begleiten mich auf meinem Weg durch das Buch. Die Mutter erscheint kalt und herzlos, der Vater liebt seine "Prinzessin" abgöttisch und Bruder Leo kämpft mit seinen eigenen Dämonen. Auch die Vergangenheit hält Tatsachen für mich als Leser bereit, die noch weit in die Gegenwart hineinspielen. Es ist schlimm zu lesen, was diese beiden Kinder in ihrer Familie erdulden müssen und wie die Erwachsenen miteinander umgehen.

Aber nicht nur die Familie Manson hat ihr Päckchen zu tragen, auch bei den Mitgliedern der Polizei läuft nicht alles rund. So hat z.B. Adam Fawley einen ganz besonderen Bezug zu diesem Fall. Und Detectiv Constable Chris Gislingham wird aus persönlichen Gründen vom Fall abgezogen. Aber mehr verrate ich nicht.

Ich hatte den Fall für mich schon gelöst geglaubt und abgeschlossen, da kommt ein Ende mit einer Auflösung daher, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte. Ich bin begeistert von dieser letzten Wendung, aber auch irgendwie schockiert. Das I-Tüpfelchen, das den Fall so ganz besonders macht.

Eine für mich neue Autorin mit einem interessanten und spannenden Fall, der auch zeigt, was die sozialen Netzwerke so anstellen können. Ich bin begeistert!

Cara Hunter
Sie finden Dich nie

übersetzt von Iris Hansen, Teja Schwaner
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746633589

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Freitag, 14. Dezember 2018

Preis / Schreinlechner - 111 schaurige Orte in der Steiermark, die man gesehen haben muss

Gruselige Steiermark!

Mit seinem etwas anderem Reiseführer gibt Robert Preis, ergänzt durch die tollen Fotos von Niki Schreinlechner, einen spannenden und interessanten Überblick über 111 schaurige Orte in der Steiermark, die man gesehen haben sollte.

Ich lese teils Bekanntes, teils unbekannte Geschichten und Legenden. Egal ob ich mich in Graz, Altenmarkt, Eisenerz, Fischbach, Fürstenfeld, Gröbming, Kindberg, Leoben, Pöllau, Tragöß oder Wies befinde – immer hat der Autor eine unterhalzsame Geschichte für mich bereit. Hier und da läuft mir beim Lesen ein leichter Schauer über den Rücken. Einfach gruselig, wieviel Grausamkeit und Brutalalität es in diesem wunderschönen Fleckchen Erde schon gegeben hat.

Eine Doppelseite der Steiermark und ihren Orten und eine Seite der Landeshauptstadt Graz, auf denen die Strellen markiert sind, die im Buch beschrieben werden, machen den Führer richtig rund. Dazu die Vorstellung von 4 Krimis, die alle in Graz gesettet sind und die Vorstellung 9 weiteren Führern quer durch Österreich.

Intertessant finde ich auch die Erwähnung von verschiedenen Internetseiten und die vielen Literaturhinweise. Hier habe ich schon einige Bücher gesehen, die ich gerne noch lesen würde.

Der Autor und der Fotograf stellen sich ganz zum Schluss auch noch vor.

Ein interessantes Buch mit spannenden Geschichten, die mir die Steiermark noch näher bringen. Nicht nur für Steirer – für alle, die sich für dieses wunderschöne Fleckerl Erde interessieren und mehr darüber wissen wollen.

Robert Preis/ Niki Schreinlechner
111 schaurige Orte in der Steiermark, die man gesehen haben muss
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740804459

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Donnerstag, 13. Dezember 2018

Jürgen Rath - Ich, Berit und das fisketävling

Heute mal ein Kinder- und Jugendbuch.

Sommerferien-Expedition nach Schweden

Die großen Ferien sind da. Mama Ines wollte nach Gran Canaria, Papa Bernhard nach Schweden. Papa hat gewonnen. Dem 11-jährigen Jonas und seiner 14-jährigen Schwester Johanna ist das egal. Denn eins steht fest: Ferien mit Eltern ist doof.

In ihrem Haus in Schweden angekommen, stellt Johanna gleich fest: Es gibt kein Netz. Dafür gibt es ganz in der Nähe einen See. Und dort findet in knapp 2 Wochen ein Angelwettbewerb statt. Jonas lehnt sich da ganz weit aus dem Fenster und lässt verlauten, dass er den Wettbewerb gewinnen wird. Es gibt nur ein kleines Problem: Er hat bisher noch nie geangelt und muss feststellen, dass es nicht so einfach ist wie es aussieht.

Jonas erzählt die Geschichte aus seiner Sicht in einer kindgerechten, manchmal etwas altklugen Art. Ich liebe den kleinen Kerl für seine Sprüche, die er bei jeder Gelegenheit raus haut. Wenn oft auch nur in Gedanken. Er findet z.B.: auch wenn die Vögel und die Mädchen so ausschauen wie bei uns, ist Schweden doch ein so ganz anderes Land.

Papa dagegen kann mit seinen Scherzen auch ganz schön peinlich sein.

Schnell finden Jonas und Johanna Anschluß bei den Kindern einer schwedischen Familie, die auch dort oben in der Wildnis Urlaub macht. Verständigungsschwierigkeiten gibt es dank des sonntäglichen Englisch-Redens, dass Ines zuhause eingeführt hat, selten. Regeln und Gebräuche werden thematisiert und geben uns Lesern einen Einblick in das schwedischen Leben und die Kultur. Durch die gleichaltrige Berit lernt Jonas deren Opa kennen, der ihm das Angeln beibringt. Die tierliebe Johanna lernt einen Jungen kennen, dessen größter Wunsch ein Gewehr ist, mit dem er auf Elchjagd gehen kann. Da haben wohl Beide ein Problem.

Beim Lesen lerne ich etwas über die Techniken des Angelns, über das Fahren mit einem Motorboot, über schwedische Essgewohnheiten und über das Räuchern von Forellen. Vor allem aber auch über die schwedische Gastfreundlichkeit.

Ein wunderbares Buch über die Freundschaft, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, den Zusammenhalt der Familie und die ersten Liebesgefühle. Es werden tolle Ferien auch ohne Handy und TV.

Ich hoffe, dass noch viele Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene, Jonas bei seinen Ferien in Schweden begleiten werden.

Jürgen Rath
Ich, Berit und das fisketävling
Selfpublishing

ISBN 9781717726698

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Mittwoch, 12. Dezember 2018

Maren Graf - Padermorde

Mörderisches Paderborn.

Die Herausgeberin Maren Graf stellt in ihrem Buch „Padermorde“ 13 weihnachtliche Kurzkrimis vor. Am Ende des Buches werden die Tatorte noch einmal näher beleuchtet und auch die einzelnen Autoren, z. B. Andrea Gehlen, Christiane Höhmann, Susanne Kliem, Gisa Klönne, Horst Eckert usw. werden detailliert vorgestellt.

Egal ob Max-Moritz endgültig genug hat von seiner dominanten Mutter und seiner herrschsüchtigen Ehefrau, ob Onkel Thorsten die falschen Tabletten untergeschoben wurden, ob Ehemann und Ehefrau das gleiche Ziel haben, ob das Gedächtnis eines Mannes plötzlich doch wieder kommt, ob Privatermittler Hieronymus C. Doyle von einem geheimnisvollen Fall erzählt, ob es um todbringende Medikamente geht – alles spielt sich in der Adventszeit oder an Weihnachten in Paderborn ab.

Aber nicht nur Taten aus der Jetztzeit bekomme ich vorgesetzt. Ich darf mörderisch auch ins 18. Jahrhundert reisen.

Spannende Geschichten rund um das Weihnachtsfest und die kalte Jahreszeit, die mich gut unterhalten haben. Und interessante Schauplätze in einer Stadt, die ich bisher noch nicht kenne. Sehenswert.

Maren Graf
Padermorde
GmeinerVerlag, Messkirch

ISBN 9783839223277

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Dienstag, 11. Dezember 2018

Anja Stroot - Die Münsterland-Detektive - Feuer auf dem Hof

Und hier mal was für unsere ganz jungen Leseratten:

Diesmal geht gleich am Anfang bei der Ferienplanung fast etwas schief. Aber die Münsterland-Detektive sind dann doch vollzählig und ein neues Abenteuer für Leona, Jacky, Felix, Ben und Gundula kann beginnen. Diesmal gibt es ein Feuer auf dem Hof. Sind Menschen oder Tiere in Gefahr? War es Brandstiftung? Und wenn ja, wer war das?

Um all diese Fragen zu beantworten, lest das Buch selbst oder lasst es euch vorlesen. Es lohnt sich! Für große und für kleine Spürnasen.

Nach " Der schwarze Schatten (1)", "Die verflixte Wiese (2)", "Gefahr am Baumhaus (3)" und "Auf dem Eis (4)" ist dies eine weitere Geschichte mit einem neuen Abenteuer für die fünf Freunde aus dem Münsterland.

Da die Geschichten in sich abgeschlossen sind, ist man hier an keine Lesereihenfolge gebunden, sondern kann die Bücher in jeder beliebigen Reihenfolge lesen. Auch sind die Geschichten nicht nur für Münsterländer Kinder gedacht. Die Abenteuer könnten sich in jeder beliebigen Gegend in Deutschland oder auch im Ausland genau so abspielen.

In einer liebevollen kindgerechten Sprache beschreibt die Autorin die Geschehnisse auf dem Reiterhof. Wunderschöne, die Fantasie anregende Zeichnungen, die perfekt zum Text der Geschichte passen, runden die spannende Geschichte ab. Meine kleine Leseratte malt diese Bilder dann auch noch aus. Die Geschichte eignet sich auch sehr gut zum Vorlesen.

Durch die große Schrift können sich aber auch Leseanfänger sehr gut daran versuchen. Kurze Kapitel machen es nicht so schwer mit dem Lesen auch mal eine Pause einzulegen.

Hinten im Buch wieder mit dabei die Detektivprüfung, Geheimschriften zum Entschlüsseln, eine Bastelanleitung für ein Lesezeichen und einen Detektivausweis.

Die Autorin stellt sich kurz vor und einen kleinen Einblick in die ersten vier Münsterland-Detektiv-Geschichten gibt es auch noch.

Anja Stroot
Die Münsterland-Detektive - Feuer auf dem Hof
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783744868952

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Montag, 10. Dezember 2018

Axel Petermann / Claus Cornelius Fischer - Die Elemente des Todes

Nichts für schwache Nerven!

Eine Serie brutaler Morde erschüttert zwischen den Jahren 1995 und 1996 den Norden der Republik. Kommissar Larsen Kiefer der Kripo Bremen und sein Team haben es nicht leicht. Sie scheinen nach einer Zeit genau zu wissen, wer der Täter ist, die Täter sind, können ihnen aber vorerst nichts nachweisen. Eine schwierige und heikle Angelegenheit.

Gerade jetzt, als ich dieses Buch lese, begegnet mir Mit-Autor, Leiter der Mordkommission Bremen und Profiler Axel Petermann in einem Fernsehbericht. Bei diesem Fall hier hat er damals selbst ermittelt und weiß um die Grausamkeit und Brutalität, die damals vorlag. Ich denke, er hat mit seiner Erfahrung und seinem Wissen der Geschichte hier den letzten feinen Schliff gegeben. Claus Cornelius Fischer rundet den Fall mit spitzer, blutender, psychologischer Feder ab. Ich hoffe, dieses bleibt nicht das einzige Projekt der Beiden.

Daniel Becker – jung, sehr von sich eingenommen, skrupellos, kann sehr gut manipulieren und versteht es sehr geschickt, seine Freunde Moritz und Lothar, die ihm schon fast hörig sind, in seine Abartigkeiten hineinzuziehen. Er selbst sieht sich nicht als Mörder, kann nur Menschen verschwinden lassen, ist sich sicher, dass er sie dazu bringt, nicht mehr leben zu wollen. Einfach abartig.

Ich lese sehr gerne Krimis und Thriller. Aber True Crime ist noch mal was ganz anderes. Hier geht es um wahre Begebenheiten, die ich nicht so einfach abhaken kann. Und gerade diese Geschichte hat bei mir Gänsehaut erzeugt, hat mich nachdenklich gemacht und wird noch eine Zeit nachwirken.

Anfangs hatte ich etwas Probleme mit den dauernden Zeitenwechseln, die aber, wie ich im Nachhinein weiß, absolut notwendig und richtig sind. Aber nach kurzer Zeit war ich vollkommen gefangen im Geschehen.

Ich blicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Kann mir fast nicht vorstellen, dass man so abgrundtief böse sein und agieren kann. Frage mich, was das alles ausgelöst haben mag. Und kann es fast nicht fassen, dass es sich hier um einen realen Fall gehandelt hat. Was ich mich auch immer wieder gefragt habe: Haben die Angehörigen oder Freunde wirklich nichts von dem Ganzen mitbekommen? Oder ist es einfach so, dass was nicht sein darf, auch nicht ist? Ein Buch, über das sich sehr gut diskutieren und nachdenken lässt.

Der Spannungsbogen, ich weiß garnicht, wie ich das beschreiben soll, ist so stark und straff gespannt, permanent da. Aber ohne aufdringlich zu sein. Ich kann das Buch einfach nicht loslassen, weil dauernd etwas geschieht, immer wieder Gedanken auftauchen, die einfach unfassbar sind. Aber ohne sich aufzudrängen, aber trotzdem fesselnd. Einfach klasse gemacht.

Kommissar Larsen Kiefer lerne ich im Laufe der Story auch privat etwas näher kennen. Auch er hat mit Dämonen zu kämpfen, will seine Arbeit nicht in sein neues Heim zu seiner neuen Frau mitnehmen. Spannend finde ich auch die Gespräche zwischen ihm und Daniel Becker, der sich aber immer wieder aalglatt aus der Affäre zieht.

Ich habe Falco als Sänger sehr gerne gemocht und hier stoße ich immer wieder auf Songs von ihm. Für mich hat das den Schrecken zwischendurch immer etwas gedämpft.

Ein spannendes, authentisches Buch, mit einem Kommissar, der nicht aufgibt, sondern versucht, sich in den Köpfen der Täter festzusetzen. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und in mir noch eine Zeit lang nachwirken wird. True Crime vom Feinsten und Bösesten. Gänsehaut pur.

Axel Petermann / Claus Cornelius Fischer
Die Elemente des Todes
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426523131

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Sonntag, 9. Dezember 2018

David Whitehouse - Der Blumensammler

Eine märchenhafte, mystische Lektüre.

Tiefseeforscher Professor Jeremiah Cole wird von einem Wal gerettet, kurz bevor er zu Ertrinken droht, und entdeckt hierbei den Flugschreiber eines verschollenen Flugzeuges.

Peter Manyweather betreibt die „Reinigungsfirma Eisvogel“, die sich auf die ganz schwer zu beseitigenden Schmutzfälle spezialisiert hat. Er findet bei einer Säuberung einen Liebesbrief in dem es auch um sechs aussergewöhnliche Blumen geht.

Dove Gale arbeitet bei einem Londoner Rettungsdienst als Einsatzkoordinator, lebt ein einsames Leben, wird immer wieder von Kopfschmerzen geplagt und mit Erinnerungen eines anderen Menschen, nämlich Peter Manyweather, konfrontiert. Nichts wünscht er, das Findelkind, sich mehr, als seine leiblichen Eltern kennenzulernen.

Zwei verschiedene Zeitebenen, drei Männer, drei Leben, drei Erzählstränge, die sich ganz langsam annähern, sich dann zu einem großen Ganzen verbinden und mich mit der Geschichte schlüssig und zufrieden zurück lassen.

Was diese drei so unterschiedlichen Menschen verbindet, erfahre ich hier in diesem Buch.

Der Autor David Whitehouse nimmt mich in diesem Roman mit auf die Reise einmal um den Erdball. Auf der Suche von Peter Manyweather nach der Udumbara Blume, einer Lichtnelke, der schafsfressende Pflanze, der Kadupul, der Welwitschie und der Rafflesie

geht die Reise nach China, nach Gibraltar, nach Chile, nach Mexiko, an den Messum-Krater in Namibia und nach Sumatra. Überall gilt es Abenteuer zu bestehen. Dieser Strang nimmt den meisten Platz der Geschichte für sich ein.

Die Geschichte von Dove Gale beginnt 30 Jahre später. Durch immer wieder eingestreute kleine Hinweise und Zeichen meine ich schon bald zu wissen, wie welche Lebensgeschichten zusammen hängen könnten. Hier gibt es dann für mich eine Überraschung.

Nicht nur diese drei Hauptprotagonisten sind lebensecht und glaubwürdig gezeichnet. Auch die mehr oder weniger wichtigen weiteren Personen haben ihre ganz eigene Aura und hallen in ihrer Wirkung auch jetzt noch nach.

Der bildhafte, wunderschön zu lesende Schreibstil macht es mir leicht mir die verschiedenen Handlungsorte vorzustellen. Er versteht es meisterhaft mich so zu faszinieren, dass ich sogar nach den Pflanzen auf Google suche um sie noch besser in mein Kopfkino einbauen zu können.

Die Geschichte hat für mich etwas märchenhaftes, mystisches. Sie ist auch keine, die ich mal schnell weg lesen kann. Kleinigkeiten erfassen, zwischen den Zeilen lesen und Andeutungen interpretieren - ich habe immer wieder inne gehalten und mir das eben Gelesene noch mal durch den Kopf gehen lassen um ja nichts zu verpassen.

Dies ist so ein interessantes, außergewöhnliches Buch, das ich bestimmt noch einmal lesen werde und das es in mein Bücherregal „Besondere Literatur“ geschafft hat.

David Whitehouse
Der Blumensammler
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart

ISBN 9783608503739

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Lauren Grodstein - Alles Glück eines Lebens

Emotional und berührend

Karen Neulander, 43, weiß, dass sie sterben wird. Den diagnostizierten Eierstockkrebs kann man zwar aufhalten, heilen kann man ihn nicht. Also schreibt sie ihre Geschichte für ihren sechsjährigen Sohn Jacob auf. Sie schildert offen ihre Gefühle, erzählt ihm aus ihrem Leben und beschreibt, warum er seinen Vater nicht kennenlernen konnte. Dies aber ist der größte Wunsch des kleinen Jacob. Kann und wird sich Karen überwinden und mit Dave Kontakt aufnehmen, damit er seinen Sohn und vor allem, damit Jacob seinen Vater kennenlernen kann?

Wow, was für ein Buch. Da Karen ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt und aufschreibt, bin ich noch näher an ihren Gefühlen und Emotionen dran. Sie zieht mich förmlich in ihr Leben hinein und ich verstehe ihren Zorn, ihre Wut, ihre Trauer und ihre Verzweiflung. Aber über allem steht ihre unendliche Liebe zu ihrem Sohn, dem sie keinen Wunsch abschlagen kann. Und obwohl sie immer schwächer wird, gibt er ihr die Kraft weiterzumachen. Mich hat diese überaus starke Frau sehr berührt.

Lauren Godstein schreibt so gefühlvoll, so emotional, so ehrlich, voller Wärme, ohne ins kitschige abzugleiten. Ich bin selbst Mutter und ein paar Mal ein paar Mal hatte ich Gänsehaut und ich musste meinen Taschentuchvorrat aufstocken. Die Autorin versteht es gekonnt mich einzufangen. Sie lässt mich aber auch nachdenklich zurück.

Sie lässt die Protagonisten so menschlich erscheinen, so real, dass ich sowohl Karen als auch ihre Schwester Allison sofort als Freundin annehmen würde.

Dies ist eine Geschichte, bei der ich von vorne herein wusste, dass es kein Happy End geben würde. Die mich so berührt hat und ans Herz geht. Ich habe sie sehr gerne gelesen und kann dieses Buch absolut weiterempfehlen.

Lauren Grodstein
Alles Glück eines Lebens
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634500

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Samstag, 8. Dezember 2018

Wildis Streng - Hammeltanz

In Onolzheim ist der Hammel los

Im hohenlohischen Onolzheim ist wie jedes Jahr im Oktober wieder Hammeltanz. Ein Fest, zu dem der ganze Ort zusammen kommt. In diesem Jahr aber gibt es Querelen. Die Scheune, wo einer der Umzugswagen abgestellt ist, brennt ab – zusammen mit dem Wagen. Bei einem anderen Wagen findet der Mann vom TÜV eine durchschnittene Bremsleitung. Und abends nach dem Hammeltanz wird der neue Büttel Andi Sichler, der nicht nur Freunde in Onolzheim hat, von seiner Frau hinterm Festzelt gefunden. Erstochen - mit dem Degen des Gewinners des Hammeltanzes im Bauch. Außerdem wird der Hammel, der dem Fest seinen Namen gibt, entführt und im Wald wird eine Kunstharzhexe zerschlagen.

Viel Arbeit für das hohenlohisch-westfälische Ermittlerduo Heiko Wüst und Lisa Luft von der Kriminalpolizei Crailsheim, die wohl gerne mitgefeiert hätten.

Dies ist mein zweites Buch von Wildis Streng und so kenne ich die Crailsheimer Ermittler schon ein wenig. Die Oonzamer Kärwe mit dem Hammeltanz lerne ich hier kennen. Genau so wie die vielen Menschen, die am Umzug mit ihren Wagen teilnehmen. Einige davon potentielle Täter. Schön wäre hier ein Verzeichnis der Mitwirkenden gewesen. So musste ich mir einen Spickzettel anlegen, sonst hätte ich die vielen Namen bestimmt durcheinander gebracht.

Die meisten Personen, die hier eine tragende Rolle spielen, sind sehr detailliert und farbig mit Ecken und Kanten und mit ihren Emotionen gezeichnet. Sie haben mein Kopfkino anspringen lassen.

Wer mir wieder sehr gut gefallen hat, sind die Bewohner der Stadt, die noch den einheimischen Dialekt pflegen. Hier musste ich manchen Satz zweimal lesen, damit ich ihn verstanden habe. Aber so war ich auch noch näher am Geschehen dran und in der Geschichte drin.

Die Geschichte an sich ist spannend und interessant aufgebaut. Viele Verdächtige, immer neue Wendungen, die Spannung steigt mit jedem Verdächtigen, der wieder freigelassen werden muss. Der Schluss bzw. der Täter kam für mich ganz unverhofft. Mit dieser Auflösung hatte ich so nicht gerechnet.

Ein spannender Fall, richtig guter Lokalkolorit, die Hohenloher als sympathischer Menschenschlag und richtig gute Unterhaltung von der ich gerne mehr hätte. Ein Lokalkrimi, der bestimmt nicht nur mich begeistert.

Wildis Streng
Hammeltanz
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839223154

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Freitag, 7. Dezember 2018

Birgit Fazis - Fingerfood - bayerisch gut

Lecker - nicht nur für bayerische Leckermäuler

Bei "Fingerfood – bayerisch gut – Tapas von dahoam" hat mich das Cover sofort angesprochen. Durch die weiß-blauen Körbchen, aus denen mich der Kartoffelsalat anlacht, weiß ich, dass diese Rezepte genau in meine Münchner Küche passen werden.

Allein das Inhaltsverzeichnis auf den ersten Seiten lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen und ich freue mich beim Anblick der kulinarischen Kleinigkeiten auf´s Ausprobieren.

Ich bekomme einen Einblick in kleine Gerichte im Glas; Snacks, die ich aus der Hand essen kann; aufgespießte Minihäppchen und Leckeres am Stück.

Zu jedem Gericht habe ich eine Zutatenliste, von denen ich die meisten Sachen dauernd im Haus habe. Kein Zutaten-Schnickschnack, deren Reste ich dann kaum wieder brauche. Die etwaigen Zubereitungszeiten machen die Planung leicht. Und die Rezepte, die ich bisher ausprobiert habe, gelingen dank der Zubereitungsanleitung schnell und schmecken einfach lecker.

Das einzige Manko dieses wirklich tollen regionalen Kochbuches: Ich brauche beim Kochen immer etwas, womit ich die Seiten fixieren kann. Es schlägt sich immer von alleine wieder zu. Aber auch dafürlässt sich bestimmt etwas finden und schmälert meine Lust auf Tapas von Dahoam keinesfalls.

Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Fest, wo ich eine Auswahl der kleinen Köstlichkeiten anbieten kann. Ich denke, unsere Gäste werden begeistert sein.

Birgit Fazis
Fingerfood - bayerisch gut
Ulmer Verlag, Stuttgart

ISBN 9783818605063

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Ulrike Bliefert: Die Samariterin

Am Rande der Eifel pflegt die Krankenschwester Susanne in einer abgelegenen Forstvilla ihre kranke Mutter. Hingebungsvoll verzichtet sie auf ein eigenes Leben, obwohl ihre Mutter wie ein Drachen nie ein gutes Wort an sie richtet. Die Mutter setzt alles daran, dass Susanne nicht an ein Leben außerhalb der Villa denkt.

Doch dann tritt eine alte Schulfreundin Susannes auf den Plan. Die ist Psychologin in der JVA Diez und betreut Strafgefangene. Sie versucht Susanne zu animieren, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Zaghaft nimmt Susanne einen Briefwechsel mit einem Strafgefangenen auf. Doch aus den Briefen wird mehr und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Ulrike Bliefert hat einen Thriller geschrieben, der fast ohne Ermittlungen auskommt. Nur scheinbar am Rande denkt ein Ex-Kriminalbeamter über das Verschwinden eines Mädchens nach, welches vor Jahren stattfand. Dieser Fall konnte nie geklärt werden und schlummert noch heute als Cold Case vor sich hin. Die Autorin hat diesen alten Fall in Form von Polizeiprotokollen zwischen die Kapitel der aktuellen Handlung geschoben, was die Spannung sowohl beim aktuellen Geschehen um Susanne als auch beim alten Fall erhöht. Denn als Leser spürt man, dass der alte Fall noch irgendetwas mit dem aktuellen Geschehen zu tun haben wir.

Obwohl Ulrike Bliefert (Autorin und Schauspielerin) viel lokales Eifel-Kolorit eingebunden hat, ist es mitnichten ein Regiokrimi. Irgendwo muss ein Thriller spielen. Hier ist es die Eifel.

Besonders gut gelungen ist die Nachvollziehbarkeit der Handlungen und Gedanken der Figuren. Besonders Susannes Psyche wird immer glaubwürdiger mit dem Fortschreiten des Romans. Obwohl die kenntlich gemachten Gedanken in durchaus weniger hätten sein können, denn der Charakter Susannes wird auch ohne dem verständlich. Auch wenn man sich anfangs das Helfersyndrom schwer vorstellen kann, wird es immer plausibler und die Frage, ob sie dieses ablegen kann, rückt immer mehr in den Fokus. Eine besonders positive Figur ist Susannes junge Kollegin Nadja, die sich bemüht, Susanne das Leben zu erklären.

Die gestalteten Dialoge sind eine Klasse für sich. Bliefert versteht es, für jede Figur einen ganz eigenen Sprachstil zu finden und diesen konsequent durchzuhalten. Es macht Spaß, die Worte der einzelnen Leute im inneren Ohr klingen zu lassen.

Kribbelnde und knisternde Spannung für alle, die den Thrill mögen.

Ulrike Bliefert
Die Samariterin
KBV Verlag, Hillesheim

ISBN 9783954414352

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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Donnerstag, 6. Dezember 2018

Joe Bausch - Gangsterblues

True-Crime-Geschichten aus dem härtesten Gefängnis in Deutschland

Der Autor dieses Buches, Joe Bausch, ist mir aus verschiedenen Tatort-Folgen ein Begriff. Daher hat das Buch direkt mein Interesse geweckt.

Es geht in diesem Buch nicht um die schicksale oder Biografien einzelner Gefangener, sondern um den Alltag in deutschen Gefängnissen, um den Zustand des Strafvollzuges. Der Autor hat die behandelten Fälle so dargestellt, wie sie hätten passiert sein können.

In zwölf völlig unterschiedlichen Geschichten treffe ich auf Mörder, Vergewaltiger, Dealer, Betrüger, auf durchgeknallte Typen, aber auch auf einen Mann, der unschuldig im Gefängnis sitzt; ein sogenannter Justizirrtum, der sich aber wohl nie aufklären wird.

Die Geschichten lassen mich traurig, entsetzt, sprachlos oder mit Gänsehaut zurück. Ich bin schockiert, wie ungerecht es doch hier und da zugeht.

Jede der Geschichten ist in sich abgeschlossen und daher kann ich selbst entscheiden, wann ich welche Story noch einmal lese. Denn die ein oder andere Sache werde ich mir ganz bestimmt noch mal anschauen.

Bei den Beschreibungen erkennt man beim Lesen die Erfahrung, die Joe Bausch in seinem Beruf als Medizinaldirektor in der Justizvollzugsanstalt Werl gesammelt hat. Er beschönigt nichts. Ich werde auch mit dem Schrecklichsten und Unglaublichsten konfrontiert. Was mir sehr gut gefällt, der Autor wertet nicht. Er überlässt es dem Leser in den einzelnen Geschichten das Gute oder das Böse zu sehen oder zu erkennen.

Ich hatte ein paar spannende, sehr interessante Lesestunden mit Menschen, denen ich in meinem wahren Leben, bis auf ein oder zwei, nicht begegnen möchte. Tolle Unterhaltung auf True Crime Basis.

Joe Bausch
Gangsterblues
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783864930560

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Tatjana Kruse - Stick oder stirb

Siggi stickt im Knast

Siggi Seifferheld, der stickende Ex-Kommissar aus Schwäbisch Hall, hat einen Platz im Knast ergattert. Nein, er sitzt nicht ein, er bringt einer Handvoll Knastbrüder, die in den anderen Volkshochschulkursen keinen Platz mehr bekommen haben, das Sticken bei. Bichogge, Knudel, Chips, Pickel und Pjotr stellen sich nicht mal so ungeschickt an. Dann gelingt Pjotr die Flucht und Siggi, zur falschen Zeit am falschen Ort, geht zusammen mit seinem Hund Onis als Geisel mit. Und nun? Das verrate ich nicht ...

Endlich ist er wieder da, mein Lesefreund Siegfried „Siggi“ Seifferheld mit seiner Familie und seinen Freunden vom Kochclub aus Schwäbisch Hall im Hohenloher Land, den ich seit seinem ersten Fall begleite.

Ich liebe diese Protagonisten, bei denen man z.B. bei einem Pubs weiß, um wen es sich handelt. Alle haben ihre Eigenheiten, ihre Stärken und Schwächen, ihre Ecken und Kanten. Ich habe sie einfach in mein Herz geschlossen.

Tatjana Kruse stickt in die Geschichte so viele witzige Formulierungen oder kleine Begebenheiten ein, dass ich Mühe hatte, meine Mundwinkel, die permanent nach oben gezogen waren, wieder zu entspannen. Neben dem Humor kommt aber die Spannung auf keinen Fall zu kurz. Gerade in diesem Entführungsfall geht es recht spannungsgeladen zu. Vor allem das Ende und die Auflösung haben mich hier etwas unerwartet und nicht vorhersehbar getroffen.

Da ich Schwäbisch Hall von verschiedenen Besuchen einigermaßen kenne, springt mein Kopfkino bei den Beschreibungen der Stadt und der Umgebung gleich an.

Meine Leseempfehlung geht an alle, die ohne viel Blutvergießen auskommen und die Regionalität einer Geschichte lieben. Die sich eher von einem humorvollen, aber trotzdem spannenden und interessanten Fall unterhalten lassen wollen.

Ich hatte wieder ein paar sehr schöne unterhaltsame Lesestunden und freue mich schon auf mein nächstes Abenteuer mit Siggi Seifferheld.

Tatjana Kruse
Stick oder stirb
Haymon Verlag, Insbruck

ISBN 9783709979044
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Dienstag, 4. Dezember 2018

Marie S. Laplace - Wenn Lichter kämpfen

Das Ende einer wunderbaren Reise

Die fünf Lichter und ein Mensch sind unterwegs durch die Great Smockey Mountains zu den Nunnehi um von diesem Feenvolk die Gaben der Spirits zu bekommen. Nur damit wird es ihnen möglich sein, die Dornenhexe und ihre Armee zu besiegen.

Auch diesmal hat mich Marie S. Laplace mit ihrem leichten, eindringlichen und anschaulichen Sprachstil überzeugt. Ob ich im immergrünen Wald im Reich der Yunwi Tsunsdt – der kleinen Leute mit Doyi und Inoli unterwegs bin, oder mit Neyla vom Volk der Nunnehi - egal, wo ich mich gerade befinde, Marie führt mir mit ihren Beschreibungen alles sehr anschaulich vor Augen. Ich hänge förmlich an Selinas Nüstern, als sie von früher erzählt und ich sie durch Arvie verstehen kann. Ich bin einfach noch mehr drin und zusammen mit den Menschen, die ich in den beiden Vorgängerbänden schon so gut kennenlernen durfte.

Ich habe Arvie, Chay, Daniel, Talof und sogar Nasha, die ich zuerst gar nicht mochte, richtig ins Herz geschlossen. Durch ihre Erlebnisse, ihre guten und schlechten Erfahrungen sind die Fünf und auch Sam gereift. Sam, naja, von ihm wurde ich dann etwas enttäuscht. Arvie musste eine schwere Entscheidung treffen. Aber egal, wie schlimm es kommt, sie sind füreinander da und wie ich finde, richtig erwachsen geworden. Freundschaft, Liebe, Wärme, Gastfreundschaft, Vertrauen, Trauer, aber auch Wut und Hass und vor allem ganz viel Magie – in diesem Buch finde ich alles zu einer wunderschönen Geschichte verwoben. Es ist eine spannende, emotionsgeladene Reise, die ich mit den Lichtern und Sam machen durfte. Ich habe mit ihnen gebangt und gelitten, gehofft und getrauert, gelacht und gefeiert. Es war einfach nur schön mit ihnen.

Es gibt in diesem Buch keine Seite, die langweilig oder langatmig gewesen wäre. Der Spannungsbogen geht von Band zwei nahtlos in diesen letzten Band über und hält sich straff gespannt und hoch bis zum überraschenden Ende.

Wer bisher der Meinung war, Fantasy sei nichts für ihn, der sollte die Lichter-Trilogie lesen. Mich als Krimileserin haben die drei wunderbaren Bücher vollkommen überzeugt.

Marie S. Laplace
Wenn Lichter kämpfen
Dromer Knaur Verlag, München

ISBN

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Erhebung von Stephen King


Scott lebt in Castle Rock und arbeitet als Webdesigner. Er ist ein normaler Typ im mittleren Alter, der plötzlich ein Problem der etwas ungewöhnlichen Art bekommt: Er verliert an Gewicht. Stetig und in relativ rasantem Tempo. Allerdings ist ihm das äußerlich nicht anzusehen. Er trägt nach wie vor seine stattliche Wampe vor sich her, die vorne über dem Gürtel hängt.
Und das zweite überaus Seltsame ist: Egal mit wie viel Zusatzgewicht sich Scott auf die Waage stellt, das Gewicht bleibt das gleiche. Sein reines Körpergewicht. Ob er sich die Taschen voller Geldmünzen steckt oder zusätzlich eine Langhantel tragen würde. Alles, was er zusätzlich bei sich trägt, ist gewichtslos. 
Scott ist erschreckt und verwirrt, denn er fühlt sich körperlich sehr wohl. Da er mit seinem Problem nicht zu seinem Hausarzt gehen möchte, geht er zu seinem Freund und Tennispartner Bob Ellis (Doctor Bob). Er ist seit 5 Jahren im Ruhestand, aber Scott vertraut ihm.  Natürlich ist dieser überrascht und skeptisch, als er diese komische Geschichte hört. Doch als sich Scott auf seine gute alte Praxiswaage stellt, ist er sprachlos. Gemeinsam versuchen sie der Sache auf den Grund zu gehen. Doch allzu viel Zeit bleibt nicht wirklich. Denn wenn man ausrechnet, wie lange es dauert, bis Scott nichts mehr wiegt, dann komm der Tag X schneller als einem lieb ist …
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 144 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-453-27202-6
Kategorie: Kurzroman
Erschienen am: 12.11.2018
Marion Brunner_Buchwelten 2018

Montag, 3. Dezember 2018

Judith Williams - Wie Träume fliegen lernen

Die Geschichte einer Frau, die ihren Traum lebt

Ein Buch von der Frau, deren Produkte in meinem Schrank hängen und in meinem Schmuckkasterl liegen, die meine Haut verjüngen, meine Lippen beleben, meine Augen strahlen und die mich gut duften lassen und deren Tomatensuppe, Linseneintopf und Kartoffelsuppe der Brüder Gibisch aus der Höhle der Löwen ich liebe – das musste ich einfach lesen.

Den gleichen offenen, ehrlichen und liebenswerten Eindruck, den Judith Williams im Fernsehen macht, verbreitet sie auch in ihrem Buch, das sie mit Antje Bähr zusammen geschrieben hat. Ich höre beim Lesen ihr unvergleichbares Lachen. Ihre Stimme habe ich beim Lesen in jeder Zeile im Ohr.

Es hat mich fasziniert, ihr Leben von Kindheit an bis heute für ein paar Stunden begleiten zu dürfen.

Schmunzeln musste ich hier und da, wenn sie von ihrer Zeit als Working Mom erzählt.

Bei den Seiten, die der Höhle der Löwen gewidmet sind, habe ich einige Startups wiedergefunden, deren Auftritt ich im TV angeschaut habe. Interessant finde ich auch zu lesen, was alles und wie viel Arbeit hinter einer Investition steckt, wenn man sie getätigt hat.

Ich bin so froh, dass sich Frau Williams über die Bedenken ihrer Freunde und Bekannten hinweggesetzt hat und bei Let´s Dance dabei war. Ich habe jede Sendung und jeden ihrer Tänze mit Partner Erich Klann verfolgt und war begeistert, was diese Frau alles schafft und wie wandelbar sie ist.. Und es hat mich sehr gefreut, dass sie es bis ins Finale geschafft hat.

Bewundernswert finde ich, dass sie nie aufgegeben, ihre Träume gelebt hat und ich freue mich sehr, dass sie ihre verschiedenen Wege gefunden hat und sie auch gehen konnte.

In der Mitte des Buches finden sich 18 Seiten mit teils privaten Fotos, die mir auch sehr gut gefallen.

Alles in allem ein gelungenes Buch über eine Frau, die ich einfach bewundere. Den ein oder anderen Tipp bzw. Anregung werde ich mir merken.

Judith Williams
Wie Träume fliegen lernen
Random House Verlag, München

ISBN 9783424201895

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 2. Dezember 2018

Diverse - Das allergrößte Märchenbuch

Wunderschön für jedes Alter!

Gleich beim Anfassen habe ich mich in das wattierte Märchenbuch verliebt. Es ist zwar sehr groß, heißt ja auch „Das allergrößte Märchenbuch“, und relativ schwer, aber zum Vorlesen ideal. Wunderschöne Illustrationen von Francesca Rossi runden den sehr guten Gesamteindruck ab.

Nach einer kurzen Einleitung und der Vorstellung der Gebrüder Grimm folgen die Märchen nach ihren Autoren zusammengestellt. Die ersten 9 Märchen kommen von den Gebrüdern Grimm, die nächsten 5 Märchen stammen aus der Feder von Charles Perrault, den ich bisher noch gar nicht kannte und die 9 Märchen kommen von Hans Christian Andersen. Insgesamt eine gelungene Zusammenstellung.

Die Schrift hat eine ansprechende und gut zu lesende Größe. Die Märchen haben eine ansprechende Länge, so dass sie auch gut als Gute Nacht Geschichten vorgelesen werden können. Zu jedem Märchen gibt es eine oder mehrere wunderschön gestaltete Illustrationen, bei denen es viel zu entdecken gibt und über die man sich ebenfalls gut mit den Kindern austauschen kann.

Ein wunderschönes Märchenbuch, das bestimmt nicht nur den Kindern sehr gut gefallen wird.

Diverse
Das allergrößte Märchenbuch

Edizioni White Star
ISBN 9788863123593

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Samstag, 1. Dezember 2018

Natalie Mesensky - Alles ist lebend tot

Ein unterhaltsamer Kunst-Krimi

Barbara Aubert hat dem Stadtleben in Wien ade gesagt und sich in der Kleinstadt Tulln eine alte Villa gekauft und sich in eine Gärtnerei mit Blumenladen eingekauft. Nach dem Tod ihres Ehemannes muss die Inhaberin Leonie Bogner für ihre beiden kleinen Mädchen alleine sorgen und ist wohl froh, dass Barbara ihr so eine Sorge abgenommen hat.

Der Frieden der Stadt wird durch den Mord an Professor Erich Hinkel erschüttert. Aus der Villa des alten Kunstsammlers wurde auch ein Gemälde von Egon Schiele gestohlen.

Mich hat das Cover und der ungewöhnliche Titel veranlasst das Buch zu lesen. Und ich muss sagen, es war mein erster „Kunst“-Krimi und er hat mir sehr gut gefallen.

Durch den Mord gleich zu Beginn der Geschichte bin ich schnell in Tulln angekommen. Von den Ermittlungen bekomme ich noch nicht viel mit. Eher lerne ich Barbara, ihr Umfeld und einige Tullner Bürger kennen. Getratscht wird in Tulln wie in jeder Kleinstadt. Jeder weiß von jedem alles, oft früher als der Betroffene selbst. Viele verschiedene Namen der interessanten und vielschichtigen Protagonisten, die ich aber durch eine ausführliche Namensliste zu Beginn des Buches sehr gut auf die Reihe bekomme.

Der Schreibstil ist flott, sehr bildhaft und für mich sehr gut zu verstehen. Die österreichischen Begriffe sind als Fußnote erklärt oder sie erklären sich im Text selbst. Die Atmosphäre kommt sowohl zwischen den Personen als auch örtlich sehr gut rüber.

Nach einem weiteren Mord steigt auch die Spannung, die Ermittlungen nehmen Fahrt auf und nun war auch ich ans Buch gefesselt und hier und da richtig geschockt. Ich habe mich auf eine falsche Fährte führen lassen und es gibt ein paar Wendungen, die ich so nicht erwartet habe.

Egon Schiele kannte ich bisher nur dem Namen nach. Hier werden Bruchstücke seines Lebens, seiner Malerei und seiner Werke gut und passend neben den Mordfall eingeführt.

Hier und da kommt es zu Szenen, wo ich merke, hier fehlt mir etwas. Ist aber für die Mordfälle, um die es hier geht, nicht relevant.

Egon Schiele, ein interessanter Aufhänger, vier Morde, bei deren Aufklärung ich mittendrin war und eine österreichische Kleinstadt, die mein Interesse geweckt hat.

Mich hat „Alles ist lebend tot“ sehr gut unterhalten.

Natalie Mesensky
Alles ist lebend tot
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839222430

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Hanna Caspian: Abendglanz (Gut-Greifenau-Trilogie)

"Abendglanz" ist der erste Band der brandneuen Familiensaga von Hanna Caspian, die als "Gut Greifenau"-Trilogie im Handel verfügbar ist. Alle drei Bände werden bis März 2019 erscheinen.

Es ist Mai 1913. Die Zeiten sind im Umbruch. Die Grafenfamilie von Grafenau hält traditionell an eingefahrenen Wegen und Ritualen fest. Doch den Kindern wird das Korsett der adligen Etikette zu eng. Der alte Patriarch verstirbt bald, sein Sohn hat bisher nur gelernt, Lebemann zu sein. Doch er ist der Erbe des Gutes und regiert fortan als neuer Patriarch. Aber sein Sohn Konstantin hat Landwirtschaft studiert und brennt darauf, seine Ideen dem Vater vorzustellen und das Gut für die Zukunft fit zu machen. Sein Großvater hatte ihn mit "dem neuen Zeug' ins Leere laufen lassen. Obwohl sein Vater nicht viel von Landwirtschaft versteht, will der die Zügel aber nicht aus der Hand geben. Konstantins Schwester Katharina verliebt sich in einen etwa gleichaltrigen Industriellenjungen. Obwohl dessen Eltern, somit auch er, steinreich sind, kommt für die Gräfin eine Verbindung von Katka mit Julius nicht infrage. Die Hauptberufung der Gräfin besteht darin, ihre Tochter so teuer wie möglich zu verheiraten. Da kommt ihr ein Neffe des Kaisers gerade recht. Doch Katharina wehrt sich.

Hanna Caspian hat ein allumfassendes Universum rund um Gut Greifenau (fiktiv!) geschaffen. Vorbild mag die britische TV-Serie "Downton Abbey" gewesen sein. Denn genau wie dort gibt es zahlreiche Handlungsstränge in allen Schichten der Menschen, die in diesem Roman eine Rolle spielen. Sowohl bei den Bediensteten als auch bei der Adelsfamilie, bei den Pächtern, den Dorfangestellten und den Bekannten gibt es Geheimnisse und Verwicklungen. Es müssen zahlreiche Probleme gelöst werden. Der Autorin ist es fantastisch gelungen, den Weg zum Ziel zu machen. Soll heißen, dass zunächst nicht auf eine Lösung am Ende des Romans/ der Trilogie hingearbeitet wird. Der Leser verfängt sich dermaßen in den Verwicklungen der einzelnen Figuren, leidet mit ihnen, freut sich mit ihnen, wünscht Ihnen die Pest an den Hals. Am Ende möchte man nur noch wissen, wie es mit den einzelnen Figuren weitergeht.

Für mich persönlich gilt: Gefangen auf Gut Greifenau! Ich wünsche es ebenso jedem neuen Leser, jeder neuen Leserin.

Hanna Caspian
Abendglanz (Gut-Greifenau-Trilogie)

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426521502

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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