Dienstag, 23. Oktober 2018

Dreckiger Schnee von Joseph Knox

Nicht so ganz meins.

Detective Constable Aidan Waits bekommt vom Abgeordneten David Rossiter MP den Auftrag dessen 17-jährige Tochter Isabelle ausfindig zu machen und nachhause zu bringen. Auf seiner Suche stößt Waits auf einen Sumpf aus Drogen, Sex und Gewalt.

Obwohl mir die Leseprobe zum Buch sehr gut gefallen hat, bin ich in die Geschichte nur sehr schwer reingekommen. Gerade den Anfang finde ich sehr zäh und langatmig. Aber auch die Geschichte hat für mich, bis kurz vor Schluss, keinen Reiz entwickelt und mich nicht einfangen können. Die Spannung, die sich langsam aufgebaut hatte, fiel immer wieder zusammen.

Vielleicht bin ich mit Mitte 60 einfach nicht das richtige Klientel für eine solche Art von Thriller. Ich fühle mich zwischen all den Drogen konsumierenden, durchgeknallten, saufenden, prügelnden jungen Menschen in den Discos und den Bars der Organisation oder den Burnsiders einfach nicht wohl.

Ich habe bis hierher auch selten ein Buch gelesen, wo es fast nur Personen gibt, die mir zutiefst unsympathisch sind. Egal ob Aidan Waits, bei dem hier und da auch mal sympatische Seiten hervorblitzen, sein Vorgesetzter Superintendent Parrs, Drogenboss Zain Carver, die „Sirenen“, die mir nicht mal leid tun, Glen Smithson, oder David Rossiter – alle hinterlassen bei mir einen abstoßenden, sehr negativen Eindruck. Sogar die Stadt Manchester vermittelt mir ein hässliches, unwohnliches Bild von sich.

Trotzdem habe ich tapfer durchgehalten und es nicht bereut. Auf den letzten ca. 150 Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf, baut mit jeder Seite etwas mehr Spannung auf und ich verstehe mich langsam besser mit Aidan Waits.

Ein Thriller mit einigen Überraschungen, zum Teil sehr ungewöhnlichen Protagonisten und einer Geschichte, die bis kurz vor Schluss brauchte um mich zu fesseln.

Hierfür vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Joseph Knox
Dreckiger Schnee

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426522103

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 21. Oktober 2018

Anna Oldenburg - Rosen, Rheuma und Rosinen

Lilli – der Engel an der Wegkreuzung des Schicksals – die krasseste Oma im Universum

Elisabeth "Lilli" Lautenschlager ist schon eine Marke für sich. Sie ist Ü60, fast so fit wie ein Turnschuh und versucht sich ihren Ruhestand so angenehm wie möglich zu machen. Sie möchte aber keinesfalls so eine tüdelige Alte sein mit beigefarbener Jacke und ihr Cholesterinspiegel geht auch niemanden etwas an.

Ganz gleich, ob sie mit ihren Freundinnen über die guten alten Zeiten streitet, in denen alles besser war; sie in der kältesten Nacht des Jahres im neckischen Babydoll vor ihrer zugeschlagenen Türe steht und auf den Zeitungsausträger wartet; sie sich von ihrem Enkel Jonas einspannen lässt, was seiner Mutter gar nicht gefällt oder meint ihrer besten Freundin Sabine einen "Gefallen" tun zu müssen. Immer kommt ihr ganz eigener Humor zum Ausdruck. Und egal was sie tut, man kann ihr nicht böse sein.

So eine Freundin sollte jede Frau haben. Ein bisserl chaotisch, liebenswert, das Herz auf der Zunge und am rechten Fleck und immer da, wenn man sie braucht.

Anna Oldenburg lässt die einzelnen Szenen so bildhaft vor mir erscheinen, dass sich mein Grinsen nur schwer im Zaum halten lässt. Lillis Erlebnisse schildert sie manchmal mit einem kleinen Zwinkern im Auge, sehr abwechslungsreich und amüsant. Und natürlich wird auch hier und da mal etwas übertrieben. Der Hit hier überhaupt ist Tobi mit seinem Wortschatz. Warum, das müsst ihr schon selbst lesen.

Ich bin ja auch schon im Ruhestand und werde hier und da an Lilli denken, falls es mir wirklich mal langweilig sein sollte. Hauptsache, nie den Spaß am Leben und an Neuem verlieren. Dann kann nichts schiefgehen.

Ein wunderbares kleines Buch, das viel zu schnell ausgelesen war. Ich hoffe auf weitere Abenteuer und Alltagsgeschichten mit Frau Lautenschlager und ihren Freundinnen.

Anna Oldenburg
Rosen, Rheuma und Rosinen
ISBN 9781983309175

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 19. Oktober 2018

Miriam Traut - Ich werde Flugbegleiterin!

Ein sehr interessanter Erfahrungsbericht.

Nach ihrem Fachabitur reist Miriam Traut als Au-pair für ein Jahr in die USA um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Anschließend besucht sie in Australien ein College für Reisen und Tourismus. Hier reift ihr Wunsch als Flugbegleiterin bei einer deutschen Airline durchzustarten. Und nach einigen Stolpersteinen, die wegzuräumen sind, wird sie endlich zu einem Vorstellungsgespräch nach Frankfurt eingeladen, das mit einer Vertragsunterzeichnung endet. Nun folgt die sechswöchige Flugbegleiterausbildung mit Einweisung in Schminken, Service, Emergency, Stand-by-Reisen und vieles mehr. Endlich ist es dann soweit und die ersten Langstreckenflüge gehen nach Buenos Aires und Mumbai. Wenn Miriam die gut übersteht, steht ihrer Laufbahn als Flugbegleiterin nichts mehr entgegen.

Miriam Traut beschreibt ihr Leben als Flugbegleiterin so lebendig, so direkt, so leidenschaftlich, dass man sofort merkt, mit welcher Freude sie diesen Job ausführt. Aber ich denke, es ist nicht nur der Job, der sie so fesselt. Auch dass sie dauernd in andere Länder fliegen und neue Eindrücke sammeln kann, Land und Leute kennenlernt, immer Menschen um sich herum hat – das alles macht den Reiz aus. Da Miriam hier nie etwas Negatives beschrieben hat, denke ich, sie hat ihren Traumberuf wirklich gefunden.

Ich habe sehr gerne in einen interessanten, abwechslungsreichen und manchmal auch stressigen Beruf reingeschnuppert. Miriam Traut hat mich mit ihren Berichten sehr gut unterhalten. Ich bekomme sogar noch eine kleine Einführung in die Flugbegleiter-Sprache. Vor allem aber hat dieses kleine Buch mein Fernweh wieder angefacht. Los Angeles wäre einen Trip wert, denke ich.

Miriam Traut
Ich werde Flugbegleiterin!
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783746075006

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.

© Gaby Hochrainer, München 2018

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Gregoire Delacourt: Das Leuchten in mir

Schlägt man einen Roman von dem französischen Schriftsteller Gregoire Delacourt auf, so entfaltet sich sofort ein Gefühl von ganz besonderer Literatur. Das hat er in der Vergangenheit mehrfach bewiesen und auch die jetzige deutschsprachige Fassung aus dem Hoffmann und Campe Verlag steht dem nicht nach.

Emmanuelle ist fast Vierzig, 18 Jahre davon verheiratet und hat zwei Kinder. Sie erzählt von einer ungewöhnlichen Begegnung. Sie erzählt von einem fremden Mann. Sie versucht, vor ihm zu verbergen, dass sie ihn beobachtet, dennoch sucht sie immer wieder den Ort auf, an dem sie ihn zum ersten Mal traf. Irgendwann begegnen sich ihre Augen, irgendwann lädt er sie zu Essen ein. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht. Sie liebt doch ihren Mann, sie liebt ihre Familie. Warum fühlt sie sich zu diesem fremden Mann, der mittlerweile kein Fremder mehr ist, hingezogen? Dann beschließen beide, gemeinsam fortzugehen und ein ganz neues Leben zu beginnen. Doch da passiert das Unfassbare und das Leben bekommt tatsächlich eine Wendung.

Faszinierend an diesem Roman ist seine Montage und der gesamte Stil, auf den der Autor ein besonderes Augenmerk gelegt hat. Die Geschichte von Emma wird zunächst in drei Teilen erzählt, wobei die Kapitelzählung im ersten Teil rückwärts verläuft bis zu dem Zeitpunkt, der einen Wendepunkt im Leben der Protagonistin darstellt. Ab dann wird vorwärts gezählt. Die Kapitel enthalten manchmal nur einen oder zwei Sätze, die mit Metaphern oder Zitaten gefüllt sind. Der Geschichte "Die Ziege des Monsieur Segiun" von Alphonse Daudet kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie ist im Anschluss des Romans deshalb noch mal komplett abgedruckt. Die Perspektive aus der Sicht der Protagonisten schafft eine ganz besondere Nähe zum Leser. Man hat das Gefühl, Emmanuelle mindestens genauso gut zu kennen wie das ihre Freundin Sophie tut. Jeder der drei Teile vermittelt einen eigenen Spannungsbogen durch einen anders gearteten Konflikt, dessen Lösung man unbedingt erfahren möchte.

Ein dramatischer und hinreißender Liebesroman, der nicht nur durch seine Erzählweise sondern auch durch seine tiefe besticht.

Gregoire Delacourt
Das Leuchten in mir
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

ISBN 9783455002737

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Deb Sperra - Alligatoren

Branchville, eine kleine Stadt in den Südstaaten der USA

Mrs. Gertrude Padree lebt mit ihrem gewalttätigen Mann und ihren Töchtern Alma und Mary in einem heruntergekommenen Haus am Sumpf. Ihre Töchter Edna und Lily Louise leben bei ihrem Bruder Berns und seiner Frau Mary. Gertrude sieht keinen anderen Ausweg mehr und entledigt sich des Schlägers und Trunkenboldes an ihrer Seite.

Die kleine Mary ist sehr krank. Gertrude bitte die schwarze Oretta Bootles um Hilfe. Die nimmt sich des kleinen Mädchens sofort an. Sie selbst hat ihre kleine Tochter vor einigen Jahren nicht retten können.

Oretta arbeitet für Mrs. Annie Coles, deren Mann nun eine Tabakplantage betreibt, nachdem der Baumwollkäfer die Baumwollernte in drei Jahren hintereinander vernichtet hat. Sie selbst führt zusammen mit ihrem Sohn Lonnie eine Näherei für Getreidesäcke. Viele Frauen der Umgebung finden bei ihr Arbeit und Lohn. So auch neuerdings Gertrude. Nun soll das Sortiment auf Herrenhemden und Damenoberbekleidung ausgebaut werden.

Die drei so verschiedenen Frauen, die aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen stammen, erzählen ihre Geschichten abwechselnd. Durch die namentliche Erwähnung über jedem Kapitel weiß ich sofort, wen ich gerade auf ihrem Weg begleite. Ganz langsam kommen sie sich im Laufe der Geschichte näher. Drei Frauen, die sich von ihren unsichtbaren Fesseln befreien wollen, die sie und ihre Kinder an ihre Männer und Väter ketten.

Drei Frauen, die ihr Leben selbst bestimmen wollen.

Die Autorin hat die verschiedenen Personen charakterlich sehr detailliert, sehr menschlich und authentisch beschrieben. So werden sie mir schnell vertraut, ich kann mit ihnen lachen, weinen, leiden, hoffen, bangen. Vor allem kann ich ihre Handlungsweisen sehr gut verstehen. Die drei Frauen führen mich durch ihr Leben.

Obwohl der Schreib- und Erzählstil eher ruhig dahinplätschert, enthält er doch eine Spannung, die mich das Buch kaum aus der Hand hat legen lässt. Es war sehr spannend und interessant, den drei jede auf ihre Weise starken, mutigen Frauen zu folgen.

Ein mitreißendes Portrait dreier Frauen, die für ihre Freiheit, für ihre Selbstständigkeit und vor allem für ihre Kinder an ihre Grenzen gehen.

Ein Südstaatenroman, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Deb Sperra
Alligatoren
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel
und Klaus Timmermann 

HarperCollins Verlag, Berlin
ISBN 9783959672207

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 16. Oktober 2018

Konstanze Harlan - Wer den Frosch küsst

Liebe, Drama und Humor

Die Zeit, als die 25-jährige Cecilia Weiss der Star einer Telenovela war, ist lange vorbei. Heute schlägt sie sich als alleinerziehende Mama mit ihrem 5-jährigen Sohn Jakob mehr schlecht als recht durchs Leben. Bis ihr Freund Karsten sie mit auf einen Filmball nimmt. Hier lernt sie Alexander kennen, einen wie sie glaubt unbekannten Schauspieler. Und eine wunderbare Nacht beginnt ...

Konstanze Harlan lässt Cecilia ihre Geschichte selbst erzählen. Ich habe die junge Frau, die es in ihrer Kindheit nicht leicht hatte, sehr schnell ins Herz geschlossen. Ein bisserl chaotisch, immer auf dem Sprung, immer die Zeit im Nacken, gilt ihre einzige Sorge ihrem kleinen Sohn Jakob. Hier und da kam mir der Kleine mit seinen 5 Jahren etwas zu erwachsen rüber. Aber auch er hat mein Herz im Sturm erobert.

Cecilia und ihre Mutter Cornelia, die ein sehr gespanntes Verhältnis zueinander haben, nähern sich ganz langsam wieder an. Und Alexander, der sich als echter Traumprinz entpuppt, gelingt es schließlich doch noch, Cecilias Herz zu erobern. Eine weitere Person aus Cecilias Umfeld, die ich sehr mag, ist ihr guter Freund Karsten. Immer für sie da, immer bereit, wenn sie ihn braucht – wünscht sich nicht jede Frau so einen Freund an ihrer Seite?

Mir haben auch die Blicke hinter die Kulissen einer Fernsehproduktion sehr gut gefallen. Hier herrschen Neid, Missgunst, Selbstdarstellung und Oberflächlichkeit vor. Aber auch Freundschaft und großes Verständnis habe ich hier kennengelernt.

Eine wunderbar romantische Geschichte, wo auch der Tiefgang nicht fehlt, mit einer starken Protagonistin, die allen, vor allem den Männern, die Stirn bietet und sich nicht unterkriegen lässt. Leichte, lockere Unterhaltung, die mir ein paar lesenswerte Stunden geschenkt hat.

Konstanze Harlan
Wer den Frosch küsst
Selfpublisher BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783752862140

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 14. Oktober 2018

Petra Durst-Benning - Spätsommerliebe

Das wahre Leben ist spannender als jeder Kitschroman

Ich bin nun schon das 4. Mal in Maierhofen und darf den Bewohnern des Genießerdorfes über die Schulter schauen und ihren Alltag miterleben. Das 3. Kräuter-der-Provinz-Festval steht vor der Tür und die Bewohner des kleinen Allgäuortes sind voll mit den Vorbereitungen beschäftigt.

In diesem Band geht es hauptsächlich um Bäckerin Magdalena Stoll und ihren Griechen Apostoles Karamidas und B&B-Wirtin Christine Heinrich und ihren Reinhard Häussler, die in Band 3 der Serie zueinander gefunden haben. Es ist aber nicht immer leicht, die Liebe aus einer anfänglichen Euphorie in den Alltag mitzunehmen. Das bekommen auch die Paare in Maierhofen immer wieder zu spüren. Zerrissen von ihrer Arbeit, vergessen sie fast, dass es soviel mehr im Leben gibt, für das es sich zu leben lohnt.

Aber auch für Greta Roth und ihren Vinzent hat das Schicksal noch eine Überraschung bereit.

Ausserdem mietet sich bei Christine eine junge Autorin ein. Michelle Krämer will hier ihren ersten Liebesroman schreiben.

Besonders freut es mich auch für Rosi, dass sie für ihre Eltern eine liebevolle Betreuung gefunden hat.

Es ist also wieder jede Menge los in Maierhofen und ich bin mittendrin. Petra Durst-Benning schreibt so gefühlvoll, so lebendig und schafft es immer wieder, die Menschen in dem kleinen Allgäuer Ort so lebensecht rüber kommen zu lassen, dass es auch meine Nachbarn oder sogar ich selbst sein könnte. Wir sollten alle hier und da überlegen, ob wir uns, zumeist für Andere, so aufreiben müssen, oder ob es nicht besser wäre, hier und da mal alle Fünfe gerade sein zu lassen. Aber ich denke, auch daran arbeiten die Maierhofener.

Petra Durst-Benning macht uns mit kleinen Geschichten mal wieder sehr deutlich, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Als Schlusszuckerl gibt es noch einige leckere Rezepte von Gerichten, die die Maierhofener bei ihrem Hoffest aufgetischt haben und die absolut Lust machen, diese selbst mal auszuprobieren.

Da ich mich auch diesmal in Maierhofen wieder sehr wohl gefühlt habe und sehr gut unterhalten wurde, finde ich es schade, dass dies wohl der letzte Besuch bei diesen netten Menschen gewesen ist. Bei unseren nächsten Grillfesten werde ich an sie denken.

Petra Durst-Benning
Spätsommerliebe

blanvalet Verlag, München
ISBN 9783734106378

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 12. Oktober 2018

Elisabeth Florin - Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

Nichts ist wie es scheint

Am Bahnhof in Bozen steht ein Mann in Schwarz und wartet auf den Nachtzug nach Frankfurt über München. Hier lebten die deutsche Autorin Anna Santer und ihr Ehemann Lex, Inhaber einer kleinen Agentur für Fondsanalysen, die am Pool ihres Hotels in Meran erschossen wurden. Commissario Luciano Pavarotti und seinen Mitarbeiter Ispettore Emmeregger tun sich schwer mit dem Motiv und der Suche nach dem Mörder. Auch Liselotte "Lissie" von Spiegel, die große Liebe von Pavarotti, schaltet sich in die Ermittlungen ein. Wie sich herausstellt, war sie eine Freundin von Anna. Hier geht sie ihre eigenen Wege zu ihrem neuen Buch.

Elisabeth Florin nimmt mich nicht nur mit ins Hier und Jetzt, sondern konfrontiert mich auch mit der Vergangenheit von Anna und Lex Santer. Ausserdem erfahre ich einiges aus den Vorkommnissen im Meran kurz nach dem 2. Weltkrieg, als viele Flüchtlinge und vor allem auch Nazis die Stadt als Ausgangspunkt für ihre Flucht nach Südamerika nutzten, die "Rattenlinie".

"Für die meisten Leser genügt es, wenn die Spannung stimmt. Die Sprache ist zweitrangig." An diese These, die die Autorin Walter Timm in den Mund legt, hält sie sich selbst nicht. Ihre Sprache ist ausgefeilt, sehr bildhaft, punktgenau und sie jongliert mit ihren Worten. Und genau deshalb liebe ich ihre Krimis um Commissario Pavarotti.

Die Spannung entwickelt sich von der ersten Seite an, wo ich dem Mann in Schwarz begegne. Es ist auch nicht nur die kriminelle Spannung, die mich hier fasziniert. Auch zwischen Pavarotti und Lissie, genau so wie zwischen Emmenegger und Pavarotti bitzelt die Spannung und ich warte gespannt, ob und wie sie sich entläd. So hoch die Spannung auch bleibt, hier und da blitzt auch ein klein wenig Humor auf und bettet sich wie selbstverständlich in die Geschichte mit ein.

In diesem Fall ist fast nie etwas so wie es scheint. Ich sammle meine Puzzlesteine, setze sie zusammen und schon kommt wieder eine Wendung, die sowohl meine Gedanken als auch mein Puzzle wieder auseinander reißen. Erst ganz zum Schluss werde ich mit dem Mörder, den ich in kurzen Sequenzen in kursiver Schrifdt kennenlerne, und seinem Motiv konfrontiert und alle Fäden schließen sich zu einem einleuchtenden Strang zusammen.

Ich war schon des öfteren in Meran und so bin ich mit Pavarotti, Emmenegger und Lissie mittendrin in der Altstadt mit der Laubengasse und sehe auch die vielen Gebäude im Jugendstil vor meinen Augen.

Trotz der Missstimmung, die hier und da unter den Protagonisten herrscht, war ich auch diesmal wieder gerne mit meinen guten Bekannten auf der Suche nach Aufklärung unterwegs. Ich wurde sehr gut unterhalten, konnte mit rätseln und mit fiebern und habe dank der guten Recherche sogar wieder etwas gelernt. Ein spannender Fall mit interessanten Menschen und einem schuss Lokalkolorid – wieder genau so wie ich Krimis mag.

Elisabeth Florin
Commissario Pavarotti kam nie nach Rom
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740803162

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Monika Bittl - Ohne meinen Mann wäre ich glücklich verheiratet

Ohne Mann wäre auch nix

Monika Bittl schreibt keinen schnöden Ratgeber. Nein, die bringt die spannenden Themen eines Lebens mit Anhang Mann sehr direkt zur Sprache. Aber ich meine immer auch ein kleines Zwinkern in ihren Augen lesen zu können.

Egal ob es um die Liebe auf den 97. Blick geht, das Schenkverhalten des Mannes oder ob ein Dekoobjekt plötzlich ganz anders eingesetzt wird. Immer erkenne ich mich auch ein bisserl selbst in ihren Abhandlungen wieder. Bei den jeweiligen Bedienungsanleitungen für die Frau und den Mann merkt man gleich, wie Mann tickt. Das Rezept für die Hochzeitssuppe hat mir sehr gut geschmeckt. Und die männliche Sichtweise auf uns Frauen aus den unterschiedlichesten Lebensphasen im Alter von 18 Jahren bis 78 Jahren hat meine Wundwinkel recht weit nach oben gezogen.

Ein tolles Buch, ein witziger, unterhaltsamer Ratgeber mit einem zwinkernden Auge. Mir hat das Lesen bis auf ganz wenige Passagen, die ich etwas langatmig finde, wieder richtig Spaß gemacht.

Ein Buch, dass auch die Herren der Schopfung gerne lesen dürfen!

Monika Bittl
Ohne meinen Mann wäre ich glücklich verheiratet
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426789650

© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 8. Oktober 2018

Der Outsider von Stephen King


Sehr schnell steht fest, dass es Terry Mailand war, der den 11-jährigen Frankie Peterson auf die brutalste Weise geschändet und ermordet hat. Terry Maitland, Vorzeigebürger der Kleinstadt Flint City, ist als Englischlehrer und Trainer der Jugendbaseballmannschaft sehr beliebt, glücklich verheiratet und Vater von 2 Mädchen. Und doch sprechen sämtliche Indizien und forensischen Beweise eindeutig dafür, dass Terry diesen bestialischen Mord begangen hat.
Auf Grund der wasserdichten und mehr als eindeutigen Beweise beschließen Detective Ralph Anderson und Staatsanwalt Bill Samuels die Festnahme in aller Öffentlichkeit vorzunehmen und Terry Maitland für seine Tat bloßzustellen. Terry Maitland hat ein Alibi und auch Zeugen, die bestätigen, dass er zum Tatzeitpunkt nicht in der Stadt war. Aber die Beweise, dass er dennoch augenscheinlich die Tat begangen hat, sind glasklar. Die Obduktion am Leichnam des Jungen bestätigt dies zudem. Zeugen, die Terry Maitland in Flint City sogar mit dem Opfer gesehen haben, untermauern den Tatverdacht auch noch.
Und dennoch. Im Laufe der Ermittlungen tauchen immer mehr sonderbare Ungereimtheiten auf und stellen die vorliegenden eindeutigen Beweise trotzdem in Frage. Wie kann es sein, dass Maitland ganz offenbar zeitgleich an zwei Orten war …?
Erschienen als gebundene Ausgabe
(mit Lesebändchen)
im HEYNE Verlag
insgesamt 752 Seiten
Preis:  26,00 €
ISBN: 978-3-453-27184-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror
 © Marion Brunner_Buchwelten

Sonntag, 7. Oktober 2018

Christopher Wilson - Guten Morgen, Genosse Elefant

"Es gibt Schlimmeres im Leben"

1953 ist Juri Zipit zwölfeinhalb Jahre alt, hat aber in seinem Leben schon viel mitgemacht, was ihn auch geprägt hat. Er wurde vor sechs Jahren von einem Milchlaster angefahren und anschließend von einer Straßenbahn überfahren. Er hat einen, wie er es beschreibt, beschädigten Körper und geschädigten Verstand, aber eine starke ungebrochene Seele. Vor allem sagt er immer, was er gerade denkt. Er wird immer anders sein. Aber gerade diese Andersartigkeit, der Ausdruck, der auf seinem Gesicht liegt, macht ihn zu etwas ganz Besonderem. Die Menschen lieben ihn und dieses Gesicht und vertrauen ihm ihre geheimsten Gedanken an. Obwohl sie dies oft nicht wollen. Und Juri hat gelernt, damit umzugehen.

Zusammen mit seinem Vater Doktor Roman Alexandrowitsch Zipit, einem weltberühmten, allseits respektierten Veterinärarzt lebt er in einer Personalwohnung des Zoos in Moskau gegenüber dem Elefantengehege. Als sein Vater eines Tages zu einer geheimen Behandlung eines geheimen Kranken abgeholt wird und Juri mitnimmt, gerät der Junge als Stalins Vorkoster bald mitten hinein in die Machtkämpfe und politischen Intrigen auf Stalins Datscha.

Christopher Wilson lässt Juri in seiner altersmäßig einfachen, kindlich naiven und langsamen Sprache erzählen. Sich selbst beschreibt Juri sehr intensiv und richtet auch immer mal wieder das Wort an uns, den Leser. "Das was ich erzähle, ist alles wahr. Absolut, komplett, total wahr. Bis auf ein paar Kleinigkeite, die ich ändern musste. Aber nur, was Zeiten, Orte, Namen und Ereignisse angeht." Kennt man die Geschehnisse um Stalins letzte Wochen herum, so kann man diese Änderungen aber schnell zuordnen.

Obwohl immer wieder auch von Greuel und Schrecklichem erzählt wird – durch die Erzählung von Juri nimmt es an Schrecken ab und wirkt wie leicht daher erzählt. Diese Leichtigkeit durchzieht die ganze Geschichte. Trotzdem empfand ich es beim Lesen schon hier und da als schwere Kost, eingewickelt in einen Mantel aus Humor, Satire und Tragik, die nachwirkt und genügend Spielraum für eigene Gedanken lässt.

Ich habe hier und da schmunzeln müssen, einige Male auch laut gelacht, an anderen Stellen nicht glauben wollen, was dort steht. Aber durch die vielen Dialoge, die sich manchmal über Seiten hinziehen, war ich auch mal etwas gelangweilt.

Ein tolles Buch voller Tragik, Satire und Humor, aber auch mit einem tiefen Ernst. Ich habe es sehr gerne gelesen und von mir bekommt das Buch 4,5 Sterne bekommt.

Christopher Wilson
Guten Morgen, Genosse Elefant
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln

ISBN 9783462050769

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 6. Oktober 2018

Robert B. Parker: Raues Wetter

Nun habe ich meinen ersten Spenser-Roman, jedoch nicht meinen ersten Parker-Roman gelesen. Ich muss sagen, er enttäuscht nicht. Im Gegenteil, er macht Lust auf mehr. Im Mittelpunkt dieser Krimireihe steht der Privatdetektiv Spenser, der in der gleichnamigen 80er-Jahre-TV-Serie von Robert Urich gespielt wird.

Im vorliegenden Roman wird Spenser von einer High Society Lady angeheuert, um bei der Hochzeit ihrer Tochter als Mann an ihrer Seite aufzutreten. Sie selbst war dreimal verheiratet, jeweils mit Millionären, denen sie das Geld aus der Tasche gezogen hat. Die Hochzeit findet auf einer Insel, dem Anwesen ihres dritten Ex-Mannes, statt. Irgendwie hat Spenser kein gutes Gefühl bei diesem Auftrag. Einfach nur als männlicher Begleiter auftreten? Völlig ungewohnt für ihn. Rätselhaft wird es dann aber, als einer seiner Erzfeinde, der Graue Mann, der die Verbrecherszene an der Ostküste beherrscht, ebenfalls als Gast auftaucht. Aber es dauert nicht lange, und es werden tote Wachleute aufgefunden. Zudem wird der frische Schwiegersohn der Lady erschossen und der Graue Mann verschwindet mit der Braut in seinem Hubschrauber. Das war offenbar eine sehr kurze Ehe, die vielleicht gerade mal für eine Erbschaft standhält? Spenser ist neugierig und beginnt zu ermitteln.

Es muss Gründe geben warum die Romane von Parker in TV-Serien verwandelt wurden („Spenser", „Jesse Stone"). Wahrscheinlich weil sie einfach spannend, amüsant und gut sind. Er lässt seine Figuren in sämtlichen Milieus ermitteln und gibt ausreichend privaten Spielraum. Spenser hat immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Voller Ironie und Sarkasmus interviewt er die Leute, die er mit Verbrechen in Verbindung bringt. Mit einem spitzbübischen Hintergedanken unterhält er sich aber mit seinen Freunden und Bekannten. Dialoge sind generell die Besonderheit und Stärke in den Parker-Romanen, so auch in diesem. Wenig Erzählstränge, umso mehr wörtliche Rede. Außerdem ist sich Robert B. Parker nicht zu schade für ein gelegentliches Crossover seiner Reihen. So haben seine beiden Protagonisten Jesse Stone und Spenser jede Menge gemeinsame Bekannte.

Ein Roman, mit dem man sich entspannt in den Sessel lehnen und in eine andere Welt abtauchen kann.

Robert B. Parker
Raues Wetter
Pendragon Verlag, Bielefeld

ISBN 9783865326225

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Freitag, 5. Oktober 2018

Stefanie Gregg / Paul Schenke - Schwarze Roben

Der 2. Fall für die Staatsanwältin und den Kommissar

Bombenattentat in Kiel. 12 Mitarbeiter der Anwaltskanzlei "Bartelsen & Partner", die mit dem Kleinbus in den Schwarzwald in ein exclusives Golfhotel fahren wollten, werden in der Tiefgarage kurz vor der Abfahrt in die Luft gesprengt. Markus Lohmann, der sich etwas verspätet hat, kommt mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Klinik. Alle anderen Mitarbeiter sind tot.

Staatsanwältin Elena Karinoglous will diesen Fall unbedingt selbst übernehmen. Zusammen mit Hauptkommissar Sven Fricke, mit dem sie schon mal einen Fall gelöst hat, macht sie sich auf Spurensuche. Fricke, der sich nach Eckernföhrde hatte versetzen lassen, kehrt zusammen mit Lars Oppermann, seinem kurzfristigen Partner, nicht nur wegen dem neuen Fall nach Kiel zurück.

Bei ihrem Fall "Blutvilla" habe ich Elena Karinoglous und Sven Fricke schon über die Schulter schauen dürfen und ihre kleinen Reibereien mitbekommen. Das ist auch bei diesem Fall nicht anders. Immernoch finden sie Gefallen aneinander, schleichen um einander herum, wie die Katze um den heißen Brei. Aber wer weiß, dieser Fall scheint sie wieder ein Stück näher zueinander geführt zu haben. Ich habe die Beiden richtig lieb gewonnen.

Ich lerne sehr viele verschiedene Menschen kennen, die in diesen Fall in irgendeiner Form verstrickt sind. Manche werden sehr detailliert beschrieben. Sie habe ich sofort gut im Kopf. Bei anderen kann ich meine Fantasie spielen lassen um sie mir vorzustellen. Das gefällt mir besonders gut.

Bei den Fahrten durch den Kieler Stadtteil Düsternbrook und bei denen Blicken aus den Fenstern der Anwaltskanzlei kommt der Lokalkolorid richtig gut rüber. Ich würde gerne stundenlang dort am Fenster stehen und über die Ostsee schauen.

Frust, Wut oder wenn Fricke eine Riesenlaus über die Leber gelaufen ist – die verschiedenen Gefühle der Protagonisten kommen sehr gut vorstellbar rüber. Sie scheinen richtiggehend auf mich überzuschwappen.

Stefanie Gregg und Paul Schenke haben sich auch bei dieser Geschichte einen spannenden Plott und interessante Protagonisten ausgedacht. Leider kommt bei dem ganzen Auf und Ab für mich die Spannung etwas zu kurz. Trotzdem habe ich gut mitfiebern und mit recherchieren können. Die absolut schlüssige Auflösung kam mit einem Täter, den ich nicht auf dem Flipchart hatte, für mich etwas unverhofft um die Ecke.

Wer Krimis mag, die nicht vor Blut strotzen; mit einem Ermittlerpärchen, das sich nicht entscheiden kann, aber sehr gut zusammen arbeitet; einer interessanten Geschichte und einer sehenswertenb Umgebung – der ist hier genau richtig. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall der Staatsanwaltschaft und der Kripo Kiel.

Ein interessanter, unterhaltsamer Krimi, der mir 4,5 Sterne wert ist.

Stefanie Gregg / Paul Schenke
Schwarze Roben
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839223369

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Stefan Barz - Nimmerwiedersehen

Tod beim Klassentreffen

20 Jahre ist es nun schon her. Und er ist sich sicher, dass Christians Tod kein Unfall war. Er glaubt sogar den Mörder zu kennen.

Cornelius Beck, PR-Berater aus Marburg will den Mörder seines Freundes Christian finden. Nur aus diesem Grund fährt er zur Wiedersehensparty des Abturjahrganges 1995 auf Gut Hermannstein in Antweiler, das sein damaliger Mitschüler Marcus Dietrich organisiert hat. Hier will er den Mörder seines Freundes zur Rede stellen bzw. ihn zwingen die damalige Tat zu gestehen. Doch am nächsten Tag ist er selbst tot – erstochen mit einer Heugabel – liegengelassen auf einem Feld abseits des Klassentreffens. Und auch Karsten Schröder ist verschwunden ...

Kriminaloberkommissar Jürgen Wagner und sein Partner Kriminalkommissar Jan Grimberg, beide von der Kripo Euskirchen, wird der Fall übertragen und die Suche nach dem Täter beginnt.

KOK Jürgen Wagner kann es nicht ertragen, wenn jemand besser ist als er und will mit spätestens 40 Kriminalrat sein. Dass es da immer wieder zu Spannungen mit KK Jan Grimberg kommt, dem Grünschnabel, der seinen ersten Fall erst kürzlich mit Bravur gelöst hat, ist sehr gut vorstellbar. Mir war Wagner ganz im Gegensatz zu Grimberg anfangs auch nicht sympathisch. Das hat sich aber im Laufe der Ermittlungen gelegt. Ich denke, er mausert sich langsam zu einem echten Kollegen.

Der Fall an sich, ausgelöst durch ein Klassentreffen, finde ich sehr interessant, da auch ich in den letzten 40 Jahren immer mal wieder zu einem Klassentreffen eingeladen war. Das Abtasten und Wiederkennenlernen nach so vielen Jahren, hier sind es ja 20, kann ich sehr gut nachvollziehen. Es macht Spaß, den ehemaligen Abiturienten des Hanna-Ahrendt-Gymnasium in Bad Münstereifel zuzuhören und bei einigem anderen Mäuschen zu spielen. Mit den vielen Namen hatte ich anfangs etwas Schwierigkeiten, wusste ich doch nicht, welche relevant sein würden oder welche zu ignorieren waren. Aber beim Lesen habe ich schnell gemerkt, was ich mir merken muss und dann war das auch kein Problem mehr. Der Autor macht auch zu den einzelnen Figuren nur sehr kurze Angabe. Es bleibt also mir überlassen, mir die Teilnehmer an dem Klassentreffen so vorzustellen, wie ich es möchte.

Erschüttert war ich von der Tatauflösung bzw. von der Präsentation des Täters. Auch hier hatte Jan Grimberg den richtigen Riecher. Nach ca. 2/3 der Geschichte, bei der ich auch vieles aus der vergangenen Schulzeit der Protagonisten erfahre, steht der Täter fest. Hat mich aber absolut nicht gestört, da ich mich nun auf die Ermittlungen, die äusserst interessant waren, konzentrieren konnte.

Ein interessanter und mitreißender Fall mit einer leisen, aber fesselnden Spannung, einem Tathergang und einem Täter, den ich so nicht erwartet hatte. War ich bisher immer froh, den Täter zum Schluss hinter Gittern zu sehen – hier tut er mir einfach nur leid.

Stefan Barz
Nimmerwiedersehen

KBV Verlag, Hillesheim
ISBN 9783954413645

© Gaby Hochrainer, München 2018