Sonntag, 29. Juli 2018

Stefanie Gregg - Der Sommer der blauen Nächte


Die beeindruckende Liebe einer besonderen Frau

Alles was Jule Jansen nach dem Tod ihrer Mutter Marie, die eine begnadete Malerin war und die besonders die Farben geliebt und gelebt hat, geblieben ist bzw. was sie behalten wollte, hat sie in einen einzigen Karton gepackt. Darunter ist auch ein Schuhkarton mit Fotos. Drei davon mit einem Mann, den Jule nicht kennt, am Felsenbdeplatz in Manarola im Cinque Terre in Italien, wo sie mit ihrem Bruder und ihrer Mutter vor 30 Jahren Urlaub gemacht hatte. Das wirft Fragen auf. Ausserdem ist die azurblaue Bilderserie, die Marie nie weggeben wollte, verschwunden. Marie macht sich auf zu den Urlaubsplätzen von früher und wird mit Antworten konfrontiert, die ihr gar nicht gefallen; die ihre Mutter in ein Licht rücken, das Jule nicht sehen will und mit einer Wahrheit, die sie nur schwer akzeptieren kann.

Sie merkt aber auch, wie sehr sie selbst vom Leben ihrer Mutter beeinflusst ist und muss sich mit ihrem eigenen Leben auseinander setzen und sich ihm stellen.

Stefanie Gregg hat es auch diesmal sehr schnell geschafft mich in die Geschichte hineinzuziehen. Mit ihrem gefühlvollen, farbigen und eindrucksvollen Erzählstil bringt sie mir die Farben, die Empfindungen und die Gedanken der Protagonisten sehr nahe. Fast schon wie in einem Krimi steigt der Spannungsbogen leicht an und hält sich, bis sich die Geschichte anders als erwartet, aber doch ganz in meinem Sinne auflöst.

Besonders Marie, die ich anfangs als sehr egoistisch empfand, komme ich immer näher. Ich habe ihren melancholischen, nach innen gekehrten Künstlerblick direkt vor Augen. Ich spüre beim Lesen ihre Hingabe zu den Farben und Formen, ihre Euphorie beim Betrachten ihrer Bilder, wie sie sich in ihre eigene Welt zurückzieht und darüber manchmal sogar ihre Kinder vergisst. In den wichtigen Momenten war sie aber immer für ihre beiden Kinder Thomas und Jule da. Aber auch ihre Zerrissenheit, ihre Trauer und ihre Verzweiflung werden hier sehr deutlich. Ich sehe sie, genau wie Jule, immer und überall tanzen. Ich lerne aber auch eine Marie kennen, die sich ihre große Liebe versagt, für ihren Mann und für ihre Kinder und die demzufolge ihr eigenes großes Glück lange nicht findet oder leben kann.

Jule, die ich bis auf wenige Momente von Anfang an mochte, durchlebt bei ihren Nachforschungen und in ihrem privaten Leben ihre Höhen und Tiefen. Ich möchte sie in ihrer Verzweiflung trösten, sie manchmal von ihren Zweifeln befreien und freue mich, dass sie zusammen mit Jen und Ben ihren Weg findet und auch geht.

Auch die anderen Menschen, die ich hier kennenlerne wirken menschlich, haben ihre Ecken und Kanten und teils ihre Geheimnisse.

Jeder der vier Abschnitte wird durch eine Farbe eingeleitet und jedes der 33 Kapitel wird mit einem Seestern abgeschlossen. Das symbolisiert für mich das Meer sowohl in Italien, als auch in Frankreich und gefällt mir persönlich mir sehr gut.

Stefanie Gregg hat mir keinen einfachen Liebesroman zu lesen gegeben, obwohl es um fast nichts anderes geht als um die Liebe. Ich habe eine Familiengeschichte gelesen, die so anders läuft wie Vieles im Leben. Eine Geschichte, die mich berüht und gerührt hat und die bestimmt noch eine Weile in mir nachwirken wird.

Stefanie Gregg
Der Sommer der blauen Nächte

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 9783746634111

© Gaby Hochrainer, München 2018

Anja Bogner - Bülent Rambichler und die fliegende Sau

"Was nicht sein darf, ist auch nicht"

Die als Gelbwurscht-Pflunzn bekannte Fleischereifachverkäuferin Kerstin Rummsler aus Strunzheim im schönen Frankenland liegt nackert nur mit Engelsflügeln bekleidet tot mitten auf der Straße. Nachdem die Walder-Zwillinge Erna und Traudl mit ihrem PKW über sie drüber gerumpelt sind, muss natürlich die Polizei her. Und wer käme da besser infrage als der aus Strunzheim stammende Deutschtürke Bülent Rambichler.

Rambichler, Hauptkommissar wider Willen, der von seinem Vater "Erri" Erkan in den gehobenen Polizeidienst gezwungen wurde, beginnt nun zusammen mit seiner Assistentin Astrid "Sunshine" Weber, die die Gelassenheit in Person ist, was bestimmt ihrer Vorliebe für Yoga zuzuschreiben ist, mit der Ermittlungen.

Schnell ist auch ein erster Verdächtiger gefunden. Der Suff, im bürgerlichen Leben Franz Geiger, wirkt verdächtig, weil er die gleichen Kratzspuren an Armen und Beinen hat, wie die Tote. Nur kann er sich dank eines Vollrausches in der besagten Nacht an nichts erinnern. Reicht das für eine Verhaftung?

Ein Wolpertinger auf dem Cover, ein interessanter Titel als Provinzkrimi deklariert und das ganze aus Franken. So ein Buch musste ich einfach mal lesen. Und ich habe es nicht bereut.

Die Personen sind trotz ihrer Grobheit, ihres Sturschädels, ihrer Sexbesessenheit, ihrer Neugier und ihrer Begriffsstutzigkeit, aber auch gerade wegen ihres Zusammenhaltes, ihrer Liebenswürdigkeit, wenn sie denn mal wollen, ihrer Anhänglichkeit und ihres derben Humors so sympathisch und liebenswert gezeichnet, dass es einfach eine Freude war ein paar Stunden in Strunzhausen verbringen zu dürfen. Gerade der Humor und die Situationskomik, die hier zutage tretten, hat mich manchmal den Kopf schütteln lassen, ist aber absolut passend und oft so komisch, dass sich meine Mundwinkel jetzt noch immer nach oben, wenn ich daran denke.

Vieles ist überzogen dargestellt und viele Klischees werden bedient. Aber gerade das macht diese Geschichte für mich noch interessanter und lesenswerter.

Für den des Fränkischen nicht mächtigen Leser werden einzelne Begriffe aus dem Text direkt als Fußnote übersetzt. Sie können ihr Wissen über den Dialekt aber auch im anschließenden Glossar erweitern. Ansonsten hat man beim Lesen keine Schwierigkeiten den eingefleischten Franken zu verstehen.

Für mich hat der Kriminalfall selbst hier eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Die Ermittlungen gehen zäh voran, was vor allem Bülents nicht so sehr vorhandenen Arbeitseifer geschuldet ist. Desto mehr aber hängt sich Astrid rein. Die ideale Schwiegertochter ins den Augen von Bülents Eltern. Der Schluss lässt keine Fragen offen und die Person, die dann als Täter entlarvt wurde, hatte ich nicht auf meinem Täterzettel. Die ein oder andere Überraschung hatte ich nicht erwartet.

Alles in allem ein interessanter, teilweise spannender, besonders aber humorvoller Krimi mit viel Lokalkolorit. Ich hoffe, von Anja Bogner, Bülent Rambichler und seiner Familie und Astrid Weber bekomme ich noch mehr zu lesen.

Anja Bogner
Bülent Rambichler und die fliegende Sau

btb Verlag, München
ISBN 9783442716760

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 28. Juli 2018

Claire Douglas: Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit

Bei diesem Psychothriller, der an Englands Küste spielt, stellt man sich ständig die Frage: Wer treibt hier mit wem sein perfides Spiel?

Vor etwa 17 Jahren ist Sophie spurlos verschwunden. Sie und ihre Freunde hatten gerade mal das Teenagealter hinter sich gelassen, waren mit ihren Jobs in die Welt hinaus und hatten ihren kleinen Küstenort verlassen. Nun wurde die Leiche von Sophie an die Küste gespült. Francesca, ihre beste Freundin damals, erhält einen Anruf von Sophies Bruder Daniel. Er bittet sie, in den Heimatort zu kommen und mit ihm zusammen die Umstände aufzuklären, warum Sophie damals verschwunden und offenbar ums Leben gekommen war. Franks, wie die Freundin auch genannt wird, will erst nicht, gibt dann aber nach. Ihre Hotels in London lässt sie von einem engen Mitarbeiter betreuen. Für vier bis fünf Tage sollte es schon gehen. Doch sie ahnt nicht, was die Reise in ihre Heimatstadt, und damit in die Vergangenheit, für Gefahren mit sich bringt, welche Fakten plötzlich an die Oberfläche gespült werden.

Immer wieder wird man als Leser in die Irre geführt und erfährt plötzlich Wendungen, die man so nicht erwartet hatte. Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven. Da ist zunächst die Sichtweise von Franks, die in der Gegenwart handelt und das Geschehen nach dem Fund der Leiche beleuchtet. Die zweite Sichtweise ist eine Rückblende etwa 17 Jahre zuvor. Dort erzählt Sophie in ihrem Tagebuch, was einige Wochen vor ihrem Verschwinden geschah. Auch Sophies Perspektive wird wegen des Tagebuchs grammatikalisch im Präsens geschildert. Beide Freundinnen tragen zu dem Zeitpunkt ein dunkles Geheimnis in sich. Und aus Franks heutiger Sicht hat das dunkle Geheimnis vielleicht auch etwas mit Sophies Tod zu tun. Obwohl davon eigentlich kein anderer wissen konnte. Die beiden Perspektiven sind abwechselnd angeordnet, so dass der Leser immer wieder dem Geschehen etwas voraus ist in seinen Vermutungen.

Eine gut gestrickte Story, die aber etwas langatmig erzählt wurde. Viele Details sind ausschweifend und verzögern das Umblättern der Seiten. Nichtsdestotrotz überrascht der Roman im mit einem knalligen Ende und einer wiederkehrenden Spannung.



Claire Douglas
Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit
Aus dem Englischen Ivana Marinovic

Penguin Verlag, München
ISBN 9783328101697

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Freitag, 27. Juli 2018

Katharina Herzog - Zwischen dir und mir das Meer

Zurück zu den Wurzeln

Mariella de Luca aus Ravello an der italienischen Amalfiküste hat es als Aupair nach Hamburg verschlagen. Hier lernt sie den Krabbenfischer Knut Sanders von der Insel Amrum kennen und folgt ihm auf die kleine Nordseeinsel. Zusammen gründen sie ihre kleine Familie. Knut, Mariella und die beiden kleinen Mädchen Lena und Zoe scheinen glücklich, bis Mariella eines Morgens nicht vom Schwimmen im Meer zurück kommt. Ihre Leiche hat das Meer bis heute behalten.

Viele Jahre später lernt Lena einen jungen Italiener kennen, der vorgibt, bei ihrer Oma Eier kaufen zu wollen. Matteo Forlani trägt in einer Mappe ein Foto von Lena Mutter aus Teenagerjahren bei sich. Da weder Lena noch ihre Oma Hilde oder Knut etwas aus Mariellas Vergangenheit wissen, Zoe war damals eh noch viel zu klein, begibt sich Lena auf die Spuren ihrer Mutter in die Vergangenheit und auf die Suche nach Matteo. Und wahrhaftig lässt Zoe ihre nächsten Pläne sausen und schließt sich ihrer großen Schwester an. Die sommerliche Reise nach Italien beginnt.

Bei "Zwischen dir und mir das Meer" von Katharina Herzog dachte ich zuerst an eine Liebesromanze. Doch die Geschichte ist soviel mehr. Sie handelt von 2 Schwestern, die es in ihrer Unterschiedlichkeit nicht leicht haben, miteinander klar zu kommen. Ihre Lebenseinstellungen sind so verschieden und trotzdem halten sie als Schwestern zusammen.

Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, die an ihren Irrtümern zuerst nicht zustande kommen will und dann daran fast wieder zerbricht.

Vor allem ist es die Geschichte von Mariella, die mit 8 Jahren ihre einzig wahre Freundin Francesca kennenlernt. Die Mädchen stammen aus ganz unterschiedlichen Familien. Seit Mariellas Mamma verstorben ist, wächst sie bei ihrem Vater auf, der auf der Zitronenplantage von Francescas Vater als Träger arbeitet. Die eine führt ein ärmliches Leben, die andere ist reich und verwöhnt, verstehen sich die beiden Mädels trotz allem sehr gut. Bis sie auseinander gerissen werden.

Die Geschichte wird in zwei verschiedenen Zeitsträngen erzählt. Ab 1972 schaue ich Mariella bei ihrem Erwachsenwerden zu, bis sie ihre geliebte Heimat verlässt und ihre Freundin zurück lässt. Und in der Heutzeit bin ich mit Lena auf den Spuren zu den Wurzeln ihrer Mama unterwegs und beobachte, wie auch sie eine erhebliche Verwandlung durchmacht. Vor allem finde ich es schön zu lesen, wie sich die beiden Schwestern Lena und Zoe immer mehr annähern und trotzdem sich selbst treu bleiben.

Die Ausflüge, die ich hier an die Amalfiküste, die Insel Capri, nach Neapel und in die kleinen Orte dort machen darf, lassen in mir wunderschöne Bilder entstehen. Ich spüre die Sonnenstrahlen auf meiner Haut, meine die herrlichen Blumen riechen zu können und mir läuft bei dem fantastischen Essen das Wasser im Mund zusammen. Ich in mit allen Sinnen in der Geschichte gefangen.

Ein warmherziger, einfühlsamer, liebevoller Roman mit interessanten Protagonisten, dem auch die Spannung nicht fehlt, bei dem mir beim Lesen nie langweilig war. Im Gegenteil, ich habe die Geschichte verschlungen und war enttäuscht, als sie nach 344 Seiten schon wieder zuende war.

Wer einen sommerlich leichten, aber auch teilweise tiefgründigen Roman über Freundschaft, Liebe, Verrat und Familie sucht, der ist hier genau richtig.

Katharina Herzog
Zwischen dir und mir das Meer

rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499274206

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 25. Juli 2018

Daniela Gesing - Venezianische Intrigen

Mord in Venedig

In der Dienststelle des venezianischen Commissarios Luca Brassoni geht es gerade richtig ruhig zu. Der aus dem Urlaub nach der Geburt seines kleines Sohnes Luis zurückgekehrte Brassoni kümmert sich gerade um einen Cold Case, als ihn ein alter Studienfreund bittet, den Tod einer jungen Frau zu untersuchen. Die junge Sozialarbeiterin Loredana Bermani ist am Piazza San Marco nach einem Streit mit ihrem eifersüchtigen Freund Massimo Giovanelli zusammengebrochen und duch einen allergischen Schock gestorben. Sofort fällt der Verdacht auf den cholerischen, als gewaltbereit und eifersüchtig bekannten Mann. Hat er seiner Freundin Erdnüsse ins Kaugummi gemischt? Ein weiterer Mord geschieht, der eng mit Loredana zusammenzuhängen scheint und ein kleiner Junge, aus einer Familie, die Loredana für´s Jugendamt betreut hat, wird entführt. Nach seinem Urlaub hat Commissario Brassoni nun richtig viel zu tun.

Dies ist zwar schon der 5. Fall für den mir sehr sympathischen venezianischen Commissario. Aber ich schaue ihm heute das erste Mal bei seiner Arbeit und seinen Ermittlungen über die Schulter. Da die ersten 4 Fälle abgeschlossen wurden, fehlen mir hier keine Infos und ich kann sofort voll in die Geschichte einsteigen.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig zu lesen, die Ausdrucksweise mir manchmal zu einfach. Auch die Dialoge könnten hier und da etwas spritziger sein. Die Spannung baut sich langsam aber stetig auf und man spürt in allem die Leichtigkeit und die Ruhe, mit der die Commissare an die Arbeit gehen. Neben der Hauptdarstellern sind auch die Nebenfiguren sehr bildlich und vorstellbar beschrieben. Hier tauchen jedoch für mich zu viele Klischees auf, die immer wieder bedient werden.

Das ich schon recht früh einen Verdacht hatte, wer der Täter sein könnte, hat mich nicht gestört, da immer wieder neue Verdächtige auftauchen, deren Alibis sie aber als Täter ausschließen oder wo die Beweislage nicht nicht erhärten lässt. Dem Täter selbst begegne ich immer wieder mal bei seinen Vorbereitungen oder ich lese seine Gedanken, was mich aber bei meiner Vermutung nicht weiter bringt.

Neben den drei Kriminalfällen webt die Autorin geschickt auch gesellschaftliche Themen ein. So ist der beste Freund Brassonis mit einem Mann liiert, seine Frau Carla Sorrenti, leitende Gerichtsmedizinerin, geht trotz Söhnchen Luis stundenweise ins Labor, familiäre Gewalt ist ein Thema.

Das landestypische Flair stellt sich bei mir ein, wenn ich die immer wieder eingestreuten italienischen Worte und kurzen Redewendungen lese. Und natürlich darf das wunderbare italienische Essen nicht fehlen. Da beneide ich Luca um seine Mama, die nicht nur liebevoll auf den Sohnemann aufpasst, sondern auch superlecker kocht.

Der Krimi, der durch seine Ruhe und seine Leichtigkeit besticht, hat mich gut unterhalten. Ich reise gerne mal wieder nach Venedig um auch den nächsten Fall mit Commissario Luca Brassoni zu lösen.

Daniela Gesing
Venezianische Intrigen

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783958199408

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 24. Juli 2018

Tom Bouman: Im Morgengrauen

Beim Ars vivendi Verlag ist dieser Tage ein Roman aus amerikanischer Lizenz erschienen, den es sich lohnt, zu lesen.

In dem kleinen Örtchen Wild Thyme in Pennsylvania ist eigentlich nicht Mal so viel los, dass es für einen Polizisten reicht. Doch Officer Henry Farrell wollte zurück in seine Heimatstadt und hatte Glück, als dort der Posten eines Ordnungshüters geschaffen wurde. Wenn man aber denkt, im amerikanischen Hinterland könne nichts passieren, der hat sich getäuscht. Die junge Mutter Penny Pellings ist verschwunden. Gemeldet hat das ihr Freund, beide sind Junkies, haben nicht gerade reine Westen und ihnen wurde vom Jugendamt bereits das Kind entzogen.

Damit begibt sich der Leser zusammen mit Farrell in den Sumpf der amerikanischen Gesellschaft. Wie bei den Romanen von Smith Henderson (Montana) oder die von James Lee Burke wird nichts beschönigt. Da geht es nicht um Schickimicki-Ermittlungen. Hauptrolle im vorliegenden Roman sind die Menschen in der untersten Schicht, die in Dreck und Armut leben, und versuchen mit Verbrechen herauszukommen. Man erlebt den Ermittler, der nebenbei jobbt und Häuser baut, seine privaten Probleme zu klären versucht, von der Unschuld einzelner Verdächtiger, die bereits mit einem Bein im Knast sind, überzeugt ist, und der dennoch nie seinen Fall von der vermissten Penny zu lösen vergisst.

Erzählt wird die ganze Geschichte in einem sehr nüchternen, fast emotionslosen Schreibstil wie die Reportage eines Journalisten. Dabei wird nicht mit Details gespart, es gibt Gerüche, Geräusche und alles, was dazugehört. Trotzdem schafft es der Ich-Erzähler Farrell nicht, mir seine Gefühlswelt zu vermitteln. Nun gut, jeder Schriftsteller hat seinen eigenen Stil, es ist lediglich ein Umstand, der mir aufgefallen war.

Bevor Tom Bouman selbst zu schreiben begann, arbeitete er als Lektor. Für seinen Debütroman "Auf der Jagd" (deutsche Übersetzung ebenfalls bei ars vivendi erschienen) erhielt er 2015 den anerkannten Edgar Award für Debüts.

Ein ruhiger Kriminalroman über das Hinterland der USA, in all seinen dreckigen Facetten.

Tom Bouman
Im Morgengrauen
Aus dem Amerikanischen von
Anke Carolin Buger nd Anna-Chrstin Kramer

ars vivendi Verlag, Cadolzburg
ISBN 9783869139005

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Sonntag, 22. Juli 2018

Grappa und die acht Todsünden von Gabriella Wollenhaupt


Es werden 7 Leichen in einer Villa gefunden, drappiert und hergerichtet wie beim Abendmahl. Natürlich ist Grappa so ziemlich die erste, die davon Wind bekommt. Es stellt sich recht schnell heraus, dass jedem Toten eine der sieben Todsünden zugesprochen wird, denn der Mörder nimmt zu Grappa Kontakt auf.
Dieser wird unterdessen eine junge Blondine an die Seite gestellt, die im Verlag lernen möchte. Zunächst ist Grappa alles andere als begeistert von dem Blondchen, doch recht schnell mag Grappa das Mädel dann doch gut leiden. Sie ist zwar blond, aber alles andere als doof.
Und dann gibt es da noch einen adoptierten Kater, einen neuen Nachbarn und einen attraktiven Typen mittleren Alters, der Grappa umwirbt.
Also, eigentlich alles beim Alten. Richtig gut was los in Grappas Leben ….
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 221 Seiten
Preis: 8,50 €
ISBN: ISBN 978-3-89425-267-0
Kategorie: Krimi
© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Freitag, 20. Juli 2018

Natalie Buchholz - Der rote Swimmingpool

Ein lesenswertes Debüt

Adam, ein junger Mann kurz vor der Vollhährigkeit, leistet Sozialstunden bei einer alten Dame ab. Ihn scheint ein Geheimnis anzuhaften. Hier lernt er ihre Enkelin Tina und deren fetten Kater Pecorino kennen. Seit seine Eltern sich getrennt haben und sich fast nicht um ihn, der ihre Hilfe und Unterstützung dringend brauchen würde, kümmern, lebt Adam allein in einem kleinen WG-Zimmer. Seine Mutter ist zurück nach Frankreich gegangen. Sein Vater hat sehr schnell eine neue Familie, in die Adam nicht zu passen scheint. Gut, dass er nun Tina hat.

Als erstes sind mir die liebevollen und sehr detailgetreuen Beschreibungen der Menschen in diesem Buch aufgefallen. Natalie Buchholz hat ihre Augen bei ihren wie Malerei anmutenden Skizzierungen überall. Vor allem Adam kann ich mir äußerlich, wie auch sein Innerstes, dass er für Tina nach aussen dreht, sehr gut vorstellen.

Aber nicht nur die Äußerlichkeiten beschreibt die Autorin sehr genau und detailliert, sondern auch die Gefühle zwischen den einzelnen Protagonisten. Und genau das ist es, was mich an der Geschichte so fasziniert hat: dass ich die Gefühle und Emotionen jedes Einzelnen, ob ich sie nun gutheiße oder nicht, gut nachvollziehen und mich hineinfühlen kann.

Schon im Prolog erfahre ich, warum Adam seine Sozialstunden ableisten muss. Er hat das Haus seiner Eltern, in dem damals sein Vater mit der neuen Familie wohnte, abgefackelt. Wie es dazu kam, erfahre ich in einem Mix aus Gegenwarts- und Zukunftserzählung. Hier versteht es die Autorin geschickt Spannung zu erzeugen und ich wollte einfach immer nur weiter lesen.

Mich hat es fasziniert, wie sich die weibliche Autorin in den jungen männlichen Hauptdarsteller hineinversetzt hat, der nicht nur ohne den Zuspruch seiner Eltern auskommen muss; der seine ersten sexuellen Erfahrungen macht, mit Alkohol in Verbindung kommt und der seine ersten Parties feiert. Aus allem geht Adam zum Schluss sichtlich gereift und erwachsen geworden hervor.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Zeigt es doch, was Eltern anrichten können, wenn sie sich von ihren Kindern abwenden bzw. zuwenig mit ihnen reden. Und was eine einzige Lüge anrichten kann.

Ein spannendes, interessantes Debüt. Ich hoffe, bald mehr von Natalie Buchholz lesen zu dürfen.

Natalie Buchholz
Der rote Swimmingpool

Dromer Knaur Verlag, München
ISBN 9783446259096

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 18. Juli 2018

Sylvia Lott - Die Inselgärtnerin

Ein Leben fast wie im Paradies

„Wer Anderen eine Blume sät, blüt selber auf“

Bei Sonja Janssen, 38, läuft gerade alles schief. Ihr Mann Michael hat sich in eine Jüngere verliebt und ist ausgezogen. Aus der Gärtnerei in der sie mit Liebe arbeitet und gerade versucht eine neue Rhododendronzüchtung aufzubauen, flattert ihr die Kündigung ins Haus. Da scheint es ja gar nicht so schlecht zu sein, dass ihr von ihrer Tante aus Florida ein kleines Häuschen am Strand vererbt wird. Kurzerhand macht sich Sonja von Bad Zwischenahn nach Dolphin Island am Golf von Mexico in Florida auf die Reise. Hier trifft sie nicht nur auf ihr Häuschen im Paradies, sondern auch auf zwei Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Findet Sonja hier ihr Glück, das ihr in Deutschland nicht gegönnt ist?

Sonja verliebt sich, genau wie ich beim Lesen, sofort in diese atemberaubende Landschaft mit ihrer vielfältigen Flora und Fauna. Gleich tun sich bei ihr Visionen auf von Dünengärten bzw. Gärten nur mit Pflanzen aus der Region. Und wer ist hier besser geeignet einen eigenen Gartenbaubetrieb aufzubauen als sie. Doch nicht nur die behördliche Messlatte hängt sehr hoch. Es gibt auch Menschen, die absolut nicht wollen, dass Sunny, wie sie sich hier in Florida nennt, seßhaft wird. Kann sie sich dagegen zur Wehr setzen?

Allein bei den vielen bild- und wortgewaltigen Beschreibungen der Landschaft am Golf von Mexico, den Dünen, den Pflanzen und vor allem den Delfinen, die dort ihre Runden ziehen, bekomme ich sofort Fernweh. Die Menschen, die Sunny hier begegnen sind so herzlich und wohlwollend, nehmen sie gleich in ihre kleine Gemeinschaft auf und helfen, wo sie können. Sunny findet Freunde, die sie nicht mehr gehen lassen wollen. Hier wäre ich gerne mittendrin.

Genauso wie ich gerne bei den Übungsabenden im Kulturzentrum dabei wäre, wo ich beim Lesen den Rhytmus im Blut der Sänger und Sängerinnen spüren kann und anfange selbst mitzuwippen zum Sound der 50er Jahre.

Das Rezept der Key Lime Pie am Schluss des Buches werde ich bestimmt mal ausprobieren.

Als sie sich näher mit dem Nachlass ihrer Tante Sandy beschäftigt, findet sie Briefe und weitere Unterlagen, aus denen sie endlich erfährt, warum ihre Tante hier so zurückgezogen für die deutsche Verwandschaft gelebt hat.

Aber es ist nicht nur eine Liebesgeschichte, die Sylvia Lott hier erzählt. Darin gekonnt eingebettet erfahre ich Vieles über den allgemeinen Klimawandel, der auch den Sunshine State nicht verschont; Naturkatastrophen, wie einen Hurrikan, der die Insel heimsucht; über Delfine, die in Aquaparks trainiert, dessiert und gehalten werden und über Ernest Hemingway, den wohl bekanntesten amerikanischen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Beim LookaLike-Contest in Key West fiebere ich mit Sunny und ihrer Freundin Stormy um den Sieg von Sam, einer der beiden neuen Männer in Sunnys Leben.

Wer wie Sunny einmal eine Auszeit braucht, in amerikanisches Lebensgefühl eintauchen oder nur schnell mal ein paar Stunden abschalten möchte, der ist bei diesem Buch genau richtig. Sommerfeeling, Liebesgeflüster, aber auch ernstere Themen garantiert.

Ich hätte gerne möglichst schnell mehr davon.

Sylvia Lott
Die Inselgärtnerin

blanvalet Verlag, München
ISBN 9783734104909

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 17. Juli 2018

Thomas Chatwin: Post für einen Mörder

Dem Autor, langjähriger Cornwall-Fan- und -Kenner und lange Zeit im ZDF für die Rosamunde-Pilcher-Filme verantwortlich, ist in seinem Debütroman seine Liebe zum südenglischen Landstrich anzumerken. Die Kriminalhandlung dieses Romans kommt dabei trotzdem nicht zu kurz.

In dem kleinen Küstenort Fowey zwischen Plymouth und St. Austell kennt jeder jeden. Es geht beschaulich zu. Daphne radelt mit ihrem Fahrrad durch den Ort und trägt die Post aus. Als es ihr in dem Haus einer Künstlerin etwas merkwürdig wird, findet etwa zur gleichen Zeit Daphnes Mann Francis den ortsansässigen Reeder Hammett tot im Hafenbecken. Als dann schließlich die verschwundene Künstlerin und ihr Bruder, der Pfarrer der Gemeinde, ebenfalls tot aufgefunden werden, wird es höchste Zeit für den Auftritt des Chief Inspectors. Er wurde aus London in den Westen versetzt und war in seinen jüngeren Jahren extrem kurze Zeit zusammen mit Daphne ein Paar. Das kann eigentlich nur Ärger bedeuten.

Liebevoll und mit viel Details hat sich Chatwin einen humorvollen Krimi ausgedacht. Das Lokalkolorit ist umwerfend detailliert und zeugt von den Kenntnissen des Autors. Die Beschreibungen sind bildreich und geben auch dem Nicht-Cornwall-Leser das Gefühl, diesen wunderschönen Landstrich beim Lesen zu erleben. Das bezieht auch die Einwohner Cornwalls ein. Ihre spröde, zurückhaltende, aber doch liebenswerte Art wird sehr gut herrübergebracht.

Die Figurenkonstellation ist auf Kommödie ausgelegt. Schnell wird klar, dass Daphne, die ihren Namen von der Schriftstellerin Daphne de Murier, welche ebenfalls in diesem Ort lebte, hat, die auflösende Hobbyermittlerin ist. Miss Marple von Agatha Christie und Miss Mable von Rebecca Michéle lassen grüßen. An ihrer Seite allerdings mit ebenso hoher Aufklärungsquote ihr Mann Francis. Gegenpol dieser beiden ist der ursprünglich von hier stammende, nun zurückversetzte DCI James Vincent. Arrogant und selbstherrlich, natürlich stets auf der falschen Spur und abgelenkt vom Besuch des Prince of Wales.

Frischer, spaßmachender und interessanter Krimi für alle cornwallaffinen Leser und solche, die es werden wollen.



Thomas Chatwin
Post für einen Mörder

Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499274459

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Sonntag, 15. Juli 2018

Valerie Voss - Marathon ins Glück

Ende gut alles gut

Conradin Steger, Hotelierssohn aus Bayern, hat schon mit seinen Eltern nur Urlaub im Camper gemacht. Mit seiner Freundin Luisa, die nach den ersten km im Wohnwagen die Nase voll hat, nur mosert und meckert, geht er nun auf große Fahrt in die Toskana. Wird das gutgehen? Oder wird die bald geplante Hochzeit im Sande verlaufen?

Luisa ist mir schon nach den ersten Seiten mit ihrer dauernden Nörglerei richtig unsympathisch und ich frage mich, wie lange Conradin das aushalten wird. Aber er ist das ja schon seit drei Jahren gewöhnt, kennt sie wohl nicht anders und versucht nur immer wieder Luisa mit kleinen Verwöhnhäppchen zu versöhnen. Bis zu dem Tag als ein babyblauer Mini mit Hamburger Kennzeichen auf dem Campingplatz in der Toskana aufkreuzt, eine junge blonde Frau aussteigt und die Schmetterlinge in Conradins Bauch wieder Loopings fliegen. Ab dem Zeitpunkt wird es sogar richtig spannend.

Auf dem Campingplatz in der Toskana habe ich mich richtig wohl und beim Lesen mittendrin gefühlt. Nette Leute, gutes Essen, Entspannung, Besuche im kleinen Ort Talamone – was will man vom Urlaub mehr. Bei der plötzlichen Rückfahrt nach Bayern, auf der sich Luisa wieder aufführt wie Prinzesschen, habe ich nur darauf gewartet, dass Conradin sie endlich rausschmeißt.

Okay, was dann alles passiert, ist mit sehr viel Klischees gehaftet. Die Geschehnisse in Hamburg und wie sich alles dann doch noch zum Guten fügt, sind schon etwas überzogen bzw. unrealistisch. Einzig die Telefonate zwischen Conradin und seinem allerbesten Freund Mats haben mir sehr gut gefallen. Da spüre ich richtig die jahrelange Freundschaft und wie gut Mats seinen Freund kennt.

Eine wunderbar leichte, lockere, kurzweilige, amüsante Liebesgeschichte, bei der mir Conradin, der endlich mal zu dem steht, was er wirklich will, sehr gut gefallen hat. Ich konnte mitfiebern, habe mit gelitten und mich gefreut, dass alles doch schlussendlich so ausgeht, wie ich es mir vorgestelt habe.

Valerie Voss
Marathon ins Glück

Selfpublishing
ISBN 9781522931515

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 13. Juli 2018

Cora Stephan - Ab heute heiße ich Margo

Zwei starke Frauen

Mit ihrem Buch "Ab heute heiße ich Margo" legt Cora Stephan einen Familienroman vor, den ich trotz seiner 635 Seiten regelrecht verschlungen habe. Ich tauche ein in das Leben zweier junger Frauen und begleite sie durch ihr gesamtes Leben.

Margarete "Gretl" Hegewald, geboren 1919 in Stendal beschließt 1936 ihren eigenen Weg zu gehen. Die Haare werden abgeschnitten, sie macht eine Lehre zur Buchhalterin bei einem Stendaler Fotografen und nennt sich ab nun Margo.

Die zweite Protagonistin ist Helene Pinkus, eine junge Frau, die als Fotografin den spanischen Bürgerkrieg miterlebt hat und die dort Schlimmes ertragen musste. Sie wird von einem Freund nach Stendal gebracht um dort als Fotografin zu arbeiten.

Beide Frauen lieben den gleichen Mann und sind und bleiben durch ihn und ein Geheimnis, das beide teilen, miteinander verbunden.

Aufgeteilt in die Jahre 1936 – 1945 Im Dritten Reich; 1945 – 1989 Deutschland West, Deutschland Ost und 1989 – 2000 Nach dem Mauerfall begleite ich beide Frauen abwechselnd durch die Wirren des Lebens. Die einzelnen Abschnitte, die immer das Leben entweder von Margo oder von Helene erzählen, machen die Zuordnung sehr leicht und das Verstehen der beiden Frauen, warum sie was tun oder denken, einfacher.

Es ist fast nicht zu glauben, was sich im Leben dieser Frauen abspielt, was sie erleben und erleiden. Aber alles ist so gut durchdacht und schlüssig beschrieben, dass es sich ganz genau so ereignet haben könnte. Da sich die beiden Lebensgeschichten gerade durch die Kriegswirren aber auch danach so spannend gestalten, kommt bei keinem Leseabschnitt Langeweile auf. Ganz im Gegenteil: Ich wollte immer wissen, wie es weiter geht und welche Wendungen es noch geben würde.

Die Hauptpersonen sind so detailliert, farbig und bis ins Kleinste geschildert, dass sie sehr gut vorstellbar und trotz allem, was passiert immer sympathisch rüberkommen und bleiben. Aber auch die vielen anderen Handelnden kann ich durch ihre Taten, auch wenn ich diese nicht gutheißen kann, und Gedanken gut verstehen.

Ich habe ein spannendes, sehr gut durchdachtes Buch gelesen, dass mir durch Margo und Helene sehr ans Herz gegangen ist. Die Geschichte der beiden Frauen wird mich bestimmt noch eine Weile begleiten.

Cora Stephan
Ab heute heiße ich Margo
KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462048957

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 11. Juli 2018

Dany R. Wood - Nur Gisela sang schöner

Endlich ein Fall für Jupp Backes

Dorfpolizist / "Oberkommissar" wie sich Josef "Jupp" Backes selbst bezeichnet, langweilt sich in seiner Dienststelle in Hirschweiler. Er möchte so gerne mal einen Mord aufklären. Als er zusammen mit seiner Frau Inge die Nachbarin Beate aus dem Kirchenchor nackt und tot zusammen mit ihrem Fön in der Badewanne findet, scheint sein Tag gekommen zu sein. Er tippt auf Selbstmord, woran seine Frau trotz Abschiedsbrief absolut nicht glauben mag. Denn noch vor ein paar Stunden hatte Beate ihr erklärt, dass sie für das Kirchensommerfest wieder ihren legendären Käsekuchen backen würde. Da bringt man sich doch nicht vorher um ...

Bei "Achtung! Familienfeier!" vor ca. 2 Jahren habe ich die Familie Backes und den humorigen Schreibstil von Dany R. Woods schon kennenlernen dürfen. Nun bin ich endlich wieder bei meinen Freunden im Saarland und darf Jupp, Inge und Schiegermutter Käthe, die auch hier und da zur Ermittlungsarbeit heran gezogen wird, wieder über die Schulter schauen.

Die Recherche zum Todesfall von Beate gestaltet sich schwierig. Ausserdem kommen weitere Tote hinzu. Hängen die Todesfälle alle zusammen – und wenn ja wie? Der Spannungsbogen baut sich hier langsam auf und ich habe sehr gut miträtseln können. Bin aber dem Täter und seinem Motiv selbst nicht auf die Spur gekommen. Jupp, der seine Arbeit sehr ernst nimmt, seinen Spürsinn hier unter Beweis stellen kann und sogar sein Mittagessen schon mal ausfallen lässt, und Inge ziehen Stück für Stück ein Indiz nach dem anderen an Land und schlussendlich klärt sich alles für mich zufriedenstellend und schlüssig auf.

Die Protagonisten sind auch diesmal wieder sehr lebendig und zum Teil herzerfrischend komisch. Jeder hat sein Packerl zu tragen, wird menschlich sehr gut beschrieben und ich kann auch diesmal fast nur Sympathien verteilen.

Mir haben hier die einfließenden Worte aus dem Saarländischen sehr gut gefallen. Die "Übersetzung" finde ich zum einen in () direkt hinter dem zu erklärenden Wort. Aber auch in einem Saarland-ABC am Schluss der Geschichte. Die () waren mir hier etwas zuviel, weil sich die meisten Worte eh aus dem Zusammenhang ergeben oder aber nochmal im Glossar stehen.

Es hat ausserordentlich Spaß gemacht dem selbsternannten Ermittlertrio über die Schulter und ihnen bei der Arbeit zu zuschauen und auch in ihrem Alltag dabeisein zu dürfen. Kriminalistische Arbeit und humoristische Einlagen haben mich für ein paar Stunden sehr gut unterhalten. Ich hoffe, ich muss nicht allzu lange auf einen neuen Fall oder neue News aus Hirschweiler warten.

Dany R. Wood
Nur Gisela sang schöner
Arturo Verlag

ISBN 9783981701647

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 10. Juli 2018

Louisa Leaman: Sommersturm über Cornwall

Diesen Roman zu zu lesen, reizte mich allein schon wegen Cornwall. Es gibt viele Romane über diesen wundervollen Landstrich Südenglands und berühmt gemacht hat ihn in Deutschland sicherlich Rosamunde Pilcher. Doch was spielt sich in diesem Roman ab?

Nina ist eine Karrierefrau an der Seite eines Karrieremannes in London. Beide haben zusammen studiert, leben seitdem zusammen. Er wird Investmentbanker, sie verkauft Industriekunst an Unternehmen nicht minder erfolgreich. Nun stehen sie kurz vor der Hochzeit. Der Termin steht, Planungen und Organisation sind in vollem Gange. Da erbt Nina ein heruntergekommenes Strandhaus 1000 km entfernt in Cornwall. Sie hatte sich mit ihrem Vater nie gut verstanden, hatte keine Ahnung von der Existenz dieses Strandhauses. Ihre Mutter war bereits verstorben, als sie noch ein Kind war. Nina reist nach Snare Cove, um sich ihre Erbschaft anzusehen. Aber die Leute im Dorf warnen davor, in dem Haus zu übernachten.
Außerdem gebe es da eine Legende aus alten Schmuggler- und Piratenzeiten, wie sie in Cornwall üblich sind. Zunächst ignoriert sie diese Warnungen, die auf dunkle Geheimnisse führen. Sie erfährt Schreckliches, was zunächst durch die Bekanntschaft mit Danny abgemildert wird. Danny ist Maler, der sich seinen Lebensunterhalt mit Fischen und Aushilfsjobs verdient. Nina findet ihn zunächst abstoßend, aber wie das so ist ...

Ich war überrascht von der Spannung dieses Romans, der schon leichte Züge eines Psychothrillers aufweist. Bis auf Nina schleppt nahezu jede Figur ihre Geheimnisse mit sich herum, denen der Leser immer näher kommt. Das Lokalkolorit ist überzeugend und bildreich dargestellt. Und selbst der Showdown hält noch einige Überraschungen bereit. Diese Roman bitte nicht mit einem von Lucinda Riley vergleichen, er ist viel mitreißender.

Volles Punkteprogramm und beste Empfehlung!

Louisa Leaman
Sommersturm über Cornwall
Aus dem Englischen von Marie-Luise Bezzenberger
Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442486496

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Sonntag, 8. Juli 2018

Ulrike Busch - Mordsrevanche

Nun wird in Nordfriesland ermittelt

Nach ihrem monatlichen Tratschabend bei ihrer Freundin Petra findet Bodo Hinrichs seine schwangere Frau Franziska erschlagen im Vorgarten. Der Mörder hat ihr ein Schild mit der Jahreszahl 2008 unter den Arm geklemmt.

Die beiden mitlerweile verheirateten Kommissare Fenna Stern und Tammo Anders, die die Tote, Patentochter von Tammos Onkel Friedo, sehr gut kannten, werden von den bereits begonnenen Ermittlungen wegen Befangenheit abgezogen. Dann der nächste Schock: Die Dienststelle in Greetsiel wird aufgelöst. Für Beide sind nun Dienststellen vorgesehen, die von Greetsiel einmal 2 Autofahrstunden bzw. 150 km weg liegen. Erst mal beurlaubt, planen sie einen Urlaub mit Friedo und Martha in Nordfriesland. Kaum sind sie dort, finden sie in der Zeitung den Artikel über einen ermordeten Immobilieninvestor. Auch er hat ein Schild in der Hand mit der Zahl 2013. Hängen der Mord an Franzi und der Mord in Husum zusammen?

Doch nicht nur diese beiden Morde beschäftigen Fenna und Tammo. Es tauchen unschöne Geheimnisse im Fall Franzi auf und auch in ihrer privaten Situation wird sich einiges ändern ...

Wie ich es von den Krimis von Ulrike Busch gewohnt bin, liest sich auch diese Geschichte leicht, flüssig und vor allem spannend. Ich bin sofort mittendrin und fühle mich wie auf Besuch bei Freunden in Ostfriesland.

Recht bald tauchen die ersten Verdächtigen auf. Es kommen Geheimnisse ans Licht, die Franzi geschickt verborgen hat. Ich kann von Anfang an mit ermitteln und mit rätseln. Der Spannungsbogen hält sich hoch. Die Ermittlungsarbeit wird sehr anschaulich beschrieben und man merkt, dass man hier nicht in einem sonntagabendlichen"Tatort" ist, wo man die Taten immer recht schnell auflöst. Durch das dauernde Zusammensein mit den Ermittlern lerne ich sie sehr genau kennen und verstehen. Es ist schön zu beobachten, wie gut Fenna und Tammo nicht nur im Privatleben, sondern auch bei der Arbeit harmonieren. Gerade Fenna besticht durch ihre Besonnenheit, hat die richtigen Fragen zur rechten Zeit parat und bringt Tammo wieder auf Spur, wenn es sein muss.

Fenna und Tammo ermitteln hier nicht mehr in Greetsiel und Umgebung, sondern der Mittelpunkt liegt diesmal in und um Husum und am Nordstrand in Nordfriesland. Da ich in der Gegend schon einmal einen wunderschönen Urlaub verlebt habe, habe ich einiges, was hier beschrieben oder angesprochen wird, gleich wiedererkannt.

Wenn Fenna und Tammo mit dem Rad unterwegs sind, spüre ich den Fahrtwind in meinen Haaren, sehe die Schaafe auf dem Deich marschieren und habe den Salzgeruch der Nordsee in der Nase.Und bei der Fischplatte für 2 oder dem Krabbenbrötchen läuft mir das Ewasser im Mund zusammen.

Wieder ist es Ulrike Busch gelungen, einen Fall zu konstruieren, der mich von Anfang an gefesselt und sehr gut unterhalten hat.

Für mich hat dieses Buch die 5 Sterne voll verdient.



Ulrike Busch
Mordsrevanche

Selfpublishing
ISBN 9783752862584


© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 6. Juli 2018

Jörg Steinleitner - Blutige Beichte

Der LKA-Präsident auf Verbrecherjagd

Der Freund des Bayerischen Ministerpräsidenten, der Landtagsabgeordnete Roland Mai, liegt mit einem Dönermesser masakriert in seiner Blutlache in der Münchner Schillerstraße. Der Fall wird durch den Innenminister zur Chefsache erklärt und LKA-Präsident Karl Zimmerschied mischt neuerdings fleißig in der Polizeiarbeit mit. Was den Kommisaren Barbara Veltroni und Hannes Södlinger gar nicht passt. Denn der Chef kann ganz schön nerven.

So fängt die Geschichte an. Dabei hat der Polizeipräsident gerade sowieso alle Hände voll zutun. Seine Gattin hat auf Bali eine Oben-Ohne-Bar aufgemacht; zuhause auf dem Land soll er sich auf dem kleinen Bauernhof um seine Tiere kümmern; sein Freund der Pfarrer übergibt ihm eine Tasche mit Kriegswaffen, die jemand im Beichtstuhl hinterlassen hat und beruft sich auf das Beichtgeheimnis; mystiöse Drohungen an den LKA-Chef machen die Sache auch nicht leichter. Und als wäre das alles nicht schon genug, kündigt sich auch noch der amerikanische Präsident an und will bespaßt werden. Zimmerschied raucht der Kopf. Aber er wäre nicht der Präsident, wenn er nicht auch diese Herausforderung meistern würde.

Die Ermittlungen, egal in welchem der vielen anstehenden Fälle, gestalten sich schwierig. Aber ganz langsam, manchesmal mit nicht ganz legalen Methoden, lichten sich die Schatten und die Ergebnisse stellen sich ein.

Im Laufe der Ermittlungen treffe ich auf interessante, teils aussergewöhnliche Personen, die in ihren Eigenarten sehr lebendig und vorstellbar beschrieben sind. Am allerbesten, neben dem Präsidenten, gefällt mir der junge Tommy Hensch, ein blinder Computernerd mit seinem Hund Benno Berghammer, den sich Zimmerschied in sein Team holt. Aber auch die Präsidentengattin auf Bali und das Reichsbürger-Ehepaar passen perfekt ins Bild. Schmunzeln musste ich immer dann, wenn der amerikanische Präsident, dessen Bild ich genau im Kopf habe, auftaucht. Einfach herrlich.

Jörg Steinleitner schafft es mit seinem leichten, spannenden, aber auch humorigen Schreibstil grandios alle Fälle nacheinander aufzudröseln, miteinander zu verbinden und schließlich aufzulösen. Ich hatte bis zum Schluss keinen Schimmer, wer hinter den ganzen Machenschaften stecken könnte. So hat mich der eigentliche Täter gut überraschen können.

Trotz der bierernsten Kriminalfälle bleibt Raum zum Schmunzeln, was der Spannung keinen Abbruch tut. Aber es gibt auch einige Szenen, die mir zu überdreht und einfach unrealistisch erscheinen. Trotzdem hat mir die Lektüre einige spannende und humorvolle Stunden geschenkt.

Da am Schluss einige Fragen offen bleiben, hoffe ich auf weitere Fälle für den rührigen LKA-Präsidenten und seine Truppe.

Jörg Steinleitner
Blutige Beichte

Piper Verlag, München
ISBN 9783492311359

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 4. Juli 2018

Volker Klüpfel und Michael Kobr - Kluftinger

"Auf immer und ewig. Auf Leben und Tod."

Markus und seine Yumiko haben Klufti und Erika zu Großeltern gemacht. Jetzt ist nicht mehr der Kommissar das Butzele, sondern der Kosename geht an das Neugeborene weiter. Da ja die jungen Eltern nun ein neues Auto brauchen, wird getauscht: Die Kinder bekommen den alten geliebten Passat und Kluftinger zieht mit dem rosafarbenen Smart alle Blicke in Altusried auf sich.

Beim Friedhofsbesuch an Allerheiligen in Altusried trifft sich der ganze Ort. Kommissar Kluftinger staunt nicht schlecht, als er auf einem Grab, an dem sich eine Menge Menschen versammelt haben, ein Grabkreuz steht – mit seinem Namen und seinen Daten drauf. Dass es ihm hier an den Kragen gehen soll, bestätigen die weiteren Drohungen, die bald folgen. Die Ermittlungen gestalten sich zäh. Kluftinger wird mit seiner Jugend, seinen ersten Jahren als Polizist und Kommissar und zwei ungeklärten Fällen konfrontiert, die alle in diesen, seinen persönlichen Fall, hineinspielen. Bis es am Totensonntag zum spektakulären Höhepunkt kommt...

Diesmal ermittele ich mit Kluftinger und seinen Kollegen Richard Meier und Roland Hefele in einem ganz privaten Fall, der zu zwei von Kluftingers ungeklärten Fällen zu führen scheint. Eugen Strobl schießt neuerdings etwas aus der Reihe, was kein schönes Ende nimmt. Und auch Sandy Henske, deren sächsischer Dialekt kurz aufblitzt, ist mit von der Partie.

Ich kenne nun endlich Kluftis vollständigen Namen und zum anderen habe ich einen Blick in seine Vergangenheit werfen dürfen. Ich lerne ihn als pubertierenden Jugendlichen in den 70ger Jahren kennen und als jungen Polizeibeamten, der gerade zu einer SOKO berufen wird. Ansonsten ist es schön, alte Bekannten aus den letzten 9 Fällen wiederzutreffen. Allen voran natürlich Kluftis Familie und seine Eltern. Dr. Martin Langhammer und seine Frau Annegret haben sich einen Hund angeschafft: Wittgenstein, einen Ungarischen Wischler, der sich dank einer riesigen Portion Wurstsalat Klufti gleich als neues Herrchen aussucht.

Kluftinger und seinen Kollegen führt es ins Franz-Marc-Museum nach Kochel am See zu einem neuen Fall, der mit dem Schutzpatron zu tun zu haben scheint. Kommissar Hubertus Jennerwein aus dem idyllischen bayerischen Alpen-Kurort gibt ein kurzes Gastspiel. Und sogar KHK Karl Göttmann von der SOKO München, der kauzige Restaurator Willibald-Adrian Metzger aus Österreich und Oliver von Bodenstein aus dem Taunus haben hier einen ganz kurzen Auftritt.

Die anfangs aufkommende Spannung wird zwar immer wieder durch die familiären Betrachtungen unterbrochen, steigert sich aber trotzdem immer weiter bis zum abschließenden Höhepunkt. Wie immer fehlt aber auch hier die auflockernde Prise Humor nicht.

Der Fall bzw. die Fälle haben mich mitgerissen und, obwohl sich -noch- nicht alles aufgeklärt hat, zufrieden zurück gelassen. Ich hoffe, dass Kluftinger sein Versprechen, das er gegeben hat, bald einlösen wird.

Spannung und Spaß – hier der Garant für abwechslungsreiche Unterhaltung, die ich sehr genossen habe. Dieser 10. Fall von Kluftinger und Kollegen ist für mich das bisherige Highlight der Serie.

Volker Klüpfel und Michael Kobr
Kluftinger
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783550081798

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 3. Juli 2018

Lars Winter: Septemberspiele

Die Kriminalromane von Lars Winter bestechen durch ihr smartes Ermittlerduo: Ein Dozent vom LKA und ein Pfarrer. Letzterer ist durch Erbschaft reich geworden, Kunstliebhaber und Maserati-Fahrer. Für diesen Roman hat er sich von seiner Gemeindearbeit eine Auszeit genommen, um das Leben zu genießen.

In diesem zweiten Fall wird der Leser ins Nahetal geführt. Der Mann vom LKA, Ulf Norden, ist von der Akademie in Hannover nach Mainz an die Polizeiakademie gewechselt. In einem Maisfeld wurde eine junge Frau tot aufgefunden. Schnell wird ersichtlich, dass es sich um Mord handelt. Norden wird gerufen, weniger als Ermittler, denn das ist er als Dozent nicht. Eher zum Gespräch und weil er gern etwas Praxisluft außerhalb seiner Akademie schnuppert, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Kaum hat er seinem Freund Pfarrer Klinger etwas davon erzählt, macht der sich auf den Weg ins Nahetal an die Glan. Gerade als Norden beginnt, aus den Puzzleteilen der verschwiegen wirkenden Anwohner gewisse Zusammenhänge zu erkennen, passiert ein weiterer Mord. Sollen da etwa Spuren und Zeugen beseitigt werden? Norden und sein geistlicher Freund treten so manchem Anwohner offenbar auf den Schlips. Es wird zusehends gefährlicher für sie. Die ermittelnden Polizeibeamten stehen ebenfalls vor einem Rätsel und sind nicht gerade darüber erfreut, dass ihnen Hobbyermittler zwischen die Beine laufen. 
Lars Winter liebt seine Heimat und benutzt die sanften Hügel und verschlafenen Ortschaften zwischen Hunsrück und Pfälzer Wald wie eine Postkartenkulisse. Seine Ermittler sind Genießer, weisen auf die eine oder andere kulinarische Besonderheit hin. Ihr freundschaftlicher und provozierender Umgang miteinander lässt den Leser so manches Mal schmunzeln.

Die Hardcover dieser Krimireihe sind aufwendig hergestellt und mit umfangreichen Illustrationen bebildert. Eine Besonderheit im Umfeld der Kriminalromane, die den Leser entspannt in die Geschichte eintauchen lässt.


Lars Winter
Septemberspiele

Wind und Sterne Verlag, Odernheim
ISBN 9783946186526

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Sonntag, 1. Juli 2018

Claudia Thesenfitz - Sylt oder Solo

Leicht und unterhaltsam

Mir hat „Meer Liebe auf Sylt“ von Claudia Thesenfitz schon sehr gut gefallen. Also musste ich auch das neueste Buch „Sylt oder Solo“ von ihr lesen. Und ich wurde auch hier nicht enttäuscht. Ich kenne die Insel bisher zwar noch nicht, aber meine Sehnsucht nach Sylt wird immer größer. Dazu hat auch dieses Buch wieder seinen Teil beigetragen.

Obwohl ich den direkten Vorgängerband nicht kenne, hatte ich keine Schwierigkeiten den Geschehnissen hier zu folgen. Aber „Sylt oder Selters“ steht nun trotzdem auf meiner noch zu lesen-Liste.

Doch nun zu der Geschichte hier:

Es könnte nicht besser laufen: Nina, 43, kann sich von dem Erbe ihrer Freundin ein Luxuswohnmobil leisten. Zusammen mit ihrem Freund und Surferboy Jan, der einige Jahre jünger ist als sie selbst, betreibt sie eine Surfschule und ein Strandbistro auf der Insel der Reichen und Schönen. Alles könnte so schön sein, wenn sich nicht ganz allmählig der Alltag und damit die ersten Reibereien und Probleme einschleichen würden. Als Jan sich entschließt sein Studium fortzusetzen und nach Berlin zieht, merkt Nina recht bald, wie viel ihr an diesem Mann liegt. Sie beginnt um ihn kämpfen…

Der Schreib- und Erzählstil von Claudia Thesenfitz ist, leicht, locker und einfach wunderbar zu lesen. Ich habe mit Nina gebangt, gelitten, mich mit ihr gefreut und ihren Mut bewundert. Obwohl manche Szenen etwas übertrieben dargestellt sind und ich vor allem Nina absolut nicht altersgerecht dargestellt finde – sie ist mir zu kindisch, naiv und scheint in manchen Belangen überhaupt keine Lebenserfahrung zu haben - , habe ich die Unterhaltung durch das Buch genossen.

Die Figuren finde ich gut ausgezeichnet und vorstellbar. Nina und Jan wirken in ihrer, wie ich finde, gestelzten Leichtigkeit nicht altersgemäß. Trotzdem habe ich sie recht bald in mein Herz geschlossen. Und ich kann Nina sehr gut verstehen, dass sie manche Marotten von Jan nerven. Was man in der ersten Verliebtheit zu gerne unter den Teppich kehrt, lässt sich halt irgendwann nicht mehr verstecken.

Wer eine tiefgreifende Lektüre aus diesem Buch erwartet, der ist hier absolut falsch beraten. Wer aber eine leichte Sommerlektüre mit einer Prise Herzschmerz und Humor sucht, der sollte hier zugreifen. Kurzweilige Unterhaltung für die kommenden Sommermonate auf einer der schönsten deutschen Nordseenseln.

Claudia Thesenfitz
Sylt oder Solo

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783548289588

© Gaby Hochrainer, München 2018