Montag, 31. Dezember 2018

Ellen Sandberg - Der Verrat

Verbrannt, ohne je zu brennen!

„Am Zorn festhalten ist wie Gift trinken und erwarten, dass der andere daran stirbt“. Dieser Satz, hin gekritzelt an einer Bushaltestelle, gibt genau den Zustand wieder, in dem sich Ariane „Nane“ Rauch befindet, als sie von den wahren Umständen erfährt, die zu ihrer lebenslangen Verurteilung als Mörderin geführt haben.

Nane wird nach 20 Jahren aus dem Gefängnis entlassen und will endlich Klarheit haben über die Nacht auf dem Weingut Graven, die ihr Leben so verändert hat. Nur ihr Schwager Thomas kann ihr helfen zu klären, ob sein Sohn Henning durch ihre Schuld ums Leben kam. Aber nach einem Herzinfarkt liegt dieser im Krankenhaus und seine Frau Pia, ihre Schwester, versucht alles um sie von ihm fern zu halten. Warum? Nane beginnt die Suche nach der Wahrheit und findet Entsetzliches heraus...

Ellen Sandbergs neuer Familienroman hat mich gleich ab der ersten Seite in sich hineingezogen. Ich lerne die überspannte, chaotische, unberechenbare Ariane „Nane“ Rauch, ihren Exmann Mark, ihre konfliktscheue, immer um Vermittlung bemühte Schwester Birgit, ihre pragmatische, geerdete, emotionslose Schwester Pia mit ihrem charismatischen Ehemann Thomas von Mantey, Sohn Henning aus Thomas´ erster Ehe, deren Tochter Lissy, deren Enkelin Sonja – die Tochter von Henning, die einen Krimi über den Mord an ihrem Vater schreiben will und Thomas Zieh-Schwester Margot und ihren Sohn kennen. Alle sind detailliert und absolut menschlich beschrieben. Den einen mag ich mehr, den anderen weniger.

Durch den flüssigen, bildreichen und leicht zu lesenden Schreibstil sehe ich die Handlung bildlich in meinem Kopf an mir vorbei ziehen. Durch die vielen Geheimnisse, die es zu geben scheint, weiß ich allerdings erst sehr spät, wohin die Reise geht und was in der besagten Nacht wirklich passiert ist.

Die Geschichte zieht sich über zwei Zeitebenen. Ich bin dabei, wie Nane im Sommer 1998 nach zwei mehr oder weniger schmerzhaften Trennungen die Kontrolle verliert und eine große Dummheit begeht, die sie schließlich in den Knast bringt. Nach und nach erfahre ich, wie es dazu kommen konnte. Im Sommer 2018 wird Nane entlassen und versucht sich in ihr neues Leben hineinzufinden. Und sie will unbedingt wissen, was in der Nacht, die aller Leben verändert hat, wirklich geschehen ist. Was ist passiert, wenn „die Andere“ in ihr die Kontrolle übernahm.

Von Anfang an breitet sich auf den Leseseiten eine düstere Spannung auf, die für mich aber noch nicht zu greifen ist. Es ist damals etwas passiert. Aber was? Das kristallisiert sich im Laufe der Geschichte immer weiter heraus. Ganz langsam tritt das ganze Ausmaß dieser Familientragödie zutage und lässt mich etwas bestürzt zurück.

Ein großartiger Roman über Liebe, Leidenschaft, Geschwisterliebe und Schuld, der mich ab der ersten Seite berührt hat und den ich ohne Einschränkungen weiterempfehlen kann. Absolut lesenswert!

Ellen Sandberg
Der Verrat
Penguin Verlag, München

ISBN 9783328100904

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 30. Dezember 2018

Helen Fields: Die perfekte Unschuld

Dies war nach langer Zeit mal wieder ein Buch, bei dem ich mich geärgert habe, dass ich nicht so schnell lesen kann wie es die Spannung und der Drive vorgibt. Ich kam mir beim Lesen dieses in bester Tradition zu Ian Rankin und Val McDermid stehenden Thrillers vor wie eine Schnecke.

Die Handlung beginnt mit zwei Mordfällen in Edinburgh, die in einer Nacht geschehen. Das eine Opfer ist ein Mann, der inmitten eines Rockfestivals erstochen wurde. Er selbst hat getanzt und nicht viel verspürt, weil der Schnitt so schnell ausgeführt wurde. Die Geschwindigkeit der Tat ist aber auch der Grund dafür, dass der Täter auf den Überwachungskameras nicht zu erkennen ist. Das zweite Opfer ist eine Krankenschwester. Die Spurensicherung findet an beiden Tatorten nichts Verwertbares. Gekannt haben sich beide Opfer nicht. Die Polizei kann keinen Zusammenhang zwischen den Opfern herstellen, außer dass beide als „gute Seelen" galten, die hilfsbereit und freundlich gegenüber anderen waren.

Neben dem Tempo, der Spannung und den unüberschaubaren Konflikten hat mir die Figurenkonstellation ausnehmend gut gefallen. Hauptprotagonist ist Detective Callanach, der französische Wurzeln hat und wegen eines Vorfalls von Interpol zur Police Scotland versetzt wurde. Gegenspieler hat er in seinen Vorgesetzten und einem Nebenbuhler in Sachen sympathische Kollegin, zu der das private Verhältnis etwas enger werden könnte. Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven. Die Morde sind in extremster Brutalität dargestellt. Die Mordmethoden sind plausibel erklärt. Als Nichtfachmann kann ich nicht sagen, ob sie realistisch sind. Jedenfalls klingen sie so und eines baut logisch auf dem anderen auf. Im Kopfkino trieft das Blut.

Sicherlich hat die Schriftstellerin als Drehbuchautoren beste Erfahrungen mit der Dramaturgie eines mitreißenden Thriller, dessen Reihe nicht umsonst als eine der besten Krimiserien überhaupt eingestuft wird.

Für diesen Roman gebe ich also eine absolute Leseempfehlung für all jene Leser, die Thriller mögen.

Helen Fields
Die perfekte Unschuld

Aus dem Englischen von Frauke Meier
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404177950

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Samstag, 29. Dezember 2018

Ulrike Busch - Mordsverrat


Rufmord - aktuell, brisant - einfach gut

Bjarne Christoffers, Hotelier aus St. Peter-Ording trifft im Husumer Kommissariat auf die Kriminalhauptkommissare Fenna Stern und Tammo Anders um einen Rufmord, für den sie allerdings nicht zuständig sind, anzuzeigen. Durch negative Foreneinträge auf verschiedenen Hotelplattformen steuert sein Hotel Seezeit langsam aber sicher dem Ruin entgegen. Drahtzieher der Verleumdungskampagne, der auch andere Hoteliers aus dem Ort ausgesetzt sind, ist Lukas Harzog, selbst Hotelier und Betreiber dieser Hotelseiten. Nur durch Zahlung einer höheren Geldsumme kann man diese Kommentare löschen lassen. Nur ein Hotel, die Blaue Möwe, deren Mitinhaberin die Freundin von Harzog ist, bleibt von den schlechten Bewertungen verschont. Und kaum, dass Christoffers das Kommissariat verlassen hat, kommt die Meldung rein: Jessice Leverenz, Freundin von Harzog, liegt tot in ihrem Bett. Hat ihr Tod etwas mit dieser Rufmordkampagne zu tun?

Ich verfolge die Arbeit und die Fälle der Kommissare Stern und Anders schon seit einiger Zeit und habe die Beiden richtig in mein Herz geschlossen. Hier geht es um ein sehr aktuelles und brisantes Thema – Negativ-Kommentare im Internet. Hierbei handelt es sich nicht um konstruktive Kritik, sondern um den Versuch, den Gästen die Hotels madig zu machen. Toll finde ich die Einblicke in die Polizeiarbeit, wie man herausfinden kann, wer dafür verantwortlich ist.

Durch die vielen Dialoge und die bildreiche Erzählweise von Ulrike Busch hatte ich bald klare Bilder im Kopf und sofort lief mein Kino wieder auf Hochtouren. Ich habe mich auch diesmal wieder voll in die Vernehmungen einbezogen gefühlt, war immer als dritter Ermittler bei den Gesprächen und Verhören dabei. Trotz der ausführlichen Rekonstruktion des Tatherganges bei dem Mord von Jessica, bei dem es doch einige Verdächtige gibt, habe ich bis zum Schluss warten müssen, bis auch mir klar wurde, wer als Mörder infrage kommt.

Die Autorin beweist hier mal wieder, dass es auch ohne Blutvergießen geht, einen spannungsgeladenen Krimi zu schreiben. Sie schafft es sogar, immer wieder etwas Humoriges einfließen zu lassen, ohne den Spannungsbogen, der sich von Anfang an stetig weiter aufbaut, zu zerstören.

Neben dem spannenden Fall darf ich aber auch wieder am Privatleben der beiden Ermittler, die ja zwischenzeitlich verheiratet sind, teilhaben. Sie suchen weiterhin für sich, für Tammos Vater Frido und seine Frau Magda und für Fennas Töchter Fee und Fiona ein Mehrgenerationenhaus.

„Mordsverrat“ ist ein weiterer gelungener Krimi aus der Feder von Ulrike Busch. Gut recherchiert, interessante Protagonisten, clevere Täuschungsmanöver und ein Fall, der aktueller fast nicht sein kann, wurde ich auch diesmal sehr gut unterhalten. Und vielleicht kann ich ja bald mit Fenna und Tammo in ihr neues Haus einziehen.

Ulrike Busch
Mordsverrat
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783748118039

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 28. Dezember 2018

Ria Hellichten - Der Glanz des blauen Bandes

Tolle Geschichte, mit einer Protagonistin, die nicht meine Freundin wird.

Calliope, genannt Clio, will sich in ihrem Elternhaus in Timmendorfer Stramd erholen. Sie und ihr Ehemann Marcus wollen unbedingt Eltern werden. Aber seit einem Jahr geschieht nichts. In ihrem alten Zuhause hofft sie zur Ruhe kommen zu können. Aber dsann erreicht sie ein Brief von ihrem Exfreund Vincent, und die Vergangenheit, die Clio glaubte hinter sich gelassen zu haben, greift mit aller Macht nach ihr.

Durch diesen letzten Brief von Vincent reise ich mit Clio aus ihrem jetzigen Leben mit Marcus in Gedanken sieben Jahre zurück, in ihre Vergangenheit. In schonungsloser Offenheit berichtet ihr Exfreund von seinem Leben, das er bis hierher geführt hat. Und Clio - auch sie lerne ich ein klein wenig besser kennen.

Der Schreibstil liest sich leicht und flüssig und ich habe das Gefühl immer an Clios Seite zu sein und ihr über die Schulter zu schauen. Überhaupt gefällt mir der Teil der Geschichte in Briefform sehr gut. Durch den Brief bin ich auch Vince sehr nahe gekommen. Was ich von Clio nicht behaupten kann. Sie kommt mir oft zu kindlich, naiv und vor allem zickig rüber. Ihr Gehabe und Getue, ihre Gedanken und die beschriebenen Gefühle sind mir fremd geblieben. Mit ihr bin ich bis kurz vor Schluss nicht warm geworden.

Und obwohl ich mich mit der Hauptdarstellerin nicht richtig habe anfreunden können, habe ich das Buch gerne gelesen. Es hat alles, was ich be einem solchen Roman gerne dabei habe: eine leichte, leise, hintergründige Spannung, Drama, Liebe, Emotionen und Verstehen und ein Ende mit dem ich halbwegs leben kann.

Trotz meiner Kritikpunkte bekommt das Buch von mir 4 von 5 Sternen.

Ria Hellichten
Der Glanz des blauen Bandes
dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH

ISBN 9783960873945

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Donnerstag, 27. Dezember 2018

Romy Fölck - Bluthaus

Gelungene Fortsetzung!

Nachdem ich das erste Buch von Romy Falk „Totenweg“ im vergangenen Jahr verschlungen habe, war ich auf den zweiten Band sehr gespannt. Und ich bin für mein Warten belohnt worden.

Polizistin Frida Paulsen erholt sich von ihrem letzten Fall auf dem Apfelhof ihrer Eltern Fridtjof und Marta in der Elbmarsch. Gerade ihr Vater würde es gerne sehen, wenn sie den Obsthof übernehmen würde. Aber Frieda liebt ihre Arbeit bei der Polizei. Plötzlich meldet sich ihre Freundin aus Internatszeiten Johanna „Jo“ Arndt bei ihr. Sie hat in einem einsamen Haus auf der Halbinsel Holnis, das die Bewohner dort das Bluthaus nennen, eine von Messerstichen übersäte Frau gefunden, die in ihren Armen gestorben ist und befürchtet nun, als Täterin in Betracht gezogen zu werden. Als sie am nächsten Tag spurlos verschwindet, macht sich Frida große Sorgen. Zusammen mit Kriminalhauptkommissar Bjarne Haverkorn macht sie sich auf die Suche nach ihrer Freundin und dem Täter aus dem "Bluthaus".

Romy Fölck nimmt mich aber nicht nur mit auf Spurensuche in diesem neuen Fall. Ich werde auch zurückversetzt nach 1997, wo die Geschichte der Familie erzählt wird, die in diesem Haus gestorben ist. Es tun sich jede Menge Fragen auf: Wo ist die Tochter der Familie, die damals ermordet wurde? Wo ist Jo und hat sie etwas mit diesem Mord zu tun? Warum wurde die ehemalige BKA Kommissarin Catrin Conradi in diesem Haus und jetzt ermordet? Fragen, die nach und nach beantwortet werden, aber immer auch neue Fragen aufwerfen.

Die Spannung steigt ab der ersten Seite kontinuierlich an, die Seiten fliegen mir nur so durch die Hände. Ich war viele Seiten lang total gefesselt und die endgültige Auflösung hat mich doch überrascht. Wieder vergeht die Handlung ohne dass ich bei großem Blutvergießen dabei sein muss.

Ich lerne die beiden Ermittler wieder ein Stückerl näher kennen. Beide haben ihr Päckchen zu tragen, müssen oder wollen sich neu sortieren. Durch ihre erfrischende Art sind mir beide weiterhin sehr sympatisch und kommen sehr menschlich und real rüber. Dass Jo, die ich im Vorgängerband schon kennenlernen durfte, hier eine Hauptrolle spielt, hat mich sehr gefreut. Und obwohl sie unnahbar, irgendwie zerrissen und spröde erscheint, hab ich auch sie in mein Herz geschlossen.

Ein weiterer spannender, interessanter Fall, der mich gefesselt und sehr gut unterhalten hat. Protagonisten, bei denen ich die Gedanken gut nachvollziehen konnte und die sich menschlich weiterentwickelt haben. Und Geheimnisse aus der Vergangenheit, die endlich gelöst wurden. TOP!

Romy Fölck
Bluthaus
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Kate Dakota - Der Klang eines Augenblicks

Ní hé lá na gaoithe lá na scolb (Wir werden uns wiedersehen)

Ihr Vater John, ein nicht nur in Irland bekannter Kunsthistoriker, ist seit 20 Jahren tot. Und als nun auch ihre Mutter Mary an ihrem Krebsleiden gestorben ist, macht sich Brittany "Brit" Baxter auf die Suche nach der Wahrheit. War der Tod ihres Vaters wirklich ein Unfall oder war es, wie sie vermutet, Mord? Wird sie dieses Geheimnis lösen können? Und was erwartet sie sonst noch so auf der Grünen Insel?

Die junge Britt erwartet sehr viel auf der Insel, die sie zusammen mit ihren Eltern in ihrer Kindheit immer wieder besucht hat. Sie lernt Declan Conolly kennen, einen charismatischen Mann, der ihr bei der Suche nach der Wahrheit über den Tod ihres Vaters helfen soll. Er trägt ein Geheimnis mit sich, das es in sich hat.

Britt, Declan und seine Familie, und auch die anderen Mitwirkenden in dieser mysteriösen und fesselnden Kriminal- und Liebesgeschichte sind mir von Anfang an sehr sympathisch. Jeder hat seine kleinen Eigenheiten, Stärken und Schwächen, die sie alle menschlich, herzlich und liebenswert erscheinen lassen. Die vielen Dialoge lassen mich noch näher an den Protagonisten dran sein und ich kann ihnen auch in ihre Gedanken blicken.

Überhaupt gefällt mir der Schreib- und Erzählstil von Kate Dakota sehr gut. Sie spielt mit Emotionen genau so gekonnt und eindringlich wie sie Spannung in die Geschichte hinein bringt. Ich habe mich von der ersten Seite an hineingezogen gefühlt in diese Geschichte. Sie hat mich berührt, kurz zu Tränen gerührt, ich hätte auch gerne mal ein ernstes Wort mit Britt und Declan geredet. Kurz: Ich war gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite.

Sehr gut gefallen haben mir auch die Beschreibungen von den Orten, an die ich die beiden Hauptdarsteller begleiten durfte. Auch im Pub und beim großen Conolly-Fest habe ich mich gleich wohl und wie zuhause gefühlt.

Alles in allem eine berührende Liebesgeschichte, eingesponnen in einen spannenden Roman, mit Menschen, die man einfach gernhaben muss. Den Namen "Kate Dakota" werde ich mir ab jetzt merken!

Kate Dakota
Der Klang eines Augenblicks
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783958183575

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 25. Dezember 2018

Daniel Reinhard - Der Münchner Parkhausmord

Der Parkhausmord von München

Am 15.05.2006 wird die Millionärin Charlotte Böhringer in ihrer Wohnung über der ihr gehörenden Parkgarage in München erschlagen. In einem spektakulären Indizienprozess wird ihr Lieblingsneffe Benedikt "Bence" Toth wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute ist ein Unterstützerkreis aus Familie und Freunden von der Unschuld Bences überzeugt. Auch Bence selbst bestreitet die Tat bis heute.

Daniel Reinhard hat sich mit diesem Sachbuch auf die Suche nach der Wahrheit gemacht. Er kommt zu dem Schluss, dass es sowohl bei der Staatsanwaltschaft als auch bei der Verteidigung zu Ungereimtheiten gekommen ist; dass Sachen, die nicht gepasst haben, passend gemacht wurden. Es ist spannend und interessant zu lesen, aus welcher Sicht der Autor die verschiedensten Indizien sieht. Sehr gut finde ich, dass er Tatsachen, Indizien und verschiedenste Aspekte beleuchtet und genauestens aufführt. Sein Urteil kann sich der Leser nach all diesen Ausführungen selbst bilden.

Mich haben gerade die Ungereimtheiten, die Widersprüche, in die sich der Angeklagte immer wieder verstrickt hat und die Halbwahrheiten zu einem negativen Bild von ihm kommen lassen. Der Richter, der zu diesem Fall Recht zu sprechen hatte, war nicht zu beneiden. Und ich bin gespannt, ob es jemals zutage treten wird, ob Bence Toth wirklich seine Strafe zu Unrecht verbüßt hat.

Es ist mir selten so schwer gefallen ein Buch bzw. einen Fall zu bewerten. Aber die Ausführlichkeit und die Zusammenfassung haben mich stark beeindruckt. Daher bekommt das Buch von mir eine klare Leseempfehlung.

Daniel Reinhard
Der Münchner Parkhausmord
BoD Verlag, Noderstedt

ISBN 9783752848205

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 24. Dezember 2018

Izabelle Jardin - Goldfields

Starke Frauen!

Ich liebe die Romane von Izabelle Jardin, bei denen ich die Figuren nicht nur in der Gegenwart sondern auch in der Vergangenheit begleiten darf. Auch mit dieser Geschichte hat mich die Autorin sofort gefangen, gefesselt und absolut begeistert.

Robin Alexander ist verheiratet, Mutter eines Sohnes, vor allem sehr zielstrebig und ehrgeizig. Als sie bei einer Beförderung mal wieder übergangen wird, weil sie noch im gebärfähigen Alter ist, schmeißt sie ihren Job hin. Zuhause allerdings fühlt sie sich total unterfordert, was das Privatleben sehr belastet. Bei einem Sommerfest auf einem alten englischen Landsitz lernt sie Margaret Thornton kennen, die ihr die Geschichte ihrer Großmutter Beatrice Ames erzählt, die im Jahr 1851 in London beginnt.

Beatrice Ames, eine willensstarke, rebellische, verletzliche junge Frau, die für die Gleichstellung der Frauen kämpft, wird von ihrem intriganten und unsympathischen Bruder nach Australien verbannt. Auch auf der Überfahrt lässt sie nicht ab von ihrem Kampf für die Schwachen und Unterdrückten. Und in ihrer neuen Heimat zeigt sie sich weiterhin unbeugsam und scheut sich auch nicht für ihre Anliegen als Mann aufzutreten.

Bei Izabelle Jardin sind es nicht nur die Hauptfiguren, die mich anziehen. Gerade die Nebendarsteller machen die Geschichte erst interessant und rund. Hier begegne ich auch Faye und Constantin wieder, die ich bereits in „Funkenflug“ kennengelernt habe. Und Beatrice, die dort eine Nebenrolle gespielt hat, bekommt hier nun ihren großen Auftritt. Das sind für mich immer diese „ah, wie schön“-Momente, bei denen ich mich noch mehr in die Geschichte hineingezogen fühle.

Alle Figuren haben ihre Eigenarten, ihre Ecke und Kanten, sind gut vorstellbar gezeichnet und ich kann ihr Tun und Handeln und ihre Gedanken sehr gut nachvollziehen. Die meisten sind mir sofort sympathisch. Aber es gibt auch den ein oder anderen Charakter, der es nicht schafft, mich für ihn einzunehmen.

Dies ist in erster Linie kein Liebesroman. Er zeigt die Stärken, die Hoffnungen und Träume, die Krisen und den Kampf um Gleichberechtigung einer jungen Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Wenn ich das lese, bin ich immer wieder froh in der Jetztzeit geboren zu sein.

Ich liebe den Schreib- und Erzählstil der Autorin. Sie versteht es mit Worten zu jonglieren und mir damit jede Szene der Handlung direkt vor Augen zu führen. Vor allem trifft sie auch meine emotionale Seite, bei der sich auch mal ein Tränchen raus gedrückt hat. Beim Lesen ihrer Bücher vergesse ich Raum und Zeit und lass mich einfach in eine andere Welt entführen.

Die Geschichte in der Gegenwart erzählt Robin in der Ich-Form, die Vergangenheit gibt Margaret Thornton weiter. Hier wie da fühle ich mich mitgenommen und reingezogen in die jeweilige Epoche.

Das Ende hat mich auch hier wieder total begeistert und ich habe mir die großen Augen von Constantins Vater vorgestellt, der nun hoffentlich zufriedengestellt ist und seine Schwiegertochter Faye akzeptiert.

Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und aufzeigt, was Frauen alles bewirken können und wie weit wir mit unserem Kampf um Gleichberechtigung schon gekommen sind. Und das wir nie aufgeben dürfen.

Izabelle Jardin
Goldfields
Tine & Feder Verlag, München

ISBN 9782919803699

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 23. Dezember 2018

Anika Landsteiner - Mein italienischer Vater

Eine erfolgreiche Suche nach der eigenen Identität.

Laura Wind ist 29 als sie ihre Mutter Magdalena verliert, die nicht nur Mutter, sondern auch Freundin und Vertraute für sie war. Ihren Freund Daniel verläßt Laura, als sie erfährt, dass seine Exfreundin ein Kind von ihm bekommen wird. Ihr Leben scheint in Trümmern zu liegen, als sie sich entschließt ihre Wurzeln in Italien aufzuspüren.

Anika Landsteiner hat mich mit diesem Buch von Beginn an in ihren Bann gezogen. Sind es die wundervollen Beschreibungen der italienischen Südostküste? Sind es die so unterschiedlichen, aber wunderbaren Menschen, die ich hier kennenlernen darf? Ist es die Geschichte vom Suchen, von Verlust und einer Reise zu sich selbst?

Ich denke, es ist von allem ein bisserl, was den Reiz dieser eher melancholischen, wunderschönen Geschichte ausmacht.

Da ist zum einen das Setting: der Gargano an Apuliens Ostküste, dem Sporn am Stiefel Italiens. Hier meine ich die salzige Luft riechen zu können. Würde mich am liebsten gleich ins Auto setzen und dorthin fahren, wo es jährlich viele tausend Urlauber hin treibt. Wo aber um diese Zeit höchstens ein Jogger seine ahn zieht oder eine Abfalltüte über den Bürgersteig weht.

Da sind zum anderen die Menschen, denen Laura dort begegnet. Ihrem Vater Emilio, der sich beide Unterschenkel gebrochen hat und nun erst mal im Rollstuhl sitzt. Er muss sich erst mit der neuen Situation – meine Tochter ist hier – auseinandersetzen.

Gianna, eine alte Freundin ihres Vaters, bei der es eine ganze Zeit braucht um mit ihr warm zu werden. Nach einem Knall, bei dem auch Lauras italienisches Temperament zum Ausbruch kommt, klärt sich die Situation. Sie müssen ja keine Freundinnen werden. Aber sie lernen sich zu arrangieren und vor allem zu respektieren.

Aber auch die anderen Figuren, Luca, Pino und Rio z.B. sind alle lebhaft, mit Ecken und Kanten, nicht fehlerfrei, sehr menschlich und gut vorstellbar beschrieben.

Was für mich den ganz besonderen Reiz dieser Geschichte ausmacht, ist vor allem auch der Schreib- und Erzählstil von Anika Landsteiner. Sehr einfühlsam, sehr emotional, aber auch mit einer gewissen Grundspannung, die sich bis zum Schluss hält, lerne ich die Vergangenheit und deren Wirken bis in der Gegenwart kennen und verstehen. Dazwischen immer die Leichtigkeit des italienischen Lebensgefühles. Nicht zu vergessen, das leckere Essen, das immer wieder erwähnt wird.

Und ich würde Laura so gerne auf dieser Reise mit der Transsibierischen Eisenbahn begleiten.

Ein wundervolles Buch voller Abenteuer, Leben, Liebe, Trauer, Fernweh, Familie und der Suche einer jungen Frau nach ihrer Zugehörigkeit. Und auch wenn die Geschichte ein paar Längen hat, sollte man doch jede Zeile der Geschichte genießen.

4,5 von 5 Sternen


Anika Landsteiner
Mein italienischer Vater
Diana Verlag, München

ISBN 9783453292161

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 22. Dezember 2018

Maria Nikolai - Die Schokoladenvilla

Ein wunderbares erstes Buch der Schokoladen-Trilogie!

Die 21-jährige Judith Rothmann, Tochter des Schokoladenfabrikanten Wilhelm Rothmann in Stuttgart, ist für die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts eine sehr modern eingestellte junge Frau. Sie würde gerne in der Schokoladenfabrik mitarbeiten, wovon der patriarchischen Vater, der sie schnellstmöglich gewinnbringend verheiraten will, gar nichts wissen will.

Victor Rheinberger, ehemaliger Strafgefangener der Haftanstalt Ehrenbreitstein in Koblenz, hat es für einen Neuanfang nach Stuttgart verschlagen. Als er die 8-jährigen Zwillinge Karl und Anton Rothmann, die mal wieder nichts wie Unfug im Kopf haben, nachhause bringt, trifft er auf Judith. Zu seinem großen Glück bekommt er eine Anstellung in der Schokoladenfabrik. Dort kreuzen sich die Wege der beiden jungen Leute immer wieder.

Maria Nikolai nimmt mich mit in das Stuttgart Anfang des 20. Jahrhunderts. In eine Zeit der Neuerungen und des Umbruchs. Den Duft und den Geschmack von Kakao und Schokolade hatte ich während des Lesens immer wieder in der Nase und auf der Zunge.

Judith und ihre Mutter Helene sind zwei Frauen, die sich nicht in das Korsett des Gehorsam und des Heimchens am Herd pressen lassen wollen. Helene entgeht dem häuslichen Alltag durch ein Nervenleiden, das sie am Gardasee auskuriert und nun schon Monate von zuhause weg ist. In dieser Zeit hat Judith dafür zu sorgen, dass im Hause Rothmann alles seinen geregelten Gang geht. Was gerade bei den Zwillingen Karl und Anton, die nichts als Schabernack im Sinn haben, nicht so einfach ist. Aber sie hat ja ihre Zofe Dora, die ihr bedingungslos zur Seite steht.

Wilhelm ist ein Patriarch des alten Schlages. Konservativ und auf Alleinherrschaft bedacht führt er sein Unternehmen und auch zuhause muss alles nach seinem Willen laufen.

Ich lerne aber nicht nur privilegierte Menschen aus dem Stuttgart der damaligen Zeit kennen. Auch mit den Arbeiterinnen in der Schokoladenfabrik und den Angestellten im Hause Rothmann, mit denen gerade Judith sehr menschlich und zugewandt umgeht, komme ich zusammen. Maria Nikolai versteht es hervorragend, die gravierenden Unterschiede der Lebensumstände, der gesellschaftlichen und sozialen Probleme dieser Menschen in die Geschichte aufzuzeigen und einzuweben. Auch bei dem niederen Volk regt sich langsam der Wille zu Veränderung.

Ich tauche ein in eine Geschichte, in der es hauptsächlich um Judith geht, die mit dem

Mann, den sie heiraten soll, überhaupt nicht einverstanden ist und sich gegen diese Heirat wehrt. Es war sehr schön für mich, die junge Frau auf ihrem rebellischen Weg ein Stück begleiten zu dürfen.

Was mir auch sehr gut gefallen hat, dass ich auch im Sprachgebrauch um ein Jahrhundert zurück geworfen wurde. Dadurch kamen mir die Personen in ihrem Wirken und Denken noch ein Stück näher und realer vor. Überhaupt merkt man, dass die Autorin sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat – hier in Stuttgart und auch am Gardasee, wohin es mich mit Helene immer wieder verschlägt.

Ein Personenregister, ein Glossar und die Erläuterung einiger historischer Hintergründe runden den ersten Teil der Trilogie ab.

Obwohl es sich bei diesem Buch um den ersten Band zu einer Trilogie handelt, ist die Geschichte hier sehr gut abgeschlossen und lässt mich dennoch erwartend zurück. Ich freue mich schon sehr auf ein Wiederlesen mit Judith, den Zwillingen, die eine Portion Humor in die Geschichte eingebracht haben und auf Victor, den charismatischen Mann, den sich wohl jede Frau als Partner wünschen würde.

Von mir bekommt das Buch die volle Punktzahl: 5 von 5 Sternen.

Maria Nikolai
Die Schokoladenvilla
Penguin Verlag, München

ISBN 9783328103226

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 21. Dezember 2018

Ann-Kristin Vinterberg - Schneefrau küsst Schneemann

Winterliche Reise zum Kattegat.

Es ist ein unwirtliches Wetter am Kattegat. Die schwangere Liv Kirkegaard will nur noch weg aus Aalborg und ihrem prügelnden Ehemann Martin. Nun sieht sie die Straße vor lauter Schneegestöber nicht mehr und versenkt ihr Auto in einer Schneewehe im Nirgendwo.

Tierarzt Rune Madsen, den sie fast umgefahren hätte, zertrümmert mit einem Stein das Seitenfenster um Liv zu helfen. Das erste Missverständnis, dem noch einige folgen werden …

Ann-Kristin Vinterberg nimmt mich in ihrer ersten kurzen Geschichte um die Familie Madsen mit ans Kattegat zu Rune, dem Tierarzt. In seiner ungekünstelten, zugewandten, charismatischen Art ist er mir von Anfang an sympathisch. Die Frauenherzen scheinen ihm zuzufliegen; er aber will von einer Frau höchstens einen One-Night-Stand. Genau so gerne mag ich Liv, die zwar anfangs etwas störrisch wirkt, im Laufe der Geschichte aber zeigt, dass sie eigentlich eine ganz liebe ist, der nur zeitlebens böse mitgespielt wurde. Die Dialoge der Beiden sind so menschlich, so gut nachzuvollziehen, dass ich sofort mittendrin war in dieser Geschichte. Trotzdem dauert es sehr lange, bis sich die Beiden aufeinander einlassen können. Dina, die Nachbarin von Rune dagegen mag ich von Anfang an nicht. Warum? Das lest doch einfach selbst.

Für mich war diese erste Geschichte um die Familie Madsen viel zu schnell ausgelesen. Aber im Anhang bekomme ich eine erste Leseprobe zu „Der Duft von Borken Leaf“, wo es um Runes Schwester Klara geht, die auch schon richtig liebgewonnen habe.

Und als besondere Schmankerl bekomme ich einige dänische Weihnachtsrezepte. Ich liebe Milchreis und werden den Risalamande mit einer exra Mandel bestimmt mal nachkochen. Und auch das Marzipankonfekt liest sich sehr lecker.

Alles in allem ein wunderschönes kleines Buch mit Wendungen und Missverständnissen, bei dem ich träumen konnte, ein paar Tränchen verdrückt habe, sehr gut unterhalten wurde und mich nun auf die Fortsetzung freue.

Ann-Kristin Vinterberg
Schneefrau küsst Schneemann
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783748135388

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Petra Schier - Ein Weihnachtshund auf Glücksmission

Eine wunderbare, gefühlvolle Weihnachtsgeschichte.

Was für eine wunderschöne vorweihnachtliche Geschichte, die Petra Schier hier wieder geschrieben hat. Zusammen mit Santa Claus, den Elfen und Border Collie Asco gehe ich auf Glücksmission und versuche zwei Menschen, die sich nicht trauen zu ihrer Liebe zu stehen, zueinander zu führen.

Annalena Kilian, erfolgreiche Sachbuchautorin, hat mit Christian Bonner vor vielen Jahren unschöne Erfahrungen gemacht, die sie nicht aus ihrem Kopf und besonders aus ihrem Herzen bekommt. Als Christian nun wieder in seiner Heimatstadt auftaucht, und sich auch noch herausstellt, dass er das rechtmäßige Herrchen von Asco, einen Hund aus dem Tierheim ist, den Annalena adoptiert hat, kreuzen sich ihre Wege automatisch. Kann hier ein Weihnachtswunder wahr werden?

Der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos. Petra Schier schafft es mit ihrem herzlichen, emotionalen und teils humorigen Schreibstil mich direkt in das weihnachtliche Geschehen hinein zu ziehen. Leicht und flüssig fliegen die Seiten durch meine Hände. Besonders schön finde ich die Musikstücke, die in die Geschichte eingewebt sind und die ich beim Lesen sofort im Kopf habe.

Die Charaktäre werden bildhaft und menschlich beschrieben. Ihre Stimmungen, ihre Gefühle und ihre Emotionen kann ich sehr gut nachvollziehen.Manche sind mir von Beginn an sympathisch. Wie z.B. Christian, der sich liebevoll um seine beiden Stiefschwestern Senta und Mariella kümmert. Oder Elena, Annalenas Schwägerin, die ein wahrer Wirbelwind ist. Ganz besonders natürlich Annalena selbst. An erster Stelle bei diesem Sympathieranking steht allerdins ein Hund: Asco, der mir seine Gedanken anvertraut, und der alles tut, damit Frauchen und Herrchen zusammen kommen und vielleicht auch bleiben. Bei Anderen dauert es ein Weilchen um mit ihnen warm zu werden. Aber im Grunde versucht jeder sein Bestes um aus der Vorweihnachtszeit etwas Besonderes zu machen. Sogar Annalenas Eltern.

Aber nicht nur die weihnachtliche Stimmung findet eingang in die Geschichte. Es geht auch um Alkoholmissbrauch, Agressionsverhalten und Kindesvernachlässigung. Alles aber so gekonnt in das Leben der Protagonisten eingearbeitet, dass es absolut zum Geschehen passt und die Stimmung nicht trübt.

Ein wunderbar unterhalsamer Roman, der mich für ein paar Stunden in eine andere Welt entführt hat.

Dafür gibt es von mir eine Leseempfehlung und die volle Punktzahl: 5 Lesesterne.

Petra Schier
Ein Weihnachtshund auf Glücksmission
Weltbild Verlag, Augsburg

ISBN 9783959736862

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 18. Dezember 2018

Nora Fraisse - Marion, für immer 13

Wie man eine Mutter allein gelassen hat.

Es ist mir noch nie so schwer gefallen zu einem Buch mit einer realen Erfahrungsgeschichte eine Rezension zu schreiben, wie diesmal.

Marion Fraisse ist gerade mal 13 Jahre alt, als sie nach den verschiedensten Mobbingattaken einiger ihrer Mitschüler keinen anderen Ausweg sieht und sich in ihrem Kinderzimmer das Leben nimmt. Für eine Mutter, in diesem Fall Nora Fraisse, ist das das Schlimmste, was passieren kann. Doch diese starke, von Schuldgefühlen, Trauer und Wut gebeutelte Frau will unbedingt wissen, warum ihre kleine Tochter diesen letzten grausamen Schritt gewählt hat.

Nora Fraisse schildert eindringlich, was sie bei der Suche nach der Wahrheit alles erlebt hat. Wie sie gerade von Marions Schule, vor allem dem Direktor, immer wieder Ablehnung und Ignoranz erfahren hat. Die den "Fall" als familienintern abtun. Nach dem Motto: Was nicht sein darf, ist auch nicht. Aber auch bei den Behörden stößt sie immer wieder auf Ablehnung. Hilfe kann sie anfangs von keiner Seite erwarten.

In diesem Buch bekomme ich keine interessante Familiengeschichte geliefert, sondern einen Tatsachenbericht über die Gründe des Tod eines kleinen Mädchens und der verzweifelten Suche einer Mutter nach Gerechtigkeit und Wahrheit.

Noras und Marions Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt und tief berührt. Ich habe beim Lesen immer wieder den Kopf geschüttelt, weil ich bis jetzt nicht begreifen kann, wie man eine trauernde Mutter, die doch nur verstehen will, so allein und sich selbst überlassen kann.

Was mich anfangs etwas gestört hat, sind die vielen Wiederholungen. Aber ich denke, Nora Fraisse brauchte diese immerwiederkehrenden Erinnerungen, die sie hier niederschreibt, um mit ihrem Leid und ihrer Trauer besser fertig werden zu können. Schlimm finde ich auch, dass sie über der Suche nach der Wahrheit ihre beiden anderen Kinder fast vergessen hat. Dass sie das aber zugibt, hat mich wiederrum sehr berührt.

Ich hoffe sehr, dass viele Jugendliche und Eltern dieses emotionale, erschütternde, aus dem Leben erzählende Buch lesen und sie dadurch sensibilisiert und aufgerüttelt werden, damit Mobbing schon in seinen Anfängen erkannt und abgewendet werden kann. Man darf seine Augen und sein Herz nicht davor verschließen.

Nora Fraisse
Marion, für immer 13
Aus dem Französischen von Monika Buchgeister
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404610112

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Olaf Lahayne - Schöne Bescherung!


Weihnachtliche Anthologie

Mit 12 Geschichten, die für jeden Geschmack und für jedes Genre etwas bereit halten, hat Olaf Lahayne mit die Wartezeit auf Weihnachten verkürzt. Mit seiner breit gefächerten Schreibkunst verzaubert mich der Autor mit Mystischem, regt mich zum Nachdenken an und entführt mich zurück bis zur Zeit um Jesu Geburt. Aber auch einen Krimi bekomme ich vorgesetzt, genau so wie launige Unterhaltung.

Die Stories sind alle unterschiedlich lang und lassen sich leicht und zügig lesen. Hier und da halten auch österreichische Ausdrücke einzug, die vielleicht nicht jeder kennt, die sich aber durch den Text selbst erklären.

Wer also gerne gut gemachte kleine Weihnachtsgeschichten liest, der ist hier genau richtig.

Olaf Lahayne
Schöne Bescherung!
BoD Verlag, Noderstedt

ISBN 9783748180807

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 17. Dezember 2018

Petra Durst-Benning - Die Fotografin: Am Anfang des Weges

Die Geschichte einer Wanderfotografin.

Als Minna Rewentlov, genannt Mimi, von ihrem Freund Heinrich Grohe einen Heiratsantrag bekommt und er ihr in den schönsten Farben das Leben einer Pfarrersfrau auf dem Land schmackhaft machen will, bleibt ihr erstmal die Sprache weg. Jedoch anstatt zu heiraten, fährt sie, die von ihrem Onkel Josef die Liebe zur Fotografie angenommen hat, wie er selbst auch, als Wanderfotografin durch die Lande und erarbeitet sich durch die unkonventionelle Art ihrer Bilder bald einen sehr guten Ruf. Als Onkel Josef, der sich in Laichingen auf der Schwäbischen Alb niedergelassen hat, sehr krank wird, ihre Mutter aber keine Anstalten macht, ihren Bruder zu pflegen, übernimmt sie dies selbst. Sie eröffnet das Fotostudio ihres Onkel wieder und will solange bleiben, bis ihre Mutter Muße findet, sich um ihren Bruder zu kümmern ...

Mit ihrem angenehm leicht zu lesenden Schreibstil hat mich Petra Durst-Benning direkt hineingezogen in den kleinen Ort Laichingen und in das karge Leben auf der Alb, wo die Leinweber zuhause sind. Hier lerne ich ausser Mimi, die eine für diese Zeit schon sehr starke und eigenständige Frau ist, auch einige Mitglieder der Leinweberfamilien und deren Arbeitgeber kennen. Die Armut, das Leid, das Ausgebeutet werden und das karge Leben, das dort herrscht, haben mich doch demütig werden lassen, da ich heute in einer so ganz anderen Zeit leben darf.

Mimi ist mir von Anfang an mit ihrer mitfühlenden Art Anderen gegenüber, ihrer leidenschaftlichen Art gegenüber ihrer Arbeit mit den Bildern, die sie macht und ihrer Unangepasstheit sehr sympathisch. Da kann auch ein Webereibesitzer daher kommen und sie gibt ihm Kontra. Überhaupt kann ich in dieser Geschichte meine Sympathien schnell vergeben. Aber es gibt auch ein paar Menschen, die sich sehr schwer tun, mich von ihnen zu überzeugen.

Mit ihrer einfühlsamen, sehr bildlichen und manchmal humorigen Art zu erzählen führt mich Petra Durst-Benning durch den kleinen Ort, so daß ich meine mich hier schon auszukennen. Die Postkarten, die Mimi in Auftrag gibt habe ich direkt vor Augen Und auch als die Jungs in ihren Konfirmandenanzügen im Atelier sitzen um zu ihrem großen Tag fotografiert zu werden, habe ich sie direkt im Kopf. Und ich meine ihre Gedanken lesen zu können, wenn sie sich mit Landkarten oder der Malerei beschäftigen.

Die immer wieder einfließenden historischen Informationen sind so gekonnt in die Geschichte hineingewebt, dass es sogar Spaß macht noch etwas zu lernen und Neues zu erfahren. Ich kann nur ahnen, wieviel Recherche hinter dem Buch stecken mag.

Ich habe es sehr genossen, einen ersten Einblick in das Leben von Mimi Rewentlov und den Laichingern zu bekommen. Und ich feue mich schon sehr auf die Fortsetzung dieser interessanten Familiengeschichte, die für mich einige Fragen offen gelassen hat.

5 von 5 Sternen!

Petra Durst-Benning
Die Fotografin - Am Anfang des Weges
blanvalet Verlag, München

ISBN 9783764506629

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Natasha Korsakova: Tödliche Sonate

Die Autorin ist Violinsolistin und reist für Konzerte um den gesamten Globus, aber immer wieder auch nach Rom. Der vorliegende Roman ist ihr Debütroman. Wen wundert es, dass das Thema dieses Kriminalromans die klassische Musik, Stradivaris Violinen und das Business drumherum sind?

Die hochangesehene Inhaberin einer Künstleragentur wird ermordet aufgefunden. Doch wer auf der prominenten Leiter steht, wird auch angefeindet. Sowohl von abgewiesenen Künstlern, von Wettbewerbern, Mitarbeitern und nicht zuletzt von Familienangehörigen. Der Commissario Di Bernardo hat es nicht leicht, zusammen mit seinen Kollegen den Dschungel an Lügen, Intrigen, Wahrheiten und Halbwahrheiten zu lichten.

Was kann der Leser erwarten? Zunächst einen durchaus spannenden Krimi mit interessanten Verwicklungen. Dann einen faszinierenden Regionalbezug zum Schauplatz Rom. Als Kontrast zu den Romanen von Donna Leon eine angenehme Alternative. Die umfangreichen Beschreibungen lassen den Leser durch die Stadt reisen. Als drittes erfährt der Leser sehr viel über das Konzertgeschäft rund um die klassische Musik im Allgemeinen und die Geschichte der Geigenherstellung im Besonderen. Sehr gut gefallen haben mir die historischen Kapitel, die in der Werkstatt Stradivaris im Jahre 1716 beginnen. Sie begleiten die Ermittlungen den gesamten Roman hindurch. Doch der Leser sollte dabei nicht vergessen, dass es sich um einen fiktiven Roman handelt. Auch wenn große Teile der Historie entnommen sind, stimmt deswegen nicht alles, was geschrieben steht. Korsakova stellt dies im Nachwort auch eindeutig klar, weshalb ich unbedingt empfehle, das Nachwort tatsächlich erst nach dem Ende des Romans zu lesen. Mit dem Wissen des Nachworts ist der Krimi vielleicht nicht ganz so spannend, aber nur vielleicht.

Ein Manko allerdings sind die unendlich vielen italienischen Namen. Jede Nebenfigur, und wenn es nur der Briefträger auf der Straße ist, hat einen vollständigen Namen bekommen. Das ist verwirrend und zu viel des Guten.

Trotz allem bietet der Roman spannende und interessante Unterhaltung.

Natasha Korsakova
Tödliche Sonate
Heyne Verlag, München

ISBN 9783453422674

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Sonntag, 16. Dezember 2018

Michael Gerwien - Wolfs Killer

Leichen pflastern seinen Weg!

Genau so schlag- bzw. schießkräftig wie in manchem Western geht es auf der letzten Etappe von Wolf Schneider zu, der doch nur den Mann finden will, der seine Frau Rebekka und seinen besten Freund Roman ermorden ließ. Auf der Suche nach ihm und dem kriminellen amerikanischen Politiker Arthur Smith bzw. dessen Frau Jane verliert so mancher sein Leben. Ob das viele Blutvergießen, die vielen Leichen Wolf´s Suche wert sind? Das müsst ihr beim Lesen schon selbst herausfinden.

Nach "Schattenkiller" und "Schattenrächer" ist dies nun der 3. und leider letzte Teil der Thriller-Trilogie von Michael Gerwien um den Journalisten Wolf Schneider. Da in allen drei Büchern sehr viel passiert, was für den jeweiligen Fortgang der Geschichte relevant ist, würde ich empfehlen, die Bücher nach ihrem Erscheinen zu lesen. Mir hätten sonst zu viele Hintergrundinformationen gefehlt.

121 kurze Kapitel verteilt auf 347 Seiten machen das Lesen dank dem leichten, manchmal etwas spöttischen oder ironischen Schreibstil leicht und angenehm. Ich bekomme es hier mit sechs verschiedenen Schauplätzen, das weite Meer nicht mitgerechnet, zu tun. Die Spannung steigt ab der ersten Seite und der Bogen hält sich trotz der dauernden Sprünge von einem Land ins Andere, von einer Stadt zur Anderen und den vielen handelnden Personen, weitestgehend hoch. Einige der Personen begleiten mich schon seit Band 1. Andere lerne ich erst hier kennen. Alle haben ihre ganz besonderen Eigenheiten. Etwas was ich an Schneider gar nicht mag – er kokst mir einfach zu viel. So gewalttätig dieser Thriller auch ist, habe ich an einer ganz bestimmten Stelle doch lachen müssen. Dieses Buch bietet wirklich von jedem für jeden etwas. Und genau diese Abwechslung ist es, die mir an der Serie so gut gefallen hat.

Einiges erscheint konstruiert, manches ist mir fast zu brutal, alles ist gut vorstellbar beschrieben. Vor allem das Ende hat mich dermaßen überrascht. Das hätte ich Anton jetzt wirklich nicht gewünscht.

Ich bekomme einen Mix aus Rache, Gier, Leidenschaft, Brutalität und Machtspielchen. Und auch diesmal hatte ich wieder einige sehr lebendige und actionreiche Lesestunden.

Hierfür vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.

Michael Gerwien
Wolfs Killer
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839223536

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 15. Dezember 2018

Cara Hunter - Sie finden Dich nie

Nichts ist wie es scheint.

Boah, was für eine Geschichte, die mich bestimmt nicht so schnell los lässt.

Während einer Party im Garten ihrer Eltern mit ihren Schulfreunden und deren Eltern verschwindet die 8-jährige Daisy Manson spurlos. Niemand hat sie gesehen, niemand weiß etwas. Detective Inspector Adam Fawley und sein Team ermitteln fieberhaft, aber ausser Indizien finden auch sie keinen Hinweis auf das Verbleiben des Mädchens. Daisy ist und bleibt verschwunden.

Sehr viele Dialoge, Rückblenden in die Vergangenheit und kleine Posts von Radio- oder tv-Sendern und vor allem auf Twitter lockern die Ermittlungen, die sehr zäh laufen, auf und die Spannung steigt stetig weiter an.

Cara Hunter erzählt eine spannende und sehr abwechslungsreiche Kriminalgeschichte. Von einem zum anderen Kapitel bin ich mehr dabei und spekuliere mit, was da wohl geschehen sein mag. Ich folge ihr auf Spuren, die sie für den Leser auslegt, um dann zu erfahren – hier geht´s nicht weiter. Ihr Schreibstil ist leicht, locker und flüssig und die Kapitel rauschen nur so an mir vorbei. Sie hat mich mit ihrem Debüt um Detective Inspector Adam Fawley richtig eingefangen.

Ab der ersten Seite bin ich mitten in den Ermitlungen und voll dabei. Viele kleine Spuren, die immer wieder ins Nichts führen oder sich nur schwer beweisen lassen. Eltern, die wie es den Anschein hat, keinen Wert auf tiefergreifende Ermittlungen haben und nur mit sich selbst beschäftigt sind. Nach aussen aber den Eindruck tiefer Trauer vermitteln wollen. Nachbarn, die bis auf ganz wenige, nichts gesehen und gehört haben wollen.

Sehr vielfältige und vielschichtige Personen begleiten mich auf meinem Weg durch das Buch. Die Mutter erscheint kalt und herzlos, der Vater liebt seine "Prinzessin" abgöttisch und Bruder Leo kämpft mit seinen eigenen Dämonen. Auch die Vergangenheit hält Tatsachen für mich als Leser bereit, die noch weit in die Gegenwart hineinspielen. Es ist schlimm zu lesen, was diese beiden Kinder in ihrer Familie erdulden müssen und wie die Erwachsenen miteinander umgehen.

Aber nicht nur die Familie Manson hat ihr Päckchen zu tragen, auch bei den Mitgliedern der Polizei läuft nicht alles rund. So hat z.B. Adam Fawley einen ganz besonderen Bezug zu diesem Fall. Und Detectiv Constable Chris Gislingham wird aus persönlichen Gründen vom Fall abgezogen. Aber mehr verrate ich nicht.

Ich hatte den Fall für mich schon gelöst geglaubt und abgeschlossen, da kommt ein Ende mit einer Auflösung daher, die ich so überhaupt nicht erwartet hatte. Ich bin begeistert von dieser letzten Wendung, aber auch irgendwie schockiert. Das I-Tüpfelchen, das den Fall so ganz besonders macht.

Eine für mich neue Autorin mit einem interessanten und spannenden Fall, der auch zeigt, was die sozialen Netzwerke so anstellen können. Ich bin begeistert!

Cara Hunter
Sie finden Dich nie

übersetzt von Iris Hansen, Teja Schwaner
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746633589

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 14. Dezember 2018

Preis / Schreinlechner - 111 schaurige Orte in der Steiermark, die man gesehen haben muss

Gruselige Steiermark!

Mit seinem etwas anderem Reiseführer gibt Robert Preis, ergänzt durch die tollen Fotos von Niki Schreinlechner, einen spannenden und interessanten Überblick über 111 schaurige Orte in der Steiermark, die man gesehen haben sollte.

Ich lese teils Bekanntes, teils unbekannte Geschichten und Legenden. Egal ob ich mich in Graz, Altenmarkt, Eisenerz, Fischbach, Fürstenfeld, Gröbming, Kindberg, Leoben, Pöllau, Tragöß oder Wies befinde – immer hat der Autor eine unterhalzsame Geschichte für mich bereit. Hier und da läuft mir beim Lesen ein leichter Schauer über den Rücken. Einfach gruselig, wieviel Grausamkeit und Brutalalität es in diesem wunderschönen Fleckchen Erde schon gegeben hat.

Eine Doppelseite der Steiermark und ihren Orten und eine Seite der Landeshauptstadt Graz, auf denen die Strellen markiert sind, die im Buch beschrieben werden, machen den Führer richtig rund. Dazu die Vorstellung von 4 Krimis, die alle in Graz gesettet sind und die Vorstellung 9 weiteren Führern quer durch Österreich.

Intertessant finde ich auch die Erwähnung von verschiedenen Internetseiten und die vielen Literaturhinweise. Hier habe ich schon einige Bücher gesehen, die ich gerne noch lesen würde.

Der Autor und der Fotograf stellen sich ganz zum Schluss auch noch vor.

Ein interessantes Buch mit spannenden Geschichten, die mir die Steiermark noch näher bringen. Nicht nur für Steirer – für alle, die sich für dieses wunderschöne Fleckerl Erde interessieren und mehr darüber wissen wollen.

Robert Preis/ Niki Schreinlechner
111 schaurige Orte in der Steiermark, die man gesehen haben muss
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740804459

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Jürgen Rath - Ich, Berit und das fisketävling

Heute mal ein Kinder- und Jugendbuch.

Sommerferien-Expedition nach Schweden

Die großen Ferien sind da. Mama Ines wollte nach Gran Canaria, Papa Bernhard nach Schweden. Papa hat gewonnen. Dem 11-jährigen Jonas und seiner 14-jährigen Schwester Johanna ist das egal. Denn eins steht fest: Ferien mit Eltern ist doof.

In ihrem Haus in Schweden angekommen, stellt Johanna gleich fest: Es gibt kein Netz. Dafür gibt es ganz in der Nähe einen See. Und dort findet in knapp 2 Wochen ein Angelwettbewerb statt. Jonas lehnt sich da ganz weit aus dem Fenster und lässt verlauten, dass er den Wettbewerb gewinnen wird. Es gibt nur ein kleines Problem: Er hat bisher noch nie geangelt und muss feststellen, dass es nicht so einfach ist wie es aussieht.

Jonas erzählt die Geschichte aus seiner Sicht in einer kindgerechten, manchmal etwas altklugen Art. Ich liebe den kleinen Kerl für seine Sprüche, die er bei jeder Gelegenheit raus haut. Wenn oft auch nur in Gedanken. Er findet z.B.: auch wenn die Vögel und die Mädchen so ausschauen wie bei uns, ist Schweden doch ein so ganz anderes Land.

Papa dagegen kann mit seinen Scherzen auch ganz schön peinlich sein.

Schnell finden Jonas und Johanna Anschluß bei den Kindern einer schwedischen Familie, die auch dort oben in der Wildnis Urlaub macht. Verständigungsschwierigkeiten gibt es dank des sonntäglichen Englisch-Redens, dass Ines zuhause eingeführt hat, selten. Regeln und Gebräuche werden thematisiert und geben uns Lesern einen Einblick in das schwedischen Leben und die Kultur. Durch die gleichaltrige Berit lernt Jonas deren Opa kennen, der ihm das Angeln beibringt. Die tierliebe Johanna lernt einen Jungen kennen, dessen größter Wunsch ein Gewehr ist, mit dem er auf Elchjagd gehen kann. Da haben wohl Beide ein Problem.

Beim Lesen lerne ich etwas über die Techniken des Angelns, über das Fahren mit einem Motorboot, über schwedische Essgewohnheiten und über das Räuchern von Forellen. Vor allem aber auch über die schwedische Gastfreundlichkeit.

Ein wunderbares Buch über die Freundschaft, Vertrauen, Hilfsbereitschaft, den Zusammenhalt der Familie und die ersten Liebesgefühle. Es werden tolle Ferien auch ohne Handy und TV.

Ich hoffe, dass noch viele Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene, Jonas bei seinen Ferien in Schweden begleiten werden.

Jürgen Rath
Ich, Berit und das fisketävling
Selfpublishing

ISBN 9781717726698

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Maren Graf - Padermorde

Mörderisches Paderborn.

Die Herausgeberin Maren Graf stellt in ihrem Buch „Padermorde“ 13 weihnachtliche Kurzkrimis vor. Am Ende des Buches werden die Tatorte noch einmal näher beleuchtet und auch die einzelnen Autoren, z. B. Andrea Gehlen, Christiane Höhmann, Susanne Kliem, Gisa Klönne, Horst Eckert usw. werden detailliert vorgestellt.

Egal ob Max-Moritz endgültig genug hat von seiner dominanten Mutter und seiner herrschsüchtigen Ehefrau, ob Onkel Thorsten die falschen Tabletten untergeschoben wurden, ob Ehemann und Ehefrau das gleiche Ziel haben, ob das Gedächtnis eines Mannes plötzlich doch wieder kommt, ob Privatermittler Hieronymus C. Doyle von einem geheimnisvollen Fall erzählt, ob es um todbringende Medikamente geht – alles spielt sich in der Adventszeit oder an Weihnachten in Paderborn ab.

Aber nicht nur Taten aus der Jetztzeit bekomme ich vorgesetzt. Ich darf mörderisch auch ins 18. Jahrhundert reisen.

Spannende Geschichten rund um das Weihnachtsfest und die kalte Jahreszeit, die mich gut unterhalten haben. Und interessante Schauplätze in einer Stadt, die ich bisher noch nicht kenne. Sehenswert.

Maren Graf
Padermorde
GmeinerVerlag, Messkirch

ISBN 9783839223277

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 11. Dezember 2018

Anja Stroot - Die Münsterland-Detektive - Feuer auf dem Hof

Und hier mal was für unsere ganz jungen Leseratten:

Diesmal geht gleich am Anfang bei der Ferienplanung fast etwas schief. Aber die Münsterland-Detektive sind dann doch vollzählig und ein neues Abenteuer für Leona, Jacky, Felix, Ben und Gundula kann beginnen. Diesmal gibt es ein Feuer auf dem Hof. Sind Menschen oder Tiere in Gefahr? War es Brandstiftung? Und wenn ja, wer war das?

Um all diese Fragen zu beantworten, lest das Buch selbst oder lasst es euch vorlesen. Es lohnt sich! Für große und für kleine Spürnasen.

Nach " Der schwarze Schatten (1)", "Die verflixte Wiese (2)", "Gefahr am Baumhaus (3)" und "Auf dem Eis (4)" ist dies eine weitere Geschichte mit einem neuen Abenteuer für die fünf Freunde aus dem Münsterland.

Da die Geschichten in sich abgeschlossen sind, ist man hier an keine Lesereihenfolge gebunden, sondern kann die Bücher in jeder beliebigen Reihenfolge lesen. Auch sind die Geschichten nicht nur für Münsterländer Kinder gedacht. Die Abenteuer könnten sich in jeder beliebigen Gegend in Deutschland oder auch im Ausland genau so abspielen.

In einer liebevollen kindgerechten Sprache beschreibt die Autorin die Geschehnisse auf dem Reiterhof. Wunderschöne, die Fantasie anregende Zeichnungen, die perfekt zum Text der Geschichte passen, runden die spannende Geschichte ab. Meine kleine Leseratte malt diese Bilder dann auch noch aus. Die Geschichte eignet sich auch sehr gut zum Vorlesen.

Durch die große Schrift können sich aber auch Leseanfänger sehr gut daran versuchen. Kurze Kapitel machen es nicht so schwer mit dem Lesen auch mal eine Pause einzulegen.

Hinten im Buch wieder mit dabei die Detektivprüfung, Geheimschriften zum Entschlüsseln, eine Bastelanleitung für ein Lesezeichen und einen Detektivausweis.

Die Autorin stellt sich kurz vor und einen kleinen Einblick in die ersten vier Münsterland-Detektiv-Geschichten gibt es auch noch.

Anja Stroot
Die Münsterland-Detektive - Feuer auf dem Hof
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783744868952

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 10. Dezember 2018

Axel Petermann / Claus Cornelius Fischer - Die Elemente des Todes

Nichts für schwache Nerven!

Eine Serie brutaler Morde erschüttert zwischen den Jahren 1995 und 1996 den Norden der Republik. Kommissar Larsen Kiefer der Kripo Bremen und sein Team haben es nicht leicht. Sie scheinen nach einer Zeit genau zu wissen, wer der Täter ist, die Täter sind, können ihnen aber vorerst nichts nachweisen. Eine schwierige und heikle Angelegenheit.

Gerade jetzt, als ich dieses Buch lese, begegnet mir Mit-Autor, Leiter der Mordkommission Bremen und Profiler Axel Petermann in einem Fernsehbericht. Bei diesem Fall hier hat er damals selbst ermittelt und weiß um die Grausamkeit und Brutalität, die damals vorlag. Ich denke, er hat mit seiner Erfahrung und seinem Wissen der Geschichte hier den letzten feinen Schliff gegeben. Claus Cornelius Fischer rundet den Fall mit spitzer, blutender, psychologischer Feder ab. Ich hoffe, dieses bleibt nicht das einzige Projekt der Beiden.

Daniel Becker – jung, sehr von sich eingenommen, skrupellos, kann sehr gut manipulieren und versteht es sehr geschickt, seine Freunde Moritz und Lothar, die ihm schon fast hörig sind, in seine Abartigkeiten hineinzuziehen. Er selbst sieht sich nicht als Mörder, kann nur Menschen verschwinden lassen, ist sich sicher, dass er sie dazu bringt, nicht mehr leben zu wollen. Einfach abartig.

Ich lese sehr gerne Krimis und Thriller. Aber True Crime ist noch mal was ganz anderes. Hier geht es um wahre Begebenheiten, die ich nicht so einfach abhaken kann. Und gerade diese Geschichte hat bei mir Gänsehaut erzeugt, hat mich nachdenklich gemacht und wird noch eine Zeit nachwirken.

Anfangs hatte ich etwas Probleme mit den dauernden Zeitenwechseln, die aber, wie ich im Nachhinein weiß, absolut notwendig und richtig sind. Aber nach kurzer Zeit war ich vollkommen gefangen im Geschehen.

Ich blicke in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele. Kann mir fast nicht vorstellen, dass man so abgrundtief böse sein und agieren kann. Frage mich, was das alles ausgelöst haben mag. Und kann es fast nicht fassen, dass es sich hier um einen realen Fall gehandelt hat. Was ich mich auch immer wieder gefragt habe: Haben die Angehörigen oder Freunde wirklich nichts von dem Ganzen mitbekommen? Oder ist es einfach so, dass was nicht sein darf, auch nicht ist? Ein Buch, über das sich sehr gut diskutieren und nachdenken lässt.

Der Spannungsbogen, ich weiß garnicht, wie ich das beschreiben soll, ist so stark und straff gespannt, permanent da. Aber ohne aufdringlich zu sein. Ich kann das Buch einfach nicht loslassen, weil dauernd etwas geschieht, immer wieder Gedanken auftauchen, die einfach unfassbar sind. Aber ohne sich aufzudrängen, aber trotzdem fesselnd. Einfach klasse gemacht.

Kommissar Larsen Kiefer lerne ich im Laufe der Story auch privat etwas näher kennen. Auch er hat mit Dämonen zu kämpfen, will seine Arbeit nicht in sein neues Heim zu seiner neuen Frau mitnehmen. Spannend finde ich auch die Gespräche zwischen ihm und Daniel Becker, der sich aber immer wieder aalglatt aus der Affäre zieht.

Ich habe Falco als Sänger sehr gerne gemocht und hier stoße ich immer wieder auf Songs von ihm. Für mich hat das den Schrecken zwischendurch immer etwas gedämpft.

Ein spannendes, authentisches Buch, mit einem Kommissar, der nicht aufgibt, sondern versucht, sich in den Köpfen der Täter festzusetzen. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und in mir noch eine Zeit lang nachwirken wird. True Crime vom Feinsten und Bösesten. Gänsehaut pur.

Axel Petermann / Claus Cornelius Fischer
Die Elemente des Todes
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426523131

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 9. Dezember 2018

David Whitehouse - Der Blumensammler

Eine märchenhafte, mystische Lektüre.

Tiefseeforscher Professor Jeremiah Cole wird von einem Wal gerettet, kurz bevor er zu Ertrinken droht, und entdeckt hierbei den Flugschreiber eines verschollenen Flugzeuges.

Peter Manyweather betreibt die „Reinigungsfirma Eisvogel“, die sich auf die ganz schwer zu beseitigenden Schmutzfälle spezialisiert hat. Er findet bei einer Säuberung einen Liebesbrief in dem es auch um sechs aussergewöhnliche Blumen geht.

Dove Gale arbeitet bei einem Londoner Rettungsdienst als Einsatzkoordinator, lebt ein einsames Leben, wird immer wieder von Kopfschmerzen geplagt und mit Erinnerungen eines anderen Menschen, nämlich Peter Manyweather, konfrontiert. Nichts wünscht er, das Findelkind, sich mehr, als seine leiblichen Eltern kennenzulernen.

Zwei verschiedene Zeitebenen, drei Männer, drei Leben, drei Erzählstränge, die sich ganz langsam annähern, sich dann zu einem großen Ganzen verbinden und mich mit der Geschichte schlüssig und zufrieden zurück lassen.

Was diese drei so unterschiedlichen Menschen verbindet, erfahre ich hier in diesem Buch.

Der Autor David Whitehouse nimmt mich in diesem Roman mit auf die Reise einmal um den Erdball. Auf der Suche von Peter Manyweather nach der Udumbara Blume, einer Lichtnelke, der schafsfressende Pflanze, der Kadupul, der Welwitschie und der Rafflesie

geht die Reise nach China, nach Gibraltar, nach Chile, nach Mexiko, an den Messum-Krater in Namibia und nach Sumatra. Überall gilt es Abenteuer zu bestehen. Dieser Strang nimmt den meisten Platz der Geschichte für sich ein.

Die Geschichte von Dove Gale beginnt 30 Jahre später. Durch immer wieder eingestreute kleine Hinweise und Zeichen meine ich schon bald zu wissen, wie welche Lebensgeschichten zusammen hängen könnten. Hier gibt es dann für mich eine Überraschung.

Nicht nur diese drei Hauptprotagonisten sind lebensecht und glaubwürdig gezeichnet. Auch die mehr oder weniger wichtigen weiteren Personen haben ihre ganz eigene Aura und hallen in ihrer Wirkung auch jetzt noch nach.

Der bildhafte, wunderschön zu lesende Schreibstil macht es mir leicht mir die verschiedenen Handlungsorte vorzustellen. Er versteht es meisterhaft mich so zu faszinieren, dass ich sogar nach den Pflanzen auf Google suche um sie noch besser in mein Kopfkino einbauen zu können.

Die Geschichte hat für mich etwas märchenhaftes, mystisches. Sie ist auch keine, die ich mal schnell weg lesen kann. Kleinigkeiten erfassen, zwischen den Zeilen lesen und Andeutungen interpretieren - ich habe immer wieder inne gehalten und mir das eben Gelesene noch mal durch den Kopf gehen lassen um ja nichts zu verpassen.

Dies ist so ein interessantes, außergewöhnliches Buch, das ich bestimmt noch einmal lesen werde und das es in mein Bücherregal „Besondere Literatur“ geschafft hat.

David Whitehouse
Der Blumensammler
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart

ISBN 9783608503739

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018

Lauren Grodstein - Alles Glück eines Lebens

Emotional und berührend

Karen Neulander, 43, weiß, dass sie sterben wird. Den diagnostizierten Eierstockkrebs kann man zwar aufhalten, heilen kann man ihn nicht. Also schreibt sie ihre Geschichte für ihren sechsjährigen Sohn Jacob auf. Sie schildert offen ihre Gefühle, erzählt ihm aus ihrem Leben und beschreibt, warum er seinen Vater nicht kennenlernen konnte. Dies aber ist der größte Wunsch des kleinen Jacob. Kann und wird sich Karen überwinden und mit Dave Kontakt aufnehmen, damit er seinen Sohn und vor allem, damit Jacob seinen Vater kennenlernen kann?

Wow, was für ein Buch. Da Karen ihre Geschichte in der Ich-Form erzählt und aufschreibt, bin ich noch näher an ihren Gefühlen und Emotionen dran. Sie zieht mich förmlich in ihr Leben hinein und ich verstehe ihren Zorn, ihre Wut, ihre Trauer und ihre Verzweiflung. Aber über allem steht ihre unendliche Liebe zu ihrem Sohn, dem sie keinen Wunsch abschlagen kann. Und obwohl sie immer schwächer wird, gibt er ihr die Kraft weiterzumachen. Mich hat diese überaus starke Frau sehr berührt.

Lauren Godstein schreibt so gefühlvoll, so emotional, so ehrlich, voller Wärme, ohne ins kitschige abzugleiten. Ich bin selbst Mutter und ein paar Mal ein paar Mal hatte ich Gänsehaut und ich musste meinen Taschentuchvorrat aufstocken. Die Autorin versteht es gekonnt mich einzufangen. Sie lässt mich aber auch nachdenklich zurück.

Sie lässt die Protagonisten so menschlich erscheinen, so real, dass ich sowohl Karen als auch ihre Schwester Allison sofort als Freundin annehmen würde.

Dies ist eine Geschichte, bei der ich von vorne herein wusste, dass es kein Happy End geben würde. Die mich so berührt hat und ans Herz geht. Ich habe sie sehr gerne gelesen und kann dieses Buch absolut weiterempfehlen.

Lauren Grodstein
Alles Glück eines Lebens
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634500

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2018