Mittwoch, 14. November 2018

James Lee Burke: Flucht nach Mexiko

Dave Robicheaux, Protagonist dieser Krimi Reihe von James Lee Burke, wird in diesem Roman an alte Vorgänge in seinem Leben erinnert. Obwohl er seine Erinnerungen lieber verdrängen würde, zwingt ihn das Geständnis eines alten Mannes zum Gegenteil. Die Ereignisse um das Verschwinden von Ida Durban treten in den unmittelbaren Vordergrund. Sein Halbbruder Jimmy war damals so verknallt in Ida, dass der so viele Jahre kaum an ein anderes Mädchen gedacht hatte. Jimmy und Ida wollten damals nach Mexiko abhauen und ein neues Leben beginnen. Doch Jimmy wartete an dem ausgemachten Termin umsonst, Ida kam nie. Von dem Tag an blieb sie verschwunden. Und je mehr Zeit verging, umso mehr glaubte Jimmy, dass sie tot war.

Der Fall von der Vermissten Ida ist aber nicht der einzige Fall, mit dem sich Dave befasst. Seine Freundin, Kollegin und Chefin Helen bei der Polizei holt ihn wegen seiner außerordentlich guten Ermittlungsleistungen in den Dienst zurück. Schließlich ist gerade ein Serienmörder unterwegs, der junge Frauen entführt und brutal ermordet. Dave ist gut und sie braucht jeden Mann, da kann sie auf die Gründe seiner Entlassung keine Rücksicht nehmen.

James Lee Burke ist für seine schonungslose Beschreibung des Amerikas von heute bekannt. Es ist das Amerika abseits der riesengroßen Megacitys, ein Amerika in den Tiefen des Landes, ein Amerika, wo US-Präsident Trump seine Freude hat, Wähler zu gewinnen. Doch der Autor protokolliert in seinen Fiktionen sehr authentisch und detailreich die Vorgänge in der amerikanischen Seele. Neben den actionreichen Szenen holt Burke immer wieder Luft und lässt die Gedanken der Leser baumeln, wenn er durch den Kopf und die Erinnerungen des Protagonisten dessen Leben und Gefühlswelt schildert. Man kommt so nah an Dave Robicheaux heran, dass man meint, mit ihm in einer Kneipe zu sitzen und ein Bier zu trinken. Dabei trinkt der gar kein Bier. In anderen Momenten fasziniert Burke mit einer Landschaftsbeschreibung, wenn das Auto über die Straßen rollt oder geangelt wird. Und besonders beruhigend ist es, wenn sich der Protagonist an solche schönen Bilder erfreut. Jegliche Brutalität und Gewalt, zu der Robicheaux immer wieder gezwungen wird, ist dann verschwunden. Man spürt den Drang genau wie Dave, allen Schmutz und Dreck hinter sich zu lassen. Die Mischung aus besinnlichen und actionreichen Szenen ist dem Schriftsteller extrem passend gelungen.

Ein fesselnder Roman, der seinen Autor von der besten Seite zeigt. Unbedingt zu lesen!

James Lee Burke
Flucht nach Mexiko
Pendragon Verlag, Bielefeld

ISBN 9783865326218

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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Dienstag, 13. November 2018

Kristin Hannah - Liebe und Verderben

Alaska – eine Herausforderung

1974: Lenora „Leni“ Allbright ist 13 Jahre alt, als ihre Eltern Ernt und Caroline beschließen: Wir ziehen nach Alaska. Ernt, der schwer traumatisiert aus dem Vietnam-Krieg heimgekommen ist, sieht hierin eine Chance auf ein neues, für ihn unbeschwertes Leben. Dazu kommt, dass ihm sein Kamerad und Freund sein Haus in Kaneq hinterlassen hat. Sie finden eine heruntergekommene Hütte ohne Strom und fließendes Wasser. Aber auch Nachbarn, die sofort bereit sind mit anzupacken und den Neuankömmlingen das Leben etwas zu erleichtern.
Ernt, der gehofft hatte, hier seine Dämonen los zu werden, wird immer unberechenbarer und Coraline sieht irgendwann keinen Ausweg mehr ...

Für mich ist es das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Aber ich bin so begeistert von dem eingängigen Sprachstil und den bildreichen Erzählungen, dass bestimmt weitere folgen werden.

Ich habe mich entführen lassen in die weite, einsame und wunderschöne Landschaft des flächenmäßig größten, nördlichsten und westlichsten Bundesstaates der Vereinigten Staaten von Amerika. Allein die Beschreibungen der unberührten Natur, der glasklaren Seen, des einfachen Lebens und der hilfsbereiten Menschen, die hier leben, haben für mich das Lesen zu einem Genuss gemacht. Ich erlebe die Sommer, in denen die Sonne kaum untergeht und die endlos langen Winter, in denen es kaum hell wird.

Ernt, der mir anfangs in seiner Gefangenheit noch leid tut, entwickelt sich immer mehr zu einem Tyrann, der nicht aus seiner Haut kann, sich aber auch nicht helfen lassen will. Cora, von der ich immer wieder hoffte, dass sie sich in ihrer Abhängigkeit und Hörigkeit zu Ernt besinnt, dass sie auch eine Tochter hat, die sie braucht. Und Leni, die in ihrer neuen Schule einen Jungen kennen- und lieben lernt, die Strapazen des Lebens im hohen Norden versucht auszuhalten, dem Jähzorn ihres Vater zu entgehen und die die Liebe zu ihren Eltern trotzdem nie aufgibt. Die Drei sind mir im Laufe der Geschichte richtig ans Herz gegangen – positiv und negativ. Ich habe einige Tränchen verdrückt beim Lesen.

Kristin Hannah hat eine Art zu schreiben und zu beschreiben, so leicht, so eingängig und so plastisch, dass es mir sehr schwer gefallen ist, das Buch immer mal wieder aus der Hand zu legen. Sowohl Leni und ihre Eltern, Coras Eltern, als auch Large Marge, die Walkers, den Mann mit der Gans und die Familie Harlan – alle sind sehr menschlich und real beschrieben, dass ich sie beim Lesen regelrecht greifen konnte. Aber auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Sie hält sich dauerhaft im Hintergrund um dann von jetzt auf gleich bei einer der verschiedenen Wendungen wieder hervorzuspringen.

Ein sehr einfühlsamer, sehr emotionaler und tiefgründiger Roman über Familie, Freundschaft, Liebe, Verlust, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, der mich tief berührt hat. Mein bisheriges Jahres-Lesehighlight.

Kristin Hannah
Liebe und Verderben

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 9783352009136

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 11. November 2018

Sabine Vöhringer - Das Ludwig Thoma Komplott

Ludwig Thomas Erbe

Im Nachlass ihres Großvaters entdeckt die junge Verlegerin Julia Frey ein Manuskript des im August 1921 in Tegernsee verstorbenen deutschen Schriftstellers Ludwig Thoma. Hierin findet sie Hinweise auf den Täter der Prostituiertenmorde in den 1960er Jahren. Kann die Veröffentlichung des Manuskriptes den Untergang ihres kleinen Verlages retten? Sie will die ihr vorliegenden Seiten zuerst ihrem langjährigen Freund Kommissar Tom Perlinger zeigen. Auf dem Weg zu ihm, wird sie auf offener Straße hinterrücks erschossen.

Zusammen mit seinen Mitarbeitern Jessica Starke und Korbinian Mayrhofer nimmt Perlinger die Suche nach dem Mörder auf. Dabei werden sie mit immer neuen Fragen konfrontiert und die Ermittlungen führen sie zurück bis in die 1920er und frühen 60er Jahre.

Sabine Vöhringer legt uns mit diesem Buch den 2. Band zur Krimireihe um den charismatischen Münchner Kommissar Tom Perlinger vor, den man aber auch sehr gut ohne die Vorkenntnisse des ersten Buches "Die Montez-Juwelen" lesen kann.

Ich liebe diese Fälle, die in meinem München gesettet sind. Zusammen mit den Kommissaren bin ich in der Sendlingerstraße und deren Umgebung unterwegs, habe alles vor Augen und bin nicht nur mit dabei, sondern fühle mich sofort mitten hinein gezogen in die Ermittlungen und diesen einmaligen Fall.

Drei Wochen vor dem Mord an Julia Frey versucht Claas Buchowsky, den ich im ersten Band kennengelernt habe, seinen ehemaligen Freund und Partner Tom Perlinger zu erschießen. Gut, dass er das nicht schafft. Claas wird später noch gebraucht.

Ab November 2017 muss ich mich dann mit dem Anschlag auf Julia, mit Ludwig Thoma und seinem bisher unentdeckten Werk, mit den Vorbereitungen zu den Olympischen Spiele 1972, mit der Russenmafia, mit dem Freundeskreis um Tom, der keiner mehr zu sein scheint, mit einem Drogenproblem, mit einem Cold Case aus den Mitte 60er Jahren, mit dem Verbleib eines kleinen Hundes, und mit Immobilienspekulationen befassen. Puh – so viele einzelne Fäden, die sich aber gaaanz langsam miteinander verweben, bis sich schließlich aus den vielen kleinen Puzzleteilen ein großes Ganzes und die Auflösung ergibt. Aber bis dahin ist es ein langer spannungsbeladener Weg.

Damit sich auch Nicht-Münchner sofort in der Stadt und den den Handlungsorten zurechtfinden, finde ich in der hinteren Umschlagklappe einen Plan, der mich leitet. Wie es sich für einen Lokalkrimi gehört, beschreibt die Autorin die Plätze der Handlung und deren Umgebung so detailgetreu, mit viel Liebe und augenscheinlich, dass ich beim Lesen alles vor mir sehe. Ich erfahre einiges über meine allerliebste kleine Asamkirche, über Ludwig Thoma und sein Werk "Der Münchner im Himmel". Ich denke, man merkt beim Lesen, dass Sabine Vöhringer unsere Landeshauptstadt genau so sehr liebt wie ich.

Auch die Personen, die hier handeln, und das sind doch wieder einige, habe ich beim Lesen sehr bildlich vor Augen, da sie mit ihrem Aussehen, ihren verschiedenen Charaktären und ihren Eigenheiten unverwechselbar beschrieben sind. Mein Kopfkino war jedenfalls von Anfang an stark gefordert.

Die Geschichte, die sich die Autorin diesmal ausgedacht hat, hat mich von Anfang an gefesselt. Ich habe sehr gut miträtseln können, hatte immer wieder eine Lösung für mich parat. Es hat dennoch bis kurz vor dem großen Showdown gedauert, bis auch ich durchblickt habe, wie hier alles gelaufen ist. Der Spannungsbogen steigt gleich am Anfang stetig an und wird durch Perspektivwechsel und Wendungen, die man so nicht erwartet, gleich straff gespannt und hoch gehalten.

Ich fand es sehr unterhaltsam wieder ein paar spannende und sehr interessante Lesestunden mit Protagonisten zusammen zu sein, die ich wieder etwas näher kennengelernt habe. Ich werde Tom, Christl und seinen Bruder Max vom Hackerhaus, Jessica und Mayrhofer von der Kripo und auch Claas vermissen.

Sabine Vöhringer
Das Ludwig Thoma Komplott
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 978-3-8392-2294-2

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 9. November 2018

Ulrike Busch - Countdown in Westerland

„Sylter Sommernachtsträume“

Eventmanager Jonny Quadt ist gerade mitten in den Abschlussarbeiten zu den „Sylter Sommernachtsträumen“, das jährliche Event auf der Insel der Reichen und Schönen, als eine Kugel durch sein Bürofenster haarscharf an ihm vorbei schrammt und in der Wand stecken bleibt. Seine Lebensuhr, die ihn daran erinnert, wie viele Sekunden er noch hat, bleibt stehen. Als er Zielscheibe für ein zweites Attentat wird, ist es für ihn klar: sein ärgster Konkurrent und ehemals bester Freund auf der Insel will ihn beiseite schaffen. Aber wie kommt der an seine Waffe? Und wie kommt der an den Computer, der die Lebensuhr steuert?

Diese und viele weitere Fragen werfen sich für Kriminalhauptkommissar Kuno Knudsen und seinen Kollegen Arne Zander von der Kripo Wattenmeer auf.

Ulrike Busch beschreibt ihre Protagonisten so bildhaft und so detailgetreu, dass ich, obwohl ich gerade Kuno Knutsen und Arne Zander schon länger „kenne“, auch bei ihnen immer noch kleine neue Eigenschaften entdecke, die mir bisher nicht aufgefallen waren. Überhaupt ist es für mich wie Freunde besuchen, wenn ich mit der Kripo Wattenmeer unterwegs bin. Denn auch diesmal sind Knutsens Bruder Okko und der Inselreporter Friedrich Fliegenfischer „Effeff“ wieder mit dabei.

Die Hauptfigur in diesem Fall, Jonny Quadt, ist etwas mopsig, trotzdem sehr erfolgreich, zielorientiert und in seine technischen Spielereien verliebt. Er lebt nach seiner Lebensuhr, überwacht seine Mitarbeiter über deren Computer und auch sein Haus gleicht einer kleinen Festung. Mir war er von der ersten Begegnung an nicht sehr sympathisch.
Ganz im Gegensatz zu seiner richtig liebenswerten Lebensgefährtin Eta Smid, die ebenfalls im Eventbereich tätig ist.

Auch die anderen Mitwirkenden haben ihre Ecken und Kanten, sind sehr gut vorstellbar gezeichnet und haben sich in meinem Kopfkino festgesetzt.

Von Anfang an konnte ich auch diesmal wieder mit rätseln und mit fiebern. Ein ganz außergewöhnlicher Fall, bei dem mir auch die Wendungen wieder sehr gut gefallen haben. Obwohl die meine Tätertheorie immer wieder ausgebremst und durcheinandergewirbelt haben.

Den Duft nach Heidekraut und Meersalz hatte ich immer mal wieder in der Nase. Und mein Bild von Sylt hat sich dank der wundervollen Beschreibungen wieder ein bisserl mehr vervollständigt. Dort muss ich wirklich mal hin.

Ich bin auch diesmal wieder sehr gut unterhalten worden und hatte einige spannende und interessante Lesestunden.

Ich kann dieses Buch nicht nur Syltliebhabern empfehlen; alle Anderen werden ihre Liebe zu unserer diesmal sehr kriminellen Insel bestimmt entdecken.

Ulrike Busch
Countdown in Westerland
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783752809985

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 7. November 2018

Julie Masson: Madame Bertin steht früh auf

Ab nach Paris, dachte ich mir und griff bei diesem Buchtitel und seinem Klappentext zu. Für Kriminalromane im „Miss Marple"-Stil gibt es ja schon eine ganze Reihe von Autorinnen und Autoren, z. B. ermittelt in Cornwall „Miss Mabel" (Rebecca Michéle) oder am Niederrhein „Kati Küppers" (Barbara Steuten). Wenn der Verlag also einen Krimi als die „Miss Marple von Paris" ankündigt, dann wird er gewisse Erwartungen bei den Lesern wecken. Und diese werden im vorliegenden Roman erfüllt.

Madame Bertin ist Inhaberin einer Bäckereikette in Paris. Sie hat als Bäckermeisterin höchste Ehren erlangt und darf deshalb den französischen Präsidenten im Elysée-Palast beliefern. Doch nun möchte sie sich zur Ruhe setzen und hat die Geschäftsführung an ihren Neffen abgegeben. Plötzlich sieht sie im Haus gegenüber hinter einer Fensterscheibe eine blutige Hand hinabgleiten. Aufgeregt begibt sie sich dorthin, weil sie einen Unfall vermutet. Doch da ist im Hausflur und an dem Fenster nichts zu entdecken. Ihr Anruf bei der Polizei lässt sie jetzt dumm dastehen. Doch nicht mit Madame Berti!. Sie ist fest davon überzeugt, dass in diesem Haus ein Verbrechen geschehen ist. Schließlich weiß sie doch, was sie gesehen hat. Ihr Counterpart von der Polizei ist da ganz anderer Meinung. Die Verwicklungen machen den Roman immer spannender. Dadurch, dass das Setting schon durch den Lieferantenstatus an die Regierungskreise heranreicht, zeigen die verschiedensten Spuren wunderbar auch in diese Richtung. Zudem gibt es ein zwielichtiges Restaurant, in welchem gepokert wird. Die Pokerrunden sind ebenfalls mit hochrangigen Geschäftsleuten und Politikern besetzt.

Das Pariser Lokalkolorit kommt hervorragend zum Vorschein. Man sieht die Wasserpfützen auf den Gehsteigen, man riecht den warmen Gestank der Metro. Paris-Liebhaber werden einen großen Wiedererkennungswert haben, sehr bildreich wird diese Metropole in die Handlung eingebunden. Ebenso bildreich, aber für mich wesentlich zu detailreich und langatmig, sind die Beschreibungen von Kleinigkeiten des täglichen Bedarfs, z. B. der Inhalt eines Kühlschrankes über mehrere Seiten hätte gerne gekürzt werden können, ohne dass der Handlung des Romans damit Schaden zugefügt worden wäre.

Ein gemütlicher und humorvoller Krimi mit einem besonderen Lokalkolorit, der mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Julie Masson
Madame Bertin steht früh auf

Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499274718

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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Dienstag, 6. November 2018

Erin Kelly - Vier.Zwei.Eins

Nichts ist wie es scheint

1999 – Es ist Sommer in Cornwall und beim Festival am Lizard Point treffen sich tausende Menschen um bei der Sonnenfinsternis dabei zu sein. So auch Kit und Laura. Als die beiden anschließend zu ihrem Zelt zurück gehen, ist sich Laura sicher, eine Vergewaltigung gesehen zu haben. Im Prozess beteuert der Angeklagte, Jamie, die Tat immer wieder; das Opfer, Elisabeth "Beth" Taylor, schweigt. Jamie bekommt 5 Jahre Haft. Monate später steht Beth vor Lauras und Kits Tür und schleicht sich im Laufe der Zeit still und heimlich in ihr Leben. Nur Kit scheint zu ahnen, dass Beth eine Bedrohung für sie Beide darstellt ...

So, wie mich das Cover angezogen hat, zieht mich auch die Geschichte, zuerst ganz langsam, dann immer schneller total in sich hinein. Es ist mir teilweise sehr schwer gefallen, das Buch mal zur Seite zu legen. 5 Phasen, wie bei einer totalen Sonnenfinsternis mit 66 Kapiteln, die mit dem jeweils Erzählenden und einer Zeitangabe versehen sind, lassen sich leicht und flüssig lesen.

Laura und Kit erzählen die Geschichte aus ihrer Sicht. 1999 in der Vergangsheitsform, 2015 lässt mich die Autorin in der Gegenwart in ihren Gedanken dabei sein. Obwohl die Zeiten und auch die erzählenden Protagonisten immer wieder wechseln, ließ die Spannung nicht nach. Ich hatte sogar das Gefühl, dass gerade die Rückblicke die Spannung noch erhöhen. Alles fügt sich ganz gemächlich zu einem runden Ganzen zusammen. Anfangs war mir die Geschichte zu seicht, zu langsam. Aber im Laufe des Lesens habe ich gemerkt, dass genau das die Spannung ab der ersten Seite ebenfalls stetig steigert. Auch brauche ich die vielen kleinen Belanglosigkeiten, die der Text versteckt, um, wie ich meine, hinter die Fassade der Protagonisten zu schauen. Denn Vieles ist Lüge, vieles ist verwirrend, nichts ist wie es scheint.

Mag auch der Beginn der Geschichte noch so dahin tröpfeln. Je weiter ich hinein kam, desto spannender und abwechslungsreicher wurde es. Hatte ich gerade gemeint, alles hinterblickt zu haben, tut sich eine neue Wendung auf. Wer ist Opfer, wer ist Täter? Diese Frage habe ich mir immer wieder mal gestellt. Beantwortet wird sie erst ganz zum Schluss. Und vor allem dieses Ende, mit dem ich so absolut nicht gerechnet habe, hat es in sich und mich etwas schockiert.

Die Protagonisten sind so facettenreich und gut vorstellbar skizziert, dass ich schnell ein vorstellbares Bild von ihnen hatte. Laura und Kit, Beth und Jamie - richtige Sympathie hat sich nicht eingestellt. Nur die schwangere Laura hat sich ein kleines Stückerl meines Herzens ergaunert.

Ein tolles Buch, bei dem man sich am Anfang etwas Zeit für die Entwicklung geben muss. Das aber dann so richtig in Fahrt kommt und für spannende, abwechslungsreiche Unterhaltung sorgt. Ich jedenfalls bin absolut begeistert!

Erin Kelly
Vier.Zwei.Eins

S. Fischer Verlag, Frankfurt /M.
ISBN 9783651025714

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 5. November 2018

Andrea Bottlinger - Das Geheimnis der Papiermacherin

1621 in Nürnberg ...

Nürnberg 1621: In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges versucht die 19-jährige Anna Pecht die Papiermühle ihres Vaters über Wasser zu halten. Lumpen zur Papierherstellung sind rar. Also entschließt sie sich zusammen mit 4 Freunden im Umland, wo die Soldaten schon abgezogen sind, danach zu suchen. Dass sie damit dem Leiter des Handelshauses Bartholomäus von Treist, der nicht nur saubere Geschäfte macht, in die Quere kommt, ahnt sie da noch nicht. Sein Bruder Johann, der auch keine reine Weste hat, rettet Anna aus einer brenzligen Situation – und bekommt die junge Frau nicht mehr aus dem Kopf …

Andrea Bottlinger nimmt mich mit in die verdreckten Straßen von Nürnberg, zu den verwüsteten Dörfern in der Umgebung und ins herrschaftliche Haus der von Treists. Sie beschreibt alles so detailliert und farbig, dass ich meine, den Schmutz, die eingelegten Lumpen und das Blut riechen zu können. Besonders ein Toter, die erste Begegnung auf Annas Beutezug, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Fast alle Protagonisten sind gut ausgearbeitet, kommen authentisch und lebendig rüber und haben sich bildhaft in meinem Kopf eingenistet. Durch den eingängigen und leicht zu lesenden Schreibstil bin ich sofort in der Geschichte drin und mit Anna und ihren Freunden unterwegs.

Anna ist eine sehr taffe junge Frau, der fast nichts anderes übrig bleibt, als zu unlauteren Mitteln zu greifen, um die Papiermühle ihres Vaters, die direkt am Ufer der Pegnitz liegt, für sich und ihre Angestellten am Leben zu erhalten. Ihr trunk- und spielsüchtiger Vater Josef ist ihr dabei keine Hilfe. Im Gegenteil: mit seinen Schulden stürzt er sie nur noch tiefer ins Unglück. Aber Anna ist keine, die so leicht aufgibt.

Vor allem hat sie Freunde, die mit ihr zusammen stehen und sie nicht im Stich lassen. Egal was passiert.

Eine weitere, mir sehr sympathische Frau, ist Sybille Stromer. Was es mit ihr auf sich hat? Lest selbst.

Die Autorin schafft es, mich für diese unwirtliche Zeit in Nürnberg zu faszinieren, mich sehr schnell ins Buch hineinzuziehen. Sie gibt dem historischen Roman eine ganz schön große Portion Spannung mit, bei der es mir schwerfällt, das Buch auch mal aus der Hand zu legen.

Ein historischer Roman, der mich nicht nur in das karge Leben und die Überlebensängste des Dreißigjährig Krieges mitnimmt. Ich erfahre auch einiges über die Papierherstellung und dass Freundschaft keine Grenzen kennt.

Ein interessantes, spannendes Buch, mit dem ich ein paar wunderbar unterhaltsame Stunden hatte.

Andrea Bottlinger
Das Geheimnis der Papiermacherin
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634036

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 4. November 2018

Jenseits von Wut von Lucie Flebbe


Gerade noch sollte Edith „Eddie“, hübsch aufgestylt mit Ihrem künstlichen Zopf, in der Edel-Muckie-Bude Ihres Gatten Häppchen reichen, als sie auf einmal auf der Straße steht. Ihre Tochter Lotti und sie sind mehr als Hals über Kopf aus dem ehelichen Haus geflüchtet. Auslöser ist ein böser Streit mit Ihrem Mann, denn der ist nicht nur verletzend, sondern wirklich beleidigend. Im Nachhinein überlegt, war so eine Flucht längst nötig, so ein Ekelpaket wie Philipp geworden ist.
Doch was nun? Eddie braucht eine Wohnung, muss wieder arbeiten. Eigentlich ist sie nicht so wild darauf, wieder bei der Polizei zu arbeiten, doch was bleibt ihr für eine Wahl? Sie kann Teilzeit wieder einsteigen, sofort sogar, denn es ist Not am Mann. Dass Eddie nicht nur für einige Stunden Schreibarbeiten übernimmt, sondern sofort in eine Mordermittlung einsteigt, ist nicht der Plan. Doch genau so kommt es: Vor dem Jobcenter wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die brutal erschlagen wurde. Und die Mordkommission braucht jede Unterstützung. Und somit ist Eddie von einen Moment auf den anderen wieder mitten drin…
© Marion Brunner_ Buchwelten 2018

Freitag, 2. November 2018

Christian Schnalke - Römisches Fieber

Eine spannende Reise ins künstlerische Rom

Franz Wercker will schon von Kindesbeinen an Schriftsteller werden. Nach seiner unschönen Kindheit reist als Filippo Miller, dem Namen, mit dem seinerzeit schon Goethe nach Italien gereist ist, von Zuchthaus und Hinrichtung bedroht, über die Alpen, an den Gardasee. Hier ist er mit seinen Kräften am Ende, zerlumpt und total erschöpft, will er sich im Gardasee umbringen.

Cornelius Lohwaldt, durch eine Leibrente von König Maximilian dazu in der Lage, lebt für seine Dichtkunst. Auch er will nach Rom. Wie es aber der Zufall will, endet sein Leben, als er schwimmend im Gardasee mit dem Tod ringt und diesen Kampf verliert. Auch Franz kann ihn nicht retten. Er nutzt das Schicksal zu seinen Gunsten und reist unter der Identität von Lohwaldt weiter nach Rom, seiner Sehnsuchtsstadt. Hier tritt er ein in das ausschweifende Leben als Künstler, findet schnell Freunde und vor allem die Anerkennung, die er sich immer gewünscht hat.

In Sorge um ihren Bruder und weil sie sich aus den Zwängen der Familie befreien will, kommt Cornelius´ Schwester Isolde nach Rom. Schnell findet sie den Namensträger ihres Bruders und der Lügenballon, den Franz über sich aufgebläht hat, droht zu zerplatzen…

Anfangs hatte ich etwas Mühe in die Geschichte hinein zu kommen. Aber nach ein paar Seiten hatte sie mich gepackt. Ich habe mit den Protagonisten gelitten, mich hier und da gefürchtet, habe gelacht und vor allem das neue Leben von Franz / Cornelius genossen.

Eine Geschichte, in der ich alles finde, was für mich einen guten Roman ausmacht: ein Mord, ein Unglück, Liebe, Freundschaft, die vielfältige Kunst, eine unverhoffte Wendung und ich habe mitgefiebert – immer wieder. Mit der Vielzahl von Nebenrollen musste ich auch noch klar kommen, ohne diese zu verwechseln.

Und ich hatte den Eindruck, dass auch der Autor voll in seiner Geschichte drin ist und sie nicht nur erzählt. Die Bildhaftigkeit des Schreibstils und das Realistische der Protagonisten haben mein Kopfkino schnell in diese andere Zeit hineingezogen.

Ich fand das Flair und die Landschaftsbeschreibungen vom Gardasee sehr beeindruckend und schön. Als ich dann zusammen mit Franz / Cornelius im Rom bin, fehlen mir hier diese Bilder etwas. Das wurde dann aber durch die vielen künstlerischen Details und Kleinigkeiten wieder wettgemacht. Hier in Rom komme ich mit der farbigen Welt der Künstler und ihrer Künste in Berührung und das hat mich richtig fasziniert. Ich fühle mich mitten hinein katapultiert in das römische Künstlerleben von vor fast genau 200 Jahren.

Ein spannender, künstlerischer Roman, der mich begeistert hat. Es war mein erstes Buch des Autors. Aber ich hoffe auf mehr.

Christian Schnalke
Römisches Fieber
Piper Verlag, München

ISBN 9783492059060

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 30. Oktober 2018

Claudia Herber - Jedes Jahr fängt ein Jahr neu an

Kam sehr gut bei meiner Zuhörerin an

Das Cover zeigt Frankfurt am Main mit seinen Wolkenkratzern und passt sehr gut zur Geschichte um die 83-jährige Lisa Karmichel.

Es ist schön zu lesen, wie rüstig Lisa Karmichel in ihrem hohen Alter noch ist; dass sie Menschen in ihrem Umfeld hat, die sich um sie kümmern, wenn es sein muss. Die einfach für sie da sind. Sie liebt ihre Spaziergänge und hat einen geregelten Tagesablauf, der im Alter sehr wichtig ist. Und nun steht sogar ein Besuch in den USA bei Freundin Marlene an ...

Viele Kleinigkeiten sind sogar meiner ganz leicht dementen Nachbarin aufgefallen, der ich die Geschichte vorgelesen habe. Lisa Karmichel hat sie gleich ins Herz geschlossen und kommentiert immer wieder einzelne Szenen. Ich war ganz erstaunt, wie einerseits aufmerksam und andererseits mitteilungsbedürftig meine Nachbarin plötzlich war. Ich hatte den Eindruck, ihr hat die Geschichte von Lisa Karmichel richtig Spaß gemacht. Vor allem die Bilder haben ihr sehr gut gefallen. Und Mike Bender, der Busfahrer. Kurze, knappe Sätze machen das Verstehen für sie, wie ich finde, noch einfacher. Wir hatten nach jedem Kapitel noch ein kurzes angeregtes Gespräch, wenn sie auch immer wieder kurz in einer mir nicht sichtbaren Welt verschwand.

Also werde ich es nicht bei der einen Geschichte belassen und mir weiteren Lesestoff für Menschen mit Anfangsdemenz zulegen.

Claudia Herber
Jedes Jahr fängt ein Jahr neu an
Dromer Knaur Verlag, München

ISBN 9783828027862

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 28. Oktober 2018

Ali Benjamin - Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren

Bei diesem Buch hat mich das Cover und der Titel magisch angezogen. Und ich habe es nicht bereut, das Buch zu lesen: Ich bin begeistert!

Suzy M. Swanson ist 12 Jahre alt, als sie ihre bis vor Kurzem allerbeste Freundin Franny durch einen Badeunfall verliert. Da Franny eine sehr gute Schwimmerin war, kann und will Suzy nicht akzeptieren, dass solche Dinge einfach mal so passieren können. Erst recht nicht, als sie sich nach einem Aquariumsbesuch mit Quallen, vor allem mit der Irukandji Qualle auseinandersetzt. Sie meint beweisen zu müssen, dass Franny durch den Stich einer solchen Qualle gestorben ist. Um sich voll und ganz auf ihr Vorhaben konzentrieren zu können, redet sie einfach nicht mehr. Oder nur noch, wenn es gar nicht anders geht, wie bei einem Referat, dass sie natürlich über Quallen hält und dafür die Bestnote einheimst.

Suzy ist mit ihren 12 Jahren eine ganz aussergewöhnliche Protagonistin mit zum Teil ganz ungewöhnlichen Interessen. Sie interessiert sich z.B. für Quallen; rechnet sich aus, wie viele Menschen in einer Sekunde von einer Qualle gestochen werden. Versucht alles über Quallen herauszufinden. Interessiert sich besonders für einen Forscher in Australien, der die Irukandji Qualle erforscht. Aber auch auf andere Seiten unseres Universums hat sie eine ganz eigene Sichtweise, und Gedanken, die man ihr eigentlich nicht zutrauen würde. Und nun muss sie mit dem Tod ihrer Freundin klar kommen.

Für ihr Alter wirkt sie einerseits sehr reif, andererseits kommt immer mal wieder das kleine Mädchen zum Vorschein. Und dieses Mädchen versucht alles um ihren großen Plan wahr werden zu lassen.

Mir hat der Schreibstil von Ali Benjamin sehr gut gefallen. Sie schreibt so leicht, so locker, so bildhaft und klar vorstellbar, dass ich während des Lesens mein Kopfkino dauernd am Laufen hatte.

Die kurzen Kapitel, jedes mit einer eigenen Überschrift und einer skizzierten Qualle zu Beginn, lassen sich schnell und flüssig lesen. Immer wieder schwenken Suzys Gedanken in die Vergangenheit und sie unterhält sich mit ihrer Freundin Franny. Dieser dauernde Wechsel und vor allem das Persönliche daran hat mir sehr gut gefallen.

Die Geschichte regt zum Nachdenken an. Was bedeutet Trauer? Wie gehe ich mit einem Abschied um? Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, ist es keine Lektüre zum-einfach-mal-schnell-weglesen. Bei mir wird sie schon noch eine Zeit lang nachwirken.

Ich habe ein Buch gelesen, bei dem mich die Protagonistin immer wieder überrascht hat, das mich tief berührt hat, das mich zeitweise zornig werden ließ, das mich begeistert hat, das mich zum Nachdenken angeregt hat und meine absolute Leseempfehlung bekommt.

Ali Benjamin
Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren
Hanser Verlag, München

ISBN 9783446260498

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 26. Oktober 2018

Paola Peretti: In der Nacht höre ich die Sterne

Es ist ein berührender Debütroman, weil er sich eines Themas annimmt, mit dem nicht jeder Leser bzw. Mensch in Berührung kommt. Die neunjährige Mafalda erfährt, dass es in spätestens sechs Monaten dunkel um sie wird. Sie wird definitiv erblinden, weil sie an einer besonderen Krankheit leidet. Aber sie ist noch ein Kind, und sie hat Träume und Wünsche. So träumt sie von ihrer Großmutter, die in in einem Kirschbaum sitzt. Die Großmutter ist bereits verstorben. Der Kirschbaum steht in den Gedanken Mafaldas als Synonym für den Himmel. Außerdem sitzt im Kirschbaum der Kater Cosimo, mit dem sie sich über alles unterhalten kann.

Hat Mafalda anfangs noch viele Freundinnen in der Klasse, so ziehen sich diese immer mehr zurück, je dichter der Nebel vor Mafaldas Augen wird. Doch sie lernt auch einen neuen Freund kennen: Filippo. Und auch Olga, die Hausmeisterin der Schule, wird ihr eine enge Freundin.

Der Roman erzählt von dem Umgang dieses kleinen Mädchens mit ihrer schrecklichen Krankheit und zieht seine Spannung daraus, was am Ende bei vollständiger Erblindung wohl geschehen mag. Den Weg dorthin hat Peretti bildhaft in Schritten bis zum Kirschbaum geschildert. Angefangen mit 140 Schritten bis zum Kirschbaum, wo Mafalda dann mit ihrer Großmutter vereint sein wird, werden die Anzahl Schritte im Verlauf des Buches immer geringer. Eine gewaltige Bildkraft, die sich durch den Roman zieht.

Nun mag man sich fragen: Wie schafft die 30jährige Autorin aus Verona ein solches Thema so gefühlvoll anzugehen? Das liegt zweifelsohne daran, dass sie selbst an dieser Krankheit, an der auch ihre Protagonistin leidet, erblindet ist. Sie war damals 17, hat studiert, ist Journalistin geworden und hat nun letztendlich eine Geschichte geschrieben, die ihr am Herzen lag, mit der sie sehr verbunden ist.

Ein sehr emotionaler Roman, der in vielen Situationen auch ein Stück Lebenshilfe darstellen kann.

Paola Peretti
In der Nacht höre ich die Sterne
Aus dem Italinienischen von Christiana Burkhardt

dtv Verlag, München
ISBN 9783423289672

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Audrey Carlan - Dream Maker Sehnsucht

Konnte mich nicht so ganz fesseln

Dream Maker Parker Ellis, Love Maker Bogart „Bo“ Montgomery und Money Maker Royce Sterling führen gemeinsam die Agentur „International Guy Inc“. Die Drei coachen Frauen in Sachen Styling, Selbstbewusstsein, Finanzen und allem was Frau so brauchen kann. Eine Agentur für Lebenshilfe.

Der erste Auftrag führt sie nach Paris zu der jungen Firmenerbin Sophie Rolland. Ihr soll Stil und Selbstsicherheit beigebracht werden. Auch die Finanzen der Firma werden beleuchtet. Parker Ellis, vor dem keine Frau sicher ist, nimmt sich der jungen Dame im Besonderen an. Nach ihrem Auftrag wollen sie Freunde bleiben.

Auch in New York, wo Parker seinem großen Schwarm der Schauspielerin Skyler Paige aus einer Depression helfen soll, ist er der Mann, dem keine Frau widerstehen kann. Sky, die er Peaches nennt, kann endlich sie selbst sein.

Der letzte Auftrag in diesem Buch für Parker und Kollegen führt zu Fürstin Mary und ihrer Tochter Prinzessin Christina Kaarsberg in Dänemark, die den ihr angedachten Prinzen nicht ehelichen will. Auch hier ist Lebenshilfe angesagt.

Dies ist das erste Buch, das ich von Audrey Carlan gelesen habe. Und vom Hocker gerissen hat es mich, nach dem ganzen Hype, leider nicht.

Dream Maker ist der Auftakt einer neuen Reihe der Autorin, der mich in den kommenden Büchern noch nach Mailand, San Frabcico, Montreal, London, Berlin, Washington DC., Berlin, Los Angeles und Rio de Janeiro. Da wäre ich schon gespannt, was dort alles geschieht.

Die drei Geschichten hier in drei Metropolen werden aus der Sicht des Hauptprotagonisten Parker Ellis erzählt. Mir ist Parker zu selbstgefällig, zu selbstverliebt, zu glatt. Aber auch die beiden Partner Bogart „Bo“ Montgomery und Royce Sterling haben mein Herz nicht erreichen können. Dazu waren sie mir nicht präsent genug.

Den Schreibstil finde ich richtig gut - locker, leicht, flüssig, ausdrucksstark und prickelnd. Die Protagonisten sind sehr lebendig, ausdrucksstark beschrieben und sehr gut vorstellbar. Es geht immer wieder um Sex und Erotik. Aber die erotischen Beschreibungen gehen nicht unter die Gürtellinie und sind sehr gut lesbar.

Genau wie Parker zum Ende der Geschichte muss ich über einiges nachdenken. Ich wurde schon gut unterhalten. Aber will ich die anderen drei Bücher auch noch lesen? Vielleicht gebe ich dem nächsten Band noch eine Chance.

3,5 von 5 Sternen

Audrey Carlan
Dream Maker Sehnsucht
Ullstein Verlag, Berlin

ISBN 9783548290478

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 23. Oktober 2018

Dreckiger Schnee von Joseph Knox

Nicht so ganz meins.

Detective Constable Aidan Waits bekommt vom Abgeordneten David Rossiter MP den Auftrag dessen 17-jährige Tochter Isabelle ausfindig zu machen und nachhause zu bringen. Auf seiner Suche stößt Waits auf einen Sumpf aus Drogen, Sex und Gewalt.

Obwohl mir die Leseprobe zum Buch sehr gut gefallen hat, bin ich in die Geschichte nur sehr schwer reingekommen. Gerade den Anfang finde ich sehr zäh und langatmig. Aber auch die Geschichte hat für mich, bis kurz vor Schluss, keinen Reiz entwickelt und mich nicht einfangen können. Die Spannung, die sich langsam aufgebaut hatte, fiel immer wieder zusammen.

Vielleicht bin ich mit Mitte 60 einfach nicht das richtige Klientel für eine solche Art von Thriller. Ich fühle mich zwischen all den Drogen konsumierenden, durchgeknallten, saufenden, prügelnden jungen Menschen in den Discos und den Bars der Organisation oder den Burnsiders einfach nicht wohl.

Ich habe bis hierher auch selten ein Buch gelesen, wo es fast nur Personen gibt, die mir zutiefst unsympathisch sind. Egal ob Aidan Waits, bei dem hier und da auch mal sympatische Seiten hervorblitzen, sein Vorgesetzter Superintendent Parrs, Drogenboss Zain Carver, die „Sirenen“, die mir nicht mal leid tun, Glen Smithson, oder David Rossiter – alle hinterlassen bei mir einen abstoßenden, sehr negativen Eindruck. Sogar die Stadt Manchester vermittelt mir ein hässliches, unwohnliches Bild von sich.

Trotzdem habe ich tapfer durchgehalten und es nicht bereut. Auf den letzten ca. 150 Seiten nimmt die Geschichte an Fahrt auf, baut mit jeder Seite etwas mehr Spannung auf und ich verstehe mich langsam besser mit Aidan Waits.

Ein Thriller mit einigen Überraschungen, zum Teil sehr ungewöhnlichen Protagonisten und einer Geschichte, die bis kurz vor Schluss brauchte um mich zu fesseln.

Hierfür vergebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Joseph Knox
Dreckiger Schnee

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426522103

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 21. Oktober 2018

Anna Oldenburg - Rosen, Rheuma und Rosinen

Lilli – der Engel an der Wegkreuzung des Schicksals – die krasseste Oma im Universum

Elisabeth "Lilli" Lautenschlager ist schon eine Marke für sich. Sie ist Ü60, fast so fit wie ein Turnschuh und versucht sich ihren Ruhestand so angenehm wie möglich zu machen. Sie möchte aber keinesfalls so eine tüdelige Alte sein mit beigefarbener Jacke und ihr Cholesterinspiegel geht auch niemanden etwas an.

Ganz gleich, ob sie mit ihren Freundinnen über die guten alten Zeiten streitet, in denen alles besser war; sie in der kältesten Nacht des Jahres im neckischen Babydoll vor ihrer zugeschlagenen Türe steht und auf den Zeitungsausträger wartet; sie sich von ihrem Enkel Jonas einspannen lässt, was seiner Mutter gar nicht gefällt oder meint ihrer besten Freundin Sabine einen "Gefallen" tun zu müssen. Immer kommt ihr ganz eigener Humor zum Ausdruck. Und egal was sie tut, man kann ihr nicht böse sein.

So eine Freundin sollte jede Frau haben. Ein bisserl chaotisch, liebenswert, das Herz auf der Zunge und am rechten Fleck und immer da, wenn man sie braucht.

Anna Oldenburg lässt die einzelnen Szenen so bildhaft vor mir erscheinen, dass sich mein Grinsen nur schwer im Zaum halten lässt. Lillis Erlebnisse schildert sie manchmal mit einem kleinen Zwinkern im Auge, sehr abwechslungsreich und amüsant. Und natürlich wird auch hier und da mal etwas übertrieben. Der Hit hier überhaupt ist Tobi mit seinem Wortschatz. Warum, das müsst ihr schon selbst lesen.

Ich bin ja auch schon im Ruhestand und werde hier und da an Lilli denken, falls es mir wirklich mal langweilig sein sollte. Hauptsache, nie den Spaß am Leben und an Neuem verlieren. Dann kann nichts schiefgehen.

Ein wunderbares kleines Buch, das viel zu schnell ausgelesen war. Ich hoffe auf weitere Abenteuer und Alltagsgeschichten mit Frau Lautenschlager und ihren Freundinnen.

Anna Oldenburg
Rosen, Rheuma und Rosinen
ISBN 9781983309175

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© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 19. Oktober 2018

Miriam Traut - Ich werde Flugbegleiterin!

Ein sehr interessanter Erfahrungsbericht.

Nach ihrem Fachabitur reist Miriam Traut als Au-pair für ein Jahr in die USA um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Anschließend besucht sie in Australien ein College für Reisen und Tourismus. Hier reift ihr Wunsch als Flugbegleiterin bei einer deutschen Airline durchzustarten. Und nach einigen Stolpersteinen, die wegzuräumen sind, wird sie endlich zu einem Vorstellungsgespräch nach Frankfurt eingeladen, das mit einer Vertragsunterzeichnung endet. Nun folgt die sechswöchige Flugbegleiterausbildung mit Einweisung in Schminken, Service, Emergency, Stand-by-Reisen und vieles mehr. Endlich ist es dann soweit und die ersten Langstreckenflüge gehen nach Buenos Aires und Mumbai. Wenn Miriam die gut übersteht, steht ihrer Laufbahn als Flugbegleiterin nichts mehr entgegen.

Miriam Traut beschreibt ihr Leben als Flugbegleiterin so lebendig, so direkt, so leidenschaftlich, dass man sofort merkt, mit welcher Freude sie diesen Job ausführt. Aber ich denke, es ist nicht nur der Job, der sie so fesselt. Auch dass sie dauernd in andere Länder fliegen und neue Eindrücke sammeln kann, Land und Leute kennenlernt, immer Menschen um sich herum hat – das alles macht den Reiz aus. Da Miriam hier nie etwas Negatives beschrieben hat, denke ich, sie hat ihren Traumberuf wirklich gefunden.

Ich habe sehr gerne in einen interessanten, abwechslungsreichen und manchmal auch stressigen Beruf reingeschnuppert. Miriam Traut hat mich mit ihren Berichten sehr gut unterhalten. Ich bekomme sogar noch eine kleine Einführung in die Flugbegleiter-Sprache. Vor allem aber hat dieses kleine Buch mein Fernweh wieder angefacht. Los Angeles wäre einen Trip wert, denke ich.

Miriam Traut
Ich werde Flugbegleiterin!
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783746075006

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Donnerstag, 18. Oktober 2018

Gregoire Delacourt: Das Leuchten in mir

Schlägt man einen Roman von dem französischen Schriftsteller Gregoire Delacourt auf, so entfaltet sich sofort ein Gefühl von ganz besonderer Literatur. Das hat er in der Vergangenheit mehrfach bewiesen und auch die jetzige deutschsprachige Fassung aus dem Hoffmann und Campe Verlag steht dem nicht nach.

Emmanuelle ist fast Vierzig, 18 Jahre davon verheiratet und hat zwei Kinder. Sie erzählt von einer ungewöhnlichen Begegnung. Sie erzählt von einem fremden Mann. Sie versucht, vor ihm zu verbergen, dass sie ihn beobachtet, dennoch sucht sie immer wieder den Ort auf, an dem sie ihn zum ersten Mal traf. Irgendwann begegnen sich ihre Augen, irgendwann lädt er sie zu Essen ein. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht. Sie liebt doch ihren Mann, sie liebt ihre Familie. Warum fühlt sie sich zu diesem fremden Mann, der mittlerweile kein Fremder mehr ist, hingezogen? Dann beschließen beide, gemeinsam fortzugehen und ein ganz neues Leben zu beginnen. Doch da passiert das Unfassbare und das Leben bekommt tatsächlich eine Wendung.

Faszinierend an diesem Roman ist seine Montage und der gesamte Stil, auf den der Autor ein besonderes Augenmerk gelegt hat. Die Geschichte von Emma wird zunächst in drei Teilen erzählt, wobei die Kapitelzählung im ersten Teil rückwärts verläuft bis zu dem Zeitpunkt, der einen Wendepunkt im Leben der Protagonistin darstellt. Ab dann wird vorwärts gezählt. Die Kapitel enthalten manchmal nur einen oder zwei Sätze, die mit Metaphern oder Zitaten gefüllt sind. Der Geschichte "Die Ziege des Monsieur Segiun" von Alphonse Daudet kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie ist im Anschluss des Romans deshalb noch mal komplett abgedruckt. Die Perspektive aus der Sicht der Protagonisten schafft eine ganz besondere Nähe zum Leser. Man hat das Gefühl, Emmanuelle mindestens genauso gut zu kennen wie das ihre Freundin Sophie tut. Jeder der drei Teile vermittelt einen eigenen Spannungsbogen durch einen anders gearteten Konflikt, dessen Lösung man unbedingt erfahren möchte.

Ein dramatischer und hinreißender Liebesroman, der nicht nur durch seine Erzählweise sondern auch durch seine tiefe besticht.

Gregoire Delacourt
Das Leuchten in mir
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

ISBN 9783455002737

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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Was sich bei edition oberkassel so tut!

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Deb Sperra - Alligatoren

Branchville, eine kleine Stadt in den Südstaaten der USA

Mrs. Gertrude Padree lebt mit ihrem gewalttätigen Mann und ihren Töchtern Alma und Mary in einem heruntergekommenen Haus am Sumpf. Ihre Töchter Edna und Lily Louise leben bei ihrem Bruder Berns und seiner Frau Mary. Gertrude sieht keinen anderen Ausweg mehr und entledigt sich des Schlägers und Trunkenboldes an ihrer Seite.

Die kleine Mary ist sehr krank. Gertrude bitte die schwarze Oretta Bootles um Hilfe. Die nimmt sich des kleinen Mädchens sofort an. Sie selbst hat ihre kleine Tochter vor einigen Jahren nicht retten können.

Oretta arbeitet für Mrs. Annie Coles, deren Mann nun eine Tabakplantage betreibt, nachdem der Baumwollkäfer die Baumwollernte in drei Jahren hintereinander vernichtet hat. Sie selbst führt zusammen mit ihrem Sohn Lonnie eine Näherei für Getreidesäcke. Viele Frauen der Umgebung finden bei ihr Arbeit und Lohn. So auch neuerdings Gertrude. Nun soll das Sortiment auf Herrenhemden und Damenoberbekleidung ausgebaut werden.

Die drei so verschiedenen Frauen, die aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen stammen, erzählen ihre Geschichten abwechselnd. Durch die namentliche Erwähnung über jedem Kapitel weiß ich sofort, wen ich gerade auf ihrem Weg begleite. Ganz langsam kommen sie sich im Laufe der Geschichte näher. Drei Frauen, die sich von ihren unsichtbaren Fesseln befreien wollen, die sie und ihre Kinder an ihre Männer und Väter ketten.

Drei Frauen, die ihr Leben selbst bestimmen wollen.

Die Autorin hat die verschiedenen Personen charakterlich sehr detailliert, sehr menschlich und authentisch beschrieben. So werden sie mir schnell vertraut, ich kann mit ihnen lachen, weinen, leiden, hoffen, bangen. Vor allem kann ich ihre Handlungsweisen sehr gut verstehen. Die drei Frauen führen mich durch ihr Leben.

Obwohl der Schreib- und Erzählstil eher ruhig dahinplätschert, enthält er doch eine Spannung, die mich das Buch kaum aus der Hand hat legen lässt. Es war sehr spannend und interessant, den drei jede auf ihre Weise starken, mutigen Frauen zu folgen.

Ein mitreißendes Portrait dreier Frauen, die für ihre Freiheit, für ihre Selbstständigkeit und vor allem für ihre Kinder an ihre Grenzen gehen.

Ein Südstaatenroman, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Deb Sperra
Alligatoren
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel
und Klaus Timmermann 

HarperCollins Verlag, Berlin
ISBN 9783959672207

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 16. Oktober 2018

Konstanze Harlan - Wer den Frosch küsst

Liebe, Drama und Humor

Die Zeit, als die 25-jährige Cecilia Weiss der Star einer Telenovela war, ist lange vorbei. Heute schlägt sie sich als alleinerziehende Mama mit ihrem 5-jährigen Sohn Jakob mehr schlecht als recht durchs Leben. Bis ihr Freund Karsten sie mit auf einen Filmball nimmt. Hier lernt sie Alexander kennen, einen wie sie glaubt unbekannten Schauspieler. Und eine wunderbare Nacht beginnt ...

Konstanze Harlan lässt Cecilia ihre Geschichte selbst erzählen. Ich habe die junge Frau, die es in ihrer Kindheit nicht leicht hatte, sehr schnell ins Herz geschlossen. Ein bisserl chaotisch, immer auf dem Sprung, immer die Zeit im Nacken, gilt ihre einzige Sorge ihrem kleinen Sohn Jakob. Hier und da kam mir der Kleine mit seinen 5 Jahren etwas zu erwachsen rüber. Aber auch er hat mein Herz im Sturm erobert.

Cecilia und ihre Mutter Cornelia, die ein sehr gespanntes Verhältnis zueinander haben, nähern sich ganz langsam wieder an. Und Alexander, der sich als echter Traumprinz entpuppt, gelingt es schließlich doch noch, Cecilias Herz zu erobern. Eine weitere Person aus Cecilias Umfeld, die ich sehr mag, ist ihr guter Freund Karsten. Immer für sie da, immer bereit, wenn sie ihn braucht – wünscht sich nicht jede Frau so einen Freund an ihrer Seite?

Mir haben auch die Blicke hinter die Kulissen einer Fernsehproduktion sehr gut gefallen. Hier herrschen Neid, Missgunst, Selbstdarstellung und Oberflächlichkeit vor. Aber auch Freundschaft und großes Verständnis habe ich hier kennengelernt.

Eine wunderbar romantische Geschichte, wo auch der Tiefgang nicht fehlt, mit einer starken Protagonistin, die allen, vor allem den Männern, die Stirn bietet und sich nicht unterkriegen lässt. Leichte, lockere Unterhaltung, die mir ein paar lesenswerte Stunden geschenkt hat.

Konstanze Harlan
Wer den Frosch küsst
Selfpublisher BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783752862140

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 14. Oktober 2018

Petra Durst-Benning - Spätsommerliebe

Das wahre Leben ist spannender als jeder Kitschroman

Ich bin nun schon das 4. Mal in Maierhofen und darf den Bewohnern des Genießerdorfes über die Schulter schauen und ihren Alltag miterleben. Das 3. Kräuter-der-Provinz-Festval steht vor der Tür und die Bewohner des kleinen Allgäuortes sind voll mit den Vorbereitungen beschäftigt.

In diesem Band geht es hauptsächlich um Bäckerin Magdalena Stoll und ihren Griechen Apostoles Karamidas und B&B-Wirtin Christine Heinrich und ihren Reinhard Häussler, die in Band 3 der Serie zueinander gefunden haben. Es ist aber nicht immer leicht, die Liebe aus einer anfänglichen Euphorie in den Alltag mitzunehmen. Das bekommen auch die Paare in Maierhofen immer wieder zu spüren. Zerrissen von ihrer Arbeit, vergessen sie fast, dass es soviel mehr im Leben gibt, für das es sich zu leben lohnt.

Aber auch für Greta Roth und ihren Vinzent hat das Schicksal noch eine Überraschung bereit.

Ausserdem mietet sich bei Christine eine junge Autorin ein. Michelle Krämer will hier ihren ersten Liebesroman schreiben.

Besonders freut es mich auch für Rosi, dass sie für ihre Eltern eine liebevolle Betreuung gefunden hat.

Es ist also wieder jede Menge los in Maierhofen und ich bin mittendrin. Petra Durst-Benning schreibt so gefühlvoll, so lebendig und schafft es immer wieder, die Menschen in dem kleinen Allgäuer Ort so lebensecht rüber kommen zu lassen, dass es auch meine Nachbarn oder sogar ich selbst sein könnte. Wir sollten alle hier und da überlegen, ob wir uns, zumeist für Andere, so aufreiben müssen, oder ob es nicht besser wäre, hier und da mal alle Fünfe gerade sein zu lassen. Aber ich denke, auch daran arbeiten die Maierhofener.

Petra Durst-Benning macht uns mit kleinen Geschichten mal wieder sehr deutlich, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Als Schlusszuckerl gibt es noch einige leckere Rezepte von Gerichten, die die Maierhofener bei ihrem Hoffest aufgetischt haben und die absolut Lust machen, diese selbst mal auszuprobieren.

Da ich mich auch diesmal in Maierhofen wieder sehr wohl gefühlt habe und sehr gut unterhalten wurde, finde ich es schade, dass dies wohl der letzte Besuch bei diesen netten Menschen gewesen ist. Bei unseren nächsten Grillfesten werde ich an sie denken.

Petra Durst-Benning
Spätsommerliebe

blanvalet Verlag, München
ISBN 9783734106378

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 12. Oktober 2018

Elisabeth Florin - Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

Nichts ist wie es scheint

Am Bahnhof in Bozen steht ein Mann in Schwarz und wartet auf den Nachtzug nach Frankfurt über München. Hier lebten die deutsche Autorin Anna Santer und ihr Ehemann Lex, Inhaber einer kleinen Agentur für Fondsanalysen, die am Pool ihres Hotels in Meran erschossen wurden. Commissario Luciano Pavarotti und seinen Mitarbeiter Ispettore Emmeregger tun sich schwer mit dem Motiv und der Suche nach dem Mörder. Auch Liselotte "Lissie" von Spiegel, die große Liebe von Pavarotti, schaltet sich in die Ermittlungen ein. Wie sich herausstellt, war sie eine Freundin von Anna. Hier geht sie ihre eigenen Wege zu ihrem neuen Buch.

Elisabeth Florin nimmt mich nicht nur mit ins Hier und Jetzt, sondern konfrontiert mich auch mit der Vergangenheit von Anna und Lex Santer. Ausserdem erfahre ich einiges aus den Vorkommnissen im Meran kurz nach dem 2. Weltkrieg, als viele Flüchtlinge und vor allem auch Nazis die Stadt als Ausgangspunkt für ihre Flucht nach Südamerika nutzten, die "Rattenlinie".

"Für die meisten Leser genügt es, wenn die Spannung stimmt. Die Sprache ist zweitrangig." An diese These, die die Autorin Walter Timm in den Mund legt, hält sie sich selbst nicht. Ihre Sprache ist ausgefeilt, sehr bildhaft, punktgenau und sie jongliert mit ihren Worten. Und genau deshalb liebe ich ihre Krimis um Commissario Pavarotti.

Die Spannung entwickelt sich von der ersten Seite an, wo ich dem Mann in Schwarz begegne. Es ist auch nicht nur die kriminelle Spannung, die mich hier fasziniert. Auch zwischen Pavarotti und Lissie, genau so wie zwischen Emmenegger und Pavarotti bitzelt die Spannung und ich warte gespannt, ob und wie sie sich entläd. So hoch die Spannung auch bleibt, hier und da blitzt auch ein klein wenig Humor auf und bettet sich wie selbstverständlich in die Geschichte mit ein.

In diesem Fall ist fast nie etwas so wie es scheint. Ich sammle meine Puzzlesteine, setze sie zusammen und schon kommt wieder eine Wendung, die sowohl meine Gedanken als auch mein Puzzle wieder auseinander reißen. Erst ganz zum Schluss werde ich mit dem Mörder, den ich in kurzen Sequenzen in kursiver Schrifdt kennenlerne, und seinem Motiv konfrontiert und alle Fäden schließen sich zu einem einleuchtenden Strang zusammen.

Ich war schon des öfteren in Meran und so bin ich mit Pavarotti, Emmenegger und Lissie mittendrin in der Altstadt mit der Laubengasse und sehe auch die vielen Gebäude im Jugendstil vor meinen Augen.

Trotz der Missstimmung, die hier und da unter den Protagonisten herrscht, war ich auch diesmal wieder gerne mit meinen guten Bekannten auf der Suche nach Aufklärung unterwegs. Ich wurde sehr gut unterhalten, konnte mit rätseln und mit fiebern und habe dank der guten Recherche sogar wieder etwas gelernt. Ein spannender Fall mit interessanten Menschen und einem schuss Lokalkolorid – wieder genau so wie ich Krimis mag.

Elisabeth Florin
Commissario Pavarotti kam nie nach Rom
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740803162

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Monika Bittl - Ohne meinen Mann wäre ich glücklich verheiratet

Ohne Mann wäre auch nix

Monika Bittl schreibt keinen schnöden Ratgeber. Nein, die bringt die spannenden Themen eines Lebens mit Anhang Mann sehr direkt zur Sprache. Aber ich meine immer auch ein kleines Zwinkern in ihren Augen lesen zu können.

Egal ob es um die Liebe auf den 97. Blick geht, das Schenkverhalten des Mannes oder ob ein Dekoobjekt plötzlich ganz anders eingesetzt wird. Immer erkenne ich mich auch ein bisserl selbst in ihren Abhandlungen wieder. Bei den jeweiligen Bedienungsanleitungen für die Frau und den Mann merkt man gleich, wie Mann tickt. Das Rezept für die Hochzeitssuppe hat mir sehr gut geschmeckt. Und die männliche Sichtweise auf uns Frauen aus den unterschiedlichesten Lebensphasen im Alter von 18 Jahren bis 78 Jahren hat meine Wundwinkel recht weit nach oben gezogen.

Ein tolles Buch, ein witziger, unterhaltsamer Ratgeber mit einem zwinkernden Auge. Mir hat das Lesen bis auf ganz wenige Passagen, die ich etwas langatmig finde, wieder richtig Spaß gemacht.

Ein Buch, dass auch die Herren der Schopfung gerne lesen dürfen!

Monika Bittl
Ohne meinen Mann wäre ich glücklich verheiratet
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426789650

© Gaby Hochrainer, München 2018

Montag, 8. Oktober 2018

Der Outsider von Stephen King


Sehr schnell steht fest, dass es Terry Mailand war, der den 11-jährigen Frankie Peterson auf die brutalste Weise geschändet und ermordet hat. Terry Maitland, Vorzeigebürger der Kleinstadt Flint City, ist als Englischlehrer und Trainer der Jugendbaseballmannschaft sehr beliebt, glücklich verheiratet und Vater von 2 Mädchen. Und doch sprechen sämtliche Indizien und forensischen Beweise eindeutig dafür, dass Terry diesen bestialischen Mord begangen hat.
Auf Grund der wasserdichten und mehr als eindeutigen Beweise beschließen Detective Ralph Anderson und Staatsanwalt Bill Samuels die Festnahme in aller Öffentlichkeit vorzunehmen und Terry Maitland für seine Tat bloßzustellen. Terry Maitland hat ein Alibi und auch Zeugen, die bestätigen, dass er zum Tatzeitpunkt nicht in der Stadt war. Aber die Beweise, dass er dennoch augenscheinlich die Tat begangen hat, sind glasklar. Die Obduktion am Leichnam des Jungen bestätigt dies zudem. Zeugen, die Terry Maitland in Flint City sogar mit dem Opfer gesehen haben, untermauern den Tatverdacht auch noch.
Und dennoch. Im Laufe der Ermittlungen tauchen immer mehr sonderbare Ungereimtheiten auf und stellen die vorliegenden eindeutigen Beweise trotzdem in Frage. Wie kann es sein, dass Maitland ganz offenbar zeitgleich an zwei Orten war …?
Erschienen als gebundene Ausgabe
(mit Lesebändchen)
im HEYNE Verlag
insgesamt 752 Seiten
Preis:  26,00 €
ISBN: 978-3-453-27184-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror
 © Marion Brunner_Buchwelten

Sonntag, 7. Oktober 2018

Christopher Wilson - Guten Morgen, Genosse Elefant

"Es gibt Schlimmeres im Leben"

1953 ist Juri Zipit zwölfeinhalb Jahre alt, hat aber in seinem Leben schon viel mitgemacht, was ihn auch geprägt hat. Er wurde vor sechs Jahren von einem Milchlaster angefahren und anschließend von einer Straßenbahn überfahren. Er hat einen, wie er es beschreibt, beschädigten Körper und geschädigten Verstand, aber eine starke ungebrochene Seele. Vor allem sagt er immer, was er gerade denkt. Er wird immer anders sein. Aber gerade diese Andersartigkeit, der Ausdruck, der auf seinem Gesicht liegt, macht ihn zu etwas ganz Besonderem. Die Menschen lieben ihn und dieses Gesicht und vertrauen ihm ihre geheimsten Gedanken an. Obwohl sie dies oft nicht wollen. Und Juri hat gelernt, damit umzugehen.

Zusammen mit seinem Vater Doktor Roman Alexandrowitsch Zipit, einem weltberühmten, allseits respektierten Veterinärarzt lebt er in einer Personalwohnung des Zoos in Moskau gegenüber dem Elefantengehege. Als sein Vater eines Tages zu einer geheimen Behandlung eines geheimen Kranken abgeholt wird und Juri mitnimmt, gerät der Junge als Stalins Vorkoster bald mitten hinein in die Machtkämpfe und politischen Intrigen auf Stalins Datscha.

Christopher Wilson lässt Juri in seiner altersmäßig einfachen, kindlich naiven und langsamen Sprache erzählen. Sich selbst beschreibt Juri sehr intensiv und richtet auch immer mal wieder das Wort an uns, den Leser. "Das was ich erzähle, ist alles wahr. Absolut, komplett, total wahr. Bis auf ein paar Kleinigkeite, die ich ändern musste. Aber nur, was Zeiten, Orte, Namen und Ereignisse angeht." Kennt man die Geschehnisse um Stalins letzte Wochen herum, so kann man diese Änderungen aber schnell zuordnen.

Obwohl immer wieder auch von Greuel und Schrecklichem erzählt wird – durch die Erzählung von Juri nimmt es an Schrecken ab und wirkt wie leicht daher erzählt. Diese Leichtigkeit durchzieht die ganze Geschichte. Trotzdem empfand ich es beim Lesen schon hier und da als schwere Kost, eingewickelt in einen Mantel aus Humor, Satire und Tragik, die nachwirkt und genügend Spielraum für eigene Gedanken lässt.

Ich habe hier und da schmunzeln müssen, einige Male auch laut gelacht, an anderen Stellen nicht glauben wollen, was dort steht. Aber durch die vielen Dialoge, die sich manchmal über Seiten hinziehen, war ich auch mal etwas gelangweilt.

Ein tolles Buch voller Tragik, Satire und Humor, aber auch mit einem tiefen Ernst. Ich habe es sehr gerne gelesen und von mir bekommt das Buch 4,5 Sterne bekommt.

Christopher Wilson
Guten Morgen, Genosse Elefant
Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln

ISBN 9783462050769

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 6. Oktober 2018

Robert B. Parker: Raues Wetter

Nun habe ich meinen ersten Spenser-Roman, jedoch nicht meinen ersten Parker-Roman gelesen. Ich muss sagen, er enttäuscht nicht. Im Gegenteil, er macht Lust auf mehr. Im Mittelpunkt dieser Krimireihe steht der Privatdetektiv Spenser, der in der gleichnamigen 80er-Jahre-TV-Serie von Robert Urich gespielt wird.

Im vorliegenden Roman wird Spenser von einer High Society Lady angeheuert, um bei der Hochzeit ihrer Tochter als Mann an ihrer Seite aufzutreten. Sie selbst war dreimal verheiratet, jeweils mit Millionären, denen sie das Geld aus der Tasche gezogen hat. Die Hochzeit findet auf einer Insel, dem Anwesen ihres dritten Ex-Mannes, statt. Irgendwie hat Spenser kein gutes Gefühl bei diesem Auftrag. Einfach nur als männlicher Begleiter auftreten? Völlig ungewohnt für ihn. Rätselhaft wird es dann aber, als einer seiner Erzfeinde, der Graue Mann, der die Verbrecherszene an der Ostküste beherrscht, ebenfalls als Gast auftaucht. Aber es dauert nicht lange, und es werden tote Wachleute aufgefunden. Zudem wird der frische Schwiegersohn der Lady erschossen und der Graue Mann verschwindet mit der Braut in seinem Hubschrauber. Das war offenbar eine sehr kurze Ehe, die vielleicht gerade mal für eine Erbschaft standhält? Spenser ist neugierig und beginnt zu ermitteln.

Es muss Gründe geben warum die Romane von Parker in TV-Serien verwandelt wurden („Spenser", „Jesse Stone"). Wahrscheinlich weil sie einfach spannend, amüsant und gut sind. Er lässt seine Figuren in sämtlichen Milieus ermitteln und gibt ausreichend privaten Spielraum. Spenser hat immer einen kessen Spruch auf den Lippen. Voller Ironie und Sarkasmus interviewt er die Leute, die er mit Verbrechen in Verbindung bringt. Mit einem spitzbübischen Hintergedanken unterhält er sich aber mit seinen Freunden und Bekannten. Dialoge sind generell die Besonderheit und Stärke in den Parker-Romanen, so auch in diesem. Wenig Erzählstränge, umso mehr wörtliche Rede. Außerdem ist sich Robert B. Parker nicht zu schade für ein gelegentliches Crossover seiner Reihen. So haben seine beiden Protagonisten Jesse Stone und Spenser jede Menge gemeinsame Bekannte.

Ein Roman, mit dem man sich entspannt in den Sessel lehnen und in eine andere Welt abtauchen kann.

Robert B. Parker
Raues Wetter
Pendragon Verlag, Bielefeld

ISBN 9783865326225

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
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