Samstag, 22. September 2018

Müritz, Mord und Mückenstich von Charly von Feyerabend


Frieda ist Journalistin, Frieda ist schwanger und Frieda ist campen an der Müritz. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern. Back to Nature ist toll, dass sagt ihr Gatte. Ganz toll, denkt Frieda, denn sie hasst Campen.
Doch als Frieda auf Ihrer Parzelle in ihrer Hängematte einen Toten findet, da scheint nun doch ein bisschen Schwung in den langweiligen und unspektakulären Campingalltag zu kommen. Sofort sind ihr Ermittlergeist und ihre Spürnase aktiviert und Frieda will unbedingt mehr über den Toten und seinen ominösen Abgang herausfinden. Denn Frieda findet, dass der Fall durch die örtliche Polizei viel zu schnell abgehakt wird.
Sie knüpft Kontakte, schnüffelt ein bisschen hier und ein bisschen da. Das sie schwanger ist und eigentlich mit ihrer Familie da ist, vergisst sie zwar nicht, aber so wirklich wichtig nimmt sie diese Dinge auch nicht.
***
Die Autorin Charly von Feyerabend hat hier einen humorvollen Frauenkrimi abgeliefert, der sicher eine abwechslungsreiche Urlaubslektüre ist. Witzig, frech und lustig geschrieben lässt sie ihrer Protagonisten die kleine „Mamanase“ in so ziemlich jede Angelegenheit stecken, die sie nichts angeht.
Die Autorin Charly von Feyerabend hat hier einen humorvollen Frauenkrimi abgeliefert, der sicher eine abwechslungsreiche Urlaubslektüre ist. Witzig, frech und lustig geschrieben lässt sie ihrer Protagonisten die kleine „Mamanase“ in so ziemlich jede Angelegenheit stecken, die sie nichts angeht.
Erschienen als Taschenbuch
im Emons Verlag
288 Seiten
11,90 €
ISBN: 978-3-7408-0391-9
Kategorie: Krimikomodie
© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Freitag, 21. September 2018

Hiltrud Baier - Helle Tage, helle Nächte

Eine unerfüllte Liebe in Lappland

Als Anna Albinger die Diagnose Krebs bekommt, will sie unbedingt noch ein paar Sachen regeln. Sie schreibt Briefe. Einen dieser Briefe soll ihre Nichte Frederike nach Lappland zu Petter Svakko bringen, der andere ist für Frederike selbst. Wer dieser Petter ist, darüber schweigt sich Anna aus.

Mit ihrem roten VW-Bus macht sich Frederike auf den mehr als 3000 km langen Weg von Süddeutschland über Berlin, Rostock, Trelleborg, Stockholm, Uppsala, Härnosand nach Jokkmokk. Unterwegs wundert sie sich immer wieder, woher sie die schwedische Sprache so gut versteht?

Hiltrud Baier erzählt in ihrem Debütroman eine Familiengeschichte über mehrere Generationen, besonders aber von zwei starken, sympathischen Frauen – Anna und Frederike. Es ist aber auch die Geschichte der von Annas Schwester Marie, ihrer schwedischen Mutter Ibba, die in dem kleinen Ort Beuren nie heimisch geworden ist, von Maries Tochter Frederike und deren Tochter Paula.

Abwechselnd lassen mich Anna und Frederike an ihrem derzeitigen Leben teilhaben. Jede für sich lässt ebenso in Gedanken ihr Leben an sich vorbei ziehen. Anna will endlich ihre Lebenslüge aufdecken mit der sie zwei Menschen ungemein weh getan zu haben glaubt. Petter braucht Zeit für sich um Annas Brief zu verdauen und Frederike ist einfach nur wütend und enttäuscht und braucht ebenfalls Zeit, die sie in der Einsamkei von Petters Hütte findet. Gerade Petters Reaktion und seine Kommentare zu diesem Brief haben mir sehr gut gefallen.

Durch die detailgenauen, sehr persönlichen und eindringlichen Beschreibungen von Anna und Frederike, kann ich mich sowohl in die eine, als auch in die andere sehr gut hineinversetzen. Dadurch kann ich die lauten, erbosten und wütenden Momente gut nachvollziehen und verstehen. Es gibt in diesem Buch aber auch viele stille, sehr einfühlsame und nachdenkliche Momente an denen ich teilhaben darf und die ich sehr genossen habe

Die Geschichte bietet einige sehr schöne Gelegenheiten zum Nachdenken. Ich habe mit Frederike und Anna, die beide eine ganz andere Sicht auf verschiedene Dinge haben, gelitten und geschmunzelt. Ich habe mit Frederike die Schönheit eines kleinen Flecken Lapplans erkundet; habe mit Anna gegen ihre Krankheit gekämpft. Und ganz zum Schluss ist bei mir eine kleine Träne geflossen.

Hiltrud Baier hat mich mit dieser Geschichte über drei sehr verschiedene Menschen sehr berührt und mir ein Leseerlebnis geschenkt, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Hiltrud Baier
Helle Tage, helle Nächte
S. Fischer Verlag, München

ISBN 9783810530387

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 19. September 2018

Jeffrey Eugenides - Middlesex

Ein Leben als Hermaphrodit

Middlesex ist die Geschichte von Cal bzw. Calliope Stephanides, einem Hermaphroditen aus Detroit und ihrer Familie.

Sie erzählt die Geschichte ihrer Großeltern, den Geschwistern Desdemona und Lefty, die wegen des Türkisch-Griechischen Krieges 1920 aus der Türkei zuerst nach Smyrna und von dort nach Amerika fliehen. Bei der Überfahrt mit dem Schiff heiraten sie. Großmama Desdemona erfährt erst kurz vor ihrem Tod welche Folgen sie mit ihrer Heirat und ihrer Liebe, die nicht hätte sein dürfen, herbei geführt hat.

Ich lese vom Zusammenkommen ihrer Eltern und ihrer Geburt. Erst im letzten Drittel geht es um ihn/sie selbst, die beide Geschlechter in sich trägt. Wie geht eine junge Frau damit um, wenn sie mit 22 Jahren erfährt, dass sie auch ein Junge ist? Der Intersex wird aber nicht Hauptthema, sondern fließt scheinbar nebensächlich, vor allem sehr leicht, aber doch eindringlich in die Geschichte ein.

Dieser Roman ist einer der besten, die ich bisher gelesen habe. Eine Familiengeschichte, in der ich meine seit fast 90 Jahren dabei bin. Ich lerne die einzelnen Familienmitglieder recht gut kennen und nehme an allen Abschnitten ihres Lebens teil. Egal ob ihr Leben gerade im Aufwind steht oder sie sich in einer Talsohle befinden. Es ist schön, dabei sein zu dürfen. Denn auch die Alltäglichkeiten haben ihren Reiz und werden niemals langweilig.

Ich mag den feinen, einfallsreichen, farbigen Schreib- und Erzählstil von Jeffrey Eugenides, der hier so vielfältige, vielschichtige und unterschiedliche Personen erschaffen hat, hier sehr. Haben mich die 700 Seiten zuerst abgeschreckt, fand ich es am Schluss sehr schade, dass die Geschichte schon auserzählt war.

Eine wunderbare Geschichte voller Menschlichkeit, Humor, Spannungen, Leichtigkeit und Tiefe, manchmal mit einer Träne im Auge, vor allem aber absolutem Lesevergnügen.

Jeffrey Eugenides
Middlesex
Rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 9783498016708

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 18. September 2018

Michael Connelly: Die Verlorene

Neu erschienen ist die deutsche Fassung des vorliegenden (21.) Harry-Bosch-Romans. Ich genieße wieder das Gefühl von Sanftheit und Entspanntsein bei diesem mitreißenden Krimi. Connelly fängt mich immer wieder mit seinem Schreibstil ein.

Hieronymus (Harry) Bosch, ehemals Detective beim LAPD, jetzt im Ruhestand als Privatermittler und in Teilzeit beim San Fernando Police Department tätig. Privat ermittelt er einen Auftrag von einem der reichsten Männer Amerikas. Seine Cold Cases beim SFPD muss er auch liegen lassen, denn ein Serienvergewaltiger geht in San Fernando Valley um, bei dem Bosch wegen seinen Erfahrungen hinzugezogen wird. Zwischen diesen Fällen versucht er, sein Privatleben mit seiner Tochter auf die Reihe zu bringen.

Ich weiß nicht, wie der Schriftsteller Connelly ist schafft, zwischen all den zahlreichen Informationen, trotz Schießereien und Hetzjagten eine Atmosphäre aufzubauen, die beinahe besinnlich wirkt. Ich komme mir beim Lesen vor, als wäre ich am Flughafen LAX in ein Mietauto gestiegen und cruise bei Tempo 50 bis nach Hollywood. Zurückgelehnt und entspannt. Dabei lasse ich die Informationen über den Vietnamkrieg, die Strukturen und Arbeitsweisen der Polizeikräfte, die Stadtpläne und Stadtviertel von LA und umliegenden Counties auf mich einwirken. Die Sonne bahnt sich langsam durch die diesige Luft ihren Weg. Bosch zofft sich mit Vorgesetzten oder anderen Leuten, er isst und trinkt mit Kolleginnen und Kollegen. Man spürt seinen Drang, nicht zum Abstellgleis zugehören. Bosch ist ein sehr erfahrener Ermittler. Meist bleibt er ruhig und entspannt bei seiner Arbeit, obwohl er auch mal kräftig ausrasten kann. Aber diese Gelassenheit des Profis geht beim Lesen auf den Leser über. Zumindest bei mir ist das so.

Eigentlich werden in diesem Krimi zwei unterschiedliche Fälle gelöst. Jeder für sich in separaten Strängen, die sich gelegentlich überschneiden. Im Kopf der Leser und bei Bosch sind beide Fälle präsent. Und Bosch bekommt als Protagonist die zusätzliche Aufgabe, die Ermittlungen in beiden Fällen zu organisieren, weil er von unterschiedlichsten Seiten ins Visier genommen wird. Der Knaller ist aber das Ende des Romans. Obwohl komplett plausibel und bei genauem Nachdenken eigentlich nicht unerwartet, präsentiert der Autor am Ende eine völlig überraschende Auflösung. Beste Spannung, ausgestattet mit reichlich Lokalkolorit a la Westcoastsound. Sehr zu empfehlen!

Michael Connelly
Die Verlorene
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426281925

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Sonntag, 16. September 2018

Friedrich Kalpenstein - Gruppentherapie

Ein Leben zwischen München und Mallorca

Ben Valdern ist gerade mal 30 Jahre alt, als der bodenständige Architekt aus München-Schwabing sein Architekturbüro und damit seine Existenz in den Sand setzt. Sein guter Freund Sascha vermittelt ihm einen Auftrag nach Mallorca an den Ballermann. Hier verdient Ben ab jetzt im "UNIVERSUM" als Partysänger Benny Biber sein Geld. Bis er eine neue Stelle als Architekt im Büro Zöllner & Zöllner angeboten bekommt und sich die Tochter des Inhabers auch noch in ihn verliebt. Ab jetzt steht Ben unter Stress mit 2 Jobs. Denn den Ballermann und die Liason mit der Barfrau Eva will er nicht aufgeben.

Für mich ist "Gruppentherapie" das erste Buch von Autor Friedrich Kalpenstein. Aber es wird definitiv nicht das letzte sein.

Ich bin von seinem Schreib- und Erzählstil begeistert. Spritzige Dialoge, Situationskomik vom Feinsten und eine Geschichte, die einfach perfekt passt. Die kulturellen Unterschiede in Bens Leben, einerseits seine Auftritte am Ballermann, andererseits sein Leben an Clarissas Seite in der Münchner High Society, werden sehr klar dargestellt.

Mit Ben "Benny Biber" Valdern hat der Autor einen sehr sympathischen Protagonisten kreiert, den ich mir mit seiner schwarzen Perücke und der riesen Sonnenbrille auf Malle auch im wahren Leben gut vorstellen kann. Genauso aber auch in Anzug mit Kravatte in seinem seriösen Beruf im Architekturbüro.

Bei seinem dauernden Hin und Her zwischen München und Malle, zwischen Clarissa und Eva, sind Schwierigkeiten ja eigentlich schon vorprogrammiert. Aber lange Zeit meistert er dieses Doppelleben mit Bravur. Er kann sowohl mit seinen zumeist angetrunkenen Fans im UNIVERSUM umgehen, aber macht sich auch sehr gut bei den Abendveranstaltungen seines Schwiegervaters in spe. Wobei mir Vater Frank Zöllner und Tochter Clarissa von Anfang an nicht sonderlich sympathisch waren. Ganz im Gegensatz zu Bens Freund Sascha, der Bens Musik und Texte für die Sause auf Malle schreibt, und Clarissas Schwester Tina, die in München einen Dritte Welt Laden führt. Auch die anderen Handelnden haben ihre Ecken, Kanten und Macken und sind sehr gut vorstellbar. Hier und da sehe ich mich mit den Ballermann-Fans vor der Bühne stehen, kann die Songs von der CD mitsingen und feiere einfach mit.

Was mir wie immer, wenn eine Geschichte in meinem Lebensmittelpunkt München angesiedelt ist, besonders gut gefällt, dass ich mit Ben vom Architekturbüro Zöllner in Schwabing über den Karlsplatz zur Sonnenstraße, wo Sascha sein Tonstudio hat und weiter zu seiner Wohnung in der Nymphenburger Straße ziehen kann und immer genau vor Augen habe, wo ich mich gerade befinde.

Witzige Situationskomik, spritzige Dialoge, eine amüsante Geschichte, Partyhits vom Ballermann und viele Klischees – so sehen die Zutaten für einen humorvollen Sommerroman aus. Meine Mundwinkel ziehen sich immer noch nach oben.

Friedrich Kalpenstein
Gruppentherapie
Amazon Verlag, München

ISBN 9782919800377

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 15. September 2018

Micaela Jary: Der Gutshof im Alten Land

Dieser Roman hat mich in meine Kindheit mit den Erzählungen meiner Großmutter zurückkatapultiert. Meine Großmutter war als junges Mädchen auf einem Gutshof im Alten Land. Als Kindermädchen kümmerte sie sich um die Kinder der Herrschaften. Dieser Umstand sorgte für ein besonderes Gefühl beim Lesen.

Der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende. Viele Familien haben ihre Söhne und Väter verloren. So auch derer von Voss. Beide Söhne werden vermisst. Das Familienoberhaupt liegt im Sterben. Die Tochter Finja kümmert sich um den Hof, während ihre Mutter am Krankenbett sitzt. Finja fühlt sich in der Lage, den Hof zu führen, wenn da nicht ihr Cousin Roland wäre, der als männlicher Nachkomme im Familienstamm den Hof erben soll. Das gefällt allerdings keinem, nicht der von-Voss-Familie, und nicht deren Angestellten, denn Roland wird als Windhund gesehen. Da taucht plötzlich jemand auf und wirbelt die sich nach dem Krieg langsam wieder einspielenden Verhältnisse mächtig durcheinander.

Micaela Jary nimmt uns in diesem Roman mit auf eine Zeitreise an einem wunderschönen Ort. Sie hat ein Figurenensemble geschaffen, bei dem jede Figur auf Interesse beim Leser trifft. Vielen von ihnen begegnet man mit Sympathie, aber nicht nur. Das Zusammenspiel von alteingesessenen Menschen und Fremden im Alten Land weist auch auf die momentanen Verhältnisse in der Gesellschaft hin. Mit viel Liebe zum Detail beschreibt sie dieses diesen Landstrich in Norddeutschland und lässt uns darin heimisch werden. Gelungen fand ich die Verwendung des plattdeutschen Dialektes, der so smart vorgenommen wurde, dass er selbst für einen Bayer verständlich sein sollte. So wäre der Satz „Die jungen Lüüd heutzutage nun wieder." In seiner vollen Version „De jungen Lüud hüttodag nu wedder." Wäre er für so manchen Leser nicht ganz so verständlich gewesen. Ich fand den sanften Einsatz des Dialektes sehr passend.

Ein überraschendes und versöhnendes Ende sorgt schließlich dafür, dass man das Buch mit einem zufriedenen Lächeln aus der Hand legt. Eine Familiensaga, der man ruhigen Gewissens die beste Note geben kann.

Micaela Jary
Der Gutshof im Alten Land

Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442485963

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Freitag, 14. September 2018

Margarete von Schwarzkopf - Der Moormann

Das Geheimnis des Moores

Die Geschichte ist in zwei Zeit- und Erzählstränge aufgeteilt:

Margarete von Schwarzkopf erzählt immer abwechselnd die Geschichte ab 1788 von Geograph und Kartenzeichner Reginald Fitzgibbon, der für den englischen König Georg III. die Moorlandschaften in Norddeutschland kartografieren soll.

Und von der Kunsthistorikerin Anna Bentrop, die von Anke Kück im fiktives Moordorf Bresterholz ein kleines Häuschen gemietet hat und hier in den nächsten 2 Monaten an einem einem Katalog für die große Kartenausstellung der hannoverschen Leibnitz-Bibliothek arbeiten will.

Beide versuchen auf ihre Weise hinter das Geheimnis des Moormannes und seines Schatzes zu kommen.

Mit ihrem leichten und flüssigen Schreib- und Erzählstil lässt mich Margarete von Schwarzkopf an den Tagebuchaufzeichnungen von Reginald Fitzgibbon teilhaben. Genauso bin ich bei den Recherchen von Anna Bentrop dabei. Sie zieht mich in die Moorlandschaft von vor 250 Jahren und auch heute gehe ich dort auf Erkundungsgang. Was ist damals geschehen? Hat es etwas mit den heutigen Todesfällen zu tun? Gibt es eine Verbindung vom Gestern zum Heute? Ist der Moormann nur Schein oder gibt es ihn wirklich?

Die Figuren aus Vergangenheit und Gegenwart sind sehr gut ausgearbeitet und vorstellbar. Manche haben sympathische Züge, anderen springt ihre Bosheit aus den Augen, oder sie verstehen es meisterlich sich zu verstellen.

Die Spannung ist zwar nur mäßig hoch, hält sich aber auf einem mittelhohen Level, und lässt mich mitfiebern bis zum Schluss.

Mich haben die vielen Fakten, die in die Geschichte eingebaut sind, sehr interessiert. Die Geschichte des Moores, die Funde, die man dort gemacht hat, die Menschen von damals und heute – alles ist hier in die Geschichte so toll integriert, dass mich sogar die geschichtlichen Daten und Vorkommnisse interessiert und nicht gelangweilt haben.

Zusammen mit Reginald Fitzgibbon und Anna Bentrop durfte ich eine kurze Zeit in Bresterholz verbringen und das Geheimnis des Moores aufdecken. Ich habe es genossen.

Margarete von Schwarzkopf
Der Moormann
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740802158

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 12. September 2018

Martine McDonagh - Familie und andere Trostpreise

Auf der Suche nach sich selbst

Sonny Anderson, der seinen Vater und seine Mutter seit Jahren nicht gesehen hat, lebt seit 11 Jahren bei seinem Vormund Thomas Hardiker in Redondo Beach in Süd-Kalifornien. Er hat in seinem jungen Leben schon Vieles mitgemacht. Drogen, Ängste, Zwänge und Neurosen haben sich entwickelt. So mag er z.B. keine Umschläge, hat Angst vor Veränderungen, mag keine lauten Geräusche und hasst die Kussgeräusche anderer Personen. An seinem 21. Geburtstag, der für ihn selbst nichts Aussergewöhnliches ist, ändert sich doch so einiges. Plötzlich steht in seinem Pass Sonny Anderson Agelaste-Bim und er erbt von seinem Vater, einem ehemaligen Guru, ein Millionenvermögen. Schließlich macht er sich auf nach Großbritanien, um zu seinen Wurzeln zu finden.

Nach dem Klappentext und einer Leseprobe hatte ich mich auf einen leichten, witzigen Roman eingestellt. Bekommen habe ich eine tiefgründige, warmherzige Geschichte über einen jungen Mann, der sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Vergangenheit macht.

Sonny erzählt seine Geschichte in der Ich-Form. Von seinem Geburtstag, seinem Leben mit Thomas, dem Auspacken der Geschenke, seinen Ticks und wie er sich im Flugzeug nach Europa fühlt. So lerne ich ihn langsam immer besser kennen und auch verstehen.

Ich hatte den jungen Mann recht bald in mein Herz geschlossen und bin sehr gerne auf die Reise in seine Vergangen mit gegangen. Von London aus macht er sich auf die Siche nach seinen Wurzeln. Er trifft Menschen, die seinen Vater und seine Mutter kannten und es hat den Anschein, als wären beide an ihrem Sohn nicht sonderlich interessiert gewesen.

Aber nicht das Offensichtliche, sondern vor allem Sonnys manches mal wirren oder verwirrenden Gedanken machen den Reiz dieser Geschichte aus. Immer auch auf den Spuren seines Lieblingsfilms Shaun of the dead tastet sich Sonny langsam zu seiner eigenen Identität vor. Ich bin ihm dabei sehr gerne gefolgt, auch wenn ich ihn nicht immer gleich verstanden habe.

Eine wunderbare Geschichte darüber, dass jede Familie anders und einzigartig ist. Und dass man seine eigene Familie manchmal ausserhalb der eigenen findet.

Wer eine ungewöhnliche Familiengeschichte mit einem aussergewöhnlichen Protagonisten und teils etwas "anderen" Handelnden lesen mag, der sollte sich dieses Buch vornehmen.

Martine McDonagh
Familie und andere Trostpreise
HarperCollins Verlag, Hamburg

ISBN 9783959677608

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 9. September 2018

Katharina Peters - Todeswoge

Tödliche Videospiele

Emma Klar, ehemalige Polizistin und jetzt Privatdetektivin in Wismar, wird von der Hamburger Juwelierin Lilo Eichborn engagiert, ihren ehemaligen Schulfreund Ingo Beyer zu suchen, der zuletzt in Grewesmühlen gelebt hat. Bei ihren Recherchen stößt die Privatdetektivin auf Polizeiberichte eines Prozesses wegen Kindestötung, wo Beyer als Täter vor Gericht stand. Er wurde damals freigesprochen. Nun ist in der Nähe von Grewesmühlen wieder ein 10-jähriges Mädchen verschwunden. Hat Beyer damit etwas zu tun und ist deswegen untergetaucht? Emma gelingt es sowohl BKA als auch LKA davon zu überzeugen, dass an diesem Fall viel mehr unklar ist, als das Verschwinden von Ingo Beyer. Gemeinsam geht man auf Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurück geht.

Dies ist der 3. Fall für die sympathische Privatdetektivin aus Wismar. Und auch diesmal wurde ich wieder sehr gut unterhalten.

Katharina Peters stellt mir in diesem Fall ganz besonders zwei Männer vor, Ingo Beyer und Kilian Eichborn, Freunde seit Jugendtagen, bei denen vor allem bei einem der Beiden die Brutalität und vor allem der Wahnsinn, mit dem er seine Taten begeht, schwer vorstellbar sind. Alles getarnt durch Videospiele, sowohl legal als auch im Darknet. Bis einem der Beiden der Andere plötzlich zuviel wurde. Beim Lesen hatte ich mehr als einmal Gänsehaut. Wenn ich mir vorstelle, dass es vielleicht solche Menschen mit solchen Fantasien, die diese auch verwirklichen wollen, tatsächlich geben könnte, stellen sich mir die Haare auf.

Die Spannung ist wegen der ausgiebigen Ermittlungen diesmal nicht ganz so hoch. Trotzdem habe ich mitgefiebert und mit gelitten, bis man dem oder den Tätern endlich auf der Spur war. Und ich hatte Angst, dass es vielleicht ein weiteres Opfer geben könnte. Gut dass Emma sich auf ihren Freund Christoph immer verlassen kann und der auch die kleinsten Hinweise zu deuten vermag.

Ihr habt Lust auf einen spannenden, vor allem sehr interessant aufgebauten Ostsee-Krimi? Dann seid ihr hier genau richtig.

Katharina Peters
Todeswoge
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746634159

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 8. September 2018

Sibyl Quinke - Tod in der Klingenfabrik

Zuviel des Guten

Gesa Keppling, Geschäftsführerin der Fa. Crena, feiert die Einweihung des neuen Firmengeländes in Haan, einem kleinen Ort zwischen Düsseldorf und Solingen, mit allen die Rang und Namen haben in großem Stil. Alles läuft super ab, bis man später beim Aufräumen, als fast alle Gäste weg sind, den Bruder von Gesa Keppling, Anteilseigner Thorsten Cielzik, tot zwischen wegzuräumenden Kartons findet. Frauenfreund Thorsten Cielzik hat zu Lebzeiten nichts anbrennen lassen. Er nahm sich alles was sich ihm angeboten hat – von der Chefsekretärin bis zur Küchenmamsell. Dass das des öfteren zu Eifersüchteleien zwischen den Frauen führte, ist leicht vorstellbar. Liegt hier der Schlüssel zu seinem Tod? Oder haben die beiden schrägen Vögel, die uneingeladen aus Köln zur Feier gekommen sind, etwas mit seinem Tod zu tun?

Ein Fall für die Kommissare Dick und Bresniak von der Kripo Wuppertal.

Die Kommissare durfte ich schon bei dem Fall in der Tuchfabrik kennenlernen. Die Neue, Praktikantin Louisa Breden, bringt mit ihrer erfrischenden Art neuen Schwung ins Kommissariat. Ich erfahre einiges über die Zuckerkrankheit, die hier eine Rolle spielt, und wie diese zusammen mit anderen z.B. Drogen wirkt.

Ich lerne wieder einige neue Protagonisten kennen. Sigrid Dick, die Frau vom Kommissar, die zwar nur eine kleine Nebenrolle spielt, ist mir mit ihrer herzlichen Art sofort sehr sympathisch, genau wie die neue Praktikantin. Und auch den Rechtsmediziner Mortes mag ich. Er ist zwar ein bisserl anstrengend, kennt sich aber super bei vielen Themen aus und hat das Herz am rechten Fleck. Britta, die supernaive Küchenmamsell mit ihrem Nasciturus im Bauch, die meint, nun gehöre der Chefsessel ihr, finde ich einfach nur stressig.

So haben alle Protagonisten ihre Stärken und Schwachstellen und werden für mich damit schnell vorstell- und unverwechselbar.

217 Seiten aufgeteilt in 40 Kapitel machen das Lesen so richtig angenehm. Cliffhanger und Wendungen von der Autorin gekonnt eingesetzt, heitzen die unterschwellige Spannung an. Dies ist wieder so ein Krimi, der ohne Blutvergießen auskommt, einiges aus dem Privatleben der Kommissare preisgibt und mich trotzdem immer wieder zum Weiterlesen animiert. Die Auflösung endet mit einem Paukenschlag. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Und schon tut mir die "Täterin" richtig leid.

Ein leiser Krimi mit einer interessanten Geschichte, die mich begeistern konnte und sehr gut unterhalten hat. Bitte mehr davon.

Sibyl Quinke
Tod in der Klingenfabrik
edition oberkassel Verlag, Düsseldorf

ISBN 9783958131484

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 7. September 2018

Andreas Winkelmann - Das Haus der Mädchen

Von Beginn an extrem spannend

Gleich auf den ersten Seiten schießt die Spannung so in die Höhe, dass ich mit Lesen nicht mehr aufhören kann.

Krankenpfleger Oliver Kienat fällt auf seinem Heimweg ein weißer Kastenwagen auf, an dessen Rückfenster er eine Hand und blutige Fingerspuren sieht. Er verfolgt das Fahrzeug, fotografiert es mit seinem Handy – und wird in einem verlassenen Hafenareal durch das Fenster seines Wagens erschossen.

Frederic "Freddy" Förster, ein Mann, der den tiefen Fall aus dem beruflichen Leben hinter sich hat und nun auf der Straße lebt, beobachtet das Ganze.

Leni Fontane aus dem kleinen Provinzort Sandhausen hat ein dreiwöchiges Praktikum im Hamburger Verlag New Media ergattert. Ihr Zimmer in einer alten Villa direkt am Kanal hat sie über BedonBed.com bekommen. In ihrem neuen Zuhause auf Zeit lernt sie Vivien kennen; eine sehr kontaktfreudige junge Frau, die sich sehr freizügig gibt und auf der Suche nach einem Millionär ist. Als Vivien ganz plötzlich von heute auf morgen verschwindet, ohne sich von Leni zu verabschieden, wendet sich Leni an die Polizei.

Hauptkommissar Jens Kerner hat gerade den Fall Jana Heigl auf dem Tisch, die ebenfalls spurlos verschwunden scheint. Die Suche nach den verschwundenen jungen Frauen beginnt.

Landei Leni Fontane mit ihrer liebenswerten etwas naiven Art habe ich gleich ins Herz geschlossen. Zuerst zurückgezogen taut sie langsam auf, wehrt sich und stellt sich entschlossen allen Widrigkeiten und allem Bösen gegenüber.

Bei Freddy hat es etwas länger gedauert, bis ich ihn mochte. Er hat eine dunkle Vergangenheit, ist von ganz Oben nach ganz Unten gestürtzt, aber er hat seinen Gerechtigkeitssinn nicht verloren und als es drauf ankommt, ist er voll da.

Auch die anderen Protagonisten, allen voran HK Kerner, den man in seinem Umfeld nur als Dirthy Harry kennt, und seine Kollegin Rebecca mit ihrer zynischen und auch humorvollen Art, die an den Rollstuhl gefesselt ist, kann ich mir sehr gut vorstellen.

Mitgefiebert habe ich vor allem mit den jungen Frauen, bei deren Martyrium ich hautnah dabei bin. Ich lese, wie sie leiden, wie sie hoffen, wie sie betteln aus dieser Misere wieder raus zu kommen, wie sie sterben, wie sie sich gegen ihre Peiniger zur Wehr setzen – aber letztlich fast keine Chance haben. Das hat mich schon mitgenommen. Vor allem, wenn ich mir vorstelle, dass es so etwas auch im realen Leben geben kann. Das will man sich gar nicht vorstellen.

Dies war das erste Buch, das ich von Andreas Winkelmann gelesen habe und das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Es wird nicht das letzte bleiben.

Ein extrem spannender Thriller mit interessanten aussergewöhnlichen Protagonisten und einem Plot der fesselt. Genau so stelle ich mir nervenkitzelnde Unterhaltung vor.

Andreas Winkelmann
Das Haus der Mädchen
Rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 9783499275166

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 5. September 2018

Ingrid Davis - Aachener Todesreigen

Im Schatten der Vergangenheit

Kaum hat Britta Sander von der Detektei Schniedewitz & Schniedewitz in Aachen ihren letzten Fall abgeschlossen, da meldet sich ihre alte Schulfreundin Pia, an die sie schon lange nicht mehr gedacht hat. Deren Schwester Sabrina ist spurlos verschwunden und die Polizei will noch keine Fahndung einleiten. Pia und ihr Schwager Christian glauben, dass Sabrina irgendetwas zugestoßen sein muss. Da es einige Ungereimtheiten gibt, beginnt Britta mit der Suche nach Sabrina und wird auch bald fündig. Es sieht so aus, als habe die Gesuchte sich das Leben genommen. Oder scheint es nur so?

Brittas Kollege Eric Lautenschläger bearbeitet gerade einen Fall, bei dem eine junge Frau bei einem Reitunfall ums Leben gekommen ist. Auch hier glaubt die Familie nicht an einen Unfall.

Als sich in beiden Fällen Parallelen ergeben und es sich abzeichnet, dass auch andere junge Frauen in Gefahr sein könnten, beginnen Britta und Eric mit Hochdruck zu ermitteln. Dass auch sie in Gefahr sind, registrieren sie fast zu spät...

In ihrem ersten Fall um Britta Sander nimmt mich die Autorin mit nach Aachen. Durch die kleinen hier und da eingestreuten Dialektbrocken und die Beschreibung der Stadt und des Umlandes kommt der Lokalkolorid sehr gut rüber.

Indrid Davis erzählt die Geschichte in einer leichten und flüssig zu lesenden Art durch die Augen von Britta Sander, so, dass ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen hatte. Eine Prise Humor lockert den Kriminalfall immer wieder auf. Da Brittas Gedanken kursiv dargestellt sind, weiß ich auch immer, was gerade in ihrem schlauen Kopf vorgeht.

Britta Sander und ihre Kollegen aus der Detektei Schniedewitz & Schniedewitz sind mir sehr sympathisch. Immer einen flotten Spruch auf den Lippen und manchmal den Schalk im Nacken. Ich mag den Humor der Truppe und vor allem die Kollegialität, wenn´s drauf ankommt. Alle sind so farbig und authentisch gezeichnet, dass ich bald ein recht klares Bild im Kopf hatte.

Der Spannungsbogen baut sich langsam auf und hält meine Nerven auf einem nichtzerreißenden Level. Ich hatte zwar schon bald einen Verdacht, aber leider bin ich wohl nicht zum Ermitteln geboren. Den Täter, der sich dann heraus kristallisiert hat, hatte ich lange nicht auf meiner Liste. Mein Fragen, die mir beim Lesen immer wieder kamen, wurden zum Schluss schlüssig aufgelöst. Und das turbulente Ende hat mich zufrieden zurück gelassen.

Ein leichter Krimi, der bei mir für gute Unterhaltung gesorgt hat, mit einer neuen, taffen Ermittlerin (und ihrem Kommissar) von der ich gerne mehr lesen würde.

Ingrid Davis
Aachener Todesreigen
KBV Verlag, Hillesheim

ISBN 9783954414116

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 4. September 2018

Sabine Klewe: Der Nachtjäger

Dieser Thriller hat es in sich und er hat mir besonders viel Spannung und Spaß gemacht. Nicht nur, weil viele Teile bei mir in unmittelbarer Nachbarschaft spielen.

Sabine Klewe, die auch unter dem Pseudonym Karen Sander schreibt, stellt mit diesem Roman einen neuen Privatdetektiv Linus Roth vor. Er ist ehemaliger Polizist und lebt auf einem Hausboot im Düsseldorfer Hafen. Nachdem er für einen Auftrag einen Einbrecher bei einem Kunstraub observierte, bekommt er den Auftrag, den Journalisten Bodo Stein ausfindig zu machen. Stein recherchierte in einem Vermisstenfall, der zwanzig Jahre zurückliegt. Die Leiche des damals gesuchten Jungen wurde nun gefunden. Doch für Linus Roth wird es von jetzt an ungemütlich: An der Leiche des Jungen wurde die DNA von Roth gefunden und Roth war der letzte, der Stein lebend gesehen hat. Die Kripo steht in Form eines Ex-Kollegen vor seiner Tür.

Die Spannung wurde von der Autorin konsequent nach oben geschraubt. Dabei wurden nicht gerade falsche Spuren gelegt, sondern es passierte immer irgendetwas, mit dem man als Leser nicht gerechnet hatte. Linus Roth ist auf der Flucht und versucht gleichzeitig zu ermitteln. Er flieht er nicht nur vor der Polizei, sondern auch vor den ihn jagenden Verbrechern. Hilfe bekommt er von alten und neuen Freunden.

Die Handlung spielt an Schauplätzen in Düsseldorf und in der Eifel. Ich habe mehrere Romane von ihr bereits gelesen und lasse mich deshalb dazu hinreißen, zu sagen, dass dies ihr bester ist. Chapeau!

(Lediglich bei der Covergestaltung hätte ich mir seitens des Verlages mehr Sorgfalt gewünscht. Ein Rheinschiff, welches am Ufer von Oberkassel strandet, hätte nicht unbedingt darauf montiert werden müssen.)

Top-Empfehlung mit Bestnote. Sympathische Protagonisten, von denen man unbedingt mehr erfahren möchte.

Sabine Klewe
Der Nachtjäger

Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442487318               

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Sonntag, 2. September 2018

Christopher Schacht - Mit 50 Euro um die Welt

Vier Jahre Auszeit

Christopher Schacht hatte ich schon in verschiedenen Talkshows gesehen. Seine Erlebnisse, die er dort geschildert hat, haben mich neugierig gemacht und ich musste das Buch unbedingt lesen. Als ich es dann in Händen hielt, hat mich der grobe Überblick schon sprachlos gemacht und ich musste sofort anfangen zu lesen.

Mit nur 50 Euro, von denen die Hälfte schon sehr rasch weg ist, macht sich der 19-jäjrige auf eine Reise durch 45 Länder, die ihres gleichen sucht. In einem dunkelblauen Opel Corsa beginnt eine Reise mit nur einem ganz grobe Plan. Die Nächte verbringt er zumeist in seiner Hängematte oder seinem Zelt. Tagsüber arbeitet er z.B. auf Segelschiffen für die Überfahrt auf Atlantik oder Pazifik. Er lernt jede Menge Menschen kennen, die ihm freundlich begegnen. Sein total einnehmendes Wesen macht es ihm leicht mit Menschen in Kontakt zu treten. Er kennt keine Berührungsängste und geht offen mit allem was ihm geboten wird um. Immer dabei und präsent, sein Glaube an Gott.

In seinem Buch erzählt er vom 1. Juli 2013 bis zu seiner Rückkehr im Juli/August 2017 die interessantesten, spannendsten, lustigsten und bemerkenswertesten Geschichten, die ihm auf seiner Reise passiert sind. So hat er 5 der 7 Weltmeere durchsegelt, 4 neue Sprachen gelernt, Bilder zum Neidischwerden geschossen, auch das eckligste Essen probiert und jede Menge Abenteuer durchlebt. Vor allem aber hat er viele neue Freundschaften rund um die Welt geschlossen und seine Herzensdame übers Internet kennen- und lieben gelernt.

Christopher Schacht beschreibt seine Reise um die Welt so anschaulich, so unterhaltsam, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Ich wollte immer mehr wissen, von all dem, was man in keinem Reiseführer zu lesen bekommt. Hier war ich nicht im Urlaub, sondern im realen Leben mit dabei. Und das hat mir riesigen Spaß gemacht.

Gleich zu Anfang schreibt Christopher Schacht: "Wer weiß, vielleicht macht das (die Geschichten im Buch) dem einen oder anderen ja Appetit auf mehr". Ja, lieber Christopher, absolut. Wäre ich nicht schon lange Ü60, wäre ich vielleicht jetzt schon am Rucksack packen. Aber ich fange nun endlich an, eine Reise, die ich schon lange machen möchte, in Angrif zu nehmen. Den Anschubser dazu habe ich diesem Buch zu verdanken.

Jeder, der die Lust am Reisen und die Lust auf Neues nicht verloren hat, sollte dieses mit hochwertigen Bildern ausgestattete Buch lesen. Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst.

Christopher Schacht
Mit 50 Euro um die Welt
adeo Verlag, Asslar

ISBN 9783863342098

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 1. September 2018

Nora Roberts: Schattenmond

Der Roman ist der Auftakt der Schatten-Trilogie. Die nächsten beiden Teile sollen im jeweils August in den nächsten beiden Jahren erscheinen. Es handelt sich um einen Mystery-Thriller. Ihn als Fantasy-Roman zu bezeichnen, wäre mir zu weit hergeholt, spielt doch alles im Hier und Jetzt, in keiner neu erschaffenen Welt. Aber mystisch sind große Teile von ihm. Fans von Fernsehserien können sich etwas vorstellen, wenn sie The Walking Dead oder The Cossing kennen. Mit ersterer ist der Roman am ehesten vergleichbar, wenn es auch keine Zombies gibt.

Auf der Welt ist ein unbezwingbarer Virus ausgebrochen. Innerhalb weniger Tage und Wochen wird fast die gesamte Menschheit ausgelöscht. Doch die Köchin Lana und der Schriftsteller Max scheinen immun zu sein, wie einige andere auch. Gemeinsam fliehen sie aus der Großstadt New York und schließen sich einer Gemeinschaft namens New Hope an, die von weiteren Immunen gebildet wurde. Doch die Gefahr rückt immer näher. Plündererbanden gehen rücksichtslos vor und schrecken nicht vor Mord und Totschlag zurück. Lana trägt ein Kind in sich, von dem behauptet wird, dass es die „Auserwählte" ist, die das Gleichgewicht auf der Welt wiederherstellen kann. Dieser Umstand bringt Lana jedoch in besondere Gefahr. Aber sie kämpft wie eine Löwin, um sich und Ihr Kind zu retten.

Zugegeben, ich kenne andere Romane von Nora Roberts und hatte deshalb etwas anderes erwartet. Aber dieser Roman hat mich sehr positiv überrascht. Mehrfach wurde ich an The Walking Dead und den Marsch der Serienhelden auf der Suche nach guten Menschen erinnert. Das machte diesen Roman sehr reizvoll für mich und ich finde es schade, dass die anderen beiden Bände erst in den nächsten Jahren erscheinen werden. Denn ich möchte schon ganz gerne wissen, wie es weiter geht. Nicht nur mit den mit der Protagonistin, sondern auch mit dem Leben auf der Erde.

Die Geschichte ist flüssig und spannend geschrieben. Sie wurde in mehrere parallele Stränge unterteilt, die kontinuierlich auf ein gemeinsames Ende zustreben. Abgesehen vom ersten, überraschenden mystischen Element ist auch danach alles mystische plausibel eingefügt.

Für mich gestaltete sich dieser Roman zum Pageturner.

Nora Roberts
Schattenmond
Aus dem Amerikanischen von Heinz Tophinke

Heyne Verlag, München
ISBN 9783453422506

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Nie zu alt für Casablanca – V.I.E.R. auf Kreuzfahrt von Elisabeth Frank und Christian Homma



V.I.E.R., so nannte sich die Gruppe der Freunde, als sie Kinder waren. Sie waren sehr eng befreundet und haben Detektiv gespielt, so richtig gut vorbereitet, mit Equipment und körperlich durchtrainiert.
V (Gero Valerius), I (Ina-Marie), E (Eleonora) und (Rüdiger), das waren die vier unterschiedlichsten Kinder, die dennoch immer zusammenhingen.
Zwei aus der Gruppe haben bis in ihr fortgeschrittenes Erwachsenenalter ihre Freundschaft aufrechterhalten und gepflegt. Ina und Rüdiger sind bis heute in regem Kontakt. Und als Rüdiger in ein tiefes Loch der Trauer fällt, weil seine Frau nach langer Krankheit verstirbt, da regt sich in Ina eine Idee.
Sie arbeitet als freie Journalistin und ist sich ziemlich sicher, einen Skandal aufdecken zu können: Nämlich, dass unter dem Deckmäntelchen einer Kreuzfahrt illegal Elfenbein geschmuggelt wird. Ina-Marie macht sich daran, ihre Bande aus Kindertagen wieder zusammenzubringen. Sie will die V.I.E.R. reaktivieren. Ina ist sicher, dass sie damit zum einen Rüdiger aus seinem Loch herausziehen und zweitens den Elfenbeinschmuggel aufdecken kann.
Doch funktioniert das? Wie wird das sein, wenn man die Menschen wieder trifft, die nun Mitte 40 sind und die man zuletzt beim Abitur gesehen hat? Haben sie sich verändert? Werden sie sich noch verstehen oder Fremde sein ….?

Erschienen als Taschenbuch
347 Seiten
12,00 €
ISBN: 978-3-89425-583-1
Kategorie: Krimi
© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Freitag, 31. August 2018

Simone Dorra - Römermaske

Geschichte kann auch spannend sein

Kommissar Malte Jakobsen hat nicht viel Zeit sich in seinem neuen Zuhause einzuleben. Als er zusammen mit Lukas, den er vor einiger Zeit in seinem ersten Fall bei der Kripo Waiblingen kennengelernt hat, das Ostkastell in Welzheim besichtigt, findet er im Kastellbrunnen einen Toten. Professor Simon Adlersfeld hat eine Maske, die im Kastell unter einem Baum gefunden wurde, als echte Römermaske identifiziert. Warum musste er sterben? Geht es hier nur um die Römermaske – oder steckt da mehr dahinter?

Mir gefällt es sehr gut, dass Lukas, den ich bereits bei den Pfadfindern im ersten Fall von Malte Jakobsen und Melanie Brendel kennengelernt habe, sich hier mit Malte ausspricht. Und er ist ja auch in diesem Fall dann noch sehr präsent.
Mir gefallen die Protagonisten, die hier mitspielen sehr gut. Die russische Seele Ekaterina, das Klatschweiberl Frau Gruber, der Schmied Herr Wieland, der Römervereinsvorsitzenden Herbert Häger und sein Stellvertreter Johannes Sandmann und viele mehr. Sie alle werden so liebevoll detailiert und menschlich beschrieben, dass ich sofort mitten unter ihnen bin und mich schon wie ein Bewohner des kleinen Städtchens fühle.
Die immer wieder eingestreuten schwäbischen Dialoge, die auch für Nichtschwaben gut zu verstehen sind, geben der Geschichte, zusammen mit schwäbischem Essen, genau die richtige Portion Lokalkolorid.

Ich hätte nie gedacht, dass mich geschichtliche Fakten so in den Bann ziehen könnten. Aber ich sehe, es kommt nur darauf an, wie es vermittelt wird. Und hier war ich von der römischen Geschichte einfach nur gefesselt. Eingebettet in diesen Kriminalfall habe ich einiges gelernt, konnte mitfiebern und mit ermitteln. War immer direkt mittendrin und voll dabei. Wenn ich den Fall im Nachhinein betrachte, war der Täter eigentlich schon länger klar. Aber Simone Dorra hat es gut verstanden, die kleinen Hinweise so zu verstecken, dass ich doch erst ziemlich zum Schluss drauf gekommen bin, um wen es hier geht.
Malte Jacobsen entwickelt sich langsam vom "Einsamen Wolf" zum Teamplayer. Seine Kollegin habe ich ja schon länger ins Herz geschlossen. Hier scheint es zwischen den Beiden, die als Ermittler sehr gut zusammen passen, auch privat ganz leicht zu knistern. Ich sehe hier und da Sternchen fliegen.

Dies ist der zweite Fall von Malte und Melanie, den man aber sehr gut ohne die Kenntnisse vom ersten Fall lesen kann. Aber wenn man die Charaktäre besser kennenlernen und einen weiteren spannenden Fall erleben will, lohnt sich der erste Fall auf alle Fälle.

Viele Dank für einige spannende und sehr unterhaltsame Lesestunden. Ich freue mich heute schon auf Fall Nr. 3.

Simone Dorra
Römermaske

Silberburg-Verlag
ISBN 9783842520875

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 29. August 2018

Gabriele Diechler - Lavendelträume

Ein Geheimnis aus der Provence

Julia Bents Mutter ist bei einem Autounfall, an dem sich Julia mitschuldig fühlt, verstorben. Bei der Durchsich des Nachlasses findet Julia den Schlüssel zu einem Schließfach. Darin ein Päckchen mit einem Parfümflakon und einem kleinen Zettel: Je t´aimerai jusqu´a la fin de la vie! A. Wer ist A.? Und was hat er mit ihrer Mutter zu tun? Julia beschließt dieses Geheimnis zu lüften und begibt sich nach Südfrankreich in die Provence, in den kleinen Ort Roquefort-les-Pins in der Nähe von Grasse. Noch ahnt sie nicht, dass diese Reise ihr leben entscheident verändern wird ...

Gabriele Diechler hat mich mit ihrem Roman nach einer kurzen Einführungsphase direkt in die Blütenpracht und die Ruhe in der Provence hineingezogen. Die Freundlichkeit und die Herzlichkeit der Menschen dort haben mich genau wie Julia willkommen geheißen und bei den Beschreibungen der Menschen und der Landschaft mag man fast nicht mehr von dort fort. Ein weiteres tragen die Düfte dazu bei, die ich meine riechen zu können, wen ich die Augen schließe.

Diese bildhaften, sehr gefühlvollen und eindrucksvollen Momente, die ich hier zusammen mit den Protagonisten erlebe, lassen mich runterkommen, fesseln mich an das Buch bis ich es mit einem Seufzer zur Seite lege. Aber es gibt auch die nachdenklichen Szenen, die zum diskutieren anregen, die mir hier sehr gut gefallen. Das Leben ist nun mal nicht immer nur schön.

Das Buch hat auch schon fast kriminalistische Züge. Ich will wissen, welches Geheimnis Julias Mutter hatte; ich will wissen, wie es mit Julia und dem Sohn des Parfümeurs weiter geht. Ich will wissen, wie sich Julias Freundin in Frankfurt mit ihrem Immobilienbüro schlägt. Ich fühle schon fast gezwungen weiter zu lesen und den Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Eine einfach wunderbare und grandiose Geschichte, die niemand besser erzählen kann, als Gabriele Diechler.

Eine wunderbar romantische, gefühlvolle Geschichte mit einem Rätsel, das mit einigen Wendungen gekonnt aufgelöst wurde. Tolle, bildreiche, sehr gute Unterhaltung von der ich gerne mehr hätte!

Gabriele Diechler
Lavendelträume
Suhrkamp Verlag, Berlin

ISBN 9783458363507

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 26. August 2018

Iris Hell - Kleckerlätzchen für Fortgeschrittene

Aus zwei Kindern werden Vier

Kim Weiss ist wieder schwanger. Zusammen mit ihrem Mann sitzt sie bei ihrem Gynäkologen und bekommt eine Nachricht, die sie schier vom Hocker haut bzw. absolut sprachlos macht: sie erwarten Zwillinge. Sie besinnen sich auf ein bewährtes Ritual und gehen in ihr Cafe, trinken einen Espresso und lassen die Nachricht erst mal sacken. Die beiden süßen Mädels die Kim dann zur Welt bringt, bringen ihr Leben ganz schön auf Trab.

Iris Hell beschreibt in einer so gelungenen Weise, wie die plötzliche vierfach-Mutti versucht ihren Alltag mit vier kleinen Kindern zu bewältigen. Ich sehe sie direkt vor meinen Augen – rechts und links einen der beiden Zwillingsmädchen auf dem Arm, Clara, wie sie sich an ihre Beine klammert, Lil, die auch ihre Aufmerksamkeit möchte. Dazu Berge von Windelpackungen, Milchtüten und Essensgläschen.

Die Wohnung wird zu klein und ich darf die sechs in ihr neues Haus in Freiman begleiten. Hier ist mehr Platz, aber das Chaos scheint Kim gepachtet zu haben. Sie kommt mir oft richtig überfordert vor. Was sich aber auch nach einer Mutter-Kind-Kur nicht allzuviel ändert. Und ihr Mann Marcus? Der zerfließt in seiner Kanzlei vor Arbeit. Einer muss ja das Geld nachhause bringen. Trotzdem behält sie meist ihre gute Laune, lässt sich nicht unterkriegen. Gerade das macht sie so sympathisch.

Richtig leid getan hat mir Kim, als sie sich entscheidet, wieder arbeiten zu gehen. Teilzeit, mit 4 kleinen Kindern – ein Plan, der nicht aufgehen kann. Aber sie gibt nicht auf und entscheidet sich, ihrem Leben eine Wende zu geben. Und ich denke, damit lässt sich Kindererziehung und Berufung sehr gut unter einen Hut bringen.

Ein wunderbares Buch, bei dem ich mit Kim gelacht habe, dabei war, als sie versucht, ihren Mädels Ordnung beizubringen. Und mag es noch so hektisch zugehen. Aus jeder Zeile liest man, wie sehr Kim ihre 4 Mädels liebt und sie für nichts in der Welt wieder hergeben würde.

Wenn ihr glaubt, mit einem Kind schon überfordert zu sein, dann lest dieses Buch. Meine Beiden sind schon erwachsen. Trotzdem hatte ich mit diesem Buch sehr gute, interessante und kurzweilige Unterhaltung.

Iris Hell
Kleckerlätzchen für Fortgeschrittene
tredition Verlag

ISBN 9783743981546

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 24. August 2018

Volker Eggers: 1 Blech - 50 Rezepte

Leckeres aus dem Ofen

1 Blech – 50 Rezepte von Volker Eggers aus dem GU-Verlag hat mich so angelacht und mir den Mund wässrig gemacht. Da musste ich es einfach mitnehmen.

Aus dem Ofen auf den Tisch heißt es auf der Vorderseite. Und es stimmt. Ich habe das ein oder andere Rezept schon ausprobiert und bin fast begeistert.

Fast, weil bei einigen Rezepten Zutaten reingehören, die ich zum einen nicht im Haus habe und die ich zum anderen so selten brauchen werde, dass ich sie einfach weggelassen bzw. ersetzt habe. Ansonsten sind die Rezepte, wie auch angegeben, einfach und unkompliziert.

Im Buch finde ich Rezepte zu Dipps und Saucen, Blechrezepte zu Fisch, Fleisch und Geflügel. Vegetarisches ist natürlich auch dabei. Genau so wie Snacks und Süßes.

Für alle, die mal ohne Töpfe, Pfannen und Bräter auskommen wollen: Hier seid ihr richtig!


Volker Eggers
1 Blech - 50 Rezepte

GU Verlag,
ISBN 9783833861628

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 22. August 2018

Else Buschheuer - Masserberg

Einmal Masserberg, immer Masserberg

Die 17-jährige Mel Tauber kommt wegen ihrer Erblindung in die Augenheilstätte Masserberg in Thüringen. Ihr geht es hier nicht wirklich gut, bis ein junger neuer Arzt in der Klinik anfängt und Farbe in Mels Leben bringt.

Ich habe mich anfangs etwas schwer getan. Vor allem mit Mel – frech, unangepasst, schrill, aber auch künstlerisch sehr begabt und vor allem sehr verletzlich und manchmal auch ängstlich. Als ich mich aber mit Mel, die den Altersschnitt der Augenheilklinik am Masserberg drastisch senkt, arangiert hatte und sie richtig sympatisch fand, war es für mich nur noch ein Lesegenuss.

Ich tauche ein in die ehemalige DDR. Manches ist für mich Westling nicht zu greifen, nicht zu verstehen. Aber durch den immer wieder einfließenden sarkastischen Humor und kleine Seitenhiebe auf das system hatte ich immer beste Unterhaltung.

Fasziniert hat mich die exzellent sich ausdrückenden deutsche Sprache, die Else Buschheuer so gekonnt einsetzt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Sie hat mich auf eine ganz besondere Art und Weise beeindruckt, berührt und mit ihren tollen Bildern, die sie mit Worten zeichnet, meinen Blick auf Masserberg zu fesseln vermocht.

Wer hier einen alltäglichen Arztroman mit einer kleinen Romanze vermutet, der liegt absolut falsch. Obwohl gerade die Freundschaft eine große beeindruckende Rolle spielt. Und auch die Liebe, mag sie noch so kurz sein.

Ich bin mit Mel durch Höhen und Tiefen gegangen, habe über sie geschmunzelt und auch den Kopf geschüttelt. Schlussendlich aber hatte ich drei wunderbare, mich fesselnde Lesetage.

Else Buschheuer
Masserberg
Diana Verlag, München

ISBN 9783828400498

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 21. August 2018

Nicci French: Blauer Montag

Dieser Roman ist der erste aus einer neuen Reihe um die Psychiaterin Dr. Frieda Klein. In erster Linie geht es um vermisste Kinder, eine Konstellation, die bei britischen Autoren keine Seltenheit darstellt. Der Prolog schildert das Verschwinden der kleinen Joanna Vines. Ihre neunjährige Schwester sollte damals auf die Fünfjährige aufpassen. Doch zwanzig Jahre später verschwindet der kleine Matthew Faraday. Für die Polizei kein Anlass, hier einen Zusammenhang zu dem alten Fall zu vermuten. Nur Frieda Klein, die mehr zufällig einen neuen Patienten betreut, der ihr von seinen Träumen berichtet, bekommt ein komisches Bauchgefühl. Eigentlich darf sie nicht und soll sie nicht ermitteln, doch ihre eigene Neugier treibt sie an, ihren Gefühlen auf den Grund zu gehen.

Die Grundstory ist spannend, doch die Geduld der Leser wird arg strapaziert. Es passiert zu viel im privaten Umfeld der Protagonistin, was absolut gar nichts mit der Handlung zu tun hat. Es tauchen Kollegen, Liebhaber, Handwerker, Verwandte auf. Ihre Zahl ist schier unendlich. Doch wer soll sie sich merken, wenn sie nichts mit dem Kriminalfall zu tun haben? Die privaten Teile sind auch keine parallelen Stränge, sie führen nicht auf falsche Fährten. Sie halten den Leser zwar auf, den Kriminalfall zu verfolgen, aber in die Irre leiten sie ihn nicht.

Der tatsächliche Kriminalfall um die vermissten Kinder hingegen ist ein Strang, bei dem der Leser mit Überraschungen rechnen kann. Es geht zwar schnurgerade aus und manchmal meint man, den Täter bereits zu kennen. Aber man sollte bis zum Ende durchhalten.

Der Roman ist nicht der große Wurf, vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch, aber er kann trotzdem gut unterhalten und hält für England-Fans Londoner Lokalkolorit bereit.

Nicci French
Blauer Montag
Penguin Verlag, München

ISBN 9783570100820

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut:

Sonntag, 19. August 2018

Andreas Föhr - Eifersucht

Knifflig, ziemlich schräg und genial

Warum muss Rechtsanwältin Rachel Eisenberg gerade in dem Moment in Münchens größtem Biergarten, dem Hirschgarten, eine Pause einlegen, als eine Bekannte von ihr, Judith Kellermann, festgenommen wird. Natürlich bittet Judith, die ihren Lebensgefahrten in seiner Holzhütte in der Nähe von Straßlach in die Luft gesprengt haben soll, Rachel um ihren Beistand. Für die Rechtsanwältin, die das Mandat übernimmt, beginnt die Suche nach einem Täter, den niemand zu kennen scheint, und der sich auch vor einem weiteren Mord nicht scheut.

Genau wie eine eventuelle Zeugin fand ich den Fall anfangs "ziemlich schräg". Aber Andreas Föhr schafft es excellent alles so aufzudröseln und aufzulösen, dass ich mit dem Ende absolut überzeugt zurück geblieben bin. Der Fall strotzt nur so von falschen Verdächtigungen und Fährten, auf die auch ich mich immer wieder habe locken lassen. Ich habe es genossen, mich an Rachel anhängen zu können und gemeinsam mit ihr und einem Detektiv den kniffligen Fall bis zum Ende zu begleiten.

Der Spannungsbogen ist ab der ersten Seite sehr hoch, was sich bis zur Auflösung nicht ändert. Ber nicht nur die Spannung des Fales hat mich in Beschlag genommen, auch ein privates Geheimnis, dass Rachel seit fast 30 Jahren belastet, löst sich ganz langsam auf. Wie schrecklich muss es sein, nach der Tragödie, die sie erlebt hat, niemanden an seiner Seite zu haben.

Durch Rückblicke ins Jahr 2012 lerne ich die Angeklagte Judith näher kennen. Und es ist schon zu vermuten, dass das alles mit dem Hier und Heute zu tun hat. Aber es hat lange gedauert, bis ich begriffen habe, welche Zusammenhänge hier bestehen.

Rachel, ihre Tochter Sarah, ihren Mann Sascha, von dem sie getrennt lebt, aber die Kanzlei noch zusammen betreibt und einige andere Personen aus ihrem Umfeld kenne ich schon aus ihrem ersten Fall. Ich mag es sehr, wenn ich die Ermittler nicht nur beim ermitteln begleiten darf, sondern auch etwas aus ihrem Privatleben erfahre. Und auch hier stimmt für mich das Zusammenspiel zwischen dem Kriminalfall und dem Privaten.

Für mich ist es immer absolut spannend, wenn ich bei Ermittlungen in und um München herum teilnehmen kann. Da kenne ich mich größtenteils aus und mein Kopfkino beamt mich sofort zu den Stellen, die ich beim Lesen beschrieben sehe. Hier z.B. habe ich ein 12-stöckiges Hochhaus im Nachbarviertel direkt vor Augen. Bei solchen Büchern bin ich noch mehr mittendrin.

Ich bin mitgerissen worden, habe Rachel Eisenberg über die Schulter und dem eigentlichen Täter in seine Gedanken schauen dürfen. Ich wurde allerbestens unterhalten und wünsche mir bitte bald mehr davon.

Andreas Föhr
Eifersucht

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN  9783426654460

© Gaby Hochrainer, München 2018

Samstag, 18. August 2018

Gilly MacMillan: Bad Friends - Was habt ihr getan?

Erneut ein Thriller, der auf den britischen Inseln spielt. Abdi, Sohn somalischer Einwanderer, und Noah, Sohn eines britischen Kriegsfotografen und dessen Frau, sind beste Freunde. Die beiden Fünfzehnjährigen machen vieles gemeinsam. Doch dann werden sie auf einem Schrottplatz am Rande des Meeres gesehen. Sie stehen dicht beieinander auf dem Rand des befestigten Hafenbeckens. Noahs Atem geht schwer und er fleht seinen Freund Abdi wegen eines Gefallens an. Doch der geht auf Noahs Wunsch nicht ein. Im Gegenteil: Er will ihn davon abhalten, etwas Unüberlegtes zu tun. Dann ist Noah plötzlich verschwunden. Die Ermittlungen von Jim Clemo und seinem Team stecken fest. Abdi hat einen Schock erlitten und hat seitdem Schrottplatz kein Wort mehr gesprochen.

Unheimlich geschickt führt MacMillan ihre Leser an der Nase herum. Jede Handlung von Seite zu Seite scheint so plausibel zu sein, so selbstverständlich, dass man unwillkürlich denkt: Warum hat der Roman denn noch so viele Seiten? Es ist doch alles klar.

Doch diese Meinung muss man mehrmals revidieren und erst am Schluss wird klar, was tatsächlich geschehen ist. Dabei erfährt der Leser kaum mehr als Detective Inspector Jim Clemo. Durch die Verschachtelung der Handlung ist er dem maximal wenige Stunden voraus mit seinem Wissen.

Was die Privatsphäre des Ermittlers angeht, hält sich die Autorin ziemlich bedeckt. Zwar gibt es eine Schwester, deren Handlungsstrang tatsächlich rein privat ist, aber schon Clemos Psychotherapie, mit der der Roman startet, und seine Ex-Polizeipartnerin, die jetzt Kriminalreporterin ist, haben etwas mit den Ermittlungen um das Verschwinden Noahs zu tun. Gerade Clemos jüngste Vergangenheit führte dazu, dass er nach seinen letzten Fall zunächst wieder ganz sanft mit einem „Vermisstenfall" im Job einsteigen sollte. Dass das anders kommt, war ja auch für seine Chefin nicht absehbar, sondern nur für die Autorin Gilly MacMillan.

Spannung pur mit brisanten gesellschaftlichen Hintergrund. Top Empfehlung von mir.

Gilly MacMillan
Bad Friends - Was habt ihr getan?

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426522585

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Was sich bei edition oberkassel so tut: