Mittwoch, 16. August 2017

Tanja Mairhofer - Schluss mit Muss

Ein inspirierender AntiRatgeber.

Jeder von uns hat so seine Vorstellungen, wie etwas sein sollte oder sein müsste. Tanja Mairhofer bringt mich mit ihren Gedanken zum einen zum Schmunzeln und zum anderen zum Nachdenken. Auf 224 Seiten erfahre ich in 35 unterteilten Kapiteln ihr Denken über das Muttersein, die Karriereanforderungen, über das Altern und vor allem den Haushalt. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern offen und witzig dargestellt, lese ich, was von außen von uns erwartet wird. Das berühmte: Du musst mal wieder …

Perfektionismus ist nicht out. Aber ich muss nicht jeden Tag die Kalkflecken am Wasserhahn abwischen, muss nicht alle 3 Tage meine Fenster putzen. Und wenn ich kein Yoga machen oder in die Walkinggruppe gehen will, dann lasse ich es einfach. Die Zeit kann ich nun sehr gut für mich selbst nutzen. Zum Beispiel zum Lesen solcher Bücher.

Die abnehmbaren Sprüche vom Einband finde ich klasse. Ein paar liegen hier an manchen Stellen zum Drandenken parat.

Ein witziger, manchmal etwas zynischer, alles in allem aber sehr unterhaltender Antiratgeber, der mir ein paar unterhaltsame Stunden beschert hat. Bestens als Geschenk für einen Perfektionisten geeignet.

Tanja Mairhofer
Schluss mit Muss

ZS Verlag
ISBN 9783898836548

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 13. August 2017

Katharina Peters - Todeshaff

Nach „Todesstrand“ ist dies der zweite Auftrag, bei dem ich mit der verdeckten Ermittlerin Emma Klar auf Spuren- und Tätersuche gehen darf. Ich finde, dieses Buch kann man auch ohne den ersten Fall zu kennen lesen. Es macht aber Sinn, wenn man gerade Emma Klar, die immer noch mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat, besser kennen- und verstehen lernen will.

In diesem Fall wird sie auf den gerade aus der Haft entlassenen Christoph Klausen angesetzt. Er steht in Verbindung mit 2 ehemaligen Lehrern des Jugendhofs Sternau, die beide tot im Salzhaff gefunden wurden.

Ich mag die Figur der Emma Klar sehr, da sie mit ihren unkonventionellen Ermittlungen manchmal auch an die Grenze zur Legalität stößt. Mit ihrem manchmal etwas leichtsinnigen Handeln bringt sie sich immer wieder selbst in Gefahr – so auch hier.

Aber auch die anderen Personen in dieser Geschichte sind so interessant und vielschichtig ausgearbeitet, dass es richtig Spaß gemacht hat , sie mir vorzustellen.

Der Fall führt zurück in die Vorgänge in der ehemaligen DDR und ich war schockiert zu lesen, wie man damals in diesen Jugendhöfen mit jungen Menschen, die nicht so ganz angepasst waren, umgegangen ist. Dass sich da Hass und Rachsucht irgendwann ihren Weg bahnen war schon fast abzusehen.

Die Spannung ist konstant hoch und ich bin gerade bei den Mutmaßungen zur Spurenfindung zwischen Emma und Florian direkt mittendrin. Man liest aber auch hier wieder, dass die Ermittlungen oft eine richtige Siyphusarbeit bedeuten. Und es hat mir wieder viel Lesespaß gebracht, mit zu rätseln und mit zu fiebern.

Ein interessanter spannender Fall hat mir spannende Lesestunden beschert. Und bei den leisen unterschwelligen Andeutungen freue ich mich schon auf den nächsten Auftrag für Emma Klar.

Katharina Peters
Todeshaff

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 9783746633237

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 9. August 2017

Clara Weiss - Ich will brav sein

Ein Psychothriller mit Stärken und kleinen Schwächen

Die junge Studentin Julietta „Juli“ Schindler zieht mit ihren wenigen Habseligkeiten von Berlin an die Isar und findet sehr schnell ein WG-Zimmer in der Rabenstraße Nr. 11. Hier lebt sie bei der aufstrebenden Schauspielerin Greta Brandstätter und deren Freund Gregor. Dann findet Juli auf dem Dachboden nicht nur eine Kinderzeichnung sondern auch noch eine Leiche.

Ist aus der aufkeimenden Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen Hass geworden? Und wenn ja, warum? Was hat Greta mit Juli vor?

Fragen über Fragen, die sich mir schon in der ersten Hälfte des Buches stellen.

Mir gefällt schon das Cover sehr gut. Eine Tür, die wohl zum Speicher führt, und die Türme der Frauenkirche verraten, dass die Geschichte in München angesiedelt ist. Durch den Klappenumschlag wirkt das Buch gleich sehr wertig.

War mir die Hauptperson Juli, von deren Leben ich im Laufe der Geschichte immer mehr erfahre, anfangs recht sympathisch, hat sich das beim Lesen hier und da geändert. Ich konnte den Gedanken der jungen Frau nicht immer folgen, sie kam mir sprunghaft, manchmal forsch, aber auch ängstlich und wirr vor. Vielleicht lag es aber auch an den für mich viel zu vielen Hinweisen und Andeutungen, bei denen ich nicht wusste, ob sie für die Lösung des „Falles“ vielleicht relevant sein würden. Da ich absolut keine Idee hatte, in welche Richtung es geht, kam ich erst relativ spät in die Geschichte rein. Jetzt, wo ich das Ende kenne, werden viele kleine Hinweise, die ich nicht einordnen konnte, zu einem großen Ganzen. Und ich merke, dass ich mich hier und da etwas verrannt habe bzw. mich habe täuschen lassen, was ich aber als eher positiv sehe.

Der leicht, sehr angenehme Schreibstil von Clara Weiss hat mich gut unterhalten. Eine unterschwellige Spannung ist ab fast der ersten Seite da und hält sich bis zum Schluss.

Juli wird sehr gut in Szene gesetzt und auch Greta konnte ich mir sehr gut vorstellen. Die anderen Personen, die hier agieren, blieben für mich etwas blass. Ich hätte z.B. von Herrn Hofreiter gerne noch mehr erfahren.

Ich habe einen gut durchdachten Psychokrimi gelesen, der mich aber erst in der zweiten Hälfte richtig eingefangen hat. Als sich die Wendungen und Verstrickungen aufgelöst haben, war ich mit dem Ausgang der Geschichte, der mich nicht mehr überrascht hat, doch noch zufrieden.

Clara Weiss
Ich will brav sein

Goldmann Verlag, München
ISBN 9783442486045

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 6. August 2017

Elly Griffiths: Engelskinder

Ein typisch britischer Kriminalroman mit dem ganzen Flair von Ermittlern wie Lynley, Lewis oder Barnaby. Dabei wird ein historischer Kriminalfall ebenso aufgeklärt wie ein aktueller. Doch zunächst zum Geschehen.

Als die forensische Archäologen Dr. Ruth Galloway in einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit freilegt, glaubt sie, die Gebeine der berüchtigsten Mörderin Norfolks gefunden zu haben. »Mother Hook« soll zu Lebzeiten Kinder in Pflege genommen und getötet haben. Infolgedessen tritt ein Fernsehteam auf die Bühne, um die Folge einer Mystery-Doku-Serie mit der Archäologin zu drehen.
Parallel dazu knüpft sich DCI Nelson eine junge Mutter vor, der bereits das dritte Kind nur wenige Monate nach dessen Geburt gestorben war. Ein- und derselben Mutter. Nelson glaubt nicht mehr an Zufälle. Er fühlt der Mutter und auch ihrem Ex-Mann auf die Zähne. Doch abgelenkt werden er und sein Team von plötzlich verschwundenen Kindern. Sogar Kinder aus seinem engsten Bekanntenkreis.

Die Ablenkungsmanöver der Autorin sind schon etwas sehr Besonderes. Sie lenken nicht nur die Ermittler ab, sondern auch als Leser ist man beinahe geneigt, den Todesfall des sechs Monate alten Babys komplett zu vergessen, weil zunächst die verschwundenen Kinder im Mittelpunkt stehen.
Die Verflechtung der Toten und verschwundenen Kinder aus dem Hier und Jetzt mit denen aus der viktorianischen Zeit um »Mother Hook« bereitet ein ebenso interessantes Vergnügen. Aufklärung über forensische Arbeit inklusive.
Das durchaus wirre Beziehungskonzept der auftretenden Figuren hinterlässt zunächst etwas Chaos im Kopf des Lesers. Wer von wem der Ex ist und wer der Vater von welcher Figur ist, hätte ein bisschen weniger Verstrickung gut getan.

Dennoch alles in allem ein empfehlenswerter Roman, bei dem streckenweise keine Mordermittlung im Zentrum steht. Außerdem fasziniert er mit dem britischen Charme einer Val McDermid oder eines Simon Beckett. Daumen hoch!

Elly Griffiths
Engelskinder

Aus dem Englischen von Tanja Handels
Wunderlich Verlag, Hamburg
ISBN
9783805250962

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Freitag, 4. August 2017

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Brandung

Zunächst gibt es drei Tote auf einer der Glénan-Inseln, die etwa zehn Seemeilen vor Concarneau liegen. Bootsfahrten sind nicht das Ding von Kommissar Dupin. Und wenn er dann noch den Nerv tötenden Vorgesetzten im Nacken hat, verbessert sich seine Laune kaum. Doch als dann ein Unwetter losbricht und der Kommissar mit seinen Leuten auf der Insel bleiben muss, ist alles zu spät.

Bannalec bleibt bei seinem zweiten Roman bei dem bereits im Debüt (Bretonische Verhältnisse)  vorgestellten Rezept. Die Figuren und ihre Eigenschaften wecken das Interesse des Lesers. Das Team um den Kommissar einschließlich seines Vorgesetzten, dessen Namen Dupin auch nach Jahren noch nicht aussprechen kann, wird unterhaltsam vorgestellt. Ellenlange Dialoge dienen der Ermittlungsarbeit und viele Details aus und über dem bretonischen Landstrich, seinen Menschen, seinen Sehenswürdigkeiten und Traditionen sorgen für eine leichte Urlaubsstimmung beim Lesen. Humorvoll nimmt man die Gedanken des Kommissars auf, die er sich über die Verdächtigen wie die Kollegen macht.

Der kriminelle Spannungsbogen ist gut ausgearbeitet. Große Wendungen sind nicht zu erwarten. Die konstruierten Sackgassen sind nicht gerade überraschend. Schließlich ist fast jeder Bewohner der Inseln ein potentieller Verdächtiger. Und so wird im Verlauf der Handlung der eine oder andere von der Liste gestrichen, weil sich doch ein Alibi bestätigt. Aber das Ende hat es dann in sich.

Insgesamt macht es Spaß, diesen Roman zu lesen, Spannung und Urlaubsgefühl inklusive.


Jean-Luc Bannalec
Bretonische Brandung

KiWi Verlag, Köln
ISBN 9783462044966

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 2. August 2017

Mascha Schacht - Mein Blumengarten

Als ich „Mein Blumengarten“ von Mascha Schacht endlich von der Post abgeholt hatte, war ich auf den ersten Blick begeistert. Der sehr wertige Einband und die tollen Farben des Covers haben mich gleich in Beschlag genommen.

Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass dies nicht nur ein einfacher Gartenratgeber ist. Nein, dieses Buch vermittelt sehr gekonnt das Gefühl für den Garten als Lebensgefühl und Glück. Die vielen wunderschönen Fotos tragen das ihre dazu bei.

Der Blumengarten von A - Z gleich am Anfang des Buches macht es mir leicht, schnell genau die Blumen oder Pflanzen zu finden, nach denen ich gerade suche.

Vom schnellen Blumengarten aus dem Tütchen über den Blumengarten, der mir jahrelang treu bleibt, dem Blumengarten, der die Natur in die Stadt bringt zu dem Blumengarten für Balkon und Terrasse – immer ist auch für mich etwas dabei, was mich inspiriert. Ich lese von den verschiedenen Bodenbeschaffenheiten, vom Licht oder schatten, den die Pflanzen brauchen, von der Gartenplanung, vom schneiden und davon, wie ich das ganze Jahr eine Blütenpracht in meinen Garten zaubern kann.

Gleich nachher werde ich mich hinsetzen und ein „Gartenutensilo“ basteln, in dem ich alles verstauen kann, was ich an Kleingeräten für meinen Garten brauche.

Den Hauptteil des Buches nehmen natürlich die Blumen und Sträucher ein. Aber auch auf die Gestaltung des Gartens wird mehrseitig eingegangen. Der Pflanzenschutz und eine To-Do-Liste für das ganze Jahr runden dieses tolle Gartenbuch ab.

Ich fühle mich in diesem Gartenratgeber, der ohne erhobenen Zeigefinger so viele Möglichkeiten der Gartengestaltung aufzeigt, sehr wohl. Nicht nur Gartel-Anfänger, sondern auch Fortgeschrittene finden hier immer wieder neue Anregungen. Er bekommt in meinem Bücherschrank im Wintergarten einen Ehrenplatz.

Mascha Schacht
Mein Blumengarten

Verlag Eugen Ulmer
ISBN 9783800109289

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© Gaby Hochrainer, München 2017