Sonntag, 10. Dezember 2017

Emily Bold - Der Duft von Pinienkernen

Greta auf ihrem Weg zu sich selbst!

"Ich wünschte, Du wärst hier" schreibt Greta Martinelli ihrer Freundin Katrin aus jeder Stadt in Italien, die sie auf ihrer Kochbuch-Reise besucht. Greta ist Hals über Kopf aus München geflohen, nachdem sie einen großen Fehler gemacht und damit die jahrelange Freundschaft zu Katrin aufs Spiel gesetzt hat. Nun ist die gemeinsame Wohnung weg, die Nudelbar in der Kaufingerstraße gibt´s nicht mehr und die Freundschaft hat sich auch aufgelöst. In Italien hat sie viel Zeit zum Nachdenken und ganz langsam findet sie zu sich selbst zurück. Spielt da vielleicht auch der in sich gekehrte Fotograf Christoph Schilling eine Rolle?

Ich habe Greta um ihre Reise durch Italien beneidet. Venedig im Februar, die Emilia Romagna, Parma, Bologna, Rom und schließlich Gallipoli in Apulien, die Heimat ihrer Großmutter Vittoria, von der sie ein Kochbuch nicht nur mit den leckersten Gerichten, sondern auch mit Lebensweisheiten immer bei sich hat. Auf der Suche nach geeigneten Plätzen und Gerichten für ihr Kochbuch begleite ich mit dabei. Bei den Beschreibungen von Land und Leuten schwelge ich in Reiseplänen.

Es dreht sich alles um ein Kochbuch, das der Verleger und Produzent Holger Frischmann mit ihr heraus bringen will. Bei der Zubereitung der leckeren Gerichte läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Beim Lesen der Zutaten steigt mir deren Duft in die Nase. Und die Fotos, die der Fotograf macht, kann ich vor meinem inneren Auge sehen.

Nicht nur Greta, Katrin und Christoph, die Hauptprotagonisten, sind sehr gut gezeichnet. Auch die Menschen um diese Drei herum kann ich mir sehr gut vorstellen und lerne sie gut kennen. Besonders in Herz geschlossen habe ich den kleinen Timo, der mit seinem Papa auf einem Olivengut ausserhalb von Bologna lebt.

In die Gefühlswelt von Greta kann ich mich sehr gut hinein versetzen und es ist schön zu lesen, wie sie ganz langsam zurück zu sich selbst findet und sich verzeihen kann.

Ein wunderbares Buch über die Freundschaft, die Liebe, das Verzeihen und die Kochkünste einer jungen Frau und ihrer Freunde.

Emily Bold
Der Duft von Pinienkernen

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783548289083

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 8. Dezember 2017

Stefanie Gregg: Duft nach Weiß

Das Thema Osteuropa in Form von Bulgarien sollte die Leser nicht abschrecken, nach diese Lektüre zugreifen. Denn es verbirgt sich ein romantischer, spannender und Freiheit betonender Roman hinter dem Titel.

Im Mittelpunkt steht Anelija und ihre Familie. Zu Beginn begegnet ihr der Leser auf der Ladefläche eines Kühllasters, wo ihr just in dem Moment eine Kiste mit Pflaumen auf den Kopf fällt. Anelija flieht aus ihrem Heimatland Bulgarien und ist auf dem Weg nach Deutschland. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser, wie und warum es zu dieser Flucht gekommen ist.

Dabei hat Gregg einen großen Erzählbogen über vier Jahrzehnte gezogen, die sich über die 1960 bis zu den 1990 er Jahren erstrecken. Dafür benutzt sie drei parallele Stränge, die sich kapitelweise abwechseln. Jetzt wäre es zwar ein Leichtes, sich jeden Strang einzeln vorzunehmen, um zu erfahren, was da geschieht. Jedoch würden dem Leser dann Fragen kommen, für deren Beantwortung er den Inhalt der anderen Stränge benötigt. So baut die Autoren eine Spannung auf, die den Leser fesselt. Davon abgesehen, dass der Strang um den Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow beinahe einem Thriller gleichkommt. Da ich Bulgarien aus eigenem Erleben gut kenne und viele Freunde dort hatte, die heute zum Teil in den USA leben, fand ich die Beschreibung der bulgarischen Lebensverhältnisse ausgesprochen gut beschrieben. Das Leben in Zeiten des Sozialismus, die Angst vor dem Verrat, obwohl die Misswirtschaft erkennbar und spürbar war, das sich einrichten in einer ungerechten Welt, die Gastfreundschaft werden immer wieder mit passenden Symbolen und Metaphern bildgewaltig dargestellt.

Eine besondere Rolle kommt dabei dem Titel des Buches zu, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung zieht. Meisterhaft und poetisch wird der Leser damit immer wieder an das Grundthema „Freiheit" erinnert.

Die Lektüre dieses Romans ist ein Genuss und so mancher Leser, der nah am Wasser gebaut hat, sollte sich eine Packung Papiertaschentücher bereitlegen.

Stefanie Gregg
Duft nach Weiß

Pendragon Verlag, Bielefeld
ISBN
9783865325525

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 6. Dezember 2017

SexStory: Eine Kultgeschichte in Bildern von Philippe Brenot und Laetitia Coryn

Ein ausgefallener Comic!

Angeregt durch eine Leseprobe musste ich dieses Buch einfach lesen. Die Geschichte der Sexualität im Lauf der Jahrhunderte. Sexualität verpackt in einem Comic, das gab es wohl bisher noch nicht.

Vom Anthropologe und Psychiater Philippe Brenot stammen die meist witzigen Sprechblasen; die Illustratorin Laetitia Coryn zeichnete die phantasievollen Bilder dazu.

Es beginnt mit der Entwicklung der Affen zum Menschen, beleuchtet die Bibel und den Ursprung der Menschheit, das Babylon der freien Liebe, , das egalitäre Ägypten, das Pantheon der Liebe in Griechenland, die Größe und Dekadenz Roms, Hölle und Paradies im Mittelalter, die Renaissance, die Entdeckung der Fortpflanzungszellen, die Zeit der Aufklärung, die Verklemmtheit und die Prostitution im 19. Jahrhundert, die sexuellen Befreiung im 20. Jahrhundert bis zum Sex der Zukunft im 21. Jahrhundert. Es geht um Sexpraktiken, die Entwicklung des Schamgefühls, um Versuchungen, um Bordelle und Heilige, um Sexspielzeug und die künstlerische Revolution.

Das Memo zum Schluss bietet eine kurze Zusammenfassung der grundlegenden Begriffe, die in Sex Story vorkommen und beantwortet offen gelassene Fragen. Dank des Personen- und Sachregisters findet man schnell, was man sucht.

Der manchmal doch derbe Humor hat meinen Geschmack nicht immer getroffen. Manches finde ich einfach etwas drüber und zu viel. Vieles andere aber finde ich informativ, lehrreich, witzig, komisch und humorvoll in den Sprechblasen eingefangen. Immer wieder habe ich über die teils übertrieben dargestellten Bilder schmunzeln müssen.

Der Bestseller aus Frankreich ist ein ungewöhnliches Buch, dass es geschafft hat, mich trotz einiger Kleinigkeiten, die mir nicht so gefallen haben, zu begeistern.

Philippe Brenot/Laetitia Coryn
SexStory: Eine Kultgeschichte in Bildern

btb Verlag, München
ISBN 978-3442757442

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Montag, 4. Dezember 2017

Die italienischen Schuhe von Henning Mankell

Der ehemalige Chirurg Fredrik Welin lebt einsam und fast allein auf einer kleinen Insel in den Schären. Die Insel gehörte einst seinen Großeltern und dort fristet er genügsam und eigenbrötlerisch seinem Dasein. Er bewohnt ein gemütliches, geräumiges aber einfaches Haus, er besitzt ein Boot, das er eigentlich seit Jahren in Schuss bringen möchte, wozu er sich aber nie aufraffen kann.
Einzig ein alter Hund, eine ebenso alte Katze und ein Ameisenhaufen im Wohnzimmer sind seine Mitbewohner, wobei er die Ameisen eigentlich eher sich selbst überlässt, da er den Raum sowieso nicht nutzt.

66 Jahre ist Welin alt und vor vielen Jahren ist ihm „die große Katastrophe“ passiert und seitdem lebt er so zurückgezogen. Einer der wenigen menschlichen Kontakte, die er hat, sind die Besuche des Postboten Jansson. Der kommt ab und an vorbei, teilt ihm mit, dass er keine Post hat und schildert Welin regelmäßig ein anderes Wehwehchen, dass er dann untersuchen soll.
So gehen die Tage dahin und Welin ist weder glücklich oder unzufrieden. Es ist wie es ist. Doch eines Tages im Winter, da ändert sich alles. Denn da schaut Welin raus aufs Eis und sieht dort jemanden stehen. Mit einem Rollator. Die alte Dame ist Harriet, die Frau, die er vor langer Zeit einmal sehr liebte und die er verließ.
Nun steht sie nach 40 Jahren da und will von Fredrik, dass er ein altes Versprechen einlöst, da sie sterbenskrank ist. Natürlich erinnert er sich an dieses Versprechen und selbstverständlich hält er sich daran.
Also machen die beiden sich auf den Weg, auf eine winterliche Reise, sein Wort einzulösen und auf einen Streifzug in die Vergangenheit …
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Zsolnay Verlag
insgesamt 368 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-552-05794-4
Kategorie: Drama, Liebe, Belletristik
© Marion Brunner für Buchwelten 2017

Sonntag, 3. Dezember 2017

Corina Bomann - Winterengel


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Ein romantisches Weihnachtsmärchen! Spiegel sind Spielzeug der Eitelkeit und der Sünde!

1895 ist Anna Härtel 6 Jahre alt und sieht das erste Mal einen Spiegel in der Glaserei ihres Vaters Martin, die sie ja später einmal übernehmen soll. Doch dann kommt alles ganz anders. Nach dem Tod ihres Vaters stehen schon die Banken bereit, da die Glaserei völlig überschuldet ist. Sie, ihre kleine Schwester Elisabeth und ihre Mutter verlieren alles.

Jahre später erhält Anna einen Brief der englischen Königin Viktoria Die hat von ihren Glasengeln gehört und möchte sie sehen und vielleicht auch kaufen. Doch auf der langen Fahrt nach London, auf der sie von John Evans begleitet wird, werden die kleinen Kleinode gestohlen und Anna sieht sich all ihrer Träume beraubt.

Das weihnachtliche Cover des Buches hat mich magisch angezogen. Und obwohl es erst langsam Richtung Weihnachten geht, habe ich das Lesen sehr genossen.

Corina Bomanns "Winterengel" ist wie ein modernes Märchen. Ich bin in Spegelberg in die Umgebung der Glashütte eingetaucht und ab dann auf Annas Spuren gewandelt. Ich war auf ihrem damals noch langen Weg nach London dabei. Habe hautnah erlebt, wie sie sich das erste Mal verliebt hat. Ihre Gefühle sind sehr gut vorstellbar beschrieben. Ich spüre ihre Unsicherheit, ihre Verletzlichkeit, ihre Abenteuerlust, ihre Verzweiflung, ihre Ergriffenheit, ihre Stärke, ihren starken Willen und ihre Leidenschaft. Gerade die ersten Tage zusammen mit John, als sie sich ganz langsam verliebt, es aber nicht wahrhaben will, finde ich sehr schön beschrieben.

Ich mag aber auch die anderen sehr bildhaft gezeichneten und daher gleich menschich wirkenden Protagonisten sehr. Ausser Anna natürlich Johnathan, der sich John Evans nennt und ein eher wortkarger Engländer ist. Genau so wie den Holländer Pieter De Vries, der eine ganz besondere Rolle in Annas Leben spielt.

Obwohl es eher eine leise Weihnachtsgeschichte ist, kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Ein Diebstahl muss aufgeklärt werden und einige undurchsichtige Gestalten treiben sich in Annas Nähe herum.

Insgesamt eine wunderschöne, einfühlsame, romantische Geschichte in den Anfangsjahren des letzten Jahrhunderts, die um die Weihnachtszeit herum spielt und die mich sofort gefangen genommen und nicht wieder losgelassen hat.

Corina Bomann
Winterengel

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783471351611

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 26. November 2017

Gabriele Keiser - Kaltnacht


http://amzn.to/2xslPxIEine Fortbildung mit Folgen! Nach einer harmonisch im Kreise der Familie verlaufenen Silvesterfeier beginnen in den frühen Morgenstunden die Rauchmelder Alarm zu schlagen. Die von den Nachbarn herbeigerufene Feuerwehr muss nicht nur einen Schwelbrand löschen, sondern sie finden auch 2 Tote und einen toten Hund. Cem Aslan und seine Frau Yvonne sind in ihrer Wohnung einen brutalen Tod gestorben. Doch wo ist ihr kleiner Sohn – der 5-jährige Erol? Für Kriminalhauptkommissarin Franca Mazzari und ihr Team beginnen zähe Ermittlungen. Ausserdem sollen sie auch noch einen Geisterfahrerfall aufklären bei der eine junge Frau und ihre kleine Tochter getötet wurden. Doch dann kommt ihnen ein Zufall zuhilfe ...

In ihrem Krimi, der der erste ist, den ich von dieser Autorin lese, nimmt mich Gabriele Keiser mit in die Gegend zwischen Koblenz und Andernach. Ich lerne hier die KHK Franca Mazzari und ihr Team kennen. Die meisten sehr sympathisch bis auf Roger Brock mit seiner meckernden Lache und seiner eingefahrenen, verstaubten Denkweise, der sich hinter seinen Dienstjahren versteckt und der mir sowas von unsympathisch ist. Und auch den Rechtsanwalt des Geisterfahrers mag ich wegen seiner überheblichen und für mich schon menschenverachtenden Art überhaupt nicht. Auch alle anderen Protagonisten kommen menschlich und gut ausgearbeitet rüber. Durch die vielen Gedanken, die sich Franca und ihre Kollegin Clarissa machen, kann ich Motivation und Hintergründe der Tat und des Täters sehr gut verstehen. Geht es hier um Cem Aslan, den Türken, der besser deutsch spricht, als mancher Rheinländer, der aber auch schon mal ausrasten kann? Oder doch eher um seine schöne blonde Frau, der nach der Geburt ihres Sohnes verboten wurde wieder arbeiten zu gehen? Ist die Welt der Beiden wirklich so heile wie sie scheint? Oder geht es um die Polizisten im Allgemeinen, die für die meisten heute nur noch Bullen sind und sich erst wehren dürfen, wenn es meist schon zu spät ist? Alles wird von allen Seiten beleuchtet und war für mich sehr interessant zu lesen.

Der Fall selbst ist gut nachvollziehbar und ganz zum Schluss löst sich auf, wonach die ganze Zeit krampfhaft gesucht wurde. Es sind immer die Klitzekleinigkeiten, die dann zur Auflösung führen. So auch hier. Ich habe das Miträtseln und das Mitermitteln sehr genossen. Die Spannung beginnt auf der ersten Seite und auch wenn die Ermittlungsarbeiten oft etwas eintönig scheinen, bleibt der Bogen bis zum Schluss straff gespannt.

Da ich die Gegend um Koblenz herum aus meiner Jugend sehr gut kenne, rufen die Ortsnamen immer wieder kleine Erinnerungen in mir wach. Der Lokalkolorit der Landschaft spannt sich durch die ganze Geschichte und ich fühle mich schon sehr bald wie daheim.

Informative spannende Unterhaltung in diesen ersten Herbsttagen, die ich gerne weiter empfehle.

Gabriele Keiser
Kaltnacht

Gmeiner Verlag, Messkirch
ISBN  9783839221303

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 24. November 2017

Kiera Brennan: Der Thron der Wölfe

Der zweite Band der großen Irland-Saga von Kiera Brennan (Der erste Band „Die Herren der grünen Insel" gelangte Anfang 2016 in den Handel.) ist erschienen. Ähnlich umfangreich und mit vielen historischen Details bestückt. Thema des Romans sind die Machtkämpfe in und um Irland im 12. Jahrhundert.

Begonnen wird mit einer Szene, bei der der kleine John „Ohneland", vierter Sohn des englischen Königs Henry, einer Folterung beiwohnen muss, um kennenzulernen, was Härte ist. Erst später erfährt er, dass der Gefolterte, Amaury de Saint-Turin, gar keinen Schmerz spürt und ihm diesen der Wirkung wegen nur vorgespielt hat.

Wie auch im ersten Band sind die Kapitel nach den Figuren benannt, um die es sich in dem jeweiligen Kapitel dreht. So folgen insbesondere nach dem ersten Kapitel viele Szenen, die der Leser zunächst nicht in Zusammenhang bringen kann, ähnlich den Parallelsträngen in Romanen. Es werden viele Figuren und ihre Ansichten zum Leben in Irland und zur Freiheit und Macht auf dieser grünen Insel bildreich dargestellt. Doch dann platzt bald der Knoten und man weiß, wer mit wem verwandt ist, warum sie verfeindet sind, warum sie andere Namen als im ersten Band tragen. Die Figuren sind sehr vielschichtig herausgearbeitet. Neben den liebenswerten und hassenswerten gibt es viele dazwischen, die zwar Sympathie wecken, aber solche ekelhafte Taten begehen, dass sie dem Leser zuwider werden. Umgekehrt genauso: So mancher „Bösewicht" zeigt auch seine sanften Seiten. Das betrifft weibliche wie männliche Figuren gleichermaßen.

Besonders hilfreich und Indiz für umfangreiche Recherchen sind die detaillierten Abschnitte am Ende des Romans: die Figurenliste, die Zeitleiste und die historischen Anmerkungen. Sie unterstützen den Leseprozess, weil dort in komprimierter Form das Geschehen zum Ende des 12. Jahrhunderts übersichtlich ist.

Alles in allem ein spannender Roman, bei dem allerdings der lange Anfang zu überwältigen ist. Die Fülle an Handlungssträngen, die die Komplexität der Eroberung Irlands unterstreicht, lässt den Leser tief in das damalige Geschehen eintauchen.

Kiera Brennan
Der Thron der Wölfe

blanvalet Verlag, München
ISBN 9783764505837

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 22. November 2017

Linda Winterberg - Für immer Weihnachten

Vorweihnachtszeit in Frankfurt 1951. Vor genau einem Jahr hat der Freund ihres Mannes Johannes sie auf dem Bahnhof empfangen und ihr berichtet, dass Johannes nicht wiederkommen wird. Er ist in den letzten Kriegstagen gefallen. Eva versucht seitdem mit ihrer kleinen Tochter Lotte mehr schlecht als recht im Leben zurecht zu kommen. Nun hat sie Paul kennengelernt, einen Mann, mit dem sie ein neues Leben aufbauen will. Aber auch ihn treiben dunkle Geister. Bis Lotte kurz vor Weihnachten einen Leierkastenmann und seinen kleinen grauen Esel kennenlernt, der ihr Leben auf den Kopf stellt.

An dem Liedtext "Wenn der Herrgott will – fallen tausend Flocken – und in stiller Nacht – läuten alle Glocken – und ein weißer Teppich – langsam fällt – hinab auf unsere kleine Welt" von Zarah Leander, dass meine Mutter mir als Schlaflied immer vorgesungen hat, hält sich Eva in der Vorweihnachtszeit fest. Wird sie und auch Paul es schaffen, ihre Gedanken an die Vergangenheit auszublenden und in der gegenwart glücklich zu werden?

Diese anrührende, bezaubernde kleine Weihnachtsgeschichte hat mich emotional sehr berührt. Sie erzählt von so wunderbaren Menschen, von Hilfsbereitschaft und der Würdigung des Alters und von einem Weihnachtswunder. Man muss nur ganz fest daran glauben.

Eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte! 

Linda Winterberg
Für immer Weihnachten

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN 9783352009051

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Dienstag, 21. November 2017

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith


Robin Ellacot bekommt auf ihrer Arbeitsstelle, der Detektei von Cormoran Strike, ein Paket zustellt, das schockierend und brutal ist. Es ist ein abgetrenntes Frauenbein. Natürlich ist auch Ihr Chef, Cormoran Strike, nicht begeistert. Ihm fallen jedoch auf Anhieb gleich drei Personen ein, denen er diese Art der Zustellung zutraut. Und alle drei sind sie gefährlich und zu derartigen Grausamkeiten fähig.
Die Polizei, mit der Strike in Kontakt steht, fixiert ihre Ermittlungen stur in eine Richtung. Cormoran ist aber der Meinung, dass man alle von ihm benannten Verdächtigen überprüfen sollte.

Darum geht Strike und Robin Ellacot, die ja seit langem mehr als seine einfache Sekretärin ist, neben ihren eigentlich Aufträgen selbständig ihren Ermittlungen nach. Immer tiefer dringen sie ein in die dunklen und gefährlichen Umfelder der drei Männer und dabei ziehen die zwei nicht nur den Unmut der Polizei auf sich, sondern bringen sich selbst auch mehr und mehr in missliche Umstände …
*
Das ist der dritte Teil der Cormoran Strike-Reihe, den die Autorin J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Auch wenn ihre Tarnung ja relativ schnell aufgeflogen ist, schreibt sie nach wie vor unter dem männlichen Deckmantel weiter, den sie, wie sie selbst sagt, als „ihre persönliche Spielwiese“ bezeichnet.
Erschienen als gebundene Ausgabe (mit Leseband)
bei blanvalet
insgesamt 672 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-7645-0574-5
Kategorie: Kriminalroman
© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Montag, 20. November 2017

Der Todesmeister von Thomas Elbel


An der Berliner Oberbaumbrücke wird die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens aus dem Wasser geholt. Lange kann sie nicht im Wasser gewesen sein, dafür ist die Leiche noch zu „frisch“. Und das Mädchen ist nicht irgendein Mädchen. Sie ist die Nichte des Berliner Justizsenators. Die Ermittlungen führen ins Internet, wo grausame Foltervideos auftauchen, die zeigen, dass das Mädchen nicht das einzige Opfer sein kann.
Viktor (von) Puppe, auf eigenen Wunsch frisch versetzt vom LKA ins Kriminalkommissariat, wird sofort in die Ermittlungsarbeit mit einbezogen. Gemeinsam mit seinen Kollegen ermittelt er auf Hochtouren, doch von weiter oben werden die Kommissare ausgebremst. Da soll wohl das ein oder andere gar nicht aufgedeckt werden ….

***
Vor ziemlich exakt 6 Jahren habe ich meine erste Rezension zum Debütroman vonThomas Elbel geschrieben. ASYLON war als Erstling in der Science Fiction angesiedelt und bei Piper erschienen. Auch der Nachfolger ELYSION erschien noch dort. Danach wollte man ihn bei Piper wohl nicht mehr. Warum? SciFi verkauft sich nicht? Die Zielgruppe fehlt? Keine Ahnung, ist auch Quatsch aber egal. Denn Thomas Elbel hat deshalb nicht aufgehört zu schreiben. Seinen dritten Roman MEGAPOLIS hat er dann als Selfpublisher auf den Markt gebracht. Ich habe sie alle gelesen und rezensiert und ich mochte Elbels Schreibe immer gern. Auch wenn sie ab und an im Sprachgebrauch nicht so mein Fall war.
Nun hat er hier seinen ersten Thriller, wohl auf dringendes Anraten seines Agenten, geliefert und bei blanvalet ein neues Zuhause gefunden.
Erscheint als Taschenbuch am 20.11.2017
bei blanvalet
insgesamt 512 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0414-5
Kategorie: Thriller
© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Sonntag, 19. November 2017

Biggi Rist / Liliane Skalecki - Frostkalt

Weihnachtsmarkt in Bremen. In der Krippe vor dem Dom finden die Mitglieder des Kirchenchores ein neugeborenes kleines Mädchen. Zwei Tage später wird der renommierte Bäckermeister Carl Brodbeck, der für seine Klaben nach hauseigenem Rezept berühmt war, tot in der Backstube gefunden. Verdächtige gibt es viele und Kommissar Heiner Hölzle und seine Kollegen haben alle Hände voll zu tun, um den Mord aufzuklären und die Mutter des Babys zu finden.

„Frostkalt“ ist mein erstes Buch des Autorinnenduos Biggi Rist und Liliane Skalecki und es war der Anfang von weiteren Büchern, der beiden Damen, die ich bestimmt noch lesen werde. Ihr leichter, flüssig zu lesender Schreibstil hat mich bereits im Prolog in die Geschichte hineingezogen. Das Gedicht von Biggi Rist zu Beginn und zwei Zitaten lassen mich rätseln, was sie vielleicht mit der Geschichte zu tun haben. Das Personenregister haben es mir sehr leicht gemacht in die Geschichte einzutauchen, da ich immer mal wieder nachschauen konnte, wer wer ist.

Spannung baut sich ab der ersten Seite auf und der Bogen hält sich hoch oben bis zum Schluss.

Die Kommissare haben viel Arbeit mit zwei Bäckerbrüdern, jeder mit eigener Bäckerei, der eine tot, der andere vielleicht der Mörder – einem jungen Mädchen, dass zusammen geschlagen wird und im Krankenhaus aufwacht – einer schwangeren jungen Frau, die nicht weiß, wer ihrer beiden Freunde der Vater ist – einem Baby, das in der Krippe vor dem Dom ausgesetzt wurde – Rosinen, die mit Pestiziden verseucht sind und die Klaben dadurch fast ungenießbar machen – einem kleinen Jungen mit einer Nussallergie, der durch den Verzehr von mit Mandeln durchsetzten Klaben gestorben ist – einer Erpressung und zwei Morde – und jede Menge Verdächtige. Das alles bringen die Autorinnen gekonnt an einem roten Faden soweit, dass sich zum Schluss alles schlüssig und gut nachvollziehbar auflöst. Sprünge zurück in die nahe Vergangenheit helfen, die Protagonisten besser zu verstehen und den Ermittlern, den Fall besser lösen zu können.

Die Protagonisten selbst stellen sich lebensecht, sehr menschlich und mit ihren Ecken und Kanten dar. Besonders Kommissar Heiner Hölzle, der in seinem schwäbischen Dialekt seine Gedanken besser steuern kann, der immer mal wieder aufblitzt, bringt so richtig Lokalkolorit in die Geschichte ein, obwohl die ja in Bremen spielt. Auch der Humor kommt nicht zu kurz und meine Mundwinkel haben sich hier und da noch oben gezogen.

Ein sehr abwechslungsreicher, spannender Krimi, auch mit leisen Momenten und etwas privatem von den Ermittlern, der zwar in der Vorweihnachtszeit spielt, den man aber zu jeder Jahreszeit lesen kann. Kommissar Hölzle hat einen neuen Fan – mich!

Biggi Rist / Liliane Skalecki
Frostkalt

Gmeiner Verlag, Messkirch
ISBN 9783839221563

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Mittwoch, 15. November 2017

Lilli Beck - Wie der Wind und das Meer

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Das einzige, was dem 11-jährigen Paul Grewe nach dem Bombenangriff 1945 in München geblieben ist, ist ein Koffer mit Dokumenten, ein Bild seiner kleinen Schwester und ein verbeulter Kochtopf seiner Tante. So trift er auf die kleine Jüdin Sarah, die ebenfalls ihre Familie verloren hat und die seiner Schwester unglaublich ähnlich sieht und die Beiden beschließen für immer zusammen zu bleinen – wie der Wind und das Meer. So wird aus Sarah Silbermann Rosalie Greve. Zusammen schließen sie sich einer der vielen Kinderbanden an, überstehen gemeinsam die Zeit im Heim, bis sie schließlich von einem netten Münchner Ehepaar, das selbst seine beiden Kinder im Krieg verloren hat, aufgenommen und adoptiert werden. Immer noch tragen sie beiden den Namen Greve und nun Hummel. Diese Lüge, die sich durch ihr gemeinsames Leben zieht, die sie nie aufgeklärt haben, aus Angst getrennt zu werden, wird ihnen nun zum Verhängnis. Sie verlieben sich ineinander. Eine Liebe, die als Geschwisterliebe gilt, die sie nicht leben dürfen.

Ich bin sofort eingetaucht in die Geschichte der Beiden, in die Nachkriegszeit, die Zeit des Wiederaufbaus und in die Zeit, als es den Menschen langsam wieder besser ging. Durch Geschichten meines Opas und meiner Mutter, die diese Zeit nur knapp älter als Paul mitgemacht hat, kam mir vieles bekannt vor. Wenn ich heute hier in München durch die Straßen gehe, bin ich sehr froh, dass der Plan, München nach dem Krieg am Starnberger See wieder aufzubauen, schnell verworfen wurde.

Ich habe mit Paul und Sarah/Rosalie im Heim gelitten, mich mit ihnen gefreut, als es zur Adoption kam und mich immer wieder gefragt, was gewesen wäre, hätten sie ihre wahre Identität preisgegeben. Als sie sich dann ihrer langsam aufkeimenden Gefühle füreinander bewusst wurde, habe ich gespürt, dass das nicht gut gehen kann. Die Anziehung zwischen Ihnen ist so stark, sie wollen, wie sie sich geschworen haben, zusammen bleiben, verletzen dadurch immer wieder die Gefühle von Menschen, die ihnen sehr nahe stehen. Dadurch haben sich meine positiven Gefühle ihnen gegenüber auch zum negativen verändert.

"Wie der Wind und das Meer" ist eine sehr gefühlvoll geschriebene Geschichte, die mich ins München der Nachkriegsjahre mitgenommen hat, und die im Jah 1989 endet. Gerade zum Schluss hat die Geschichte meine emotionale Seite sehr berührt. Eine Geschichte so voller Hoffnung, die aber von einer nicht aufgeklärten Lüge immer wieder zerstört wird.

Lilli Beck
Wie der Wind und das Meer

Blanvalet Verlag, München
ISBN 9783764505776

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Sonntag, 12. November 2017

Michael Gerwien - Schattenrächer

Der 2. Teil ist genau so gut wie der 1. Band.

Der Münchner Journalist Wolf Schneider ist weiterhin auf der Suche nach dem Mörder oder dem Auftraggeber zum Mord seiner Frau Rebekka. Auf einer Müllhalde am Rande von Lissabon wacht er auf, ohne Papiere, Kreditkarten, Geld und seine Brille. Seine Ex-Halbschwester Eva rettet ihn aus dieser Not und fliegt nach Lissabon. Als er sie am Flughafen erwartet, stößt er auf eine Schlagzeile in der Washington Times, wo es um die Konstruktionspläne geht. Weiter geht seine Reise bzw. Flucht mit neuer Identität in die USA. Hier stößt er endlich auf seinen größten Widersacher – Arthur Smith...

Seit Wolfs Flucht aus München habe ich sehnsüchtig auf den „Schattenrächer“ gewartet. Und obwohl es über ein Jahr her ist, dass ich den „Schattenkiller“ gelesen habe, bin ich sehr schnell wieder in der Handlung drin. Was auch die verschiedenen Rückblicke ermöglichen, die gleichzeitig neugierig auf den Vorgänger machen. Es ist schon bezeichnend, dass Wolf immerzu daran denkt, dass ihm jemand Böses will, er sich aber von seinem Plan, seine Frau zu rächen nicht abgeht.

Die schnellen Sprünge zwischen den einzelnen Handlungsorten und Personen und die oft sehr kurzen Kapitel steigern die Spannung immens. Ich stehe die ganze Zeit unter Strom und hoffe, dass nicht nur Wolf aus den einzelnen Aktionen gut raus kommt.

Die Akteure sind auch in diesem Abschnitt der Trilogie farbig und detailliert beschrieben und feuern mein Kopfkino an. Der Schreibstil ist wie immer knapp und präzise, lässt sich gut lesen und setzt bewegte Bilder frei. Die manchmal derbe Ausdrucksweise und die sich manchmal überschlagenden Plots muss man mögen – ich mag sie, weil sie genau hierher passen.

Einzig, dass es so viele Tote gibt und der Koks- und Alkoholkonsum von Mr. Smith, sind nicht ganz so meins. Aber das gehört hier irgendwie dazu.

Auch der 2. Band der Trilogie strotzt vor Spannung. Ich hoffe, dass ich nicht zu lange auf Band 3 warten muss.

Michael Gerwien
Schattenrächer

Gmeiner Verlag, Messkirch
ISBN 9783839221167

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 10. November 2017

Iny Lorentz: Die Widerspenstige


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Die Zwillinge Johanna und Karl von Allersheim, deren Mutter aus Polen stammte, verlieren nun auch ihren Vater. Ihre Stiefmutter ist ihnen nicht wohlgesonnen. Sie beeinflusst nicht nur deren großen Halbbruder Matthias, sondern lässt auch das Testament des Vaters fälschen, um an die Macht und den Besitz des Grafen zu kommen. Die Zwillinge sehen die Flucht als ihren einzigen Ausweg. Sie machen sich mit einem ihrer Knechte auf den Weg nach Polen. Johanna verkleidet sich dabei als Mann. So machen sie sich auf die Suche nach ihren polnischen Verwandten. Da sie noch jung sind, werden sie unter die Vormundschaft von Osmanski gestellt, dem Anführer einer polnischen Kampfestruppe, die an der Grenze das Land gegen die Tataren verteidigt. Von da an beginnen die gefährlichen Abenteuer von „Jan"  und Karol, die bei der Ausbildung zum Kampf beginnt, über die Kämpfe mit den Tataren bis zur Schlacht des polnischen Heeres gegen die Türken geht.

Iny Lorenz haben sich ein besonderes europäisches Ränkespiel der Geschichte zum Hintergrund gewählt. Mit liebevoll gezeichneten Figuren und einer spannenden und abenteuerlichen Handlung bringen sie das Thema anhand vieler Details dem Lesern nahe. Zwar sind im Wesentlichen die Bösen und Guten ziemlich schnell erkennbar, jedoch kann sich der Leser auf einige Überraschungen gefasst machen. Wie Wölfe im Schafspelz wechseln manche ihren Charakter. Chronologisch aneinandergereiht sind die Abenteuer der beiden auf ihrem Weg zu ihrem Recht. Die Geschehnisse der Zeit sind im Hintergrund stets präsent. Es schadet nicht, die Nachbemerkung der Autoren zu Beginn oder zwischendurch zu lesen. An der Wahrheit wird bei aller Fiktion dieses Romans nicht gerüttelt.

Ungewohnt wie auch bei anderen Romanen, die in Osteuropa oder Asien spielen, sind die Namen, an die sich der Leser gewöhnen muss. Dabei haben die Autoren zu einer guten Mischung zwischen deutscher und polnischer Schreibweise gefunden, so dass man gut damit klar kommt.

Mir hat die Abenteuerreise von Johanna und Karl, gekoppelt an die historischen Geschehnisse viel Spaß gemacht!

Iny Lorentz
Die Widerspenstige

Droemer Knaur Verlag, München
ISBN 9783426663837

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017

Mittwoch, 8. November 2017

Monika Mansour - Luzerner Totentanz

Die Sträggele ist zurück

Weihnachten in Luzern. Kurz hintereinander werden 3 kleine Mädchen entführt. Sie werden zwar bald gefunden, aber ihre Umgebung ist mit Hexensymbolen oder Blut verschmiert. Cem Cengiz und Barbara Amato haben jede Menge zu tun um für Aufklärung zu sorgen. In ihr Blickfeld gerät bald eine Luzerner Sagenfigut: die Strägele. Ab nun stehen alle rotharigen Frauen unter Generalverdacht. Und die Berichte in den Zeitungen tragen nicht gerade zur Eskalation bei.

Nach Luzern kommen ist für mich wie sich mit guten Freunden zu treffen. Ich kenne Cem, Lila, Eva und Barbara ja nun schon einige Zeit und habe schon einige Fälle mit ihnen zusammen gelöst. Nur schade, dass Rolf nicht mehr mit dabei ist. Neu hinzu kommt diesmal ein interessanter Mann: Marius, ein ehemaliger Journalist in Kriesengebieten. Die Dialoge zwischen ihm und Cem liebe ich.

Aber auch die weiteren Handelnden kommen lebensecht und bis auf einen Pfarrer für mich sympathisch rüber.

Hier geht es um Okkultismus, um okkulte Dinge und Symbole, eine Hexe mit roten Haaren, um die Sträggele und um den Türst. Richtig gekonnt hat Monika Mansour hier die Schweizer Sagenwelt mit einem spannenden Kriminalfall zusammen gebracht. Spannung ab der ersten Seite, wo ich mich nach dem Prolog schon gefragt habe, wo hier die Reise hingehen mag. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten, wo sich alles schlüssig, nachvollziehbar und für mich doch überraschend auflöst.

Durch viele schweizer Ausdrücke, die nicht eingedeutscht wurden, sich aber aus dem Zusammenhang erklären, fühle ich mich sofort mittendrin in unserem kleinen Nachbarland. Die Beschreibungen der Luzerner Stadtmauer und die Streifzüge durch die Stadt, bei denen ich dabei sein darf, geben der Geschichte den Lokalkolorit.

Auch das Private der Ermittler und der Staatsanwältin haben wieder ihren Raum gefunden. Und nach dem, was diesmal alles passiert ist, bin ich sehr gespannt wie´s weiter geht.

Ein spannender, sehr interessanter Fall, den man nicht unbedingt an Weihnachten lesen muss. Lesenswert ist er zu jeder Zeit.

Monika Mansour
Luzerner Totentanz

emons Verlag, Köln
ISBN

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Montag, 6. November 2017

Treibsand – Was es heißt ein Mensch zu sein – von Henning Mankell


Henning Mankell schreibt über sein Leben. Er erzählt von seiner Kindheit, Lebensstraßen, Ängste, Sorgen und Hoffnungen. Es geht ums Mensch sein, Erinnerungen, und der Treibsand der Angst seine Krebserkrankung zu entkommen.
Zitat Henning Mankell: „… ein Buch darüber, wie die Menschheit gelebt hat und lebt und wie ich mein eigenes Leben gelebt habe …“
***

Henning Mankell. Wahrscheinlich zu allererst durch seine bekannteste Romanfigur Kurt Wallander, die sogar Krimis verfilmt wurden.
Geschrieben hat er aber viel mehr. Einige Afrika-Romane und viele verschiedene Kinderbücher (die meine Kinder zum Teil sogar als Schullektüre durchgenommen haben). Aber eigentlich hat Henning Mankell Theaterstücke geschrieben und Krieg Theaterregisseur. Er hat auch Theater geleitet.
Aber wer war Henning Mankell eigentlich? Wurde er erlebt, war er da, wie geht er mit seiner Krankheit um?
Erschienen als gebundene Ausgabe 
im Zsolnay Verlag
384 Seiten 
24,90 € 
ISBN: 978-3-552-05736-4
© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Sonntag, 5. November 2017

Ute Haese - Buttgeflüster

Hanna the Private Eye Hemlokk, ihres Zeichens Privatdetektivin und unter ihrem Pseudonym Vivian LaRoche als Schriftstelerin tätig, ist stark angenervt. Zum einen von den Massen von Esoterikjüngern, die täglich die Straße durch den kleinen Ort Bokau verstopfen um zu den geometrischen Kreisen im Weizenfeld von Bauer Fritjof Plattmann zu gelangen. Andererseits von ihrer Stalkerin, einer Tierärztin, die meint sich auch in literarischen Ergüssen ausdrücken zu müssen und dauernd ihre Rat will. Dann bittet sie ihr Freund Johannes von Betendorp, Tischler und Besitzer vom Herrenhaus Hollbakken, eine junge Esoterikerin zu suchen. Juliane Schott ist seit einigen Tagen verschwunden und man macht ihn dafür verantwortlich. Dann taucht noch die Witwe Bettina Schmale auf, deren Mann an der Steilküste bei Stein beim täglichen Joggen abgestürtzt ist und sich das Genick gebrochen hat. Dieser Auftrag spült wenigstens mal wieder etwas Geld in die derzeit knappe Kasse.

Dies sind für mich die erste beiden Fälle, die ich zusammen mit Hanna Hemlokk zu lösen versuche. Ich bin mit ihr in der wunderschönen Landschaft rund um den Passader See und an der Ostsee unterwegs. Lerne Eckernförde kurz kennen, schnuppere die salzige Luft an der Steilküste bei Stein und bin sogar auf einem Ausflug nach Schweden auf der Fähre mit dabei. Durch die Beschreibungen von Land und Leuten war ich schnell im Geschehen drin. Durch Hanna und ihre Ermittlungen erfahre ich so einiges über hochtoxische Kondensstreifen am Himmel, über Engelmedien, über Strichcodes, die unbedingt mit Entstötstiften behandelt werden müssen, über den Grafen von St. Germain und über ein Projekt, an dem sich ihre Mutter Traute beteiligen will: Crowdfunding zur Rettung der Meere vor Übermüllung.

Ich habe mitgerätselt, mitgefiebert, gelacht über den manchmal bissigen, manchmal urkomischen Humor und über gewöhnungsbedürftige Methoden zur Beschaffung von Beweismitteln. Wenn Hanna Hunger hatte und gekocht hat, ist mir das Wasser im Mund zusammen gelaufen. Ich habe mich mit den Tieren in Hannas Leben angefreundet, den Schildis und Kuh Silvia; mit ihren Freunden Lulu und Vic, mit Harry und Daniel und den vielen Bekannten, die die Frau sonst noch so hat. Und Hanna selbst hat sich ganz leise in mein Herz geschlichen. Ihre herzliche, liebevolle Art, ihr manchmal freches Mundwerk, ihr so ganz eigener Humor – ich mag sie richtig gern.

Zwei total unterschiedliche Fälle für die Privatdetektivin Hanna Hemlokk, eine wunderschöne Landschaft an der Ostsee und viele skuriele Persönlichkeiten haben mir ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden beschert. Davon will ich mehr!

Ute Haese
Buttgeflüster

emons Verlag, Köln
ISBN 9783740801816

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Freitag, 3. November 2017

Mark Douglas-Home: Seadetective - Der Sog der Tiefe

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Mit seinem zweiten Roman schafft der Autor erneut einen spannenden Kriminalroman, in welchem es in erster Linie nicht um Ermittlungen geht. Trotzdem wird er mit jedem Kapitel spannender.

Die Handlung rankt sich erneut um Cal McGill, seines Zeichens Meeresforscher, der in zunehmendem Maße von Menschen beauftragt wird, ihre vermissten Angehörigen aufzuspüren. McGill ist aber kein klassische Ermittler, der von Beginn an wie ein Detektiv oder Polizist auf Jagd nach einem Verbrecher ist. Er ist ein charmantes Beiwerk in der Handlung. Die beginnt mit der Verbannung von Mrs. Anderson, genannt Mrs. A., beim Begräbnis ihres Arbeitgebers auf die hintersten Plätze. William Richis Stieftochter konnte die Haushälterin noch nie ausstehen und verstößt die ältere Dame aus dem Haushalt. Doch Mrs. A. kennt die Familie seit Jahrzehnten und lässt sich nicht die Butter vom Brot klauen. Getreu dem Motto "Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt" will sich Mrs. A. das nicht bieten lassen. Kurze Zeit darauf wird Violet, die im Kinderheim aufgewachsen ist, von ihrem Anwalt darüber informiert, in welchen Ort an der schottischen Küste sie etwas über ihre Herkunft erfahren kann. Es ist ein Brief an Violet aufgetaucht, für dessen Weiterleitung an die Empfängerin der Anwalt seinen Job verliert. Violet macht sich auf dem Weg nach Poltown. Dort trifft sie zufällig auf Cal McGill, der wegen eines ozeanografischen Auftrags dort verweilt. Violet erfährt, wer ihre Mutter war und dass diese vor 26 Jahren einen Freitod im Meer suchte. McGill berechnet die Umstände einer Möglichkeit eines solchen Freitodes. So graben beide in der Vergangenheit des Dorfes herum, was vielen Bewohnern ein Dorn im Auge ist. Vergangenheit sollte man besser ruhen lassen.

Der Roman erzählt sich über die Charakter der Figuren. Ihr Verhalten gegeneinander sorgt für Spannung, zumal Stück für Stück das Geschehen von vor 26 Jahren aufgedeckt wird. Violet wünscht sich nichts sehnlicher, als ihre Wurzeln zu entdecken und ihrer Tochter eine Großmutter zu präsentieren. McGill hilft ihr dabei. Der Leser kann Sympathie für viele Figuren entwickeln und auch dort wird er Überraschungen erleben. Humorvoll sind die Szenen mit den Kindern geschildert. Und extrem mysteriös erscheint Mrs. A.

Unbedingt lesen!


Mark Douglas-Home
Seadetective - Der Sog der Tiefe

Aus dem Englischen von Stefan Lux
Rowohlt Verlag, Hamburg
ISBN 9783499272479

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2017





Mittwoch, 1. November 2017

B.S. Rutel - Heiliger Ochs

Ein grausiger Tod!

Der Metzger der Bullen-Braterei "Bulli" auf dem Oktoberfest Andrej Horvat aus Slowenien ist heute etwas früh dran. Es stinkt im Zelt und der Geruch kommt vom Grill auf dem normalerweise die Jungbullen gegrillt werden. Heute dreht sich sein Chef Julius Reindl nackert am Spiess. Kommissar Amadeus von Waldenbruck, der auf seinen lang ersehnten Ruhestand wartet – er hat nur noch 57 Tage - ist garnicht amused, dass er kurz vor der Rente noch einen Mord aufklären muss. Vor allem stellt sich bei den Ermittlungen heraus, dass es einige gibt, die dem stadtbekannten und allseits beliebten Wies´n Wirt, der mit Presse und Gästen, besonders den weiblichen, sehr gut umgehen konnte, nicht gut gesonnen waren.

Für mich als Münchnerin und bekennende Wies´n Liebhaberin war es ein Muss, diesen doch etwas ungewöhnlichen Krimi zu lesen. Schon den Schreibstil, im Präsens gehalten, finde ich sehr gut. Fühle ich mich so noch näher am Geschehen und richtig mitten drin.

Interessante Charaktere farbig und gut vorstellbar gezeichnet schalten schnell mein Kopfkino an.

Einiges aus der Münchner Schickeria finde ich zwar sehr stark überzeichnet, aber das ist wohl der Stil der Autorin, die es ansonsten schnell geschafft hat, mich in der Bussi-Gesellschaft einzufühlen. Ich erfahre einiges, was man als Nicht-Wies´ngeher nicht weiß oder einfach nicht mitbekommt. Gerade das macht den an sich schon spannenden und nicht alltäglichen Kriminalfall noch spannender und interessanter. Kommissar Zufall tut sein übriges.

Ich habe mich diesmal auf dem Oktoberfest sehr wohl gefühlt, weil es mal a bisserl anders war wie sonst. Ein Krimi mit viel Lokalkolorit, den ich sehr gerne gelesen habe.

B.S. Rutel
Heiliger Ochs

independent published
ISBN
9781549703607

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© Gaby Hochrainer, München 2017

Dienstag, 31. Oktober 2017

Verfolgung von David Lagercrantz


Lisbeth Salander sitzt im Frauengefängnis Flodberga eine kurze Haftstrafe ab. In diesem besonderen Hochsicherheitsgefängnis sitzt Lisbeth jedoch eher zu ihrer eigenen Sicherheit ein. Sie wurde erst kürzlich dorthin verlegt. In Flodberga sitzt ebenso die gemeingefährliche Benito ein. Benito hat die Macht im Sicherheitstrakt und sogar die Wächter schauen eher weg, als dass sie versuchen, deren Einfluss zu unterbinden. Lisbeth versucht sich von Benito fernzuhalten. Doch Benito und ihre Gang drangsalieren und quälen Lisbeths Zellennachbarin Faria Kazi. Das geht Lisbeth mehr als gegen den Strich. Es macht sie so wütend, dass sie dazwischen geht.
Als Holger Palmgren, Lisbeths jahrelanger Vormund und Beistand, Lisbeth in der Haftanstalt unter den allergrößten körperlichen Mühen besucht, hat er brisante Informationen dabei, die Lisbeths Kindheit betreffen. Sie wurde bekanntlich durch die Behörden und auch Ärzte missbraucht und Palmgren hat hier etwas zu Tage gebracht, dass Lisbeths Neugier und ihren Jagdinstinkt weckt.
Sie bittet Mikael Blomkvist, der sie jeden Freitag in Flodberga besucht, darum, sie bei der Recherche zu unterstützen. Sie enthält ihm bewusst einige Infos vor, da sie weiß, dass Mikael „Kalle“ Blomkvist am allerbesten wühlen und suchen kann, wenn er unvoreingenommen an eine Sache herangeht.
Die Recherche dreht sich um Leo Mannheimer. Er ist ein Finanzanalyst, der aus gehobenen Verhältnissen stammt. Lisbeth hat keinerlei Idee, was er mit ihr zu tun haben soll und die Bedrohung durch Benito und ihre Bagage wird auch immer größer …
Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
480 Seiten
22,99 €
ISBN: 978-3-453-27099-2
© Marion Brunner _ Buchwelten 2017