Samstag, 17. Dezember 2016

Barbara Fradkin: Die Toten in den Klippen

"Im Augenblick ist dem dem Schleusen verzweifelter Menschen eine Unmenge Geld zu verdienen und viele Akteure sind so gut wie unantastbar."

Amanda Doucette und Phil Cousins wollen die traumatischen Erlebnisse, die sie seit ihrem Einsatz einem Kinderhilfsprojekt in Nigeria verbinden, durch eine gemeinsame Auszeit in der Wildnis Neufundlands bewältigen. Aber Pihl kommt nicht zum vereinbarten Treffpunkt. Er ist zusammen mit seinem elfjährigen Sohn Tyler auf Entdeckungstour gegangen. Amanda macht sich um den Geisteszustand ihres Freundes große Sorgen. Und als in einem kleinen Küstenort eine Leiche angespült wird, macht sie sich auf ihrer lindgrünen Kawasaki und ihrer Hündin Kaylee auf die Suche nach ihrem Freund und seinem Sohn.

Barbara Fradkin greift in ihrem neuesten Buch ein brandaktuelles Thema auf: die Situation von Flüchtlingen, wie sie von skrupellosen Schleppern betrogen und ausgebeutet werden. Die Spannung, die anfangs aufgebaut wird, kann sich leider über große Strecken nicht halten. Der leichte, lockere Erzählstil wirkt dadurch langatmig und langweilig. Schade, denn die Story selbst bietet sehr viel Potential, was hier und da auch herausgeholt wird, sich aber leider nicht hält.

Die detaillierten farbigen Beschreibungen der wilden, teils gefährlichen Natur dieser Atlantikinsel Neufundland haben mich dagegen fasziniert. Das Grollen und Donnern des Meeres habe ich fast hören und fühlen können. Die zumeist freundlichen Bewohner mit ihren Eigenheiten und Gewohnheiten haben auf mich Eindruck gemacht.

Mir fällt es sehr schwer, mich in Amanda, die taffe Heldin der Geschichte, hinein zu versetzen oder mich auf sie einzulassen. Aber ich bewundere ihren Mut und ihren Lebenswillen, der sie nie aufgeben lässt.

"Die Toten in den Klippen" ist ein brandaktuelle Geschichte, die in einer wunderbar belassenen Natur spielt. Mir hat hier leider die Spannung gefehlt.


Fradkin, Barbara
Die Toten in den Klippen

Aufbau Verlag, Berlin
ISBN
9783746632568

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© Gaby Hochrainer, München 2016

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