Sonntag, 29. Dezember 2019

Peter Märkert - Jeder Einzelne

Indizien sind nicht Alles

Marc Kröner ist mit seiner Freundin Christina Wieden bei seiner Schwester Katrin in Köln auf einer Party. Obwohl dort eine Übernachtung vorgesehen war, besteht Christina, als sie die Blicke sieht, die Marc einer anderen jungen Frau zuwirft, darauf, sofort nachhause zu fahren. Marc fährt, angetrunken wie er ist nach Bochum zurück, schläft sich aus und bemerkt erst recht spät, dass Christina nicht mehr in seinem Auto schläft. Was er nicht ahnt: Zu diesem Zeitpunkt liegt seine Freundin nackt und tot in der Ruhr und wird von einem frühen Spaziergänger mit Hund gefunden.

Alle Indizien weisen auf ihn als Täter. Vor allem, nachdem in seiner Jacke, die er das ganze Wochenende getragen hat, ein Fläschchen mit Ko-Tropfen gefunden wird. Nur Lena Saga, die junge Frau, die er auf der Party kennengelernt hatte, und ihre Freundin, die Bewährungshelferin Marie Marler sind fest davon überzeugt, dass Marc unschuldig ist.

Eine Geschichte, die, wie ich mir vorstellen kann, genauso passiert sein könnte. Die Indizien sind so stark, dass die Justiz auf weitere Untersuchungen verzichtet. Zeugen werden eingeschüchtert, nur um den Fall mit einem Schuldspruch schnellstmöglich beenden zu können. Und Marc kann es nicht fassen, dass er unschuldig in Untersuchungshaft kommt und ohnmächtig zusehen muss, wie sich die Schlinge beim Prozess immer weiter zuzieht.

Kurze knappe Sätzen fachen die Spannung, die ab der ersten Seite aufsteigt, noch weiter an. Und obwohl ich den Tathergang und den Täter schon lange kenne, bleibt die Spannung bestehen. Ich will einfach wissen, kommt Marc frei oder muss er wirklich für fünfzehn Jahre ins Gefängnis. Und vor allem auch: wie kam es zu Christinas Tod.

Schlimm finde ich auch die Beschreibungen des Autors über die Zustände im Gefängnis, wo Marc in einer kleinen Zelle 23 Stunden am Tag sich selbst überlassen bleibt und auch vor Anfeindungen und Übergriffen anderer Häftlinge nicht geschützt ist.

Ein Justizkrimi, der wie ich finde, sehr nahe an die Realität heran kommt und den ich regelrecht verschlungen habe.

Peter Märkert
Jeder Einzelne
Selfpublishing
ISBN 9781704702551

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2019

Samstag, 28. Dezember 2019

Beate Maxian - Die Tränen von Triest

Eine sehr gefühlvolle, interessante Familiengeschichte

Anstatt sich an ihrem 33. Geburtstag mit ihr zu verloben, gibt Roman Hubner seiner Freundin Johanna Silcredi nach 6 gemeinsamen Jahren den Laufpass. Da bekommt sie die Nachricht, dass ihr geliebter Opa nach einem Schwächeanfall im Krankenhaus liegt. Als Geburtstagsgeschenk von ihrer Familie bekommt sie einen Gutschein für eine Woche Urlaub in Triest, woher die Familie Silcredi ursprünglich stammt. Der größte Wunsch ihres Opas: Johanna soll versuchen den Namen seinen Vater ausfindig zu machen, über den er gar nichts weiß.

In Triest stößt Johanna in der Villa Costa nicht nur auf eine alte Dame aus Hamburg, die ein wenig Licht in das Geheimnis um ihren Urgroßvater bringen kann, sondern auch auf Luca, der sie vom ersten Augenblick verzaubert und der ihr zeigt, wie Amore in Italien geht.

Beate Maxian kenne ich bisher nur durch ihre Krimis. Daher war ich sehr gespannt auf diesen Roman. Und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt.

Ich liebe ihren leichten, flüssigen und doch sehr ausdrucksstarken Schreib- und Erzählstil, der es innerhalb weniger Seiten schafft, dass ich mich voll in die Geschichte hinein fallen lassen kann.

Die Autorin nimmt mich mit nach Triest. Sie tut das in solch bunten Erklärungen und strahlenden Farben, dass es diese Stadt sofort auf meine „möchte-ich-besuchen“-Liste geschafft hat. Ich fühle mich sofort mittendrin in dieser schönen Stadt, dem mediterranen Flair, sehe die Bauten vor mir, kann das Meer rauschen hören und meine, das kühle Wasser und das Salz auf meiner Haut zu spüren.

Wenn ich beim Lesen in Triest bin, freue ich mich über immer wieder eingefügte kleine Sätze oder Ausdrücke aus dem italienischen. Der wienerische Einfluss kommt allein durch Worte wie Baba oder Spital gut zum Ausdruck.

Die vielen Personen, die hier handeln, werden mir wie nebenbei sehr deutlich und sehr gut vorstellbar gezeichnet. Es kommt sehr selten vor, dass ich in einer Geschichte alle Mitwirkenden mag. Hier mag ich wirklich alle, mit ihren Ecken und Kanten, mit ihrer Menschlichkeit und ihrem großen Herzen. Vor allem die beiden Frauen Johanna und Afra habe ich sofort ins Herz geschlossen. Aber auch alle anderen kommen so menschlich und real rüber, man muss sie einfach mögen. Johannas Freundin Judith kann auch ich mir sehr gut als Freundin vorstellen. Und Luca, in den könnte auch ich mich verlieben. Da kann ich Johanna sehr gut verstehen.

Die Geschichte spielt einmal im Jahr 2019 in Wien bei Johanna und ihrer Familie und in Triest. Zum anderen um die Zeit des ersten Weltkrieges 1914 – 1919, ebenfalls in Triest. Ich kenne diese Zeit sehr gut aus Erzählungen meines Großvaters, der ebenso wie Alfred, Arthur und Ludwig, nach dem Attentat in Sarajevo in den Krieg ziehen musste. Hier erlebe ich diese schlimme Zeit mit den Augen von Afra, die danach nicht wieder dieselbe war. Hatte sie doch die Liebe ihres Lebens verloren.

Ich habe mit Johanna und Afra gelitten und geliebt, war berührt, beeindruckt und fasziniert. Eine Geschichte so voller Gefühl und Emotionen. Und sogar eine leichte Spannung war hier und da spürbar.

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und kann es allen, die gut recherchierte Familiengeschichten mögen, nur empfehlen.

Beate Maxian
Die Tränen von Triest
Heyne, München
ISBN 9783453423794

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 27. Dezember 2019

Hitze Leni und die Äliens von Helene Hitz


Die Helene Hitz, inzwischen 88 Jahre jung, lebt irgendwo in einer hessischen Kleinstadt. Sie schwelgt in Erinnerung und erzählt uns aus der Kindheit und Jugend ihres geliebten und einzigen Sohnes Waldemar, genannt „Waldi“.
Frau Hitz, von Freundinnen  „Hitze Leni“ genannt, war damals in den 70ern, als der Waldi noch klein war, etwas eher Außer-/Ungewöhnliches. Denn sie war alleinerziehende Mutter. Damals war das noch eher selten der Fall. Nun, wir erleben, dass die Hitze Leni das richtig gut gemeistert hat. Voller Liebe und Hingabe hat sie sich den Interessen und Lieben ihres Sohnemanns hingegeben und ihn gefördert und unterstützt, so gut sie konnte: Er war ein kleiner Nörd, und irgendwie fand die Leni das auch völlig in Ordnung….
***

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Volker Klüpfel, Michael Kobr - DRAUSSEN

Ich finde den ersten Thriller gut gelungen

Die 17-jährige Cayenne und ihr 15-jähriger Bruder Joshua leben zusammen mit ihrem Ziehvater Stephan auf einem Campingplatz Waldesruh im brandenburgischen Niemandsland bzw. im Wald. Stephan verdient in einem Survival-Trainingscamp sein Geld. Sie sind auf der Flucht. Vor wem, wissen die Jugendlichen allerdings nicht, bis Cayenne nur knapp einem Angriff entkommt.
Jürgen Wagner, Lobbyist der Energiewirtschaft verfolgt im Innenausschuss des deutschen Bundestages skrupellos er seine Ziele.
In weiteren kursiv geschrieben Seiten erfahre ich die Lebensgeschichte von Etienne Lefèvre, der in der französischen Fremdenlegion eine harte Ausbildung erfährt und dann von seinen Kameraden in eine Falle gelockt wird.
Wie diese drei Erzählstränge zusammen, passen erfahre ich erst ganz zum Schluss.

Ich hatte mich riesig auf den ersten Thriller des Autorenduos Klüpfel / Kobr gefreut. Meine Erwartungen waren auch dementsprechend hoch. Aber es ist halt ein riesiger Unterschied, ob ich humorvolle Krimis á la Kommissar Kluftinger schreibe, oder ob ich mich an einen Thriller heran wage. Bis auf einige Kleinigkeiten wurde ich von den beiden Autoren nicht enttäuscht.

Schnörkellos, leicht und flüssig zu lesen mit einer ganz unterschwelligen Spannung die immer da ist und nur manchmal richtig aufflammt, hat es mich in diesen Thriller sofort hinein gezogen. Womit ich lange nichts anfangen konnte, was mich sogar gelangweilt hat, sind die Abschweifungen in die Politik. Doch am Ende löst sich auch das auf und ich war damit im Reinen.

Mit den Protagonisten, vor allem Cayenne, Joshua und Stephan bin ich leider bis zum Schluss nicht warm geworden. Vielleicht liegt das auch an den vielen kleinen Geheimnissen, die sich um die Drei ranken und mich einfach nicht an sie heran kommen lässt. Jürgen Wagner dagegen war mir ab dem ersten Zusammentreffen zutiefst unsympathisch.

Ein guter Thriller mit einer ungewöhnlichen Idee und Protagonisten, die ein wenig mehr Tiefe haben könnten, ist mir trotzdem 4 von 5 Sternen wert. Und ich hoffe, dass sich Volker Klüpfel und Michael Kobr auch weiter trauen, Wege außerhalb von Kommissar Kluftinger zu beschreiten.

Volker Klüpfel, Michael Kobr
DRAUSSEN
Ullstein Verlag, Berlin
ISBN 9783550081811

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 25. Dezember 2019

The Beautiful Ones – Prince & Dan Piepenbring


Einige Monate vor seinem Tod hat Prince Rogers Nelson einen Co-Autor gesucht, der gemeinsam mit ihm seine Autobiografie schreibt. Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Doch dazu kam es leider nicht mehr. Einige Male haben Prince und Dan Piepenbring (beratender Redakteur bei The Paris Review) sich getroffen und über das Projekt gesprochen und sich ausgetauscht.
Einen ersten Teil hatte Prince bereits handschriftlich verfasst. Er begann mit den Erinnerungen an seine Kindheit und seinen Eltern, die er sehr liebte. Dan Piepenbring hat kurz vor Prince’ Tod noch einen Anruf von ihm erhalten, in dem er ihm sagte, dass alles okay mit ihm sei. Er sei zwar ein bisschen krank, aber es ginge ihm soweit gut. Sie haben sich über den ersten, bereits geschriebenen Teil am Telefon ausgetauscht und weitere Ideen besprochen. Zu mehr kam es dann aber nicht mehr. Am 21. April 2016 wurde Prince Rogers Nelson in einem Aufzug seines Hauses in Chanhassen tot aufgefunden ….
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 32,00 €
ISBN: 978-3-453-20488-1
Kategorie: Autobiographie
© Marion Brunner_Buchwelten 2019