Sonntag, 22. September 2019

Bent Ohle - Aller toten Dinge sind Drei


Ein gelungener Einstieg

Elsa van Graaf lebt mit ihrer 15-jährigen Tochter Lisa, ihren Eltern und ihrer Schwester Sarah auf einem Bauernhof außerhalb von Berlin am Groß Glienicker See. Ihr Mann wird seit einigen Jahren vermisst. Seit einem Monat ist sie die Assistentin von Astrid Stegmeier, Präsidentin des Landfrauenverbandes in Berlin. Gemeinsam machen sich die beiden Frauen in Elsas Camper auf den Weg nach Uplengen ins tiefste Ostfriesland, wo die Landfrauen im Rahmen des Herbstmarktes ausgezeichnet werden sollen.
Als sie bei ihrer ersten morgendlichen Fahrt mit ihrem Kanu, das sie auf ihrem Camper immer dabei hat, auf eine Grabplatte stößt, die wohl von dem dort aufgeführten Mann als Morddrohung verstanden werden soll, hat die Ruhe und Beschaulichkeit, auf die sie sich gefreut hatte, erst mal ein Ende.

Die Geschichte fängt etwas behäbig an, was vielleicht auch daran liegt, dass die hier handelnden Personen ausführlich vorgestellt werden. Besonders gut gefallen hat mir, dass hier immer mal wieder der ostfriesische Dialekt gesprochen wurde. Das hat dann allerdings leider bald aufgehört.
Sowohl Elsa und Astrid als auch die Landfrauen und ihre Männer kommen sehr authentisch, menschlich und erfrischend rüber. Mir gefällt besonders der Dorfpolizist Tamme Voss-Hoss, der mangels Körpergröße mit roter Mütze wie ein Gartenzwerg aussehen würde. Alle haben ihre kleinen Geheimnisse, die im Laufe der Ermittlungen ans Licht gezogen werden. Ich habe mir auch vorgestellt, wie Elsa fünf Alpakas in ihren Camper verfrachtet.

Die vielen Gespräche, die hier von den verschiedenen Protagonisten geführt werden, machen die Geschichte so richtig lebendig. Ich bekomme einen kleinen Einblick in das Leben der Landfrauen, wie sie z.B. den Herbstmarkt vorbereiten und eine Reise nach Rumänien veranstalten. Dass die Uplengener Landfrauen an diesem Krimi mitgewirkt haben, finde ich richtig gut. Am Schluss des Buches bekomme ich auch noch interessante Informationen und Kontaktadressen zum Deutschen LandFrauenbund.

Da „Aller toten Dinge sind drei“ der Auftakt zu einer ganzen Reihe ist, sollte man bei den folgenden Büchern mehr Wert auf Rechtschreib- oder Namensfehler legen, die sich hier leider gehäuft haben.
Gut gefällt mir die Karte von Uplengen und Umgebung zu Beginn der Geschichte.

Eine taffe, manchmal etwas eigensinnige Ermittlerin mit einem ganz besonderen Spürsinn; verschiedene kriminalistische Aufgaben, die gelöst werden müssen, was Elsa auf bravuröse Weise schafft. Ein Krimi, der ohne Blutvergießen auskommen und ein Dorf mit Menschen, wie Du und ich. Das alles zusammen ergibt einen ersten spannenden und interessanten Landfrauenkrimi.
Ich bin schon sehr gespannt, ob Elsa in ihrem nächsten Fall weitere Spuren finden wird, die sie wieder mit ihrem Mann zusammen bringen.

Bent Ohle
Aller toten Dinge sind Drei
Landwirtschaftsverlag, Münster

ISBN 9783784356051

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Samstag, 21. September 2019

Michael Gerwien - Monacomord


Schön, dass Max Raintaler wieder ermittelt

München: Eine junge Frau soll in den Isarauen von ihrem Mann erschlagen worden sein. Oder war es doch ein tödlicher Unfall? Die Münchner Kripo ist gnadenlos unterbesetzt und so wird Exkommissar und heute Privatermittler Max Raintaler von seinem ehemaligen Kollegen und Freund Franz Wurmdobler angeheuert, sich um diesen Fall zu kümmern. Doch kaum hat er den Fall übernommen, trifft die Familie ein Drama nach dem anderen. Aber auch Max gerät ins Visier eines rachsüchtigen Attentäters, der ihm, gerade aus dem Knast entlassen, nach dem Leben trachtet.

Ich war schon so oft dabei, wenn Exkommissar Max Raintaler der Kripo München ausgeholfen hat die Fälle zu klären, dass es auch in diesem Buch wie Besuch bei Freunden ist. Man kennt sich schon: Max mit seiner Monika, die eine kleine Kneipe führt; Franz und seine Sandra, die immer Dienstag und Donnerstag zum Yoga geht, Monikas Freundin Anneliese, die immer wieder gerne in der Kneipe aushilft und Josef Stirner, der schnauzbärtige Torwart vom FC Kneipenluft. Sie alle sind hier wieder mit von der Partie. Aber auch die Menschen, die ich noch nicht kenne, die mir hier begegnen hat Michael Gerwien so detailliert und farbig gezeichnet, dass ich sie mir gut vorstellen und schnell ein Bild im Kopf habe. Besonders gefällt mir der Ehemann der Toten Robert Hemmschuh. Aber nur weil er 60ger Fan ist, wie fast alle Giesinger.

Der Kriminalfall, der Max zu Beginn übernimmt, wächst sich zu mehreren Fällen aus, wobei ich lange nicht weiß, hängen die alle irgendwie zusammen oder muss ich jeden als individuellen Fall betrachten. Dadurch wird die Spannung, die von Anfang an da ist noch weiter angeschürt.

Ich fand es auch diesmal wieder toll, mit Max durch mein München zu ziehen – er mit dem Radl, ich lesenderweise ihm auf den Fersen. Die Beschreibungen der Örtlichkeiten und der Menschen, ihre Mentalität, das alles macht den Lokalkolorit aus.
Und jetzt, nachdem ich das Buch gelesen habe, weiß ich auch, warum das Buch „Monacomord“ heißt. Warum? Das findet ihr beim Lesen bitte selbst heraus.

Auch mit diesem Buch hat Michael Gerwien mich sehr gut unterhalten, mir die charakterlich verschiedensten Persönlichkeiten vorgestellt und einen Kriminalfall konstruiert, bei dem ich zum Schluss über die Auflösung erstaunt war. Sehr gut gemacht.

Michael Gerwien
Monacomord
Gmeiner Verlag, Messkirch

ISBN 9783839224779

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 20. September 2019

Jumbo Schreiner - Die One-Pot-Challenge


Absolut super!

Ich habe dieses Kochbuch für meinen Bruder gekauft, der ein absoluter Kochmuffel ist. Und wenn er begeistert ist, dann heißt das schon was.

Ich selbst konnte mir unter der One-Pot-Challenge gar nichts vorstellen. Drei Köchen, Sandra Schumann, Sarah Schocke und Martin Kintrup bekommen die Aufgabe ein neues Rezept zu kreieren, bei dem die Zutaten feststehen und jeder mit seinem „Pot“ entweder Topf, Pfanne und Blech loslegen kann. Aus 20 Zutaten werden hier 60 leckere Menüs. Wie ich finde grandios. Dass es dann einen Juror gibt, in diesem Fall Schauspieler, Moderator und Food-Tester Jumbo Schreiner, ist auch für ein Kochbuch aussergewöhnlich. Aber hier kann sich natürich jeder, der die Gerichte nachkocht, sein eigenes Urteil bilden.

Mich fasziniert, was man mit einfachen Zutaten und einem Schuss Kreativität alles Leckeres zaubern kann. Der Auberginen-Eintopf mit roten Linsen ist eine Schau und mein absolutes Lieblingsrezept. Aber auch den anderen wird sich mein Bruder widmen und ich bin eingeladen.

Ein interessanter Wettbewerb, der bei mir und bei meinem Bruder sehr gut angekommen ist. Ein mal etwas anderes Kochbuch mit einer hohen Kreativität, witzig aufgemacht. Die Fotos alleine machen schon Lust auf kochen und vor allem essen.

Nicht nur zum selber ausprobieren – auch als Geschenk etwas Besonderes.

Jumbo Schreiner
Die One-Pot-Challenge
GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH

ISBN 9783833869785

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Donnerstag, 19. September 2019

Tanja Litschel - Blutroter Sand


Mörderische Geburtstagsfeier

Moritz Dehnhardt kennt die Schwäche seiner Schwägerin Lisa Holtkamp zu dem am Rande der Deutschen Bucht stehenden Leuchtturm Roter Sand. Er schafft es sogar, einen Kapitän mit Schiff zu organisieren, der sie zusammen mit seiner Frau Karla und seinem Sohn Leon dort hin bringt um Lisas Geburtstag dort zu feiern. Dass ihre Ankunft dort der Beginn eines irrsinnigen Alptraumes wird, damit hatte hier keiner gerechnet.

In zwei unterschiedlichen Erzählsträngen bin ich ab der ersten Seite eingefangen und gefesselt.
Ich fühle mich eingebunden zwischen den vier Personen auf dem Leuchtturm. Hier erzählt Lisa die Geschichte aus ihrer Sicht. Allein der Gedanke, hier von dem Leuchtturm nicht weg zu können, verbunden mit einigen gruseligen Szenen, lässt mir ab und zu eine Gänsehaut über den Rücken laufen.
Genau fühle ich mich als Mitglied der Wasserschutzpolizei, wo ich die Ereignisse aus Sicht von Kriminalkommissar Anton Hayen erlebe. Hier muss nicht nur die Havarie dreier Schiffe auf dem Weg nach Bremerhaven bearbeiten bzw. bewerkstelligt werden. Auch zwei tote Männer, die aus dem Meer gefischt bzw. auf einer Sandbank gefunden werden, bereiten dem Team Kopfzerbrechen.

Ein Spannungsbogen, der sich ab der ersten Seite stetig nach oben orientiert, macht es mir sehr schwer, das Buch zwischendurch auch mal aus der Hand zu legen. Erst ganz zum Schluss löst sich die Spannung auf und ich komme zum Durchatmen.

Anfangs waren es doch etliche Protagonisten, die mir vorgesetzt wurden. Ich habe sie aber alle nach und nach besser kennenlernen und ihnen tief in ihre Seele blicken dürfen. Nicht alle sind mir sympathisch geworden. Genau wie im richtigen Leben gibt es auch hier Menschen, denen ich von Anfang an nicht über den Weg getraut habe oder die mich einfach enttäuscht haben. Ganz besonders liebt gewonnen habe ich den kleinen Leon, der gezeigt hat, was in ihm kleinen Kerl alles steckt.

Ein spannender Küstenkrimi mit einer interessanten Geschichte, die mir Gänsehautfeeling beschert hat und bei der ich richtig mitfiebern konnte. Sehr positiv finde ich auch, dass ich einiges Wissenswerte über die Wasserwacht und deren Arbeit erfahren habe.

Von mir die volle Punktzahl: 5 Sterne

Tanja Litschel
Blutroter Sand
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740805180

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 18. September 2019

Kerstin Ehmer: Die schwarze Fee


Mit diesem Roman geht es in die „goldenen" 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es geht ins dekadente Berlin der Nachtclubs und Kneipen, aber auch in den Dreck und Schmutz der Ärmsten der damaligen Gesellschaft, die nicht viel Hoffnung in eine Zukunft hatten.

Getrennt voneinander werden zwei männliche Leichen aufgefunden. Eine auf einem Ausflugsdampfer, die andere in einem Bus. Beide wirken, als würden sie schlafen oder nachdenken. Der Tod scheint weit entfernt von ihnen. Doch sie rühren sich tatsächlich nicht und geben keinen Mucks von sich.

Kerstin Ehmer entführt mit diesem Roman ähnlich wie Volker Kutscher in das Babylon Berlin, wie es einigen aus der Fernsehserie bekannt sein dürfte. Es ist ein Berlin voller Russen, die vor der Revolution und Lenin geflohen sind und auf eine Rückkehr hoffen. Behutsam führt die Autorin in die Kriminalhandlung ein. Breit gefächert präsentiert sie den Lesern zunächst das Milieu, stellt es mittels ihrer Figuren vor. So lernt man Jugendbanden, Gelehrte, Schriftsteller, Politiker und Architekten kennen. Kommissar Ariel Spiro ermittelt hier zum zweiten Mal (siehe „Der weiße Affe") und muss sich nicht nur mit Verbrechern auseinandersetzen, sondern sich auch gegenüber seinen Kollegen behaupten.

Die Autorin beschreibt das Berlin der damaligen Zeit sehr detailgenau und authentisch. Diese Detailverliebtheit lässt sie weit ausholen und den Kriminalfall in den Hintergrund rücken. Und doch meint man, selbst als Leser das Gekreische und Gegackere an der Panke von der Schönwalder Brücke herunter zu hören. Man ist fasziniert von den Bildern im Kopf, die bei ihren Beschreibung der Straßenzüge und des Alltagslebens entstehen. Obwohl die ersten Toten den Spannungsbogen bis zum Schluss bilden, bleibt es nicht bei diesen Verbrechen als einziges Spannungsmittel. Die Armut treibt die Figuren zu weiteren Untaten an, die gerade erstarkenden Nazis tragen ebenfalls dazu bei. Und die Brunftigkeit einiger männlicher Figuren schafft mit dem Kampf um die attraktiven Frauenfiguren einen spannenden Wettbewerb.

Eine Milieustudie der Goldenen Zwanziger, die mit einem Quäntchen Romantik und einer kräftigen Portion Verbrechen gewürzt ist, empfehle ich sehr gerne! So viel Berlin in einem Buch, dass es einfach nur Spaß machen muss.

Kerstin Ehmer
Die schwarze Fee
Pendragon Verlag, Bielefeld

ISBN 9783865326560

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Dienstag, 17. September 2019

Eva Garcia Sáenz - Die Stille des Todes


Sehr guter Auftakt für den KRAKEN

2016 - Vitoria im Baskenland: Bei den Renovierungsarbeiten an der Kathedrale finden die Arbeiter zwei junge nackte Menschen auf dem Boden der Krypta liegend vor. So, wie sie arrangiert wurden, lässt die Zurschaustellung sofort an eine Mordserie von vor 20 Jahren denken. Aber der damals verurteilet angesehene Archäologe Tasio Ortiz de Zarate sitzt in Zaballa im Hochsicherheitstrakt und wartet nach 20 Jahren auf seinen baldigen Hafturlaub.
Inspector, Profilingexperte und Fallanalytiker Unai Lὁpez de Ayala genannt KRAKEN und seine Kollegin und beste Freundin Inspectora Estibaliz „Esti“ Gauna, spezialisiert auf die Analyse der Opfer, gehen beide gerne Wege neben der Legalität bzw. neben dem Gesetz. Sie suchen nach dem neuen Täter bzw. versuchen neue Morde zu verhindern. Kein leichtes Unterfangen.
In einem weiteren Handlungsstrang aus dem Jahr 1069 lerne ich Blanca Díaz de Antoñana und den Gynäkologen Álvaro Urbina kennen.

Durch die verschiedenen Handlungsstränge, bei denen ich erst zum Schluss dahinter komme, wie sie alle zusammen hängen, steigt die Spannung hoch und bleibt auch oben.
Nachdem ich mich an die spanischen Namen und Orte gewöhnt hatte, ging es mit dem Lesen leicht und flüssig vorwärts. Die intensive Beschäftigung mit dem Seelen- und Gefühlsleben von Unai lässt die Seiten nur so durch meine Finger gleiten. In der Mitte hat die Geschichte zwar ein paar Längen, was aber der Geschichte insgesamt nicht geschadet hat.
Eva Garcia Sáenz stellt mir auch die anderen Personen sehr menschlich und nahbar vor. Ich hatte schnell ein intensives Verhältnis mit einigen von ihnen. Dass ich die Inspectoren auch privat etwas näher kennenlerne gefällt mir sehr gut. Wobei Unais 94jähriger Opa sofort mein Herz erobert hat.

Ich erfahre so ganz nebenbei einiges über die Jahrhunderte alte Stadtgeschichte, über Bräuche und Feste in der Region. Immer wieder eingefügt spanische Worte oder Satzteile, sorgen bei dem Thriller noch mehr für das lokale Flair.

Die einzelnen Kapitel sind mit Orts- und Datumsangaben überschrieben, wodurch ich einen noch besseren Überblick über das Geschehen habe und alles besser gedanklich einsortieren kann.

Neben der ausführlichen Danksagung werden mir im Anschluss an den Thriller viele der hier agierenden Personen vorgestellt. Im Glossar erfahre ich Ausführlicheres von Orten und Namen, denen ich in der Geschichte begegnet bin. Überhaupt hat es mir gut gefallen, dass ich viele Informationen rund um das Baskenland bekomme. Einem Landstrich, mit dem ich mich bisher nur sehr wenig bzw. garnicht beschäftigt habe. Hier aber bekomme ich richtig Lust, diese Gegend auf meine Reiseliste zu setzen. In allem lese ich auch die Liebe der Autorin zu ihrem Land.

Ich habe einen packenden Thriller gelesen, der mich mit einem etwas ungewöhnlichen Prolog und interessanten Personen sofort gefesselt hat. Dass ich dabei noch einiges über das Baskenland erfahren habe, ist ein interessanter Nebeneffekt.
Ein Buch, dem ich meine Leseempfehlung gebe!

Eva Garcia Sáenz
Die Stille des Todes
S. Fischer Verlag

ISBN 9783651025882

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Sonntag, 15. September 2019

Maria Höfle - Dein ist die Schuld


Spannendes Debüt mit interessanten Protagonisten

Elena Goldschmied, 17, liegt unter dem Kruzifix des katholischen Gymnasiums Sebastianum in Kufstein. Tot. Die Gerichtsmedizin stellt keine unnatürliche Todesfolge fest. Also Selbstmord? Daran wollen Inspektorin Dorothea Keusch und ihr Kollege Chefinspektor Konstantin Schmitt von der Mordkommission nicht glauben. Vor allem, weil die Einstellung der Ermittlungen von ganz oben ziemlich schnell kommt. Allem Ärger zum Trotz macht sich Dorothea auf die Suche nach Zeugen und Spuren. Und wird immer wieder hart mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.

Wow, was für ein Ende. Was für eine Auflösung.
Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Liebe, Demütigungen, um Verstrickungen in die rechtsradikale Szene, um Mobbing, um den Missbrauch an Schülern, um Drogen, um Zukunft, Erinnerungen und Vergangenheit und um die Suche nach der Wahrheit, nicht nur in diesem Kriminalfall.

Obwohl es hier sehr viele Personen gibt, hatte ich durch die eindringlichen, eindrucksvollen Beschreibungen bei ihren Auftritten keine Probleme sie einzuordnen. Alle haben ihre Stärken und Schwächen, ihre Ecken und Kanten und kommen sehr menschlich und glaubwürdig rüber.
Besonders gut gefällt mir natürlich die Inspektorin Dorothea Keusch. Mit ihrer offenen, verletzlichen, zielstrebigen, sympathischen Art hat sie sich schnell in mein Herz geschlichen. Mir gefällt, wie sie Fragen stelle, jeder noch so kleinen Spur nachjagt und sich auch von Tiefschlägen nicht verunsichern lässt.
Genau so wie Chefinspektor Konstantin Schmitt, dem sie sich ganz langsam annähert. Ich kann mir vorstellen, dass die Beiden zusammen noch einige Fälle klären könnten.

Durch die eingängigen Beschreibungen der Örtlichkeiten in Kufstein habe ich mich sofort sehr wohl und hineingezogen gefühlt in einen Kriminalfall, der es in sich hat. Spannung baut sich langsam auf, drängt sich aber nicht in den Vordergrund, ist aber immer da. Dass es auch fast kein Blutvergießen und kaum harte Szenen gibt, kommt meinem Lesegeschmack sehr entgegen.

Ich bin gerne dabei, wenn Dorothea vielleicht doch noch eine Stelle in der Abteilung Leib und Leben bei der Kripo Innsbruck besetzen wird.
Maria Höfle – ein Name, den ich mir merken werde - hat mir einen gut durchdachten, gut nachvollziehbaren Krimi mit einer sympathischen Inspektorin vorgelegt, der mir einige spannende Lesestunden geschenkt hat.

Maria Höfle
Dein ist die Schuld
Piper Verlag, München

ISBN 9783492501880

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© Gaby Hochrainer, München 2019