Freitag, 19. Oktober 2018

Miriam Traut - Ich werde Flugbegleiterin!

Ein sehr interessanter Erfahrungsbericht.

Nach ihrem Fachabitur reist Miriam Traut als Au-pair für ein Jahr in die USA um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Anschließend besucht sie in Australien ein College für Reisen und Tourismus. Hier reift ihr Wunsch als Flugbegleiterin bei einer deutschen Airline durchzustarten. Und nach einigen Stolpersteinen, die wegzuräumen sind, wird sie endlich zu einem Vorstellungsgespräch nach Frankfurt eingeladen, das mit einer Vertragsunterzeichnung endet. Nun folgt die sechswöchige Flugbegleiterausbildung mit Einweisung in Schminken, Service, Emergency, Stand-by-Reisen und vieles mehr. Endlich ist es dann soweit und die ersten Langstreckenflüge gehen nach Buenos Aires und Mumbai. Wenn Miriam die gut übersteht, steht ihrer Laufbahn als Flugbegleiterin nichts mehr entgegen.

Miriam Traut beschreibt ihr Leben als Flugbegleiterin so lebendig, so direkt, so leidenschaftlich, dass man sofort merkt, mit welcher Freude sie diesen Job ausführt. Aber ich denke, es ist nicht nur der Job, der sie so fesselt. Auch dass sie dauernd in andere Länder fliegen und neue Eindrücke sammeln kann, Land und Leute kennenlernt, immer Menschen um sich herum hat – das alles macht den Reiz aus. Da Miriam hier nie etwas Negatives beschrieben hat, denke ich, sie hat ihren Traumberuf wirklich gefunden.

Ich habe sehr gerne in einen interessanten, abwechslungsreichen und manchmal auch stressigen Beruf reingeschnuppert. Miriam Traut hat mich mit ihren Berichten sehr gut unterhalten. Ich bekomme sogar noch eine kleine Einführung in die Flugbegleiter-Sprache. Vor allem aber hat dieses kleine Buch mein Fernweh wieder angefacht. Los Angeles wäre einen Trip wert, denke ich.

Miriam Traut
Ich werde Flugbegleiterin!
BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783746075006

Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.

© Gaby Hochrainer, München 2018

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Gregoire Delacourt: Das Leuchten in mir

Schlägt man einen Roman von dem französischen Schriftsteller Gregoire Delacourt auf, so entfaltet sich sofort ein Gefühl von ganz besonderer Literatur. Das hat er in der Vergangenheit mehrfach bewiesen und auch die jetzige deutschsprachige Fassung aus dem Hoffmann und Campe Verlag steht dem nicht nach.

Emmanuelle ist fast Vierzig, 18 Jahre davon verheiratet und hat zwei Kinder. Sie erzählt von einer ungewöhnlichen Begegnung. Sie erzählt von einem fremden Mann. Sie versucht, vor ihm zu verbergen, dass sie ihn beobachtet, dennoch sucht sie immer wieder den Ort auf, an dem sie ihn zum ersten Mal traf. Irgendwann begegnen sich ihre Augen, irgendwann lädt er sie zu Essen ein. Sie weiß nicht, wie ihr geschieht. Sie liebt doch ihren Mann, sie liebt ihre Familie. Warum fühlt sie sich zu diesem fremden Mann, der mittlerweile kein Fremder mehr ist, hingezogen? Dann beschließen beide, gemeinsam fortzugehen und ein ganz neues Leben zu beginnen. Doch da passiert das Unfassbare und das Leben bekommt tatsächlich eine Wendung.

Faszinierend an diesem Roman ist seine Montage und der gesamte Stil, auf den der Autor ein besonderes Augenmerk gelegt hat. Die Geschichte von Emma wird zunächst in drei Teilen erzählt, wobei die Kapitelzählung im ersten Teil rückwärts verläuft bis zu dem Zeitpunkt, der einen Wendepunkt im Leben der Protagonistin darstellt. Ab dann wird vorwärts gezählt. Die Kapitel enthalten manchmal nur einen oder zwei Sätze, die mit Metaphern oder Zitaten gefüllt sind. Der Geschichte "Die Ziege des Monsieur Segiun" von Alphonse Daudet kommt dabei eine besondere Rolle zu. Sie ist im Anschluss des Romans deshalb noch mal komplett abgedruckt. Die Perspektive aus der Sicht der Protagonisten schafft eine ganz besondere Nähe zum Leser. Man hat das Gefühl, Emmanuelle mindestens genauso gut zu kennen wie das ihre Freundin Sophie tut. Jeder der drei Teile vermittelt einen eigenen Spannungsbogen durch einen anders gearteten Konflikt, dessen Lösung man unbedingt erfahren möchte.

Ein dramatischer und hinreißender Liebesroman, der nicht nur durch seine Erzählweise sondern auch durch seine tiefe besticht.

Gregoire Delacourt
Das Leuchten in mir
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg

ISBN 9783455002737

© Detlef Knut, Düsseldorf 2018
Der Beitrag enthält Affiliate-Verknüpfungen.
Was sich bei edition oberkassel so tut!

Mittwoch, 17. Oktober 2018

Deb Sperra - Alligatoren

Branchville, eine kleine Stadt in den Südstaaten der USA

Mrs. Gertrude Padree lebt mit ihrem gewalttätigen Mann und ihren Töchtern Alma und Mary in einem heruntergekommenen Haus am Sumpf. Ihre Töchter Edna und Lily Louise leben bei ihrem Bruder Berns und seiner Frau Mary. Gertrude sieht keinen anderen Ausweg mehr und entledigt sich des Schlägers und Trunkenboldes an ihrer Seite.

Die kleine Mary ist sehr krank. Gertrude bitte die schwarze Oretta Bootles um Hilfe. Die nimmt sich des kleinen Mädchens sofort an. Sie selbst hat ihre kleine Tochter vor einigen Jahren nicht retten können.

Oretta arbeitet für Mrs. Annie Coles, deren Mann nun eine Tabakplantage betreibt, nachdem der Baumwollkäfer die Baumwollernte in drei Jahren hintereinander vernichtet hat. Sie selbst führt zusammen mit ihrem Sohn Lonnie eine Näherei für Getreidesäcke. Viele Frauen der Umgebung finden bei ihr Arbeit und Lohn. So auch neuerdings Gertrude. Nun soll das Sortiment auf Herrenhemden und Damenoberbekleidung ausgebaut werden.

Die drei so verschiedenen Frauen, die aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen stammen, erzählen ihre Geschichten abwechselnd. Durch die namentliche Erwähnung über jedem Kapitel weiß ich sofort, wen ich gerade auf ihrem Weg begleite. Ganz langsam kommen sie sich im Laufe der Geschichte näher. Drei Frauen, die sich von ihren unsichtbaren Fesseln befreien wollen, die sie und ihre Kinder an ihre Männer und Väter ketten.

Drei Frauen, die ihr Leben selbst bestimmen wollen.

Die Autorin hat die verschiedenen Personen charakterlich sehr detailliert, sehr menschlich und authentisch beschrieben. So werden sie mir schnell vertraut, ich kann mit ihnen lachen, weinen, leiden, hoffen, bangen. Vor allem kann ich ihre Handlungsweisen sehr gut verstehen. Die drei Frauen führen mich durch ihr Leben.

Obwohl der Schreib- und Erzählstil eher ruhig dahinplätschert, enthält er doch eine Spannung, die mich das Buch kaum aus der Hand hat legen lässt. Es war sehr spannend und interessant, den drei jede auf ihre Weise starken, mutigen Frauen zu folgen.

Ein mitreißendes Portrait dreier Frauen, die für ihre Freiheit, für ihre Selbstständigkeit und vor allem für ihre Kinder an ihre Grenzen gehen.

Ein Südstaatenroman, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Deb Sperra
Alligatoren
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel
und Klaus Timmermann 

HarperCollins Verlag, Berlin
ISBN 9783959672207

© Gaby Hochrainer, München 2018

Dienstag, 16. Oktober 2018

Konstanze Harlan - Wer den Frosch küsst

Liebe, Drama und Humor

Die Zeit, als die 25-jährige Cecilia Weiss der Star einer Telenovela war, ist lange vorbei. Heute schlägt sie sich als alleinerziehende Mama mit ihrem 5-jährigen Sohn Jakob mehr schlecht als recht durchs Leben. Bis ihr Freund Karsten sie mit auf einen Filmball nimmt. Hier lernt sie Alexander kennen, einen wie sie glaubt unbekannten Schauspieler. Und eine wunderbare Nacht beginnt ...

Konstanze Harlan lässt Cecilia ihre Geschichte selbst erzählen. Ich habe die junge Frau, die es in ihrer Kindheit nicht leicht hatte, sehr schnell ins Herz geschlossen. Ein bisserl chaotisch, immer auf dem Sprung, immer die Zeit im Nacken, gilt ihre einzige Sorge ihrem kleinen Sohn Jakob. Hier und da kam mir der Kleine mit seinen 5 Jahren etwas zu erwachsen rüber. Aber auch er hat mein Herz im Sturm erobert.

Cecilia und ihre Mutter Cornelia, die ein sehr gespanntes Verhältnis zueinander haben, nähern sich ganz langsam wieder an. Und Alexander, der sich als echter Traumprinz entpuppt, gelingt es schließlich doch noch, Cecilias Herz zu erobern. Eine weitere Person aus Cecilias Umfeld, die ich sehr mag, ist ihr guter Freund Karsten. Immer für sie da, immer bereit, wenn sie ihn braucht – wünscht sich nicht jede Frau so einen Freund an ihrer Seite?

Mir haben auch die Blicke hinter die Kulissen einer Fernsehproduktion sehr gut gefallen. Hier herrschen Neid, Missgunst, Selbstdarstellung und Oberflächlichkeit vor. Aber auch Freundschaft und großes Verständnis habe ich hier kennengelernt.

Eine wunderbar romantische Geschichte, wo auch der Tiefgang nicht fehlt, mit einer starken Protagonistin, die allen, vor allem den Männern, die Stirn bietet und sich nicht unterkriegen lässt. Leichte, lockere Unterhaltung, die mir ein paar lesenswerte Stunden geschenkt hat.

Konstanze Harlan
Wer den Frosch küsst
Selfpublisher BoD Verlag, Norderstedt

ISBN 9783752862140

© Gaby Hochrainer, München 2018

Sonntag, 14. Oktober 2018

Petra Durst-Benning - Spätsommerliebe

Das wahre Leben ist spannender als jeder Kitschroman

Ich bin nun schon das 4. Mal in Maierhofen und darf den Bewohnern des Genießerdorfes über die Schulter schauen und ihren Alltag miterleben. Das 3. Kräuter-der-Provinz-Festval steht vor der Tür und die Bewohner des kleinen Allgäuortes sind voll mit den Vorbereitungen beschäftigt.

In diesem Band geht es hauptsächlich um Bäckerin Magdalena Stoll und ihren Griechen Apostoles Karamidas und B&B-Wirtin Christine Heinrich und ihren Reinhard Häussler, die in Band 3 der Serie zueinander gefunden haben. Es ist aber nicht immer leicht, die Liebe aus einer anfänglichen Euphorie in den Alltag mitzunehmen. Das bekommen auch die Paare in Maierhofen immer wieder zu spüren. Zerrissen von ihrer Arbeit, vergessen sie fast, dass es soviel mehr im Leben gibt, für das es sich zu leben lohnt.

Aber auch für Greta Roth und ihren Vinzent hat das Schicksal noch eine Überraschung bereit.

Ausserdem mietet sich bei Christine eine junge Autorin ein. Michelle Krämer will hier ihren ersten Liebesroman schreiben.

Besonders freut es mich auch für Rosi, dass sie für ihre Eltern eine liebevolle Betreuung gefunden hat.

Es ist also wieder jede Menge los in Maierhofen und ich bin mittendrin. Petra Durst-Benning schreibt so gefühlvoll, so lebendig und schafft es immer wieder, die Menschen in dem kleinen Allgäuer Ort so lebensecht rüber kommen zu lassen, dass es auch meine Nachbarn oder sogar ich selbst sein könnte. Wir sollten alle hier und da überlegen, ob wir uns, zumeist für Andere, so aufreiben müssen, oder ob es nicht besser wäre, hier und da mal alle Fünfe gerade sein zu lassen. Aber ich denke, auch daran arbeiten die Maierhofener.

Petra Durst-Benning macht uns mit kleinen Geschichten mal wieder sehr deutlich, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Als Schlusszuckerl gibt es noch einige leckere Rezepte von Gerichten, die die Maierhofener bei ihrem Hoffest aufgetischt haben und die absolut Lust machen, diese selbst mal auszuprobieren.

Da ich mich auch diesmal in Maierhofen wieder sehr wohl gefühlt habe und sehr gut unterhalten wurde, finde ich es schade, dass dies wohl der letzte Besuch bei diesen netten Menschen gewesen ist. Bei unseren nächsten Grillfesten werde ich an sie denken.

Petra Durst-Benning
Spätsommerliebe

blanvalet Verlag, München
ISBN 9783734106378

© Gaby Hochrainer, München 2018

Freitag, 12. Oktober 2018

Elisabeth Florin - Commissario Pavarotti kam nie nach Rom

Nichts ist wie es scheint

Am Bahnhof in Bozen steht ein Mann in Schwarz und wartet auf den Nachtzug nach Frankfurt über München. Hier lebten die deutsche Autorin Anna Santer und ihr Ehemann Lex, Inhaber einer kleinen Agentur für Fondsanalysen, die am Pool ihres Hotels in Meran erschossen wurden. Commissario Luciano Pavarotti und seinen Mitarbeiter Ispettore Emmeregger tun sich schwer mit dem Motiv und der Suche nach dem Mörder. Auch Liselotte "Lissie" von Spiegel, die große Liebe von Pavarotti, schaltet sich in die Ermittlungen ein. Wie sich herausstellt, war sie eine Freundin von Anna. Hier geht sie ihre eigenen Wege zu ihrem neuen Buch.

Elisabeth Florin nimmt mich nicht nur mit ins Hier und Jetzt, sondern konfrontiert mich auch mit der Vergangenheit von Anna und Lex Santer. Ausserdem erfahre ich einiges aus den Vorkommnissen im Meran kurz nach dem 2. Weltkrieg, als viele Flüchtlinge und vor allem auch Nazis die Stadt als Ausgangspunkt für ihre Flucht nach Südamerika nutzten, die "Rattenlinie".

"Für die meisten Leser genügt es, wenn die Spannung stimmt. Die Sprache ist zweitrangig." An diese These, die die Autorin Walter Timm in den Mund legt, hält sie sich selbst nicht. Ihre Sprache ist ausgefeilt, sehr bildhaft, punktgenau und sie jongliert mit ihren Worten. Und genau deshalb liebe ich ihre Krimis um Commissario Pavarotti.

Die Spannung entwickelt sich von der ersten Seite an, wo ich dem Mann in Schwarz begegne. Es ist auch nicht nur die kriminelle Spannung, die mich hier fasziniert. Auch zwischen Pavarotti und Lissie, genau so wie zwischen Emmenegger und Pavarotti bitzelt die Spannung und ich warte gespannt, ob und wie sie sich entläd. So hoch die Spannung auch bleibt, hier und da blitzt auch ein klein wenig Humor auf und bettet sich wie selbstverständlich in die Geschichte mit ein.

In diesem Fall ist fast nie etwas so wie es scheint. Ich sammle meine Puzzlesteine, setze sie zusammen und schon kommt wieder eine Wendung, die sowohl meine Gedanken als auch mein Puzzle wieder auseinander reißen. Erst ganz zum Schluss werde ich mit dem Mörder, den ich in kurzen Sequenzen in kursiver Schrifdt kennenlerne, und seinem Motiv konfrontiert und alle Fäden schließen sich zu einem einleuchtenden Strang zusammen.

Ich war schon des öfteren in Meran und so bin ich mit Pavarotti, Emmenegger und Lissie mittendrin in der Altstadt mit der Laubengasse und sehe auch die vielen Gebäude im Jugendstil vor meinen Augen.

Trotz der Missstimmung, die hier und da unter den Protagonisten herrscht, war ich auch diesmal wieder gerne mit meinen guten Bekannten auf der Suche nach Aufklärung unterwegs. Ich wurde sehr gut unterhalten, konnte mit rätseln und mit fiebern und habe dank der guten Recherche sogar wieder etwas gelernt. Ein spannender Fall mit interessanten Menschen und einem schuss Lokalkolorid – wieder genau so wie ich Krimis mag.

Elisabeth Florin
Commissario Pavarotti kam nie nach Rom
emons Verlag, Köln

ISBN 9783740803162

© Gaby Hochrainer, München 2018

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Monika Bittl - Ohne meinen Mann wäre ich glücklich verheiratet

Ohne Mann wäre auch nix

Monika Bittl schreibt keinen schnöden Ratgeber. Nein, die bringt die spannenden Themen eines Lebens mit Anhang Mann sehr direkt zur Sprache. Aber ich meine immer auch ein kleines Zwinkern in ihren Augen lesen zu können.

Egal ob es um die Liebe auf den 97. Blick geht, das Schenkverhalten des Mannes oder ob ein Dekoobjekt plötzlich ganz anders eingesetzt wird. Immer erkenne ich mich auch ein bisserl selbst in ihren Abhandlungen wieder. Bei den jeweiligen Bedienungsanleitungen für die Frau und den Mann merkt man gleich, wie Mann tickt. Das Rezept für die Hochzeitssuppe hat mir sehr gut geschmeckt. Und die männliche Sichtweise auf uns Frauen aus den unterschiedlichesten Lebensphasen im Alter von 18 Jahren bis 78 Jahren hat meine Wundwinkel recht weit nach oben gezogen.

Ein tolles Buch, ein witziger, unterhaltsamer Ratgeber mit einem zwinkernden Auge. Mir hat das Lesen bis auf ganz wenige Passagen, die ich etwas langatmig finde, wieder richtig Spaß gemacht.

Ein Buch, dass auch die Herren der Schopfung gerne lesen dürfen!

Monika Bittl
Ohne meinen Mann wäre ich glücklich verheiratet
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426789650

© Gaby Hochrainer, München 2018