Freitag, 24. Mai 2019

Barbara Wendelken - Nur wer die Hölle kennt


Feuer in Martinsfehn

Vor 20 Jahren hat die fünfzehnjährige Melody Bella Matzke ihren Heimatort Martinsfehn nach dem Brand des Pferdehofes ihrer Mutter verlassen. Damals kamen nicht nur ihre Mutter und ihr kleiner Bruder Michel in den Flammen um, sondern auch Daniela Finke, eine sehr begabte junge Reiterin, die von ihrer Mutter gefördert wurde. Melody wurde eine Zeit lang der Brandstiftung verdächtigt, es konnte ihr aber nicht bewiesen werden.
Heute ist sie zusammen mit ihrem kleinen Sohn Linus zurück in dem Ort, an dem es immer noch Menschen gibt, die nicht an ihre Unschuld glauben und die sie nicht hier haben wollen. Aber da ist auch noch ihre große Jugendliebe Thore ...

Für mich ist es schon der 4. Fall, den ich zusammen mit Nola van Heerden und Renke Nordmann lösen darf. Ich bin gerne in Martinsfehn.
Die handelnden Personen sind so menschlich mit ihren verschiedensten Charakterzügen gezeichnet. Das Dorfleben wirkt so authentisch, dass ich mich hier gleich mittendrin fühle.
Melody war mir ab dem ersten Kennenlernen sympathisch. Dass sie in ihre alte Heimat, wo sie auch heute noch Anfeindungen ausgesetzt ist, zurückkehrt, fand ich schon bemerkenswert. Und auch sie zweifelt hier und da, ob ihre Entscheidung die richtige war. Ich kann mich gut in sie hineinversetzen und ihren Gedanken folgen.
Auch mit den meisten anderen Protagonisten bin ich schnell warm geworden. Mit der Pferdewirtin Rosi de Buhr habe ich mich allerdings sehr schwer getan.

Barbara Wendelken erzählt ihre Geschichte in zwei Zeitzonen und aus verschiedenen Perspektiven. Einmal fühle ich mich zurückversetzt ins Jahr 1997 zu dem Leben vor und nach dem Brand, der Melody damals ihr Zuhause nahm und ihr Leben verändert. Ich lese von den Ermittlungen, die damals stattgefunden haben, die aber ohne Täter abgeschlossen wurden.
20 Jahre später öffnen Renke und Nola die Akte von damals wieder, denn der heutige Brand scheint mit dem von damals in Verbindung zu stehen.

Die Frage nach der Schuld und auch nach dem Warum zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte. Bei beiden Fragen muss ich auf die Antworten aber warten bis kurz vor Schluss. Die Spannung baut sich ganz langsam auf, bleibt hier und da unterschwellig stehen, und hält ihr hohes Niveau bis zum Schluss, der mich sprachlos und erschüttert zurück lässt.
Es hat auch diesmal wieder viel Spaß gemacht mitzurätseln. Ich war hier und da nahe dran, habe mich aber wieder auf eine falsche Fährte führen lassen. Dass gelingt der Autorin richtig gut.

Neben den Ermittlungen spielt auch das Privatleben der beiden Ermittler Nola und Renke wieder eine Rolle. Aber anscheinend können die Beiden nicht mit-, aber auch nicht ohne einander. Es ist zum Verzweifeln.
Auch mit Conrad Landau gibt es ein Wiedersehen, was allerdings auch nicht gut ausgeht. Aber auch da wird nicht mehr verraten.

Eine von Anfang bis zum Ende spannende und interessante Geschichte mit einigen Nebenschauplätzen, die ich sehr gerne gelesen habe. Ich bin gespannt, wie es mit Nola und Renke und der Kripo Leer weitergeht.

Barbara Wendelken
Nur wer die Hölle kennt
Piper Verlag, München

ISBN 9783492313049

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 22. Mai 2019

Nina Ohland - Dünengeister


Auf Agatha Christies Spuren

List auf Sylt 1778. Ich lerne Deichgraf Haie Melander kennen, der mit Leichen handelt, die hier am Strand angespült wurden. Ein guter Verdienst, mit dem er auch noch die Familie seines Bruders Jesko versorgen kann.

List auf Sylt 1914: Carola Henriette Borgwart kommt mit 14 Jahren nach Sylt. Nach einem Mord im Hause Melander, bei dem sie den Täter gesehen hat, verschwindet sie spurlos.

Endlich ein paar Tage frei. John Benthien, erster Hauptkommissar der Kripo Flensburg und seine Freundin Lilly Velasco vertreiben sich ihre freie Zeit auf Sylt. Aber nur solange, bis Tristan Melander mit menschlichen Knochen bei ihnen auftaucht, die er in der nahen Düne gefunden hat. Und aus ist´s mit der Ruhe. Als dann Yvonne Melander und ihr Sohn Nicky vergiftet in deren Wohnung gefunden werden, beginnt die Arbeit für John Benthien und sein Team.

Dies ist nun schon der sechste Fall, bei dem ich dabei sein und mit ermitteln darf. Am Anfang gibt es eine Aufstellung der Mitarbeiter der Kripo Flensburg, die mir hier begegnen.
Für Neueinsteiger dürfte es kein Problem sein, diesen Fall auch ohne Vorkenntnisse zu lesen. Ich persönlich mag es allerdings, wenn ich die Personen von Anfang an kennenlerne und dann ihre Entwicklung mit verfolgen kann. Und das nicht nur bei den Ermittlern, sondern auch bei Johns Vater Ben, der mir mit seinen Kochrezepten immer das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Ich habe mich sehr gefreut, John, Lilly, Tommy und Ben hier wieder zu treffen und war gespannt, auf welchen Fall sie wohl diesmal stoßen würden. Diesmal erlebe ich die Ermittlungen im Falle der Familie Melander, bei denen sich die Unglücksfälle mit tödlichem Ausgang schon seit Jahrzehnten zu häufen scheinen. Die Melanders, eine Familie, von denen die meisten Familienmitglieder für mich nicht sonderlich sympathisch rüber kommen. Alt eingesessen auf Sylt und mächtig stolz auf ihre Ahnen und Urahnen. Besonders Adeline, das Oberhaupt der Familie, ist sehr auf den guten Ruf und das Ansehen der Familie bedacht.
Bei den vielen Namen war das Register am Ende der Geschichte sehr hilfreich.

Alle Protagonisten sind wieder so liebevoll, facettenreich und gut vorstellbar gezeichnet, dass sie in meinem Kopfkino gleich ihre Plätze besetzen.
Der Erzählstil von Nina Ohland ist auch diesmal wieder so farbig, ausgefeilt und bildhaft, gerade auch wenn ich über die Insel streife. Ich freue mich gerade riesig, wenn ich in diesem Jahr hier urlauben und das alles selbst kennenlernen darf.

Obwohl es immer neue Spuren gibt, will sich ein eindeutig Schuldiger für mich nicht heraus kristallisieren. Immer wieder passen Puzzleteilchen nicht zueinander, müssen die wenigen Beweise und Indizien verworfen werden. Dadurch erhöht sich die Spannung dauerhaft enorm. Als es endlich nach Agatha Christie-Manier zur Auflösung des Falles kommt, war ich doch überrascht, konnte aber alles gut nachvollziehen. Diese Art der Auflösung hat mir sehr gut gefallen.
Es bleiben auch einige Fragen offen. Und so bleibt die Hoffnung, dass es mit spannenden Fällen für John, Lilly und Tommy weiter gehen wird.

Auch dieser Krimi hat mich wieder total eingefangen, war interessant und hat mir spannende Lesestunden geschenkt.

Nina Ohland
Dünengeister
Bastei Lübbe Verlag, Köln

ISBN 9783404177806

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Dienstag, 21. Mai 2019

Emily Gunnis: Das Haus der Verlassenen


Die Autorin Emily Gunnis hat sich in diesem Roman eines Themas bedient, welches in den Kreisen der katholischen Kirche auch heute noch nach Möglichkeit totgeschwiegen wird. Es geht um die Mutter-Kind-Häuser Irlands und Englands, die von den sogenannten „Barmherzigen Schwestern" betreut wurden. In diesen Heimen konnten junge, ledige Mädchen, die ein Kind erwarteten, entbinden. Sie wurden allerdings gezwungen, diese Kinder zur Adoption freizugeben und in den heimeigenen Wäschereien unter unmenschlichen Bedingungen zu arbeiten. Auch der Roman „Auf den zerbrochenen Flügeln der Freiheit" von Rebecca Michéle hat dieses schwere Thema zur Grundlage.

2017 findet die Journalisten Sam bei ihrer Großmutter einen Brief von einer Ivy. Ihre Großmutter sagt, dass der Brief in den Hinterlassenschaften des Großvaters, eines Antiquitätenhändlers, lag. Die alleinerziehende Sam ist stark beeindruckt von seinem Inhalt, in welchem Ivy ihrem Liebsten anfleht, sie aus dem Heim herauszuholen. Sam wittert aber auch eine große Story, die sie in ihrem Job und auf der Karriereleiter weiterbringen könnte. Doch je tiefer sie nachforscht, umso mehr mysteriöse Todesfälle fördert sie an die Oberfläche. Ihre Nachforschungen werden immer gefährlicher, denn ihre eigene Familiengeschichte scheint immer mehr mit dem dunklen Kloster zu tun zu haben, in dem Ivy 1956 eingesperrt war.

Gunnis hat einen feinsinnigen Plot entwickelt, der vor Gräueltaten in diesen Heimen nicht Halt macht. Das letzte dieser Heime wurde erst 1996 geschlossen. Damit wird der Roman zu einem sehr beeindruckenden und beklemmenden Roman, der es aber nicht an Spannung vermissen lässt. Man sitzt manchmal nur mit dem Buch in der Hand und mag nicht glauben, dass es sowas gegeben hat. Doch mit den Todesfällen wird aus der Geschichte noch ein Thriller par excellence. Möchte Sam anfangs nur dem Geheimnis der Briefe auf die Spur kommen, so entwickelt sie sich zu einer ausgesprochenen Ermittlerin, welche die damaligen Missstände und deren Verursacher an die Öffentlichkeit bringen möchte. Wenn man sich als Leser von den bedrückenden Geschehnissen nicht abhalten lässt, wird man in den starken Sog des Romans gezogen und wird von dessen Spannung getrieben.

Dennoch gibt es Wehrmutstropfen die nicht verschwiegen werden sollten. Diese Magdalen-Häuser hat es in dieser grausamen Auswirkung hauptsächlich in Irland gegeben. Gunnis sagt auch im Nachwort, dass sie sich in der Beschreibung der Gräueltaten auf ihre Recherchen in irischen Häusern stützt. Trotzdem hat sie ihre Handlung im britischen Sussex verortet. Obwohl es in England auch ca 200 solcher Heime gab, ist von solch extremer Gewalt ist in England nicht annähernd so viel bekannt wie aus Irland. Der Authentizität wegen hätte die Geschichte besser in Irland spielen sollen. Ein weiteres kleines Manko sind die relativ vielen Figuren aus verschiedenen Generationen. Insgesamt leben noch sieben Generationen gleichzeitig, was ein Ding der Unmöglichkeit ist. Oder was sollte es sonst bedeuten, wenn die Urgroßmutter von ihrer eigenen Großmutter zum Essen eingeladen wird. Etwas besser rechnen zu können, hätte mehr Klarheit gebracht.

Wegen der Spannung, dem Sog und dem schweren Thema, das behandelt wird, gebe ich dennoch vier Sterne. Diese Taten sollten nie vergessen werden, auch wenn die meisten bereits ungesühnt blieben.

Emily Gunnis
Das Haus der Verlassenen
Aus dem Englischen von Carola Fischer
Heyne/ Random House, München
ISBN 9783453272125

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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Bücher, die gefallen

Sonntag, 19. Mai 2019

Leonie Haubrich - Nebelherz


Freunde für´s Leben

Nach der fünfzehnjährigen Abi-Feier verlassen Niklas Hofmann, Marten Willemsen und Janine Peters die Party und übernachten alle ziemlich zugedröhnt in einem Waldstück. Hier holen Niklas die Schatten der Vergangenheit ein. Er sieht sich vor 16 Jahren Lisa Seibel, das Mädchen, zu dem er sich so stark hingezogen fühlte, überfahren und wie er sie mit Ziegelsteinen beschwert in den Rhein schleppt und untergehen lässt. Und wieder ist da, dieser Fuchs, der ihn anstarrt.
Niklas kann mit seiner Schuld, die sich nach so vielen Jahren an die Oberfläche drängt, nicht länger leben und stellt sich der Polizei. Nach mehreren Recherchen, bei denen Niklas Schuld nicht nachgewiesen werden kann, ist er wieder auf freiem Fuß. Aber er gibt nicht auf, will unbedingt für sein Tun büßen.
Carolin Seibel, Lisas Schwester, hat nie an ein Abtauchen ihrer Schwester geglaubt. Bis heute versucht sie, die wahren Begebenheiten herauszufinden und Lisas Mörder zu überführen. Fast zu spät merkt sie, dass sie dem Mörder sehr nahe gekommen ist und erkennt nicht die Gefahr in der sie schwebt.

„Nebelherz“, der neue Thriller von Leonie Haubrich, hat auf mich von Anfang an einen tiefen Sog ausgeübt. Es ist mir sehr schwer gefallen, das Buch auch mal aus der Hand zu legen. Ich war ab der ersten Seite gefesselt und im Bann von Niklas, Marten und Janine gefangen.

Ich habe von Anfang an nicht wirklich an die Schuld von Niklas geglaubt. Wollte einfach nicht glauben, dass der sympathische junge Mann ein Mörder sein soll. Ich habe ihn zutiefst bedauert. Ihn, der einen Kunden nach dem anderen verliert, der seine schwangere Frau verliert, dessen Eltern ihn nicht mehr im Haus haben wollen und der nicht mehr ein noch aus weiß.
Durch die Recherche von Carolin kommen immer neue Details auf. Genau wie sie weiß ich nicht, kann ich Niklas trauen oder nicht.

Obwohl ich bereits nach ca. der Hälfte des Buches geahnt habe, wer der Mörder sein könnte, blieb die Spannung erhalten. Denn die Frage nach dem Wie und dem Warum klärt sich zusammenhängend erst kurz vor Schluss.

Was auch hier meinem Lesegeschmack wieder sehr zugute gekommen ist: Leonie Haubrich kommt, obwohl es ein paar Tote gibt, ohne großes Blutvergießen aus. Ihre Stärke liegt erschaffen von glaubhaften Protagonisten, von spannungsgeladenen Szenen und von Wendungen, bei denen ich mit meinen „Ermittlungen“ wieder ganz am Anfang stehe.

Was mir auch sehr gut gefallen hat: Jeden Kapitelanfang ziert ein kleiner Fuchs, den ich schon auf den ersten Seiten kennengelernt habe, der schnüffelnd seine Nase in den Wind hält.

Wieder ein brillant ausgearbeiteter Psychothriller, bei dem ich nicht anders kann, als ihn mit 5 Sternen und einer Leseempfehlung zu bewerten.

Leonie Haubrich
Nebelherz
Selfpublishing

ISBN 9781091277762

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Freitag, 17. Mai 2019

C.W. Gortner - Marlene und die Suche nach Liebe


Eher schon eine Biografie.

Marie Magdalene Dietrich wächst zusammen mit ihrer älteren Schwester Elisabeth bei ihrer strengen Mutter auf. Ihren Vater verliert sie, da ist sie gerade mal 6 Jahre alt. Ihre ehrgeizige und eher kaltherzige Mutter, die sie nur schwer zufrieden stellen kann, möchte, dass sie Konzertgeigerin wird. Aber nach einer Sehnenentzündung wird sie hier keine Zukunft mehr haben und Marlene beschließt Schauspielerin zu werden. Sie heiratet Rudolf Sieber und bekommt mit ihm Tochter Maria Elisabeth, die sie liebevoll Hedede nennt. Sie verlässt beide, lässt sich aber nie scheiden. Dann beginnt ihr Erfolg und sie bricht die Brücke zu Deutschland ab und geht nach Amerika ...

Ich kannte Marlene Dietrich bisher nur von ihren Filmen „Der blaue Engel“, „Zeugin der Anklage“ und ihren Liedern „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, „Lili Marleen“, „Sag mir wo die Blumen sind“ und „Paff, der Zauberrachen“. Ihr Leben selbst war mir bisher fremd. Ihre Geschichte hier zu lesen zu können, habe ich sehr genossen.
Christopher W. Grotner lässt Marlene ihre Geschichte in der Ich-Form selbst erzählen. Ich verfolge ihr Leben von Kindheit an bis 1946, wo sie wieder nach Frankreich zurückkehrt. Im Nachwort erfahre ich in einer kurzen Zusammenfassung ihren weiteren Lebensweg bis zu ihrem Ende am 7. Mai 1992.
Ich tauche ein in einen bewegenden, mit Höhen und Tiefen gepflasterten Weg, einer Frau, die sich immer treu geblieben ist. Die keine Kompromisse eingeht, sich nicht verbiegt oder verbiegen lässt. Die es damit aber auch nicht besonders leicht hat im Leben. Marlene geht ihren eigenen Weg.

Ich liebe es hier auch Hintergrundinformationen über den ersten Weltkrieg zu lesen, über ihr Engagement und ihre Denkweise zum zweiten Weltkrieg, das Nachtleben in Paris. Ihr Leben in Amerika, wo sie für Juden, Emigranten und Verfolgten immer ein offenes Haus hat. Ihre vielen Bekanntschaften aus der Filmbranche, wie James Steward, Gary Grant, Jean Gabin, ihre Liebesbeziehungen, egal ob weiblich oder männlich. Sie war immer auf der Suche – nach Erfolg, Geld und Sex. Dabei blieb die Liebe für die grandiose Diva leider meistens außen vor.

Marlene selbst sagt über sich: „Ich bin immer noch Lena. Die Dietrich ist eine Illusion. Nichts als gutes Licht und Schminke.“

„Marlene und die Suche nach der Liebe“, die Geschichte einer starken, in ihrer Zeit emanzipierten, erfolgreichen, leidenschaftlichen, aber auch einsamen Frau voller Geheimnisse. C.W. Grotner ist es gelungen, seiner Bewunderung für diese Frau Ausdruck zu verleihen. Und ich habe es genossen, diese Bewunderung hier nachvollziehen zu können.

C. W. Gortner
Marlene und die Suche nach Liebe
Aufbau Verlag, Berlin

ISBN 9783746635064

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Mittwoch, 15. Mai 2019

Franke/ Kuhnert - Zum Teufel mit den fiesen Friesen


Schön war´s wieder in Neuharlingersiel zu sein

Rudi Bakker und sein Wittmunder Kollege KOK Schnepel ermitteln noch im Fall eines von seinem Motorrad geschossenen politisch engagierten Tankwarts, da passiert schon der zweite Mord. Eine junge Kitesurferin wird mitten im Sprung von einem Motorboot aus erschossen. Als dann auch noch ein Angler durch einen gezielten Schuss sein Leben verliert, kommen die Kollegen von der Kripo Wittmund schnell an ihre Grenzen.
Rudi Bakker hat eigentlich im Moment keinen Kopf für neue Ermittlungen. Er lernt erst jetzt seinen Vater Hoyko Manninga und seine Halbschwestern kennen.
Gut, dass sich da Rosa Moll wieder einschaltet.

Auch diesmal habe ich mich richtig auf meine Freunde in Friesland gefreut. Wenn ich mit ihnen zusammen einen Fall lösen darf, ist es wie Freunde besuchen und mit ihnen zusammen durch die Gegend zu fahren.
Hier erschießt jemand Menschen. Nach welchen Kriterien sucht sich der Mörder seine Opfer aus? Was haben sie gemeinsam? Wer schießt hier so gut, dass er mit einem Schuss ins Schwarze bzw. sein Opfer tödlich trifft?Wie kann man ihn endlich überführen? Fragen, die sich nicht nur Bakker, Schnepel und deren Chef Haueisen stellt. Auch Rosa mischt wieder kräftig mit. Und ich natürlich auch.
Doch durch die verschiedensten Verdächtigen, immer neue Alibis nach denen sie wieder gestrichen werden müssen, einigen Wendungen, die mich immer wieder in die Irre führen, dauert es bis kurz vor schluss der Geschichte, bis der Täter entlarvt, schlüssig überführt und festgesetzt ist.

Diesmal geht es um Umweltschutz, Windkrafträder, eine neue Logistikhalle und alte Häuptlingsfamilien und deren Burgen. Klar, dass es da zwei Lager gibt. Aber dass man seine Überzeugung ausgerechnet mit Mord durchsetzen will – das geht gar nicht.

Rudis Vater, der seit vielen Jahren in Kanada lebt und hier und heute erst seinen Sohn und später seinen Enkel kennenlernt, ist mit seinen beiden Töchtern auf Deutschlandbesuch. Er bringt die leichte Seite in die Geschichte mit ein. Wobei sich Rosa schon sehr wegen einer der Töchter ärgert. Aber da will ich nicht zuviel verraten.
Schön finde ich das Zusammensitzen auf dem Hof von Henners Eltern mit Mudder, Vadder, Henner und seinen 8 Schwestern und natürlich Rudi und seine neue Familie.

Christiane Franke und Cornelia Kuhnert haben es auch diesmal wieder geschafft, mich mit ihrem leichten, lockeren, spannenden Schreibstil zu fesseln und beim Lesen zu halten. Auch diesmal habe ich wieder einiges über diesen kleinen Teil Deutschlands erfahren, was ich vorher noch nicht wusste. Der Lokalkolorit kommt auch hier wieder besonders zum Tragen durch die Teezeremonie, die immer und überall gepflegt wird. Auch die Bewohner von Friesland werden durch ihre Wortkargheit und ihr herzliches Wesen, wenn man denn mal durch die dicke Schale durch ist, punktgenau beschrieben. Und ich liebe sie!

Zum Schluss der Geschichte bekomme ich nochmal einen Überblick uber das Stammpersonal der Serie und über die weitetren Personen, die nur für diesen Fall relevant sind.
Natürlich dürfen auch die Rezepte aus Mudder Steffens´ Küche nicht fehlen. Bei den Schmorkartoffeln mit Zwiebeln und Speck und dem Rührei mit Krabben läuft mir gleich das Wasser im Mund zusammen.

Die Autorinnen haben mir auch diesmal wieder einen interessanten und spannenden Regional-Krimi mit liebenswerten und anderen Menschen, die mein Herz nicht erobern konnten, vorgelegt. Und ich freue mich schon heute auf meinen nächsten Besuch in Neuharlingersiel.

Christiane Franke/ Cornelia Kuhnert
Zum Teufel mit den fiesen Friesen
Rowohlt Verlag, Hamburg

ISBN 9783499276019

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© Gaby Hochrainer, München 2019

Dienstag, 14. Mai 2019

Stefanie Gerstenberger: Gelateria Paradiso


Die Autorin ist für ihre Romane mit italienischem Flair bekannt. So wundert es nicht, dass auch dieser Roman über das Eiscafé Paradiso mit einem Background in Italien daherkommt. Während die Haupthandlung im Rheinland der Gegenwart spielt, geht es zwecks Vergangenheitsbewältigung in die 1960er Jahre zurück. Vor dem inneren Auge entsteht das Bild einer Eisdiele mit radebrechendem Personal mit italienischem Akzent.

Francesca war in der Eisdiele aufgewachsen und hatte den Kontakt zu ihren Eltern vor vielen Jahren abgebrochen. Ihr war die Eisdiele zuwider, ihre Eltern hatten nie Zeit für sie, sie musste im Geschäft mithelfen, machte dort auch die Hausaufgaben. In der Schule wurde sie als „Itaker" beschimpft und wegen ihrer Körperfülle gehänselt.

Susanne war nach der Geburt von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben worden. Ihre leiblichen Eltern hat sie nie kennengelernt, die Adoptiveltern hatten sie stiefmütterlich behandelt. Auch sie brach den Kontakt ab und suchte sich eine „Ziehmutter", Tilly, eine überaus gute Freundin mit einem behinderten Sohn. Zusammen führen sie einen Antiquitätenladen. Als im Nachbarort eine stillgelegte Eisdiele verkauft und aufgelöst werden soll, begegnen sich Sabine und Francesca zum ersten Mal. Es wäre gelogen, wenn man jetzt behaupten würde, dass diese Begegnung keine Folgen hätte.

Mir hat besonders diese spezielle Stimmung gefallen, die Rückblenden, die die eine oder andere Erinnerung an meine eigene Kindheit hervorriefen. Die bildhaften Beschreibungen der Autorin ließen das Geschirr in meinem Kopf klirren, den Geschmack von Vanilleeis im Gaumen anklingen, die Gerüche von Pasta in die Nase ziehen.

In Rückblenden erfahren wir, wie es zu der Eisdiele kam. Ganz allmählich wird das Geheimnis um Susanne und Francesca, deren Herkunft gelüftet. Diesen Spannungsbogen zu verfolgen, zieht mindestens oder gar stärker in den Roman als die romantischen Abenteuer der Protagonistinnen. Denn gleich mehrere Liebesgeschichten sorgen für zusätzliche Spannung, die es bequem macht, den Roman in einem Rutsch durchzulesen. Und so manche Figur wächst dabei über sich hinaus und sorgt für überraschende Wendungen. Zwei Figuren wuchsen mir dabei besonders ans Herz. Lennart mit seiner geistigen Behinderung hat im richtigen Moment den richtigen Sprüche auf Lager und sorgt in den unmöglichsten Situationen für die nötige Portion Wahrheit. Gerstenberger hat es geschafft, mich für diesen Mann einzunehmen. Die zweite Figur ist Dario, der mit dem unverkennbaren italienischen Akzent spricht. Einfach spitze. Es macht Spaß, seine Dialoge zu lesen und seine Worte im Kopf nachklingen zu lassen.

Fazit: Liebenswürdige Figuren, die unheimlich ans Herz wachsen, Spannende Fragen, deren Antworten man wissen will, Nebenfiguren die man hassen muss. Trotz Streit und Konflikt präsentiert der Roman eine nette Atmosphäre. Beste Empfehlung meinerseits.

Stefanie Gerstenberger
Gelateria Paradiso
Random House Verlag, München

ISBN 9783453292178

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019
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