Montag, 20. Februar 2012

Messerscharf von Silvia Kaffke




Barbara Pross ist ein perfektes Beispiel für Menschen, die von ganz oben nach ganz unten abstürzen.
Sie war eine sehr erfolgsbesaitete BKA Ermittlerin, die als (in den Staaten geschulte) Profilerin in vielen Mordermittlungen absolut erfolgreich und von Kollegen und Vorgesetzten für ihren Instinkt und ihre Fähigkeiten sehr geschätzt war.
Doch die letzte Ermittlung hat sie zu einem seelischen Wrack gemacht, hat sie gefühlsmäßig zu sehr mitgenommen und sie hat sich für ein Jahr beurlauben lassen, in der Hoffnung sich zu erholen und wieder zu sich selbst zu finden.
Doch ihr Plan geht nicht auf. Sie lässt sich gehen und ihre Wohnung verwahrlost zusehends. Dreckige Wäsche, nicht gespültes Geschirr und Barbara Pross kann sich nicht aufraffen irgendetwas an ihrer Situation zu ändern.
Das einzige was ihr noch zu gefallen scheint ist, draußen zu sein. Sie lebt in Frankfurt und es zieht sie immer wieder hinaus in die Strassen und vor allem zum Bahnhof, wo sie sitzt und die Menschen beobachtet: Obdachlose, Drogenabhängige und Stricher.
Als sie wieder einmal am Hauptbahnhof rumhängt fällt ihr Blick zufällig auf eine Zeitung und die Schlagzeile „Mord in Düsseldorf“ zieht sie an. Einer spontanen Eingebung folgend kauft sie sich eine Zugfahrkarte nach Düsseldorf. Sie hat nichts dabei, nur die Klamotten die sie am Leibe trägt und ihr Portemonnaie mit ein wenig Geld darin.
In Düsseldorf angekommen weiß Barbara nun nicht, was sie eigentlich dort soll und natürlich auch nicht wo sie hin soll. Sie trifft die Obdachlose Doris, einst sorgende Mutter von zwei Kindern, die nun dem Suff erlegen ein Pennerdasein lebt. Doris nimmt Barbara mit in ihre Unterkunft. Sie ist sehr stolz darauf und Barbara darf niemandem davon erzählen. Nun, Barbara kennt sich in Düsseldorf nicht aus und es gibt auch niemanden dem sie etwas verraten könnte. Doris führt Barbara nach einem etwa einstündigen Fußmarsch in den Keller eines alten Bürogebäudes. Dort liegen Pappkartons auf dem Boden und es gibt Decken. Zumindest ist es trocken und halbwegs warm und da Barbara todmüde ist, schläft sie auch schnell ein. Als sie am nächsten Morgen aufwacht ist Doris verschwunden und ihr Portemonnaie dummerweise ebenfalls. Fein säuberlich aus der aufgetrennten hinteren Jeanstasche entwendet.
Barbara macht sich wieder auf den Weg und streift ziellos durch die Strassen, bis sie von einem plötzlichen Regenschauer überrascht wird. Nass bis auf die Knochen betritt sie eine Düsseldorfer Kneipe um sich aufzuwärmen. Der Zehnmarkschein reicht gerade noch für ein, zwei Tassen heißen Tee.
Die billige Anmache eines Typen in ihrem Alter blockt sie ab, doch als der ruhige, ernste Mann einige Tische weiter ihr eine heiße Gulaschsuppe anbietet sagt sie nicht nein. Warum nicht? Sie weiß es nicht, der seltsame Mann, mit seiner stillen, ruhigen aber dennoch aufmerksamen und beobachtenden Art ist ihr sympathisch. Irgendetwas hat er an sich, dass ihr ein gutes, geborgenes Gefühl vermittelt.
Während des Gespräches in der Kneipe stellt er sich ihr als Thomas Hielmann vor. Als er ihr anbietet mit zu ihr nach Hause zu gehen und dort zu übernachten, weil er ein Gästezimmer, Gästebett und vor allem eine heiße Dusche anzubieten hat, geht sie mit ihm. Warum tut sie das, sie weiß das in der Stadt ein Frauenmörder zugeschlagen hat und eigentlich müsste ihr Ermittlerinstinkt Alarm schlagen, doch das tut er nicht ….



Erschienen als
Taschenbuch
bei rororo
304 Seiten
Preis: 8,99 €
ISBN:  978-3-499-25679-0


© Buchwelten 2012

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