Mittwoch, 12. Oktober 2011

Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche von Alina Bronsky


Der zweite Roman von Alina Bronsky erzählt die Geschichte der schönen gebürtigen Tartarin Rosalinda, die mit Mitte vierzig eher unfreiwillig zur Großmutter wird. Rosalinda lebt gemeinsam mit Ihrem Ehemann Kalganow und Ihrer Tochter Sulfia in einer 3-Zimmer Wohnung im Russland der 70er Jahre. Ein Zimmer ist untervermietet, den Luxus dieser Wohnung können sie sich nur leisten, weil Kalganow Vorsitzender der Gewerkschaft ist. Irgendeinen Vorteil muss dieser Ehemann haben, denkt sich Rosalinda.
Rosalinda ist eine tartarische Schönheit. Schwarzes gepflegtes Haar, dunkle mandelförmige Augen, eine gute Figur. Stets ist sie gut gekleidet und ungeschminkt geht sie nicht einmal in ihre Küche. Ihre Tochter Sulfia findet sie eher enttäuschend. Sie ist hässlich, mickrig, naiv und Rosalinda kann sich eigentlich nicht erklären, wie sie an diese Tochter gekommen ist.

Sulfia ist 17 Jahre alt, als sie schwanger wird. Wie das passiert sein soll, können sich weder Mutter noch Tochter erklären. Rosalinda kann sich nicht vorstellen, dass irgendein Mann ihre Tochter überhaupt freiwillig anfasst und Sulfia kann es sich nur erklären im Traum schwanger geworden zu sein. Ähnlich wie die unbefleckte Empfängnis der heiligen Jungfrau Maria.

Rosalinda versucht alles in ihrer Macht stehende, dieses Kind abzutreiben. Aber alle ihrer Hausmittelchen und heisse Bäder nutzen nichts. Sie lässt ihre Mitbewohnerin eine Abtreibung vornehmen, dies misslingt ebenso. So wird Sulfia mit 17 Mutter und Rosalinda mit Mitte 40 Großmama. Sie sieht sich gar nicht für diese Rolle gemacht, schon gar nicht so jung wie sie ist aber dann erblickt sie das erste Mal ihre Enkeltochter und sie schmilzt in der ersten Sekunde vor Liebe dahin. Sie entdeckt Gefühle für dieses Neugeborene, die sie für ihr eigenes Kind nie empfunden hat.
Vielleicht liegt es daran, dass dieses kleine Mädchen ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist? Eine kleine Rosalinda, die von ihrer Großmutter den schönen tartarischen Namen Aminat erhält. Vom Moment ihrer Geburt beginnt Rosalinda darum zu kämpfen, dass Aminat ein gutes Leben hat, in ordentlichen Verhältnissen aufwachsen soll und ihre alle Türen in ihrem Leben offen stehen.

Doch wie sieht das die leibliche Mutter Sulfia, ist sie der gleichen Ansicht wie Rosalinda oder hat diese eventuell ihre eigenen Vorstellungen der Zukunft ihrer Tochter?


Weiterlesen ...


Erschienen als
gebundene Ausgabe
imVerlag
Kiepenheuer & Witsch
320 Seiten
Preis: 18,95 €
ISBN: 978-3-462-04235-1


© Buchwelten 2011

Keine Kommentare: