Samstag, 10. Dezember 2016

Philippe Georget - Rabenschwarzer Winter

In der Vorweihnachtszeit muss sich Lieutnant Gilles Sebag der Tatsache stellen, dass seine Frau Claire ihn mit einem Lehrerkollegen betrügt. Zutiefst verletzte versucht er seine Verzweiflung in Whisky zu ertränken. Auch in seiner Dienststelle, dem kleinen Kommissariat in Perpignan lässt ihn dieses Thema nicht los. Ein Mann, der seine Tat gesteht, hat seine untreue Ehefrau nach ihrer mittäglichen Verfehlung im Hotelzimmer erschossen. Irgendetwas scheint aber an diesem Geständnis nicht zu stimmen. Als sich ein Mann vom Balkon stürzt und ein anderer sich in seinem Haus zusammen mit seiner Lebensgefährtin in die Luft sprengen will, müssen er und seine Kollegen Francois Menard, Jacques Molina und Julie Sadet ran. Lange finden sie keinen Zugang zu den Fällen, die doch zusammenzuhängen scheinen. Bis der entscheidende Hinweis von Thierry Lambert kommt.


Der Krimi lässt sich leicht und flüssig lesen. Durch das langatmige Eintauchen in Gilles Sebags Privatleben allerdings gerät die Spannung, die langsam aufgebaut wird, immer wieder in seichteres Fahrwasser. Und bei mir hat sich eine gewisse Langeweile eingeschlichen. Durch die vielen Dialoge zwischen den Ermittlern bin ich auf der anderen Seite voll in die Polizeiarbeit eingebunden.
Die Protagonisten haben sich durch die bildhaften Beschreibungen, ihre Eigenheiten und ihr privates Umfeld, das mir hier und da etwas zu viel war, bald in meinen Gedanken festgesetzt.
Die Geschichte ist gut aufgebaut und wird schlüssig gelöst. Alle meine Fragen, die sich beim Lesen angesammelt hatten, werden beantwortet.
In ganz knappen Kapiteln wird jemand vorgestellt, der sich The Eye nennt. Seine Rache hat erst begonnen. Er scheint von Hass getrieben, muss sich in Geduld üben, hat ein gutes Gedächtnis und eine gute Intuition. Ansonsten gibt es vorerst nur vage Erklärungen, die erst zum Schluss zu einem Ermittlungsergebnis führen.
Die Beschreibungen von langen Stränden, Obstplantagen, Weingärten und Artischockenfeldern lassen farbige Bilder in meinem Kopf entstehen.

Trotz einiger kleiner Unzulänglichkeiten hat mich das Buch gut unterhalten. Die ersten beiden Fälle von Gilles Sebag und seiner Mannschaft werde ich bestimmt auch noch lesen.
Georget , Philippe
Rabenschwarzer Winter

Ullstein Verlag, Berlin
ISBN
9783548288482

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© Gaby Hochrainer, München 2016

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Roland Krause - Hurenballade: Dreizehn Stories

In seinem Buch „Hurenballade“ hat Roland Krause 13 Kurzgeschichten zusammen gefasst. Ob kriminell, erotisch, traurig, sentimental, romantisch oder es um rote Schuhe geht. In jeder Story kann ich mitfiebern, ist eine gewisse Spannung vorhanden. Roland Krause beschreibt farbige Bilder, die ich sofort im Kopf habe und schillernde Figuren, die so charakteristisch und eindeutig sind, dass ich auch sie mir sofort vorstellen kann.

Ich habe mitgefiebert, mitgelitten, konnte Schmerzen fast spüren und hätte der/dem ein oder anderen gerne eine Watschn verpasst. Aber auch die schönen Momente kommen hier sehr gut raus und ich habe sie genossen.

Ein Buch mit 13 spannenden und unterhaltsamen Stories, das ich sehr gerne weiter empfehle.

Krause, Roland
Hurenballade: Dreizehn Stories

Balaena Verlag, Landsberg
ISBN: 9783981266160

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© Gaby Hochrainer, München 2016

Dienstag, 6. Dezember 2016

Katrin Rodeit - Alles schläft, einer wacht!

Ulm in der Vorweihnachtszeit rund um das Ulmer Münster. Bratwurst- mischt sich mit Glühweinduft. Marktbuden und -stände reihen sich aneinander. Dort will Tobias Kohler seine im Bodensee verschollene Frau Silvia auf einer winzigen Filmsequenz als Putzfrau gesehen haben.

Privatdetektivin Jule Flemming, die nach einer Auszeit wegen ihres letzten Falles wieder mit ihrer Arbeit anfangen will, mag den Mann, der so sehr um seine Frau trauert, nicht abweisen und stößt bei ihren Ermittlungen auf Hinweise, die in die Vergangenheit deuten…

Dies ist bereits der vierte Fall, bei dem ich Jule Flemming bei ihrer Ermittlungsarbeit über die schulter schauen darf. Und diesmal bin ich noch ein klein wenig begeisterter, wie bei den anderen Büchern. Denn hier macht Jule Flemming eine private Wandlung durch, die mir sehr gut gefallen hat. Sie beginnt Gefühle zuzulassen, macht ihr Herz, das sie bisher unter Verschluss gehalten hat, langsam auf. Das fand ich wunderbar.

Der Fall, an dem sie diesmal arbeitet, ist von Anfang an spannend und gut nachvollziehbar aufgebaut. Der Spannungsbogen hält sich durch die Wendungen, die die Autorin einbaut und die mich immer mal wieder auf eine andere Spur führen, durchgehend hoch. Ich musste meine Tätertheorie ein paar mal revidieren. Der Schluss und die Aufklärung waren wie immer spannend und muss zugeben, ich wäre ohne Jules Hilfe nicht auf den Täter gekommen.

Vor allem auch durch die vielen Dialoge und Gespräche lasse mich noch viel mehr in der Geschichte hineinziehen und bin sehr schnell mittendrin.

Ich habe mich schon so auf die mir bereits bekannten Personen gefreut:

Jules Mama, naja, ich möchte sie nicht haben. Aber irgendwie ist sie trotzdem lieb, wie sie in ihrer ihr so eigenen Art immer wieder auf Familie zu machen.

Den kleinen Leon, der jetzt einen Hund bekommen hat, mit dem er bei der Erziehung noch viel Arbeit haben wird.

Die Leute aus der Jazzkneipe, allen voran Andreas und Lou. Aber auch Cosima, die sich outet und hier Jules bzw. Andreas Hilfe braucht. Leute, ich vermisse euch jetzt schon.

Und natürlich Mark, der es endlich geschafft hat, dass Jule sich ein ganz klein wenig öffnet.

Aber auch alle anderen handelnden Personen hat Katrin Rodeit mit ihren farbigen, sehr lebendigen Beschreibungen Leben eingehaucht, so dass ich sie bald vor meinem inneren Auge gesehen habe.

Ich habe wieder einen Krimi gelesen, der alles hat, was ich so liebe: einen spannenden Fall, ein kleines bisschen Romantik und Liebe, Freundschaft, eine Prise Humor und alles in einer Dosis, die das Lesen des Buches zu einem absoluten Hochgenuss macht.

Danke Katrin Rodeit für mal wieder richtig tolle Lesestunden.


Rodelt, Katrin
Alles schläft, einer wacht!

Gmeiner Verlag, Meßkirch
ISBN 9783839219188

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© Gaby Hochrainer, München 2016

Sonntag, 4. Dezember 2016

Antonia Hodgson: Der Galgenvogel

Diesen Roman als Kriminalroman zu bezeichnen, wäre nicht das richtige Wort. Er ist eher ein Ganovenroman. Denn im Mittelpunkt steht Tom Hawkins, ein Mann, der in den Tag hineinlebt, nichts Richtiges mit sich anzufangen weiß und das Geld seiner Freundin verprasst. Denn Kitty hat eine große Erbschaft gemacht und ist Inhaberin einer kleinen, verruchten Buchhandlung, die unterm Ladentisch pornographische Bücher vertreibt und regelmäßig von den Sittenwächtern kontrolliert wird.



Es wird das Jahr 1728 geschrieben im London des Lebemanns und Spielers Tom Hawkins. Der Dreck und Gestank in den Gassen, die Straßenräuber und Beutelschneider, sowie der Umgang der Menschen untereinander erinnern an die Szenerie in den Romanen von Charles Dickens und Daniel Defoe. Die Autorin hat ihren Roman in zwei Stränge strukturiert. In der Gegenwart wird von einem Erzähler der Weg Tom Hawkins zu dessen Hinrichtung in Tyburn geschildert. Dieser Strang ist für den Leser zusätzlich durch Kursivschrift abgegrenzt. Der zweite, und bei weitem längere, Strang wird vom Protagonisten selbst erzählt und ist eine Rückblende. Er geht der Frage nach, wie es dazu kommen konnte. Damit ist ein gehöriges Stück Spannung geschaffen, die vom ersten bis zum letzten Kapitel reicht. Wie auch bei dem französischen Ganoven Cyrano de Bergerac taucht der Leser in eine Welt ein, die voller Schmutz, Gestank, Vulgärsprache und Verbrechen zu sein scheint. Dabei ist an den Verhaltensweisen der einzelnen Figuren immer wieder erkennbar, dass sie auch liebevoll miteinander umgehen können und ihre Grobheit lediglich nach außen zur Schau getragen wird. Das ist die Strategie zum Überleben, zum Existieren in der Gesellschaft.

Die Figur des Protagonisten Tom Hawkins wurde bereits im ersten Roman "Das Teufelsloch" der Autorin entwickelt. Dadurch kann Hawkins in diesem Roman bereits auf Erfahrungen zurückgreifen. Das vorhergehende Buch zu lesen, ist aber nicht zwingend notwendig für das Verständnis. Sein Weg zum Galgen wird von einem Mord verursacht. Die Aufklärung dieses Mordes strebt der Protagonist selbst an. Damit wird der Roman schließlich doch ein Ermittlungsroman. Der Leser wird im Verlauf ständig auf neue Verdächtige geführt, auf neue Fährten gelenkt. Hodgson schafft ein fantastisches Verwirrspiel mit detailtreuer Milieustudie. Über die Handlung hinaus klärt die Autorin in einem kurzen Abriss am Ende des Buches über die historischen Hintergründe auf. Eine nette Beigabe, welche gelegentlich zu einem "Aha" führen kann.

Dieser Roman ist ein empfehlenswerter Weihnachtsschinken,. So, wie ich an den Festtagen sehr gerne historische Filme sehe, lese ich auch gerne solche Romane. Deshalb hatte mir "Der Galgenvogel" auch schon wenige Wochen vor Weihnachten ein Gefühl von Weihnachten vermittelt.


Hodgson, Antonia
Der Galgenvogel
Droemer Knaur Verlag, München

ISBN 9783426653463

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© Detlef Knut, Düsseldorf 2016

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Daniela Wolff - Möhrenmord

Nur knapp entgeht der bekannte Fernsehkoch Claus Pfeifer einem Attentat, als ein Herd explodiert. Bei einer seiner Kochshows auf der "Consumenta" in Hannover stirbt sein Freund und Messemitarbeiter Bernd Schneider. Galt auch dieser Anschlag Pfeifer? Werbeassistentin Sonia Assmer, Angestellte der Messe Hannover, vermutet mehr dahinter und ermittelt auf eigene Faust. Was sie dabei heraus findet, bringt auch sie in nicht unerhebliche Gefahr.

Daniela Wolff nimmt mich in 37 Kapiteln von Sonntag, 23.09. - Freitag 2.11.2012 in einem zum großen Teil unaufgeregten Krimi mit in die Welt der Messe. Die Geschichte wird aus Sicht von Sonia Assmer erzählt. Da ich von ihr auch sehr viel Privates erfahre und immer wieder neben ihr am Messeschreibtisch stehe, lerne ich sie sehr gut kennen und verstehen.
Aber auch die anderen Protagonisten sind so anschaulich skizziert, dass ich bald eine klare Vorstellung von ihnen habe.

Ich hätte vielleicht doch erst die ersten beiden Messekrimis lesen sollen, um schneller in die Geschichte hinein zu kommen. Ein Muss ist es allerdings nicht.

Die leichte und lockere Schreibweise der Autorin lassen die Seiten nur so dahin fliegen. Zuerst habe die Spannung eines Krimis vermisst. Das verging aber schnell, da die Protagonisten und das ganze Drumherum ebenso spannend ist, wie der Fall ansich. Außerdem mag ich es gern, wenn sich ein Krimi etwas unaufgeregter liest.

Die Geschichte selbst finde ich gut ausgearbeitet und den Kriminalfall bzw. die Kriminalfälle nachvollziehbar gelöst. Beim Lesen der eingefügten Zeitungsartikel werde ich auch auf den Stand der polizeilichen Ermittlungen gebracht. Gut gefallen mir auch die Erklärungen zu einigen Sprichworten, die hier und da fallen.

Mir hat der Krimi insgesamt gesehen gut gefallen. Vielleicht hätte man den ein oder anderen Verdächtigen, der dann sowieso wieder verschwunden ist, weglassen können. Auch die ein oder andere Büroszene hat mich vom Fall selbst etwas abgelenkt. Trotzdem freue ich mich schon heute auf eine Fortsetzung der Messekrimis, die sich zum Schluss dieses Falles schon andeutet.

Wolff, Daniela
Wer nach den Sternen greift

Books on Demand, Norderstedt
ISBN
9783741266560

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© Gaby Hochrainer, München 2016

Dienstag, 29. November 2016

Beate Maly - Tod am Semmering

Ernestine Kirsch bekommt zwei Karten für einen Wohltätigkeits-Tangokurs im Grandhotel Panhans am Semmering geschenkt. Zusammen mit Anton Böck, den sie dazu überreden kann mitzufahren, erlebt sie dort einige Tage, die die Beiden nicht so schnell vergessen werden. Zusammen mit 12 weiteren Tanzwilligen, dem wenigen Hotelpersonal und den Musikern müssen sie eingeschneit im Hotel verharren. Als dann ein erstes Todesopfer zu beklagen ist, liegen die Nerven bald schon blank. Aber Ernestine ist die Ruhe selbst und verpflichtet Anton ihr bei den Ermittlungen mangels Polizei zur Seite zu stehen.

Beate Maly erzählt in einer so farbigen und gut vorstellbaren Sprache, dass ich alles direkt vor mir sehe. Die Dialoge und Gespräche ziehen mich magisch in die Geschichte rein. Am liebsten würde ich meine Kommentare hier und da dazu abgeben.

Interessante, vielschichtige und sehr unterschiedliche Charaktere farbig geschildert ziehen in meinen Kopf ein. Besonders leid tut mir hier die junge Mietzi, die als Zimmermädchen im Hotel ihr Geld verdient.

Politische Einflüsse halten in die Geschichte genauso Einzug, wie ein wenig Romantik, Humor, die sehr gut beschriebene Atmosphäre im Hotel, vielfältige kulinarische Genüsse und vor allem die Suche nach dem Motiv des Täters. Als dieser dann gefunden ist, war ich sehr überrascht, konnte sein Motiv aber sehr gut nachvollziehen.

Ein wunderbarer historischer Krimi mit einer spannenden Geschichte und gut recherchierten Hintergründen.


Maly, Beate
Tod am Semmering

emons Verlag, Köln
ISBN
9783954519958

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© Gaby Hochrainer, München 2016